{"id":11024,"date":"2025-10-09T12:26:39","date_gmt":"2025-10-09T10:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/?p=11024"},"modified":"2025-10-09T12:26:54","modified_gmt":"2025-10-09T10:26:54","slug":"wissens-und-kulturtransfer-durch-literatur-diskussion-im-rahmen-des-deutsch-polnisches-forums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2025\/10\/09\/wissens-und-kulturtransfer-durch-literatur-diskussion-im-rahmen-des-deutsch-polnisches-forums\/","title":{"rendered":"Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur | Diskussion im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur. Gespr\u00e4che mit Literatur\u00fcbersetzern, Verlegern, Literaturvermittlern, Kritikern und Vertretern von \u00dcbersetzungsf\u00f6rder- ungseinrichtungen im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums \u201eGemeinschaft f\u00fcr schwierige Zeiten\u201c<\/em><br \/><\/strong><br \/><em>Transkript des Gespr\u00e4chs vom 5. Juni 2025 im Polnischen Institut Berlin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An dem Gespr\u00e4ch nahmen teil:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcrgen Jakob Becker<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen \u00dcbersetzerfonds<br><strong>Grzegorz Jankowicz<\/strong>, Direktor des Polnischen Buchinstituts<br><strong>Lisa Palmes<\/strong>, \u00dcbersetzerin polnischer Literatur ins Deutsche<br><strong>Zofia Sucharska<\/strong>, \u00dcbersetzerin deutscher Literatur ins Polnische<br><strong>Katharina Raabe<\/strong>, Suhrkamp Verlag<br><strong>Monika Sznajderman<\/strong>, Czarne Verlag<\/p>\n\n\n\n<p>Moderation: <strong>Natalia Pr\u00fcfer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Transkription und Redaktion: Helena Voelker, Natalia Pr\u00fcfer, Karolina Golimowska<\/p>\n\n\n\n<p>Katarzyna Sitko<br>Nach langer Pause kehrt das Deutsch-Polnische Forum in den Kalender der wichtigsten regelm\u00e4\u00dfigen Veranstaltungen zur\u00fcck. Es wird von der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit im Auftrag der Au\u00dfenministerien der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland durchgef\u00fchrt. Neben zahlreichen Podiumsdiskussionen zu Themen wie internationale Sicherheit, Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Wirtschaft und Zukunft der Europ\u00e4ischen Union, findet auch diese Veranstaltung zum Thema Kultur statt. Genauer gesagt, geht es dabei um die Rolle literarischer \u00dcbersetzungen f\u00fcr das gegenseitige Verst\u00e4ndnis und die Wahrnehmung von Polen und Deutschen. Ich freue mich sehr, dass wir als Polnisches Institut aktiv an der Durchf\u00fchrung des diesj\u00e4hrigen Forums mitwirken konnten und dabei vom Deutschen \u00dcbersetzerfonds unterst\u00fctzt wurden. Zu der Diskussion haben wir Vertreter:innen von Verlagen, Institutionen, die \u00dcbersetzungen f\u00f6rdern, Literatur\u00fcbersetzer:innen, Literaturf\u00f6rderer:innen und nat\u00fcrlich Leser:innen eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>\u201eGemeinschaft f\u00fcr schwierige Zeiten\u201c \u2013 so lautet der Titel des diesj\u00e4hrigen Deutsch-Polnischen Forums. Es d\u00fcrfte niemanden \u00fcberraschen, wenn ich sage, dass wir derzeit in wirklich schwierigen und unsicheren Zeiten leben. Parallel zu unserer Podiumsdiskussion finden derzeit Gespr\u00e4che \u00fcber Sicherheit, Politik und Kriege statt. Ich bin froh, dass die Organisator:innen das Thema Kultur und kultureller Austausch nicht aufgegeben haben, auch wenn es heute banal erscheinen mag und kaum jemand es f\u00fcr notwendig h\u00e4lt. Es gibt einige wichtige Themen, die ich in der heutigen Diskussion ansprechen m\u00f6chte. Eines davon ist das Ungleichgewicht bei \u00dcbersetzungen aus verschiedenen Sprachen ins Polnische und ins Deutsche.<br>Die neuesten Daten zu Literatur\u00fcbersetzungen ins Polnische stammen aus dem Jahr 2023 und sind durchaus interessant. So zeigt sich, dass 2.881 B\u00fccher aus dem Englischen \u00fcbersetzt wurden. An zweiter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 590 B\u00fcchern, an dritter Stelle die deutsche Sprache, also deutschsprachige Literatur aus der Schweiz, \u00d6sterreich und Deutschland. Mit nur 149 Titeln erscheinen diese Ungleichgewichte recht gro\u00df. In Deutschland wurden im Jahr 2022 hingegen 5178 B\u00fccher aus dem Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt. An zweiter Stelle steht die japanische Sprache mit 1.120 B\u00fcchern, was ich mit gro\u00dfem Interesse zur Kenntnis genommen habe. An dritter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 94 Titeln. Die polnische Sprache habe ich in dieser Aufz\u00e4hlung gar nicht gefunden. Ich sch\u00e4tze, dass es einige Dutzend Titel pro Jahr sind. Solche Untersuchungen wurden bis zum Jahr 2020 vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt durchgef\u00fchrt. Ich wei\u00df, dass diese Liste bald wieder aufgenommen und aktualisiert wird. Wie interpretieren Sie diese Daten?<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Ich freue mich, dass wir uns treffen k\u00f6nnen, um \u00fcber Literatur zu sprechen. Sie ist, meiner Meinung nach, ein nicht offensichtliches, aber sehr wirksames Instrument, um die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland zu vertiefen. Derzeit erscheinen in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 40 \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen. Das Buchinstitut aus Krakau unterst\u00fctzt diese Art von Aktivit\u00e4ten. Wie ist diese Situation zu interpretieren? Je mehr verschiedene Instrumente \u2013 sowohl institutioneller als auch finanzieller Art \u2013 zur Verf\u00fcgung stehen, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Austausch zwischen den Literaturkulturen beider L\u00e4nder sein. Es ist auch sehr wichtig, dass Initiativen, die auf Verlagsebene ergriffen werden, auf der Ebene der Werbung ihre Fortsetzung finden. Die Tatsache, dass wir ein Buch unterst\u00fctzen, das in deutscher Sprache erscheint \u2013 meist in sehr ambitionierten, oft experimentierfreudigen Verlagen \u2013, bedeutet nicht, dass dieses Buch einen breiteren Vertrieb findet. Hier in Deutschland braucht es ein zus\u00e4tzliches Sprungbrett.<br>Ich m\u00f6chte hinzuf\u00fcgen, dass die deutsch-polnischen Beziehungen einen wichtigen historischen Kontext f\u00fcr das Buchinstitut darstellen. Die Idee f\u00fcr unsere Kulturinstitution entstand schlie\u00dflich Ende der 1990er Jahre im Zusammenhang mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Teilnahme Polens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2000. Verantwortlich f\u00fcr diese Initiative war Albrecht Lempp, der sp\u00e4ter Leiter der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit wurde. Er sprach nie von \u201edeutscher \u201d oder \u201epolnischer\u201d Literatur, sondern von \u201eunserer polnischen Literatur\u201d und \u201eunserer deutschen Literatur\u201d. Damit beseitigte er vor allem die mentalen Grenzen zwischen den Kulturkreisen. Bis heute vergeben wir das bilaterale Albrecht-Lempp-Stipendium. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung der polnischen Literatur auf Buchmessen in Deutschland. Allerdings kann man nie genug Instrumente zur F\u00f6rderung haben und die Intensit\u00e4t dieser Aktivit\u00e4ten sollte st\u00e4ndig verst\u00e4rkt werden. Ich m\u00f6chte au\u00dferdem betonen, dass es weitere Instrumente gibt, mit denen die polnische Literatur in Deutschland gef\u00f6rdert wird. So gibt es beispielsweise das Josepha Literaturstipendium f\u00fcr polnische Schriftsteller:innen. In der Jury dieses Stipendiums sitzen \u00dcbersetzer:innen, Verleger:innen und F\u00f6rderer aus Polen und Deutschland. Das ist gro\u00dfartig!<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Um die Interpretation der zu Beginn genannten Zahlen bitte ich Herrn J\u00fcrgen Becker. Wir m\u00f6chten betonen, dass der Deutsche \u00dcbersetzerfonds nicht nach den gleichen Grunds\u00e4tzen wie das Buchinstitut arbeitet und Verlage nicht direkt unterst\u00fctzt. Ich bin mir jedoch sicher, dass Sie auch etwas zur Anzahl der aus dem Deutschen ins Polnische \u00fcbersetzten B\u00fccher sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Becker<br>Die genaue Statistik steht mir nicht zur Verf\u00fcgung. Ich w\u00fcrde es auch gerne wissen, wie viele \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche es aktuell gibt. Es werden aber 40 bis 60 B\u00fccher pro Jahr sein. Im Ranking der L\u00e4nder bzw. der ins Deutsche \u00fcbersetzten fremdsprachigen Werke taucht Polen auf dem Gesamtmarkt, glaube ich, auf Platz zw\u00f6lf auf. Also unter den Top Ten ist es nicht. Wir vergeben Stipendien an Literaturbersetzer:innen. Das hei\u00dft, wir geben das Geld nicht an Verlage, sondern direkt an die \u00dcbersetzer:innen in Form von Stipendien. So k\u00f6nnen sie m\u00f6glichst viel Zeit in ihre Arbeit investieren und qualitativ hochwertige \u00dcbersetzungen erstellen. Wir schaffen sozusagen ein Bew\u00e4sserungssystem f\u00fcr diesen \u00dcbersetzerberuf, damit er auf hohem Niveau funktionieren kann. Fast \u00fcberall auf der Welt wird am meisten aus dem Englischen \u00fcbersetzt. Das ist kein \u00fcberraschender Befund. Ungef\u00e4hr 60 bis 70% entfallen auf das Englische, die anderen 30 bis 40% teilen sich auf alle anderen Fremdsprachen. Das ist seit der Nachkriegszeit so, es hat also keinen Sinn, sich dar\u00fcber zu beklagen. Viele afrikanische, auch asiatische Autor:innen schreiben auf Englisch. Dadurch entsteht gewisserma\u00dfen eine globale Literatur, die nat\u00fcrlich interessant ist und auch bei uns in gro\u00dfer Zahl ankommt. Ich habe den Eindruck, dass \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche auf hohem Niveau stattfinden. Wenn ich mir anschaue, was hier in Deutschland von Joanna Bator, Tomasz R\u00f3\u017cycki, Olga Tokarczuk, Urszula Honek, Ziemowit Szczerek und Tadeusz D\u0105browski erscheint, dann sind das doch eigentlich die wichtigen Stimmen der polnischen Literatur. Das ist doch eigentlich auch normal, wenn nicht jedes Deb\u00fct sofort ins Deutsche \u00fcbersetzt wird. Das Niveau der professionellen Literatur\u00fcbersetzer:innen ist sehr hoch: Olaf K\u00fchl, Renate Schmidgall, Esther Kinsky, Lisa Palmes, Bernhard Hartmann oder Thomas Weiler, um nur ein paar zu nennen, sind exzellente Vertreter:innen ihres Fachs. Das hei\u00dft, die Voraussetzungen f\u00fcr eine gute Vermittlung dieser Literatur sind auf jeden Fall gegeben. Ob es jetzt Platz sechs, sieben oder f\u00fcnf in einem internationalen Ranking ist \u2013 das ist, glaube ich, zweitrangig.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Marcin Piekoszewski, der Gr\u00fcnder der Buchhandlung buchbund im Berliner Stadtteil Neuk\u00f6lln, hat hier im Polnischen Institut offen gesagt, dass sich die Deutschen nur dann f\u00fcr polnische Literatur interessieren, wenn sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg oder den wiedergewonnenen Gebieten befasst. Andernfalls sei es ziemlich schwierig, deutsche Verlage davon zu \u00fcberzeugen, etwas aus Polen zu ver\u00f6ffentlichen. Stimmen Sie dieser These zu?<\/p>\n\n\n\n<p>Katharina Raabe<br>Ehrlich gesagt, glaube ich, dass Marcin das im Kontext einer bestimmten Gespr\u00e4chssituation polemisch zugespitzt hat. In den Verlagen suchen wir nicht nach Themen, sondern nach guter Literatur und herausragender Sprache. Ich habe mir die Zahlen angeh\u00f6rt und wieder gedacht, dass durch solche Statistiken ein verzerrtes Bild entsteht. Denn wir m\u00fcssen uns klarmachen: Anders als in vielen anderen Sprachr\u00e4umen, ist die polnische Literatur in all ihrer Vielfalt seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des literarischen Lebens und der Buchkultur in Deutschland. Sie wird klug und engagiert entdeckt und \u00fcbersetzt. J\u00fcrgen Becker hat das eben schon angedeutet. Nat\u00fcrlich haben wir eine bestimmte Idee von der polnischen Gegenwartsliteratur, die sich im Grunde auf bestimmte Elemente bezieht. Das eine ist, dass die ehemals von Deutschen bewohnten Gegenden Polens in jeder polnischen Autorengeneration seit 1989 neu entdeckt werden. Der gr\u00f6\u00dfte Bucherfolg auf dem deutschsprachigen Markt im Jahr 2023 war Karolina Kuszyks Buch \u201eIn den H\u00e4usern der Anderen\u201d \u2013 eine Mischung aus lebendiger Erz\u00e4hlung und Reportage. F\u00fcr die einzigartige Qualit\u00e4t der polnischen Reportage-Schule hat uns unser Freund Martin Pollack seit vielen Jahren sensibilisiert. Das andere ist die Entdeckung des komplexen historischen Raums: die historischen Verwerfungen, die Grenzen: Oberschlesien, Niederschlesien, die Beskiden, der Osten, Ostgalizien \u2013 das sind Gegenden, in denen die Leser dank der polnischen Literatur Geschichtsreisen unternehmen k\u00f6nnen.<br>Ich m\u00f6chte auch daran erinnern, dass es eine neue Bewegung gibt: die sogenannte \u00d6kopoetik. In gewisser Weise ist das eine Fortf\u00fchrung der Geopoetik, die durch Autoren wie Andrzej Stasiuk und seinen ukrainischen Freund Juri Andruchowytsch geschaffen wurde. Wir beobachten das sehr aufmerksam und auch dank der Kompetenz unserer \u00dcbersetzer:innen mit gro\u00dfem Interesse. Ich bin immer heilfroh, wenn B\u00fccher nicht nur deshalb gelesen werden, weil sie aus Polen, Slowenien, der Ukraine oder Vietnam kommen, sondern weil sich die Namen der Autor:innen durchgesetzt haben und man etwas mit ihnen verbindet: \u201eAha, das ist jetzt das n\u00e4chste Buch von Ziemowit Szczerek oder hier kommt eine neue Bator.\u201d Ich kann gar nicht alle aufz\u00e4hlen, die sich in den letzten zwanzig und mehr Jahren bei uns etabliert haben. Und wie bereits gesagt, gibt es in dieser Szene Buchhandlungen, engagierte Verlage und einen sehr engen Austausch zwischen der deutschen und der polnischen Verlagsszene. Wir haben also keinen Grund zu klagen. Ich will noch auf etwas Wichtiges hinweisen: Polnisch ist eine Schl\u00fcsselsprache, um die Literaturen \u201eweiter \u00f6stlich\u201c zu erschlie\u00dfen, etwa die belarussische oder die litauische. Auch die ukrainischen Autor:innen fanden vor \u00fcber 20 Jahren \u00fcber Polen auf unseren Markt: Niemand bei uns las damals kompetent Ukrainisch; Urteile \u00fcber neue Texte erfolgten auf der Grundlage von \u00dcbersetzungen ins Polnische. So beklagenswert war damals die Lage der ukrainischen Literatur in Deutschland. Wir hatten nie genug \u00dcbersetzer:innen und nie einen solchen historischen Tiefenraum, den man erforschen konnte, wie das in Polen der Fall war. Doch das hat sich inzwischen ge\u00e4ndert. Also kein Grund zu klagen &#8211; weitermachen!<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Becker<br>Ich kann das nur best\u00e4tigen. Wie ich vorhin schon sagte, sehe ich das Ganze auf einem ziemlich hohen Niveau. Mit Olga Tokarczuk gibt es eine Nobelpreistr\u00e4gerin, die auch in Deutschland die S\u00e4le f\u00fcllt, wenn sie Lesungen gibt. Vor zwei Wochen hatten wir eine Lesung mit Szczepan Twardoch im Literarischen Colloquium, das Haus war ausverkauft. Ja, es ist wirklich sehr viel los. Es gibt Zugpferde und alle m\u00f6glichen Satellitenaktionen, wie zum Beispiel die Neu\u00fcbersetzung von Klassikern: Werke von Boles\u0142aw Prus, Maria Kuncewiczowa, Andrzej Bobkowski \u2013 sind alle in den letzten Jahren in deutschen Verlagen erschienen, was ich sehr beachtlich finde. Man geht nicht in die Buchhandlung und sagt: \u201eEndlich mal ein Buch \u00fcber den Zweiten Weltkrieg von den Polen.\u201d Das ist ja kein Suchschema, mit dem man in die Buchhandlung geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Diese von Marcin Piekoszewski zitierte \u00dcberzeugung ist wahrscheinlich eines der Stereotype, das sich im Laufe der polnisch-deutschen Beziehungen im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft verfestigt hat. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Aktivit\u00e4ten der deutschen Verlage. Diese bitten uns n\u00e4mlich um finanzielle Mittel zur F\u00f6rderung der Prosa von Autor:innen wie Dorota Mas\u0142owska, Grzegorz Kasdepke, Zofia Na\u0142kowska, Magdalena Parys, Maciej Siembieda, Adam Mickiewicz, Sabina Jakubowska, Stefan Grabi\u0144ski, Ishbel Szatrawska und Zyta Rudzka. Was fehlt? Wie ich bereits sagte, es fehlt ein Sprungbrett f\u00fcr die Werbung, also eine M\u00f6glichkeit, neue Geschichten in die deutsche Kultur und gesellschaftliche Diskussionen einzubringen und somit die Grenzen enger intellektueller Kreise und Lesergemeinschaften zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Das Thema Werbung ist generell sehr wichtig, insbesondere im Hinblick auf Literatur in Polen und Deutschland. Ich wende mich nun an Frau Monika Sznajderman, die Mitbegr\u00fcnderin des in Polen sehr bedeutenden und bekannten Verlags Czarne. Wie oft erreichen Sie deutschsprachige Texte? Und was entscheidet dar\u00fcber, ob sie ver\u00f6ffentlicht werden oder nicht? F\u00fcr welche deutschsprachigen Autoren entscheidet sich der Verlag Czarne beispielsweise?<\/p>\n\n\n\n<p>Monika Sznajderman<br>Zugegeben, es sind wenige. Ja, manchmal schicken \u00dcbersetzer:innen ihre Vorschl\u00e4ge, aber deutsche Literatur ist nicht die erste Wahl. Vor etwa 20 Jahren haben wir in unserer Reihe \u201eInna Europa, inna literatura\u201d (\u201eAnderes Europa, andere Literatur\u201c) viel deutsche Literatur ver\u00f6ffentlicht. Als ich mir diese Namen noch einmal angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass es von Anfang an vor allem Namen von Autor:innen mit Migrationshintergrund waren, die aus der T\u00fcrkei, aus Ungarn und aus Rum\u00e4nien nach Deutschland gekommen waren. Sie stellten eine interessante Herausforderung f\u00fcr die \u00dcbersetzenden dar, da sie die Sprache von innen heraussprengten und ver\u00e4nderten. Dies erm\u00f6glichte keine einfachen L\u00f6sungen, sondern zwang die \u00dcbersetzer:innen, nach einer neuen Sprache zu suchen. Mich selbst interessiert, warum es in Polen so wenig deutsche Literatur gibt, w\u00e4hrend die \u00f6sterreichische Literatur einen Kultstatus hat. Ich habe mit vielen Menschen dar\u00fcber gesprochen und die meisten von ihnen best\u00e4tigten, dass die \u00f6sterreichische Literatur in Polen einen anderen Bezug zur Vergangenheit hat. Die preu\u00dfische Teilung war nicht so \u201ecool\u201d wie die \u00f6sterreichische, an die viele Menschen aufgrund ihrer Familienerinnerungen noch immer irgendwo in ihrem Herzen gebunden sind. Der Verlag Czarne hat Reportagen von Reportern wie Wolfgang Bauer und Wolfgang B\u00fcscher ver\u00f6ffentlicht und wird in K\u00fcrze Peter Flamm ver\u00f6ffentlichen. Nat\u00fcrlich setzen wir auch die Ver\u00f6ffentlichung von Herta M\u00fcller fort. Wenn wir jedoch nach jungen literarischen Stimmen suchen, suchen wir sie eher nicht unter deutschen Schriftsteller:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Ich werde den Literatur\u00fcbersetzerinnen also eine \u00e4hnliche Frage stellen. Reicht Ihr Eure \u00dcbersetzungsvorschl\u00e4ge bei Verlagen ein? Wie reagieren diese darauf?<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Die Reaktionen waren und sind unterschiedlich. Dem, was bereits \u00fcber die in Polen ver\u00f6ffentlichte deutsche Literatur gesagt wurde, kann ich mich tats\u00e4chlich anschlie\u00dfen \u2013 es ist nicht einfach. Man kann einem Verlag zwar ein Buch vorschlagen, aber es gibt keine Gewissheit, dass daraus etwas wird. Was negative Reaktionen angeht, habe ich sehr oft Folgendes geh\u00f6rt: \u201eDas Thema klingt toll, aber es wird sich einfach nicht verkaufen.\u201c Ein interessantes Thema, ein interessanter Autor oder eine interessante Autorin, in Deutschland ein Bestseller, aber in Polen wird daraus nichts. Ich habe sogar die Aussage geh\u00f6rt: Je weniger deutsch der Name klingt, desto besser. Ich hatte viel Gl\u00fcck und konnte als angehende \u00dcbersetzerin einige B\u00fccher vorschlagen, die auf Polnisch erschienen sind. Erw\u00e4hnenswert ist, dass kleine Verlage gro\u00dfartige Arbeit leisten, auch f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Sie sind mutiger und oft offen f\u00fcr Dinge, die vielleicht keine Verkaufsschlager werden, die aber einfach interessant, wichtig und wertvoll sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Lisa, welche Erfahrungen hast du mit \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche gemacht?<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Palmes<br>Ich habe \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Zum Ende meines Studiums 2007 habe ich ein Buch gelesen, das mich begeisterte, eine Reportage von Micha\u0142 Olszewski, und ich dachte, die muss unbedingt auf Deutsch erscheinen. Ich habe sie zwei, drei Jahre lang verschiedenen Verlagen angeboten. Meistens kam \u00fcberhaupt keine Antwort. Lustigerweise kam die letzte Absage \u2013 von welchem Verlag, wei\u00df ich nicht mehr \u2013 erst 2014, ich hatte das Buch seit 2009 angeboten, da h\u00e4tte es ja l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen. Dank eines Tipps der \u00dcbersetzerin Renate Schmidgall habe ich damals beim Buchinstitut Krakau angefragt, ob eine \u00dcbersetzungsprobe gef\u00f6rdert werden k\u00f6nne. Man sagte mir, dass so etwas eigentlich nur bewilligt werde, wenn man schon etwas ver\u00f6ffentlicht hat. Wenn ich aber einen entflammten Brief schreiben w\u00fcrde, warum gerade dieses Buch auf Deutsch erscheinen muss, w\u00fcrden sie mir die F\u00f6rderung vielleicht auch so geben. Und das habe ich dann getan. Joanna Czudec vom Buchinstitut hat mir freundlicherweise die F\u00f6rderung bewilligt und auch den WAB-Verlag auf mich aufmerksam gemacht, der mich daraufhin gebeten hat, \u00dcbersetzungsproben von vier aktuellen B\u00fcchern anzufertigen. Damit hatte ich dann Gl\u00fcck, zwei davon sind in meiner \u00dcbersetzung erschienen: ein Krimi von Bart\u0142omiej Rychter und die Reportage \u201eWanderer der Nacht\u201d von Wojciech Jagielski. Den herausgebenden Transit Verlag habe ich selbst gefunden, es ist ein kleiner Verlag, in dem jedes Fr\u00fchjahr und jeden Herbst vier thematisch zueinander passende B\u00fccher erscheinen. Jagielskis Buch handelte von den Kindersoldaten in Uganda. Und Transit hatte f\u00fcr das Fr\u00fchjahr das Thema Afrika. Das war also ein ganz besonderer Zufall. Der andere Verlag war dtv. Sie wollten es mit polnischen Krimis versuchen. Dadurch hat sich mir eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet.<br>Gl\u00fccklicherweise kommen heute die Verlage meist auf mich zu. Meine Autorinnen Olga Tokarczuk und vor allem Joanna Bator schreiben beide aktiv und sind im deutschsprachigen Raum bekannt. Das hei\u00dft, wenn neue Werke erscheinen, wenden die Verlage sich an mich bzw. \u2013 bei Tokarczuk \u2013 auch an meinen \u00dcbersetzertandem-Partner Lothar Quinkenstein. Wenn sich die B\u00fccher dann gut verkaufen, kann man davon ausgehen, dass auch weitere B\u00fccher \u00fcbersetzt werden sollen. Ich biete zwar Verlagen noch B\u00fccher an, habe aber gar nicht mehr so viel Zeit daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Kannst du mir verraten, woran du gerade arbeitest?<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Palmes<br>Ich fange jetzt mit Barbara Klickas Roman \u201eReneta\u201c an. Der Mauke Verlag ist mit der Anfrage auf mich zugekommen. Zuletzt habe ich Erz\u00e4hlungen von Joanna Bator \u00fcbersetzt. \u201eDie Flucht der B\u00e4rin\u201c hei\u00dft der Arbeitstitel auf Deutsch. Eine Rohfassung der \u00dcbersetzung habe ich Katharina Raabe vor wenigen Tagen geschickt, sp\u00e4ter werde ich den Text noch \u00fcberarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Gro\u00dfartig! Und Zofia, woran arbeitest du gerade?<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Ich arbeite an einem Buch, das ich auch empfohlen habe \u2013 also doppeltes Gl\u00fcck. Es ist ein \u00f6sterreichisches Buch, das in der bekannten \u00f6sterreichischen Tradition geschrieben ist, aber dennoch anders ist, da es sich um ein queeres Coming-of-Age-Buch handelt, das in einem kleinen Bergdorf in \u00d6sterreich spielt. Die Hauptfigur verliebt sich in ihre Nachbarin und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber ihre Nachbarn. In dieser kleinen Gemeinde verbergen sich hinter der Fassade einer perfekten Welt die schlimmsten Dinge. All das kennen wir aus der Tradition von Bernhard und Jelinek. Die Figuren sind in den Nationalsozialismus verstrickt und machen daraus auch keinen Hehl.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Wir haben also Bez\u00fcge zum Nationalsozialismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Ja, diese Anspielungen sind sehr elegant in die gesamte Geschichte eingewoben. Es gibt zum Beispiel das Thema Kirche und Patriarchat. Die Autorin hei\u00dft Julia Jost und die Figuren sprechen untereinander \u00d6sterreichisch. Im K\u00e4rntner Dialekt, und alles ist phonetisch transkribiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Wie gehst du damit um? Es ist toll, dass du das angesprochen hast, denn es passt perfekt zu einem weiteren Thema, das ich unbedingt mit euch besprechen wollte: K\u00fcnstliche Intelligenz. Habt ihr keine Angst, dass der Beruf des Literatur\u00fcbersetzers bald durch Maschinen und Algorithmen ersetzt wird? Oder hilft euch KI vielleicht sogar bei der Arbeit?<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Das ist ein schwieriges Thema, das eine separate Diskussion erfordert und mit gro\u00dfen Emotionen verbunden ist \u2013 insbesondere in unserer \u00dcbersetzungswelt. Ich betrachte dieses Thema mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen und wei\u00df selbst nicht, in welchem Verh\u00e4ltnis diese beiden Gef\u00fchle zueinanderstehen. Wenn ich mir die Meinungen von Experten zu den durch KI verursachten Ver\u00e4nderungen auf dem Arbeitsmarkt anh\u00f6re, wird mir klar, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren alles, was mit Sprachen zu tun hat, in irgendeiner Weise ver\u00e4ndern wird. K\u00fcnstliche Intelligenz wird zweifellos einen sehr gro\u00dfen Einfluss darauf haben. Literarische \u00dcbersetzungen sind jedoch meiner Meinung nach eine Ausnahme. Der menschliche Faktor ist bei literarischen \u00dcbersetzungen so wichtig, dass Maschinen das noch nicht leisten k\u00f6nnen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Hoffen wir, dass sich daran in den n\u00e4chsten Jahren nichts \u00e4ndern wird. Denn klar ist, dass ein Text nicht nur gut gemacht sein muss. Es geht um seinen Charakter, seine emotionale Bedeutung, den kulturellen Kontext und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Sinn f\u00fcr Humor und Ironie \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Ja, obwohl k\u00fcnstliche Intelligenz das bereits kann. Wir k\u00f6nnen als \u00dcbersetzer:innen nicht so tun, als g\u00e4be es dieses Thema nicht und als w\u00fcrde es uns nicht betreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Palmes<br>Ich schlie\u00dfe mich an. Manchmal probiere ich KI aus, gebe etwas ein oder frage irgendetwas, und auf den ersten Blick klingt die Antwort ganz plausibel. Auch \u00dcbersetzungen mit Deepl lesen sich erst einmal ganz gut. Aber wenn man dann genau hinschaut, ist es doch nicht treffend, oft sind Verbindungen innerhalb eines Satzes falsch verkn\u00fcpft oder \u00e4hnliches. Was ich schwierig finde, ist, dass es offenbar bei den Verlagen Ans\u00e4tze gibt, Texte ganz von der KI \u00fcbersetzen zu lassen. Die \u00dcbersetzer:innen sollen dann nur noch lektorieren. Das ist extrem schwierig, finde ich, und geht \u00fcbrigens auch kein bisschen schneller. Wenn etwas schon vorformuliert ist von der KI, verliere ich v\u00f6llig meine eigene Vorstellung davon, wie dieser Satz klingen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Katharina Raabe<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist zutiefst ambivalent. Ein \u00dcbersetzer, der sich sozusagen seinen eigenen KI-Ton schafft, ist immer noch ein \u00dcbersetzer. Es ist ein Albtraum, sich vorzustellen, dass alle B\u00fccher nach diesem KI-\u00dcbersetzer-Ton klingen, egal wie unterschiedlich sie sind. Die Prosa von Julia Jost ist das beste Beispiel daf\u00fcr, wie man die KI austricksen kann. Ich will ein kurzes Beispiel nennen, das die tiefe Ambivalenz verdeutlicht. Wir haben k\u00fcrzlich ein Buch aus dem Slowakischen gepr\u00fcft. Normalerweise reichten fr\u00fcher ein Gutachten und 20 Seiten Probe\u00fcbersetzung, um eine Entscheidung zu f\u00e4llen, ob wir ein Buch in das Osteuropaprogramm aufnehmen wollen oder nicht. Inzwischen sind wir ein generelles internationales Lektorat \u2013 alle wollen mitlesen. Da kam die Idee auf, das ganze Buch von Deepl Pro \u00fcbersetzen zu lassen. Es war hochinteressant zu sehen, dass alles weg war, was diesen Text reizvoll machte. Da der Text jedoch mit einer bestimmten Metapher arbeitet, die um die Farbe Blau kreist, lie\u00dfen sich mit Volltextsuche bestimmte Schl\u00fcsselstellen des Buches leicht finden. Von Aufbau, Plot und Figurenf\u00fchrung konnten wir uns ebenfalls ein Bild machen. Die KI war ein exzellentes Instrument, um Dinge zu rekonstruieren, die wir uns aus den 20 Seiten Probe\u00fcbersetzungen allein nicht erschlie\u00dfen konnten. Zugleich war sonnenklar, dass keine KI dieses Buch je w\u00fcrde \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, denn der Witz, der Ton, die Farbnuancen und vor allem die Ironie blieben auf der Strecke. \u00dcbersetzer:innen m\u00fcssen auf die unterschiedlichsten Werke reagieren und an ihnen ihre je eigene Stimme entfalten. Ambivalent ist die Sache schlie\u00dflich auch noch, weil die \u00dcbersetzer:innen aus sogenannten kleinen Sprachen wie dem Slowakischen noch nicht von der KI ersetzt werden k\u00f6nnen. Je mehr die KI mit Experimenten wie dem unseren angef\u00fcttert wird, desto mehr arbeiten wir daran mit, dass sich das \u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Lassen Sie mich kurz auf das von Zofia Sucharska angesprochene Thema zur\u00fcckkommen. Es wurde gesagt, dass kleine Verlage experimentierfreudig sind, Risiken eingehen und Verlagsentscheidungen treffen, f\u00fcr die sie nicht nur wirtschaftliche, sondern auch inhaltliche Gr\u00fcnde finden. Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die aus Leidenschaft handeln, solche Experimente eher wagen. Alle Instrumente, \u00fcber die staatliche Institutionen verf\u00fcgen, sollten zur Unterst\u00fctzung dieser Akteure eingesetzt werden! (Beifall) Wenn wir das Offensichtliche beklatschen, bedeutet das, dass es uns nicht so gut geht. Auch kleine Unternehmen m\u00fcssen Geld verdienen. Die Menschen, die diese Dinge tun, sollten angemessen verdienen und ein gutes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.<br>Was die KI betrifft, so werden sich die Werkzeuge der k\u00fcnstlichen Intelligenz fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch auf literarische \u00dcbersetzungen spezialisieren. Nat\u00fcrlich wird menschliches Eingreifen erforderlich sein, das sich jedoch eher auf die Redaktion oder Korrektur beschr\u00e4nken wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keine \u00dcbersetzer:innen mehr brauchen! Wir brauchen sie dringend! K\u00fcnstliche Intelligenz wird keine bilateralen Beziehungen zwischen Staaten unterhalten und \u00fcber den Umfang unserer gemeinsamen kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Interessen entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Vielen Dank f\u00fcr diesen Beitrag. Monika Sznajderman hat zugegeben, dass sie nur wenige B\u00fccher aus dem Deutschen herausgibt, und m\u00f6chte diesen Gedanken nun fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Monika Sznajderman<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, danke. Es gibt sicherlich viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Ein Beispiel sind die B\u00fccher, die mit dem renommierten Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurden. Sie werden \u00fcbersetzt und in Polen ver\u00f6ffentlicht, aber keines davon hat in der Welt der Leser:innen f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Es geht nicht einmal um gute Verkaufszahlen. Es geht darum, dass die \u00f6sterreichische Literatur eine Geschichte \u00fcber sich selbst zu erz\u00e4hlen hat. Sie greift zwar auf Stereotypen zur\u00fcck, hat aber etwas, das wir kennen und aufnehmen k\u00f6nnen. Meiner Meinung nach hat die deutsche Literatur keine solche Geschichte zu erz\u00e4hlen, weshalb sie die polnischen Leser:innen derzeit nicht reizt. Das gilt \u00fcbrigens nicht nur f\u00fcr die Literatur: Generell interessieren sich die Polen nicht f\u00fcr das heutige Deutschland. Ich m\u00f6chte das nicht auf Ressentiments zur\u00fcckf\u00fchren, denn ich denke, dass inzwischen so viel Zeit vergangen ist, dass dies kaum der Grund f\u00fcr das mangelnde Interesse sein kann. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen unseren L\u00e4ndern, pers\u00f6nliche Empfehlungen und das Engagement einzelner Menschen als Botschafter:innen so wichtig. Ich sch\u00e4tze die Aktivit\u00e4ten von F\u00f6rderern der \u00f6sterreichischen Literatur sehr, zum Beispiel Agnieszka Borkiewicz. Es gelingt ihr immer, Interesse an der Literatur zu wecken. Mundpropaganda und Empfehlungen sind wichtig, und die \u00f6sterreichische Literatur hat das in Polen, die deutsche Literatur hingegen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben ein sehr wichtiges Thema angesprochen: das mangelnde Interesse der Polen an Deutschland und umgekehrt. Unter den Zuh\u00f6rer:innen befindet sich heute Frau Dominika Kasprowicz, Direktorin der Villa Decius in Krakau. In der Villa fand vor einigen Monaten eine Diskussion zu einem \u00e4hnlichen Thema statt. Au\u00dferdem werden dort verschiedene deutsch-polnische Kulturprojekte organisiert. Interessieren sich die heutigen Polen f\u00fcr die heutigen Deutschen?<\/p>\n\n\n\n<p>Dominika Kasprowicz<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vertrete einen Ort, der in vielerlei Hinsicht ungew\u00f6hnlich ist. Nach einigen Jahren Pause haben wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt den Karl-Dedecius-Preis f\u00fcr die besten \u00dcbersetzer:innen polnischer Literatur ins Deutsche und deutscher Literatur ins Polnische wieder eingef\u00fchrt. Wir sind \u00fcberzeugt, dass man einen sicheren Raum f\u00fcr Begegnungen, Dialog und Diskussionen schaffen muss, um das Interesse anderer zu wecken. Wir greifen auch auf immer neue, ungew\u00f6hnliche Formate zur\u00fcck. Dazu geh\u00f6ren Stipendienaufenthalte sowie \u00dcbersetzungs-, Schreib- und Poesie-Stipendien, aber auch Stipendien f\u00fcr Theaterleute und Dramatiker:innen. Letztere schreiben St\u00fccke \u00fcber die deutsch-polnischen Beziehungen, die im S\u0142owacki-Theater in Krakau aufgef\u00fchrt werden. Es sind bereits acht Theaterst\u00fccke zu diesem Thema entstanden. Ein weiteres, \u00e4u\u00dferst interessantes, Format sind Drehb\u00fccher f\u00fcr narrative Spiele. Sie w\u00e4ren \u00fcberrascht, zu erfahren, welches Bild von den Nachbarn in Bezug auf die Geschichte und Gegenwart jemand hat, der die Welt durch die Brille von Spielen kennenlernt. Immer mehr Institutionen aus Deutschland stellen die Frage nach der M\u00f6glichkeit, zu uns zu kommen und mit uns zusammenzuarbeiten. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung des gegenseitigen Interesses zwischen Polen und Deutschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>Es gibt viele Formate, die den kulturellen Austausch f\u00f6rdern sollen. Heute kommen wir zur\u00fcck zur Literatur und zu \u00dcbersetzungen. Mit uns ist Anne-Bitt Gerecke vom Goethe-Institut, die uns \u00fcber das Programm Litrix berichten wird. Was ist das?<\/p>\n\n\n\n<p>Anne-Bitt Gerecke<br>Ich arbeite im Bereich Literatur- und \u00dcbersetzungsf\u00f6rderung des Goethe-Instituts. Wir f\u00f6rdern \u00dcbersetzungen weltweit und reagieren auf Antr\u00e4ge von Verlegern aus aller Welt, die deutschsprachige Literatur \u2013 aktuelle Titel ebenso wie Klassiker \u2013 in ihren Landessprachen herausbringen wollen. Ich bin schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr das Litrix-Programm zust\u00e4ndig. Das ist ein angebotsorientiertes Programm. Das hei\u00dft, wir bem\u00fchen uns aktiv darum, sowohl etablierte als auch junge Stimmen der deutschsprachigen Literatur international bekannt zu machen. Zu diesem Zweck setzen wir jeweils f\u00fcr drei Jahre bestimmte Sprachschwerpunkte. Zun\u00e4chst waren es die gro\u00dfen Sprachr\u00e4ume wie z.B. Arabisch, Spanisch oder Chinesisch, seit 2019 liegt unser Fokus auf Europa. Mit unseren europ\u00e4ischen Nachbarn st\u00e4rker in den Austausch zu kommen, ist gerade in schwierigen Zeiten von besonderer Bedeutung. Ich freue mich daher sehr, dass wir seit Anfang des Jahres Polen als Schwerpunkt haben. Unser Programm sieht vor, dass wir auf unserer Website litrix.de auf Deutsch, Englisch und in den n\u00e4chsten drei Jahren auch auf Polnisch interessante Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorstellen.<br>Wir pr\u00e4sentieren die von unserer polnisch-deutschen Jury ausgew\u00e4hlten B\u00fccher mit Besprechungen, kurzen Infos zu den Autor:innen und zum Verlag sowie, was ganz wichtig ist, mit Leseproben. Unser Programm bezieht sich auf das gesamte Spektrum der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, also Kinder- und Jugendliteratur, Sachb\u00fccher, Belletristik und Graphic Novels, und soll als Schaufenster und als Angebot fungieren, \u00fcber die B\u00fccher miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. F\u00fcr alle auf Litrix.de vorgestellten B\u00fccher garantieren wir die Erstattung der gesamten \u00dcbersetzungskosten. Au\u00dferdem gew\u00e4hren wir einen Zuschuss zu den Lizenzkosten. So halten wir die heute schon wiederholt angesprochenen verlegerischen Risiken m\u00f6glichst gering und erm\u00f6glichen es auch kleineren Verlagen, \u00dcbersetzungsprojekte zu realisieren, indem sie nur noch die Bereiche Herstellung, Werbung und Vertrieb selbst abdecken m\u00fcssen. Damit der deutsch-polnische Literaturaustausch nachhaltig wirken kann, bem\u00fchen wir uns auch, das Netzwerk zu st\u00e4rken, Begegnungen zwischen Autor:innen zu erm\u00f6glichen und Workshops f\u00fcr \u00dcbersetzer:innen anzubieten. So werden wir z.B. im August gemeinsam mit der Villa Decius in Krakau eine einw\u00f6chige Akademie f\u00fcr junge \u00dcbersetzer:innen durchf\u00fchren, die kurz vor dem Einstieg in den Beruf stehen. Unser Polen-Schwerpunkt hat ja gerade erst begonnen, daher freue ich mich sehr, heute die Gelegenheit zu haben, viele der polnischen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen!<\/p>\n\n\n\n<p>Natalia Pr\u00fcfer<br>In dieser Runde haben wir sicherlich viele interessante Dinge zum Thema Literatur zu sagen. Es ist kein Zufall, dass wir uns heute alle hier im Polnischen Institut getroffen haben. Ich er\u00f6ffne nun offiziell unsere Diskussion und lade das Publikum dazu ein, sich zu \u00e4u\u00dfern. Haben Sie Fragen an unsere G\u00e4ste? M\u00f6chten Sie \u00fcber Ihre Initiativen, Ideen oder Probleme im Zusammenhang mit dem Transfer von Literatur und Wissen berichten?<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Becker<br>Zur Frage, wie die deutsche Literatur derzeit wahrgenommen wird: Ich glaube, dass sich die deutsche Literatur in den letzten Jahren sehr stark gewandelt hat. Sie ist sehr vielf\u00e4ltig. Wir leben in einer Migrationsgesellschaft und es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass sich der literarische Diskurs oder auch die Vergabe gro\u00dfer Buchpreise an Leute wie Ter\u00e9zia Mora, die aus Ungarn kommt oder Feridun Zaimoglu, der t\u00fcrkische Wurzeln hat, dem stellen. Das ist heutzutage in der deutschen Literatur eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Einerseits k\u00f6nnte man denken, dadurch ist die deutsche Literatur international noch anschlussf\u00e4higer geworden. Andererseits h\u00f6re ich immer wieder, dass im englischsprachigen Raum gesagt wird: \u201eDas Thema Migration haben wir in unserer Literatur selber, da m\u00fcssen wir jetzt nicht auch noch die Migrationsgeschichten aus Deutschland h\u00f6ren.\u201d Aber letztlich kommt es immer auf die literarische Qualit\u00e4t an. Es fehlt vielleicht in der deutschen Literatur an Autor:innen, auf die international wirklich Bezug genommen wird.<br>Was ich noch loswerden wollte, ist eigentlich eine Frage an Grzegorz Jankowicz: W\u00e4re es nach 25 Jahren nicht an der Zeit f\u00fcr einen neuen Ehrengast-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse? Es hat damals so viel bewegt. Es hat auch Ihr Institut sozusagen aus der Taufe gehoben. Es w\u00e4re, glaube ich, ein gro\u00dfer Energieschub, der sehr viel bewirken k\u00f6nnte, wenn wir auf eine neue Stufe k\u00e4men, obwohl wir heute wirklich ziemlich weit gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Vielen Dank. Polen als Ehrengast in Frankfurt? Diese Frage h\u00f6re ich in letzter Zeit immer wieder. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung, der wir uns auf jeden Fall sehr ernsthaft annehmen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Monika Sznajderman<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte nur noch hinzuf\u00fcgen, dass wir der Literaturkritik heute nur wenig Raum gewidmet haben. In Polen hat sie einen v\u00f6lligen Niedergang erlebt, was sich stark auf die F\u00f6rderung ausl\u00e4ndischer Literatur auswirkt. Es gibt keine Orte, an denen Kritik ver\u00f6ffentlicht werden kann, und es gibt auch keine Kritiker:innen, sondern eher Journalist:innen, die den einfachen Weg gehen, keine neuen Schriftsteller:innen entdecken und lediglich irgendwelche Notizen machen, aber keine Kritiken schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Wir versuchen, in Polen etwas dagegen zu unternehmen. So hat das Buchinstitut k\u00fcrzlich das Internetportal \u201eDzienniki Literacki\u201d er\u00f6ffnet. Dort ver\u00f6ffentlichen wir kritische Besprechungen von Publikationen und literarischen Veranstaltungen, zu denen die breite \u00d6ffentlichkeit keinen Zugang hat, weil sie beispielsweise in kleineren Orten organisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Beata Zuzanna Borawska<br>Ich vertrete den Literaturclub \u201eCudowne Kobiety\u201d (Wunderbare Frauen) in Berlin. Den Club leiten sieben Frauen, sechs Emigrantinnen aus Polen, die in Berlin leben, und ich aus der Grenzregion, genauer gesagt aus Stettin. Wir trafen uns zu Hause und schrieben. Das Ergebnis unserer Arbeit ist eine Sammlung von Erz\u00e4hlungen, die am 17. Mai dieses Jahres im KLAK Verlag erschienen ist. Es grenzt an ein Wunder, einen polnischen Verlag f\u00fcr so etwas zu begeistern, aber wir werden von unserer Leidenschaft und Liebe zur Literatur angetrieben und wollen uns weiterentwickeln. Wir f\u00fchlen uns jedoch absolut unsichtbar. Es ist eine Arbeit im Bereich der Mikronarrative, die von au\u00dferordentlicher Bedeutung ist und auf dem Markt fehlt. Denn die emigrierten Schriftstellerinnen in unserem Club sind Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren und ihre Stimme sollte sichtbar sein. Verschiedene Motive haben sie nach Berlin gef\u00fchrt, was sich in ihren Texten widerspiegelt. Haben Sie eine Idee, ob es \u00fcberhaupt Raum gibt, solche Initiativen zu unterst\u00fctzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Grzegorz Jankowicz<br>Das ist eine gro\u00dfartige Geschichte. Das Buchinstitut verf\u00fcgt \u00fcber zahlreiche Instrumente, mit denen es auch kleinere Initiativen wie Buchclubs unterst\u00fctzen kann. In Polen gibt es etwa 2.000 davon. Vielleicht k\u00f6nnten sie Ihnen helfen? Ich habe im Moment keine einfache Antwort f\u00fcr Sie, aber solche Treffen, solche Gruppen, solche Gemeinschaften sind f\u00fcr das Buchinstitut sehr wichtig. Ich empfehle Ihnen au\u00dferdem, sich mit dem Programm \u201eInne Tradycje\u201d (Andere Traditionen) vertraut zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Agata Koch<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vertrete das Sprachcaf\u00e9 Polnisch in Berlin und bin au\u00dferdem Autorin. Seit 13 Jahren sind wir ein offener Treffpunkt f\u00fcr die polnische Sprache und Kultur in Berlin-Pankow. Seit zwei Jahren gibt es einen zweiten Standort im S\u00fcden der Stadt, in der N\u00e4he des Bahnhofs S\u00fcdkreuz. Es ist ein Treffpunkt f\u00fcr kreative Menschen, die Kunst leben und ihre Leidenschaft teilen m\u00f6chten. Die polnische Sprache steht hier eindeutig im Mittelpunkt, aber wir haben auch viele Anfragen von K\u00fcnstler:innen, die mit anderen Sprachen arbeiten, vor allem mit Deutsch. Wir organisieren Treffen f\u00fcr Autor:innen und \u00dcbersetzer:innen, Workshops und betreiben eine Bibliothek. All das geschieht von unten. Dieser Raum, den wir auch f\u00fcr andere Disziplinen wie Ausstellungen, Musik oder Sprachprogramme f\u00fcr Kinder nutzen, ist sehr wichtig. Ich wei\u00df nicht, inwieweit Sie dar\u00fcber informiert sind, aber solche Vereine haben es in Berlin immer schwerer, F\u00f6rdermittel zu bekommen. Wenn Sie also Ideen zur F\u00f6rderung der polnischen Kultur in Deutschland haben, wenden Sie sich bitte an uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Karolina Golimowska<br>Ich m\u00f6chte noch einmal kurz auf das Thema k\u00fcnstliche Intelligenz in der Literatur\u00fcbersetzung zur\u00fcckkommen und darauf, ob man sich etwas Positives in Bezug auf die Arbeit mit KI vorstellen kann. Ich wende mich an die \u00dcbersetzerinnen: W\u00fcrde es Euch helfen, wenn Ihr Zugang zu einer Datenbank h\u00e4tten, in der Beispiele daf\u00fcr zu finden sind, wie K\u00e4rntnerisch, Steirisch oder jede andere Sprache zuvor \u00fcbersetzt wurde? Oder die Idee, die Lisa hatte, n\u00e4mlich eine Software zu entwickeln, mit der eigene \u00dcbersetzungen zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen. K\u00f6nntet Ihr euch vorstellen, ein solches Glossar zu erstellen? Seht ihr irgendwelche positiven Aspekte in der Arbeit mit k\u00fcnstlicher Intelligenz?<\/p>\n\n\n\n<p>Zofia Sucharska<br>Das ist eine sehr interessante Frage. Einerseits w\u00e4re es tats\u00e4chlich sehr interessant, etwas \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und Zugang zu einer Datenbank zu haben, in der es viele Inspirationen aus anderen Quellen gibt. Andererseits m\u00f6chte ich noch einmal auf den menschlichen Faktor zur\u00fcckkommen. Da ich gerade das erw\u00e4hnte Buch \u00fcbersetze, m\u00f6chte ich mich an die \u00dcbersetzer:innen ins Niederl\u00e4ndische und Englische wenden und sie einfach fragen, wie sie das gel\u00f6st haben. Zwischenmenschliche Kontakte und der Aufbau von Beziehungen zu Menschen, die das Gleiche tun, beispielsweise in einem anderen Land, scheinen mir von unsch\u00e4tzbarem Wert zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Palmes<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gr\u00f6\u00dfere Datensammlung, an der man sich orientieren kann\u2026 Das ist bestimmt interessant. Um an das anzukn\u00fcpfen, was Katharina eben noch einwandte: Selbst, wenn es gelingen w\u00fcrde, ein personalisiertes KI-\u00dcbersetzungsprogramm so mit eigenen \u00dcbersetzungen zu f\u00fcllen, dass es zuk\u00fcnftige Texte im spezifischen Stil des betreffenden \u00dcbersetzers \u00fcbersetzt, ist es doch so, dass ein \u00dcbersetzer oder eine \u00dcbersetzerin nicht jeden Text nach dem gleichen Muster \u00fcbersetzt. Das hei\u00dft, ein solches Programm n\u00fctzt letzten Endes vielleicht gar nichts. Ich bin also auch eher skeptisch. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte man sich nicht selbst wegrationalisieren, aber ich vermute, dass wir in gewisser Weise in Zukunft mit KI arbeiten werden. Aber ich wei\u00df jetzt auch noch \u00fcberhaupt nicht, wohin das f\u00fchren wird. Ich habe zum Beispiel kein Interesse daran, mir dieses personalisierte Programm zu kaufen, weil ich gerne selbst an meinen Texten arbeite und mir meine eigenen Einf\u00e4lle nicht verderben m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte nicht, dass mir eine Maschine vorschreibt, wie es klingen k\u00f6nnte, denn dann vergesse ich meine eigenen Ideen. Das ist auch eine Sache von Intuition, die m\u00f6chte ich nicht verlieren. Sie ist das Wichtigste beim \u00dcbersetzen. Ich muss aus mir heraus sp\u00fcren, wie eine \u00dcbersetzung klingen soll. Wenn man dieses Gesp\u00fcr nicht hat oder verliert, klingen die \u00dcbersetzungen h\u00f6lzern und alle wie aus einem Guss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur. Gespr\u00e4che mit Literatur\u00fcbersetzern, Verlegern, Literaturvermittlern, Kritikern und Vertretern von \u00dcbersetzungsf\u00f6rder- ungseinrichtungen im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums \u201eGemeinschaft f\u00fcr schwierige Zeiten\u201cTranskript des Gespr\u00e4chs vom 5. Juni 2025 im Polnischen Institut Berlin An dem Gespr\u00e4ch nahmen teil: J\u00fcrgen Jakob Becker, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen \u00dcbersetzerfondsGrzegorz Jankowicz, Direktor des Polnischen BuchinstitutsLisa Palmes, \u00dcbersetzerin polnischer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":78,"featured_media":9287,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[22,10],"tags":[338,324],"class_list":["post-11024","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","category-programm","tag-literatur-de","tag-programm-de"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur | Diskussion im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums - Instytut Polski w Berlinie<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2025\/10\/09\/wissens-und-kulturtransfer-durch-literatur-diskussion-im-rahmen-des-deutsch-polnisches-forums\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"pl_PL\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur | Diskussion im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums - Instytut Polski w Berlinie\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur. 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Es wird von der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit im Auftrag der Au\u00dfenministerien der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland durchgef\u00fchrt. Neben zahlreichen Podiumsdiskussionen zu Themen wie internationale Sicherheit, Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Wirtschaft und Zukunft der Europ\u00e4ischen Union, findet auch diese Veranstaltung zum Thema Kultur statt. Genauer gesagt, geht es dabei um die Rolle literarischer \u00dcbersetzungen f\u00fcr das gegenseitige Verst\u00e4ndnis und die Wahrnehmung von Polen und Deutschen. Ich freue mich sehr, dass wir als Polnisches Institut aktiv an der Durchf\u00fchrung des diesj\u00e4hrigen Forums mitwirken konnten und dabei vom Deutschen \u00dcbersetzerfonds unterst\u00fctzt wurden. Zu der Diskussion haben wir Vertreter:innen von Verlagen, Institutionen, die \u00dcbersetzungen f\u00f6rdern, Literatur\u00fcbersetzer:innen, Literaturf\u00f6rderer:innen und nat\u00fcrlich Leser:innen eingeladen.\\nNatalia Pr\u00fcfer\u201eGemeinschaft f\u00fcr schwierige Zeiten\u201c \u2013 so lautet der Titel des diesj\u00e4hrigen Deutsch-Polnischen Forums. Es d\u00fcrfte niemanden \u00fcberraschen, wenn ich sage, dass wir derzeit in wirklich schwierigen und unsicheren Zeiten leben. Parallel zu unserer Podiumsdiskussion finden derzeit Gespr\u00e4che \u00fcber Sicherheit, Politik und Kriege statt. Ich bin froh, dass die Organisator:innen das Thema Kultur und kultureller Austausch nicht aufgegeben haben, auch wenn es heute banal erscheinen mag und kaum jemand es f\u00fcr notwendig h\u00e4lt. Es gibt einige wichtige Themen, die ich in der heutigen Diskussion ansprechen m\u00f6chte. Eines davon ist das Ungleichgewicht bei \u00dcbersetzungen aus verschiedenen Sprachen ins Polnische und ins Deutsche.Die neuesten Daten zu Literatur\u00fcbersetzungen ins Polnische stammen aus dem Jahr 2023 und sind durchaus interessant. So zeigt sich, dass 2.881 B\u00fccher aus dem Englischen \u00fcbersetzt wurden. An zweiter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 590 B\u00fcchern, an dritter Stelle die deutsche Sprache, also deutschsprachige Literatur aus der Schweiz, \u00d6sterreich und Deutschland. Mit nur 149 Titeln erscheinen diese Ungleichgewichte recht gro\u00df. In Deutschland wurden im Jahr 2022 hingegen 5178 B\u00fccher aus dem Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt. An zweiter Stelle steht die japanische Sprache mit 1.120 B\u00fcchern, was ich mit gro\u00dfem Interesse zur Kenntnis genommen habe. An dritter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 94 Titeln. Die polnische Sprache habe ich in dieser Aufz\u00e4hlung gar nicht gefunden. Ich sch\u00e4tze, dass es einige Dutzend Titel pro Jahr sind. Solche Untersuchungen wurden bis zum Jahr 2020 vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt durchgef\u00fchrt. Ich wei\u00df, dass diese Liste bald wieder aufgenommen und aktualisiert wird. Wie interpretieren Sie diese Daten?\\nGrzegorz JankowiczIch freue mich, dass wir uns treffen k\u00f6nnen, um \u00fcber Literatur zu sprechen. Sie ist, meiner Meinung nach, ein nicht offensichtliches, aber sehr wirksames Instrument, um die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland zu vertiefen. Derzeit erscheinen in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 40 \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen. Das Buchinstitut aus Krakau unterst\u00fctzt diese Art von Aktivit\u00e4ten. Wie ist diese Situation zu interpretieren? Je mehr verschiedene Instrumente \u2013 sowohl institutioneller als auch finanzieller Art \u2013 zur Verf\u00fcgung stehen, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Austausch zwischen den Literaturkulturen beider L\u00e4nder sein. Es ist auch sehr wichtig, dass Initiativen, die auf Verlagsebene ergriffen werden, auf der Ebene der Werbung ihre Fortsetzung finden. Die Tatsache, dass wir ein Buch unterst\u00fctzen, das in deutscher Sprache erscheint \u2013 meist in sehr ambitionierten, oft experimentierfreudigen Verlagen \u2013, bedeutet nicht, dass dieses Buch einen breiteren Vertrieb findet. Hier in Deutschland braucht es ein zus\u00e4tzliches Sprungbrett.Ich m\u00f6chte hinzuf\u00fcgen, dass die deutsch-polnischen Beziehungen einen wichtigen historischen Kontext f\u00fcr das Buchinstitut darstellen. Die Idee f\u00fcr unsere Kulturinstitution entstand schlie\u00dflich Ende der 1990er Jahre im Zusammenhang mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Teilnahme Polens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2000. Verantwortlich f\u00fcr diese Initiative war Albrecht Lempp, der sp\u00e4ter Leiter der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit wurde. Er sprach nie von \u201edeutscher \u201d oder \u201epolnischer\u201d Literatur, sondern von \u201eunserer polnischen Literatur\u201d und \u201eunserer deutschen Literatur\u201d. Damit beseitigte er vor allem die mentalen Grenzen zwischen den Kulturkreisen. Bis heute vergeben wir das bilaterale Albrecht-Lempp-Stipendium. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung der polnischen Literatur auf Buchmessen in Deutschland. Allerdings kann man nie genug Instrumente zur F\u00f6rderung haben und die Intensit\u00e4t dieser Aktivit\u00e4ten sollte st\u00e4ndig verst\u00e4rkt werden. Ich m\u00f6chte au\u00dferdem betonen, dass es weitere Instrumente gibt, mit denen die polnische Literatur in Deutschland gef\u00f6rdert wird. So gibt es beispielsweise das Josepha Literaturstipendium f\u00fcr polnische Schriftsteller:innen. In der Jury dieses Stipendiums sitzen \u00dcbersetzer:innen, Verleger:innen und F\u00f6rderer aus Polen und Deutschland. Das ist gro\u00dfartig!\\nNatalia Pr\u00fcferUm die Interpretation der zu Beginn genannten Zahlen bitte ich Herrn J\u00fcrgen Becker. Wir m\u00f6chten betonen, dass der Deutsche \u00dcbersetzerfonds nicht nach den gleichen Grunds\u00e4tzen wie das Buchinstitut arbeitet und Verlage nicht direkt unterst\u00fctzt. Ich bin mir jedoch sicher, dass Sie auch etwas zur Anzahl der aus dem Deutschen ins Polnische \u00fcbersetzten B\u00fccher sagen k\u00f6nnen.\\nJ\u00fcrgen BeckerDie genaue Statistik steht mir nicht zur Verf\u00fcgung. Ich w\u00fcrde es auch gerne wissen, wie viele \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche es aktuell gibt. Es werden aber 40 bis 60 B\u00fccher pro Jahr sein. Im Ranking der L\u00e4nder bzw. der ins Deutsche \u00fcbersetzten fremdsprachigen Werke taucht Polen auf dem Gesamtmarkt, glaube ich, auf Platz zw\u00f6lf auf. Also unter den Top Ten ist es nicht. Wir vergeben Stipendien an Literaturbersetzer:innen. Das hei\u00dft, wir geben das Geld nicht an Verlage, sondern direkt an die \u00dcbersetzer:innen in Form von Stipendien. So k\u00f6nnen sie m\u00f6glichst viel Zeit in ihre Arbeit investieren und qualitativ hochwertige \u00dcbersetzungen erstellen. Wir schaffen sozusagen ein Bew\u00e4sserungssystem f\u00fcr diesen \u00dcbersetzerberuf, damit er auf hohem Niveau funktionieren kann. Fast \u00fcberall auf der Welt wird am meisten aus dem Englischen \u00fcbersetzt. Das ist kein \u00fcberraschender Befund. Ungef\u00e4hr 60 bis 70% entfallen auf das Englische, die anderen 30 bis 40% teilen sich auf alle anderen Fremdsprachen. Das ist seit der Nachkriegszeit so, es hat also keinen Sinn, sich dar\u00fcber zu beklagen. Viele afrikanische, auch asiatische Autor:innen schreiben auf Englisch. Dadurch entsteht gewisserma\u00dfen eine globale Literatur, die nat\u00fcrlich interessant ist und auch bei uns in gro\u00dfer Zahl ankommt. Ich habe den Eindruck, dass \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche auf hohem Niveau stattfinden. Wenn ich mir anschaue, was hier in Deutschland von Joanna Bator, Tomasz R\u00f3\u017cycki, Olga Tokarczuk, Urszula Honek, Ziemowit Szczerek und Tadeusz D\u0105browski erscheint, dann sind das doch eigentlich die wichtigen Stimmen der polnischen Literatur. Das ist doch eigentlich auch normal, wenn nicht jedes Deb\u00fct sofort ins Deutsche \u00fcbersetzt wird. Das Niveau der professionellen Literatur\u00fcbersetzer:innen ist sehr hoch: Olaf K\u00fchl, Renate Schmidgall, Esther Kinsky, Lisa Palmes, Bernhard Hartmann oder Thomas Weiler, um nur ein paar zu nennen, sind exzellente Vertreter:innen ihres Fachs. Das hei\u00dft, die Voraussetzungen f\u00fcr eine gute Vermittlung dieser Literatur sind auf jeden Fall gegeben. Ob es jetzt Platz sechs, sieben oder f\u00fcnf in einem internationalen Ranking ist \u2013 das ist, glaube ich, zweitrangig.\\nNatalia Pr\u00fcferMarcin Piekoszewski, der Gr\u00fcnder der Buchhandlung buchbund im Berliner Stadtteil Neuk\u00f6lln, hat hier im Polnischen Institut offen gesagt, dass sich die Deutschen nur dann f\u00fcr polnische Literatur interessieren, wenn sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg oder den wiedergewonnenen Gebieten befasst. Andernfalls sei es ziemlich schwierig, deutsche Verlage davon zu \u00fcberzeugen, etwas aus Polen zu ver\u00f6ffentlichen. Stimmen Sie dieser These zu?\\nKatharina RaabeEhrlich gesagt, glaube ich, dass Marcin das im Kontext einer bestimmten Gespr\u00e4chssituation polemisch zugespitzt hat. In den Verlagen suchen wir nicht nach Themen, sondern nach guter Literatur und herausragender Sprache. Ich habe mir die Zahlen angeh\u00f6rt und wieder gedacht, dass durch solche Statistiken ein verzerrtes Bild entsteht. Denn wir m\u00fcssen uns klarmachen: Anders als in vielen anderen Sprachr\u00e4umen, ist die polnische Literatur in all ihrer Vielfalt seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des literarischen Lebens und der Buchkultur in Deutschland. Sie wird klug und engagiert entdeckt und \u00fcbersetzt. J\u00fcrgen Becker hat das eben schon angedeutet. Nat\u00fcrlich haben wir eine bestimmte Idee von der polnischen Gegenwartsliteratur, die sich im Grunde auf bestimmte Elemente bezieht. Das eine ist, dass die ehemals von Deutschen bewohnten Gegenden Polens in jeder polnischen Autorengeneration seit 1989 neu entdeckt werden. Der gr\u00f6\u00dfte Bucherfolg auf dem deutschsprachigen Markt im Jahr 2023 war Karolina Kuszyks Buch \u201eIn den H\u00e4usern der Anderen\u201d \u2013 eine Mischung aus lebendiger Erz\u00e4hlung und Reportage. F\u00fcr die einzigartige Qualit\u00e4t der polnischen Reportage-Schule hat uns unser Freund Martin Pollack seit vielen Jahren sensibilisiert. Das andere ist die Entdeckung des komplexen historischen Raums: die historischen Verwerfungen, die Grenzen: Oberschlesien, Niederschlesien, die Beskiden, der Osten, Ostgalizien \u2013 das sind Gegenden, in denen die Leser dank der polnischen Literatur Geschichtsreisen unternehmen k\u00f6nnen.Ich m\u00f6chte auch daran erinnern, dass es eine neue Bewegung gibt: die sogenannte \u00d6kopoetik. In gewisser Weise ist das eine Fortf\u00fchrung der Geopoetik, die durch Autoren wie Andrzej Stasiuk und seinen ukrainischen Freund Juri Andruchowytsch geschaffen wurde. Wir beobachten das sehr aufmerksam und auch dank der Kompetenz unserer \u00dcbersetzer:innen mit gro\u00dfem Interesse. Ich bin immer heilfroh, wenn B\u00fccher nicht nur deshalb gelesen werden, weil sie aus Polen, Slowenien, der Ukraine oder Vietnam kommen, sondern weil sich die Namen der Autor:innen durchgesetzt haben und man etwas mit ihnen verbindet: \u201eAha, das ist jetzt das n\u00e4chste Buch von Ziemowit Szczerek oder hier kommt eine neue Bator.\u201d Ich kann gar nicht alle aufz\u00e4hlen, die sich in den letzten zwanzig und mehr Jahren bei uns etabliert haben. Und wie bereits gesagt, gibt es in dieser Szene Buchhandlungen, engagierte Verlage und einen sehr engen Austausch zwischen der deutschen und der polnischen Verlagsszene. Wir haben also keinen Grund zu klagen. Ich will noch auf etwas Wichtiges hinweisen: Polnisch ist eine Schl\u00fcsselsprache, um die Literaturen \u201eweiter \u00f6stlich\u201c zu erschlie\u00dfen, etwa die belarussische oder die litauische. Auch die ukrainischen Autor:innen fanden vor \u00fcber 20 Jahren \u00fcber Polen auf unseren Markt: Niemand bei uns las damals kompetent Ukrainisch; Urteile \u00fcber neue Texte erfolgten auf der Grundlage von \u00dcbersetzungen ins Polnische. So beklagenswert war damals die Lage der ukrainischen Literatur in Deutschland. Wir hatten nie genug \u00dcbersetzer:innen und nie einen solchen historischen Tiefenraum, den man erforschen konnte, wie das in Polen der Fall war. Doch das hat sich inzwischen ge\u00e4ndert. Also kein Grund zu klagen - weitermachen!\\nJ\u00fcrgen BeckerIch kann das nur best\u00e4tigen. Wie ich vorhin schon sagte, sehe ich das Ganze auf einem ziemlich hohen Niveau. Mit Olga Tokarczuk gibt es eine Nobelpreistr\u00e4gerin, die auch in Deutschland die S\u00e4le f\u00fcllt, wenn sie Lesungen gibt. Vor zwei Wochen hatten wir eine Lesung mit Szczepan Twardoch im Literarischen Colloquium, das Haus war ausverkauft. Ja, es ist wirklich sehr viel los. Es gibt Zugpferde und alle m\u00f6glichen Satellitenaktionen, wie zum Beispiel die Neu\u00fcbersetzung von Klassikern: Werke von Boles\u0142aw Prus, Maria Kuncewiczowa, Andrzej Bobkowski \u2013 sind alle in den letzten Jahren in deutschen Verlagen erschienen, was ich sehr beachtlich finde. Man geht nicht in die Buchhandlung und sagt: \u201eEndlich mal ein Buch \u00fcber den Zweiten Weltkrieg von den Polen.\u201d Das ist ja kein Suchschema, mit dem man in die Buchhandlung geht.\\nGrzegorz JankowiczDiese von Marcin Piekoszewski zitierte \u00dcberzeugung ist wahrscheinlich eines der Stereotype, das sich im Laufe der polnisch-deutschen Beziehungen im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft verfestigt hat. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Aktivit\u00e4ten der deutschen Verlage. Diese bitten uns n\u00e4mlich um finanzielle Mittel zur F\u00f6rderung der Prosa von Autor:innen wie Dorota Mas\u0142owska, Grzegorz Kasdepke, Zofia Na\u0142kowska, Magdalena Parys, Maciej Siembieda, Adam Mickiewicz, Sabina Jakubowska, Stefan Grabi\u0144ski, Ishbel Szatrawska und Zyta Rudzka. Was fehlt? Wie ich bereits sagte, es fehlt ein Sprungbrett f\u00fcr die Werbung, also eine M\u00f6glichkeit, neue Geschichten in die deutsche Kultur und gesellschaftliche Diskussionen einzubringen und somit die Grenzen enger intellektueller Kreise und Lesergemeinschaften zu \u00fcberschreiten.\\nNatalia Pr\u00fcferDas Thema Werbung ist generell sehr wichtig, insbesondere im Hinblick auf Literatur in Polen und Deutschland. Ich wende mich nun an Frau Monika Sznajderman, die Mitbegr\u00fcnderin des in Polen sehr bedeutenden und bekannten Verlags Czarne. Wie oft erreichen Sie deutschsprachige Texte? Und was entscheidet dar\u00fcber, ob sie ver\u00f6ffentlicht werden oder nicht? F\u00fcr welche deutschsprachigen Autoren entscheidet sich der Verlag Czarne beispielsweise?\\nMonika SznajdermanZugegeben, es sind wenige. Ja, manchmal schicken \u00dcbersetzer:innen ihre Vorschl\u00e4ge, aber deutsche Literatur ist nicht die erste Wahl. Vor etwa 20 Jahren haben wir in unserer Reihe \u201eInna Europa, inna literatura\u201d (\u201eAnderes Europa, andere Literatur\u201c) viel deutsche Literatur ver\u00f6ffentlicht. Als ich mir diese Namen noch einmal angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass es von Anfang an vor allem Namen von Autor:innen mit Migrationshintergrund waren, die aus der T\u00fcrkei, aus Ungarn und aus Rum\u00e4nien nach Deutschland gekommen waren. Sie stellten eine interessante Herausforderung f\u00fcr die \u00dcbersetzenden dar, da sie die Sprache von innen heraussprengten und ver\u00e4nderten. Dies erm\u00f6glichte keine einfachen L\u00f6sungen, sondern zwang die \u00dcbersetzer:innen, nach einer neuen Sprache zu suchen. Mich selbst interessiert, warum es in Polen so wenig deutsche Literatur gibt, w\u00e4hrend die \u00f6sterreichische Literatur einen Kultstatus hat. Ich habe mit vielen Menschen dar\u00fcber gesprochen und die meisten von ihnen best\u00e4tigten, dass die \u00f6sterreichische Literatur in Polen einen anderen Bezug zur Vergangenheit hat. Die preu\u00dfische Teilung war nicht so \u201ecool\u201d wie die \u00f6sterreichische, an die viele Menschen aufgrund ihrer Familienerinnerungen noch immer irgendwo in ihrem Herzen gebunden sind. Der Verlag Czarne hat Reportagen von Reportern wie Wolfgang Bauer und Wolfgang B\u00fcscher ver\u00f6ffentlicht und wird in K\u00fcrze Peter Flamm ver\u00f6ffentlichen. Nat\u00fcrlich setzen wir auch die Ver\u00f6ffentlichung von Herta M\u00fcller fort. Wenn wir jedoch nach jungen literarischen Stimmen suchen, suchen wir sie eher nicht unter deutschen Schriftsteller:innen.\\nNatalia Pr\u00fcferIch werde den Literatur\u00fcbersetzerinnen also eine \u00e4hnliche Frage stellen. Reicht Ihr Eure \u00dcbersetzungsvorschl\u00e4ge bei Verlagen ein? Wie reagieren diese darauf?\\nZofia SucharskaDie Reaktionen waren und sind unterschiedlich. Dem, was bereits \u00fcber die in Polen ver\u00f6ffentlichte deutsche Literatur gesagt wurde, kann ich mich tats\u00e4chlich anschlie\u00dfen \u2013 es ist nicht einfach. Man kann einem Verlag zwar ein Buch vorschlagen, aber es gibt keine Gewissheit, dass daraus etwas wird. Was negative Reaktionen angeht, habe ich sehr oft Folgendes geh\u00f6rt: \u201eDas Thema klingt toll, aber es wird sich einfach nicht verkaufen.\u201c Ein interessantes Thema, ein interessanter Autor oder eine interessante Autorin, in Deutschland ein Bestseller, aber in Polen wird daraus nichts. Ich habe sogar die Aussage geh\u00f6rt: Je weniger deutsch der Name klingt, desto besser. Ich hatte viel Gl\u00fcck und konnte als angehende \u00dcbersetzerin einige B\u00fccher vorschlagen, die auf Polnisch erschienen sind. Erw\u00e4hnenswert ist, dass kleine Verlage gro\u00dfartige Arbeit leisten, auch f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Sie sind mutiger und oft offen f\u00fcr Dinge, die vielleicht keine Verkaufsschlager werden, die aber einfach interessant, wichtig und wertvoll sein k\u00f6nnen.\\nNatalia Pr\u00fcferLisa, welche Erfahrungen hast du mit \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche gemacht?\\nLisa PalmesIch habe \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Zum Ende meines Studiums 2007 habe ich ein Buch gelesen, das mich begeisterte, eine Reportage von Micha\u0142 Olszewski, und ich dachte, die muss unbedingt auf Deutsch erscheinen. Ich habe sie zwei, drei Jahre lang verschiedenen Verlagen angeboten. Meistens kam \u00fcberhaupt keine Antwort. Lustigerweise kam die letzte Absage \u2013 von welchem Verlag, wei\u00df ich nicht mehr \u2013 erst 2014, ich hatte das Buch seit 2009 angeboten, da h\u00e4tte es ja l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen. Dank eines Tipps der \u00dcbersetzerin Renate Schmidgall habe ich damals beim Buchinstitut Krakau angefragt, ob eine \u00dcbersetzungsprobe gef\u00f6rdert werden k\u00f6nne. Man sagte mir, dass so etwas eigentlich nur bewilligt werde, wenn man schon etwas ver\u00f6ffentlicht hat. Wenn ich aber einen entflammten Brief schreiben w\u00fcrde, warum gerade dieses Buch auf Deutsch erscheinen muss, w\u00fcrden sie mir die F\u00f6rderung vielleicht auch so geben. Und das habe ich dann getan. Joanna Czudec vom Buchinstitut hat mir freundlicherweise die F\u00f6rderung bewilligt und auch den WAB-Verlag auf mich aufmerksam gemacht, der mich daraufhin gebeten hat, \u00dcbersetzungsproben von vier aktuellen B\u00fcchern anzufertigen. Damit hatte ich dann Gl\u00fcck, zwei davon sind in meiner \u00dcbersetzung erschienen: ein Krimi von Bart\u0142omiej Rychter und die Reportage \u201eWanderer der Nacht\u201d von Wojciech Jagielski. Den herausgebenden Transit Verlag habe ich selbst gefunden, es ist ein kleiner Verlag, in dem jedes Fr\u00fchjahr und jeden Herbst vier thematisch zueinander passende B\u00fccher erscheinen. Jagielskis Buch handelte von den Kindersoldaten in Uganda. Und Transit hatte f\u00fcr das Fr\u00fchjahr das Thema Afrika. Das war also ein ganz besonderer Zufall. Der andere Verlag war dtv. Sie wollten es mit polnischen Krimis versuchen. Dadurch hat sich mir eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet.Gl\u00fccklicherweise kommen heute die Verlage meist auf mich zu. Meine Autorinnen Olga Tokarczuk und vor allem Joanna Bator schreiben beide aktiv und sind im deutschsprachigen Raum bekannt. Das hei\u00dft, wenn neue Werke erscheinen, wenden die Verlage sich an mich bzw. \u2013 bei Tokarczuk \u2013 auch an meinen \u00dcbersetzertandem-Partner Lothar Quinkenstein. Wenn sich die B\u00fccher dann gut verkaufen, kann man davon ausgehen, dass auch weitere B\u00fccher \u00fcbersetzt werden sollen. Ich biete zwar Verlagen noch B\u00fccher an, habe aber gar nicht mehr so viel Zeit daf\u00fcr.\\nNatalia Pr\u00fcferKannst du mir verraten, woran du gerade arbeitest?\\nLisa PalmesIch fange jetzt mit Barbara Klickas Roman \u201eReneta\u201c an. Der Mauke Verlag ist mit der Anfrage auf mich zugekommen. Zuletzt habe ich Erz\u00e4hlungen von Joanna Bator \u00fcbersetzt. \u201eDie Flucht der B\u00e4rin\u201c hei\u00dft der Arbeitstitel auf Deutsch. Eine Rohfassung der \u00dcbersetzung habe ich Katharina Raabe vor wenigen Tagen geschickt, sp\u00e4ter werde ich den Text noch \u00fcberarbeiten.\\nNatalia Pr\u00fcferGro\u00dfartig! Und Zofia, woran arbeitest du gerade?\\nZofia SucharskaIch arbeite an einem Buch, das ich auch empfohlen habe \u2013 also doppeltes Gl\u00fcck. Es ist ein \u00f6sterreichisches Buch, das in der bekannten \u00f6sterreichischen Tradition geschrieben ist, aber dennoch anders ist, da es sich um ein queeres Coming-of-Age-Buch handelt, das in einem kleinen Bergdorf in \u00d6sterreich spielt. Die Hauptfigur verliebt sich in ihre Nachbarin und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber ihre Nachbarn. In dieser kleinen Gemeinde verbergen sich hinter der Fassade einer perfekten Welt die schlimmsten Dinge. All das kennen wir aus der Tradition von Bernhard und Jelinek. Die Figuren sind in den Nationalsozialismus verstrickt und machen daraus auch keinen Hehl.\\nNatalia Pr\u00fcferWir haben also Bez\u00fcge zum Nationalsozialismus.\\nZofia SucharskaJa, diese Anspielungen sind sehr elegant in die gesamte Geschichte eingewoben. Es gibt zum Beispiel das Thema Kirche und Patriarchat. Die Autorin hei\u00dft Julia Jost und die Figuren sprechen untereinander \u00d6sterreichisch. Im K\u00e4rntner Dialekt, und alles ist phonetisch transkribiert.\\nNatalia Pr\u00fcferWie gehst du damit um? Es ist toll, dass du das angesprochen hast, denn es passt perfekt zu einem weiteren Thema, das ich unbedingt mit euch besprechen wollte: K\u00fcnstliche Intelligenz. Habt ihr keine Angst, dass der Beruf des Literatur\u00fcbersetzers bald durch Maschinen und Algorithmen ersetzt wird? Oder hilft euch KI vielleicht sogar bei der Arbeit?\\nZofia SucharskaDas ist ein schwieriges Thema, das eine separate Diskussion erfordert und mit gro\u00dfen Emotionen verbunden ist \u2013 insbesondere in unserer \u00dcbersetzungswelt. Ich betrachte dieses Thema mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen und wei\u00df selbst nicht, in welchem Verh\u00e4ltnis diese beiden Gef\u00fchle zueinanderstehen. Wenn ich mir die Meinungen von Experten zu den durch KI verursachten Ver\u00e4nderungen auf dem Arbeitsmarkt anh\u00f6re, wird mir klar, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren alles, was mit Sprachen zu tun hat, in irgendeiner Weise ver\u00e4ndern wird. K\u00fcnstliche Intelligenz wird zweifellos einen sehr gro\u00dfen Einfluss darauf haben. Literarische \u00dcbersetzungen sind jedoch meiner Meinung nach eine Ausnahme. Der menschliche Faktor ist bei literarischen \u00dcbersetzungen so wichtig, dass Maschinen das noch nicht leisten k\u00f6nnen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Hoffen wir, dass sich daran in den n\u00e4chsten Jahren nichts \u00e4ndern wird. Denn klar ist, dass ein Text nicht nur gut gemacht sein muss. Es geht um seinen Charakter, seine emotionale Bedeutung, den kulturellen Kontext und so weiter.\\nNatalia Pr\u00fcferSinn f\u00fcr Humor und Ironie \u2026\\nZofia SucharskaJa, obwohl k\u00fcnstliche Intelligenz das bereits kann. Wir k\u00f6nnen als \u00dcbersetzer:innen nicht so tun, als g\u00e4be es dieses Thema nicht und als w\u00fcrde es uns nicht betreffen.\\nLisa PalmesIch schlie\u00dfe mich an. Manchmal probiere ich KI aus, gebe etwas ein oder frage irgendetwas, und auf den ersten Blick klingt die Antwort ganz plausibel. Auch \u00dcbersetzungen mit Deepl lesen sich erst einmal ganz gut. Aber wenn man dann genau hinschaut, ist es doch nicht treffend, oft sind Verbindungen innerhalb eines Satzes falsch verkn\u00fcpft oder \u00e4hnliches. Was ich schwierig finde, ist, dass es offenbar bei den Verlagen Ans\u00e4tze gibt, Texte ganz von der KI \u00fcbersetzen zu lassen. Die \u00dcbersetzer:innen sollen dann nur noch lektorieren. Das ist extrem schwierig, finde ich, und geht \u00fcbrigens auch kein bisschen schneller. Wenn etwas schon vorformuliert ist von der KI, verliere ich v\u00f6llig meine eigene Vorstellung davon, wie dieser Satz klingen soll.\\nKatharina Raabe\\nDas ist zutiefst ambivalent. Ein \u00dcbersetzer, der sich sozusagen seinen eigenen KI-Ton schafft, ist immer noch ein \u00dcbersetzer. Es ist ein Albtraum, sich vorzustellen, dass alle B\u00fccher nach diesem KI-\u00dcbersetzer-Ton klingen, egal wie unterschiedlich sie sind. Die Prosa von Julia Jost ist das beste Beispiel daf\u00fcr, wie man die KI austricksen kann. Ich will ein kurzes Beispiel nennen, das die tiefe Ambivalenz verdeutlicht. Wir haben k\u00fcrzlich ein Buch aus dem Slowakischen gepr\u00fcft. Normalerweise reichten fr\u00fcher ein Gutachten und 20 Seiten Probe\u00fcbersetzung, um eine Entscheidung zu f\u00e4llen, ob wir ein Buch in das Osteuropaprogramm aufnehmen wollen oder nicht. Inzwischen sind wir ein generelles internationales Lektorat \u2013 alle wollen mitlesen. Da kam die Idee auf, das ganze Buch von Deepl Pro \u00fcbersetzen zu lassen. Es war hochinteressant zu sehen, dass alles weg war, was diesen Text reizvoll machte. Da der Text jedoch mit einer bestimmten Metapher arbeitet, die um die Farbe Blau kreist, lie\u00dfen sich mit Volltextsuche bestimmte Schl\u00fcsselstellen des Buches leicht finden. Von Aufbau, Plot und Figurenf\u00fchrung konnten wir uns ebenfalls ein Bild machen. Die KI war ein exzellentes Instrument, um Dinge zu rekonstruieren, die wir uns aus den 20 Seiten Probe\u00fcbersetzungen allein nicht erschlie\u00dfen konnten. Zugleich war sonnenklar, dass keine KI dieses Buch je w\u00fcrde \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, denn der Witz, der Ton, die Farbnuancen und vor allem die Ironie blieben auf der Strecke. \u00dcbersetzer:innen m\u00fcssen auf die unterschiedlichsten Werke reagieren und an ihnen ihre je eigene Stimme entfalten. Ambivalent ist die Sache schlie\u00dflich auch noch, weil die \u00dcbersetzer:innen aus sogenannten kleinen Sprachen wie dem Slowakischen noch nicht von der KI ersetzt werden k\u00f6nnen. Je mehr die KI mit Experimenten wie dem unseren angef\u00fcttert wird, desto mehr arbeiten wir daran mit, dass sich das \u00e4ndert.\\nGrzegorz JankowiczLassen Sie mich kurz auf das von Zofia Sucharska angesprochene Thema zur\u00fcckkommen. Es wurde gesagt, dass kleine Verlage experimentierfreudig sind, Risiken eingehen und Verlagsentscheidungen treffen, f\u00fcr die sie nicht nur wirtschaftliche, sondern auch inhaltliche Gr\u00fcnde finden. Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die aus Leidenschaft handeln, solche Experimente eher wagen. Alle Instrumente, \u00fcber die staatliche Institutionen verf\u00fcgen, sollten zur Unterst\u00fctzung dieser Akteure eingesetzt werden! (Beifall) Wenn wir das Offensichtliche beklatschen, bedeutet das, dass es uns nicht so gut geht. Auch kleine Unternehmen m\u00fcssen Geld verdienen. Die Menschen, die diese Dinge tun, sollten angemessen verdienen und ein gutes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.Was die KI betrifft, so werden sich die Werkzeuge der k\u00fcnstlichen Intelligenz fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch auf literarische \u00dcbersetzungen spezialisieren. Nat\u00fcrlich wird menschliches Eingreifen erforderlich sein, das sich jedoch eher auf die Redaktion oder Korrektur beschr\u00e4nken wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keine \u00dcbersetzer:innen mehr brauchen! Wir brauchen sie dringend! K\u00fcnstliche Intelligenz wird keine bilateralen Beziehungen zwischen Staaten unterhalten und \u00fcber den Umfang unserer gemeinsamen kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Interessen entscheiden.\\nNatalia Pr\u00fcferVielen Dank f\u00fcr diesen Beitrag. Monika Sznajderman hat zugegeben, dass sie nur wenige B\u00fccher aus dem Deutschen herausgibt, und m\u00f6chte diesen Gedanken nun fortsetzen.\\nMonika Sznajderman\\nJa, danke. Es gibt sicherlich viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Ein Beispiel sind die B\u00fccher, die mit dem renommierten Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurden. Sie werden \u00fcbersetzt und in Polen ver\u00f6ffentlicht, aber keines davon hat in der Welt der Leser:innen f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Es geht nicht einmal um gute Verkaufszahlen. Es geht darum, dass die \u00f6sterreichische Literatur eine Geschichte \u00fcber sich selbst zu erz\u00e4hlen hat. Sie greift zwar auf Stereotypen zur\u00fcck, hat aber etwas, das wir kennen und aufnehmen k\u00f6nnen. Meiner Meinung nach hat die deutsche Literatur keine solche Geschichte zu erz\u00e4hlen, weshalb sie die polnischen Leser:innen derzeit nicht reizt. Das gilt \u00fcbrigens nicht nur f\u00fcr die Literatur: Generell interessieren sich die Polen nicht f\u00fcr das heutige Deutschland. Ich m\u00f6chte das nicht auf Ressentiments zur\u00fcckf\u00fchren, denn ich denke, dass inzwischen so viel Zeit vergangen ist, dass dies kaum der Grund f\u00fcr das mangelnde Interesse sein kann. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen unseren L\u00e4ndern, pers\u00f6nliche Empfehlungen und das Engagement einzelner Menschen als Botschafter:innen so wichtig. Ich sch\u00e4tze die Aktivit\u00e4ten von F\u00f6rderern der \u00f6sterreichischen Literatur sehr, zum Beispiel Agnieszka Borkiewicz. Es gelingt ihr immer, Interesse an der Literatur zu wecken. Mundpropaganda und Empfehlungen sind wichtig, und die \u00f6sterreichische Literatur hat das in Polen, die deutsche Literatur hingegen nicht.\\nNatalia Pr\u00fcfer\\nSie haben ein sehr wichtiges Thema angesprochen: das mangelnde Interesse der Polen an Deutschland und umgekehrt. Unter den Zuh\u00f6rer:innen befindet sich heute Frau Dominika Kasprowicz, Direktorin der Villa Decius in Krakau. In der Villa fand vor einigen Monaten eine Diskussion zu einem \u00e4hnlichen Thema statt. Au\u00dferdem werden dort verschiedene deutsch-polnische Kulturprojekte organisiert. Interessieren sich die heutigen Polen f\u00fcr die heutigen Deutschen?\\nDominika Kasprowicz\\nIch vertrete einen Ort, der in vielerlei Hinsicht ungew\u00f6hnlich ist. Nach einigen Jahren Pause haben wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt den Karl-Dedecius-Preis f\u00fcr die besten \u00dcbersetzer:innen polnischer Literatur ins Deutsche und deutscher Literatur ins Polnische wieder eingef\u00fchrt. Wir sind \u00fcberzeugt, dass man einen sicheren Raum f\u00fcr Begegnungen, Dialog und Diskussionen schaffen muss, um das Interesse anderer zu wecken. Wir greifen auch auf immer neue, ungew\u00f6hnliche Formate zur\u00fcck. Dazu geh\u00f6ren Stipendienaufenthalte sowie \u00dcbersetzungs-, Schreib- und Poesie-Stipendien, aber auch Stipendien f\u00fcr Theaterleute und Dramatiker:innen. Letztere schreiben St\u00fccke \u00fcber die deutsch-polnischen Beziehungen, die im S\u0142owacki-Theater in Krakau aufgef\u00fchrt werden. Es sind bereits acht Theaterst\u00fccke zu diesem Thema entstanden. Ein weiteres, \u00e4u\u00dferst interessantes, Format sind Drehb\u00fccher f\u00fcr narrative Spiele. Sie w\u00e4ren \u00fcberrascht, zu erfahren, welches Bild von den Nachbarn in Bezug auf die Geschichte und Gegenwart jemand hat, der die Welt durch die Brille von Spielen kennenlernt. Immer mehr Institutionen aus Deutschland stellen die Frage nach der M\u00f6glichkeit, zu uns zu kommen und mit uns zusammenzuarbeiten. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung des gegenseitigen Interesses zwischen Polen und Deutschen.\\nNatalia Pr\u00fcferEs gibt viele Formate, die den kulturellen Austausch f\u00f6rdern sollen. Heute kommen wir zur\u00fcck zur Literatur und zu \u00dcbersetzungen. Mit uns ist Anne-Bitt Gerecke vom Goethe-Institut, die uns \u00fcber das Programm Litrix berichten wird. Was ist das?\\nAnne-Bitt GereckeIch arbeite im Bereich Literatur- und \u00dcbersetzungsf\u00f6rderung des Goethe-Instituts. Wir f\u00f6rdern \u00dcbersetzungen weltweit und reagieren auf Antr\u00e4ge von Verlegern aus aller Welt, die deutschsprachige Literatur \u2013 aktuelle Titel ebenso wie Klassiker \u2013 in ihren Landessprachen herausbringen wollen. Ich bin schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr das Litrix-Programm zust\u00e4ndig. Das ist ein angebotsorientiertes Programm. Das hei\u00dft, wir bem\u00fchen uns aktiv darum, sowohl etablierte als auch junge Stimmen der deutschsprachigen Literatur international bekannt zu machen. Zu diesem Zweck setzen wir jeweils f\u00fcr drei Jahre bestimmte Sprachschwerpunkte. Zun\u00e4chst waren es die gro\u00dfen Sprachr\u00e4ume wie z.B. Arabisch, Spanisch oder Chinesisch, seit 2019 liegt unser Fokus auf Europa. Mit unseren europ\u00e4ischen Nachbarn st\u00e4rker in den Austausch zu kommen, ist gerade in schwierigen Zeiten von besonderer Bedeutung. Ich freue mich daher sehr, dass wir seit Anfang des Jahres Polen als Schwerpunkt haben. Unser Programm sieht vor, dass wir auf unserer Website litrix.de auf Deutsch, Englisch und in den n\u00e4chsten drei Jahren auch auf Polnisch interessante Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorstellen.Wir pr\u00e4sentieren die von unserer polnisch-deutschen Jury ausgew\u00e4hlten B\u00fccher mit Besprechungen, kurzen Infos zu den Autor:innen und zum Verlag sowie, was ganz wichtig ist, mit Leseproben. Unser Programm bezieht sich auf das gesamte Spektrum der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, also Kinder- und Jugendliteratur, Sachb\u00fccher, Belletristik und Graphic Novels, und soll als Schaufenster und als Angebot fungieren, \u00fcber die B\u00fccher miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. F\u00fcr alle auf Litrix.de vorgestellten B\u00fccher garantieren wir die Erstattung der gesamten \u00dcbersetzungskosten. Au\u00dferdem gew\u00e4hren wir einen Zuschuss zu den Lizenzkosten. So halten wir die heute schon wiederholt angesprochenen verlegerischen Risiken m\u00f6glichst gering und erm\u00f6glichen es auch kleineren Verlagen, \u00dcbersetzungsprojekte zu realisieren, indem sie nur noch die Bereiche Herstellung, Werbung und Vertrieb selbst abdecken m\u00fcssen. Damit der deutsch-polnische Literaturaustausch nachhaltig wirken kann, bem\u00fchen wir uns auch, das Netzwerk zu st\u00e4rken, Begegnungen zwischen Autor:innen zu erm\u00f6glichen und Workshops f\u00fcr \u00dcbersetzer:innen anzubieten. So werden wir z.B. im August gemeinsam mit der Villa Decius in Krakau eine einw\u00f6chige Akademie f\u00fcr junge \u00dcbersetzer:innen durchf\u00fchren, die kurz vor dem Einstieg in den Beruf stehen. Unser Polen-Schwerpunkt hat ja gerade erst begonnen, daher freue ich mich sehr, heute die Gelegenheit zu haben, viele der polnischen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen!\\nNatalia Pr\u00fcferIn dieser Runde haben wir sicherlich viele interessante Dinge zum Thema Literatur zu sagen. Es ist kein Zufall, dass wir uns heute alle hier im Polnischen Institut getroffen haben. Ich er\u00f6ffne nun offiziell unsere Diskussion und lade das Publikum dazu ein, sich zu \u00e4u\u00dfern. Haben Sie Fragen an unsere G\u00e4ste? M\u00f6chten Sie \u00fcber Ihre Initiativen, Ideen oder Probleme im Zusammenhang mit dem Transfer von Literatur und Wissen berichten?\\nJ\u00fcrgen BeckerZur Frage, wie die deutsche Literatur derzeit wahrgenommen wird: Ich glaube, dass sich die deutsche Literatur in den letzten Jahren sehr stark gewandelt hat. Sie ist sehr vielf\u00e4ltig. Wir leben in einer Migrationsgesellschaft und es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass sich der literarische Diskurs oder auch die Vergabe gro\u00dfer Buchpreise an Leute wie Ter\u00e9zia Mora, die aus Ungarn kommt oder Feridun Zaimoglu, der t\u00fcrkische Wurzeln hat, dem stellen. Das ist heutzutage in der deutschen Literatur eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Einerseits k\u00f6nnte man denken, dadurch ist die deutsche Literatur international noch anschlussf\u00e4higer geworden. Andererseits h\u00f6re ich immer wieder, dass im englischsprachigen Raum gesagt wird: \u201eDas Thema Migration haben wir in unserer Literatur selber, da m\u00fcssen wir jetzt nicht auch noch die Migrationsgeschichten aus Deutschland h\u00f6ren.\u201d Aber letztlich kommt es immer auf die literarische Qualit\u00e4t an. Es fehlt vielleicht in der deutschen Literatur an Autor:innen, auf die international wirklich Bezug genommen wird.Was ich noch loswerden wollte, ist eigentlich eine Frage an Grzegorz Jankowicz: W\u00e4re es nach 25 Jahren nicht an der Zeit f\u00fcr einen neuen Ehrengast-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse? Es hat damals so viel bewegt. Es hat auch Ihr Institut sozusagen aus der Taufe gehoben. Es w\u00e4re, glaube ich, ein gro\u00dfer Energieschub, der sehr viel bewirken k\u00f6nnte, wenn wir auf eine neue Stufe k\u00e4men, obwohl wir heute wirklich ziemlich weit gekommen sind.\\nGrzegorz JankowiczVielen Dank. Polen als Ehrengast in Frankfurt? Diese Frage h\u00f6re ich in letzter Zeit immer wieder. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung, der wir uns auf jeden Fall sehr ernsthaft annehmen werden.\\nMonika Sznajderman\\nIch m\u00f6chte nur noch hinzuf\u00fcgen, dass wir der Literaturkritik heute nur wenig Raum gewidmet haben. In Polen hat sie einen v\u00f6lligen Niedergang erlebt, was sich stark auf die F\u00f6rderung ausl\u00e4ndischer Literatur auswirkt. Es gibt keine Orte, an denen Kritik ver\u00f6ffentlicht werden kann, und es gibt auch keine Kritiker:innen, sondern eher Journalist:innen, die den einfachen Weg gehen, keine neuen Schriftsteller:innen entdecken und lediglich irgendwelche Notizen machen, aber keine Kritiken schreiben.\\nGrzegorz JankowiczWir versuchen, in Polen etwas dagegen zu unternehmen. So hat das Buchinstitut k\u00fcrzlich das Internetportal \u201eDzienniki Literacki\u201d er\u00f6ffnet. Dort ver\u00f6ffentlichen wir kritische Besprechungen von Publikationen und literarischen Veranstaltungen, zu denen die breite \u00d6ffentlichkeit keinen Zugang hat, weil sie beispielsweise in kleineren Orten organisiert werden.\\nBeata Zuzanna BorawskaIch vertrete den Literaturclub \u201eCudowne Kobiety\u201d (Wunderbare Frauen) in Berlin. Den Club leiten sieben Frauen, sechs Emigrantinnen aus Polen, die in Berlin leben, und ich aus der Grenzregion, genauer gesagt aus Stettin. Wir trafen uns zu Hause und schrieben. Das Ergebnis unserer Arbeit ist eine Sammlung von Erz\u00e4hlungen, die am 17. Mai dieses Jahres im KLAK Verlag erschienen ist. Es grenzt an ein Wunder, einen polnischen Verlag f\u00fcr so etwas zu begeistern, aber wir werden von unserer Leidenschaft und Liebe zur Literatur angetrieben und wollen uns weiterentwickeln. Wir f\u00fchlen uns jedoch absolut unsichtbar. Es ist eine Arbeit im Bereich der Mikronarrative, die von au\u00dferordentlicher Bedeutung ist und auf dem Markt fehlt. Denn die emigrierten Schriftstellerinnen in unserem Club sind Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren und ihre Stimme sollte sichtbar sein. Verschiedene Motive haben sie nach Berlin gef\u00fchrt, was sich in ihren Texten widerspiegelt. Haben Sie eine Idee, ob es \u00fcberhaupt Raum gibt, solche Initiativen zu unterst\u00fctzen?\\nGrzegorz JankowiczDas ist eine gro\u00dfartige Geschichte. Das Buchinstitut verf\u00fcgt \u00fcber zahlreiche Instrumente, mit denen es auch kleinere Initiativen wie Buchclubs unterst\u00fctzen kann. In Polen gibt es etwa 2.000 davon. Vielleicht k\u00f6nnten sie Ihnen helfen? Ich habe im Moment keine einfache Antwort f\u00fcr Sie, aber solche Treffen, solche Gruppen, solche Gemeinschaften sind f\u00fcr das Buchinstitut sehr wichtig. Ich empfehle Ihnen au\u00dferdem, sich mit dem Programm \u201eInne Tradycje\u201d (Andere Traditionen) vertraut zu machen.\\nAgata Koch\\nIch vertrete das Sprachcaf\u00e9 Polnisch in Berlin und bin au\u00dferdem Autorin. Seit 13 Jahren sind wir ein offener Treffpunkt f\u00fcr die polnische Sprache und Kultur in Berlin-Pankow. Seit zwei Jahren gibt es einen zweiten Standort im S\u00fcden der Stadt, in der N\u00e4he des Bahnhofs S\u00fcdkreuz. Es ist ein Treffpunkt f\u00fcr kreative Menschen, die Kunst leben und ihre Leidenschaft teilen m\u00f6chten. Die polnische Sprache steht hier eindeutig im Mittelpunkt, aber wir haben auch viele Anfragen von K\u00fcnstler:innen, die mit anderen Sprachen arbeiten, vor allem mit Deutsch. Wir organisieren Treffen f\u00fcr Autor:innen und \u00dcbersetzer:innen, Workshops und betreiben eine Bibliothek. All das geschieht von unten. Dieser Raum, den wir auch f\u00fcr andere Disziplinen wie Ausstellungen, Musik oder Sprachprogramme f\u00fcr Kinder nutzen, ist sehr wichtig. Ich wei\u00df nicht, inwieweit Sie dar\u00fcber informiert sind, aber solche Vereine haben es in Berlin immer schwerer, F\u00f6rdermittel zu bekommen. Wenn Sie also Ideen zur F\u00f6rderung der polnischen Kultur in Deutschland haben, wenden Sie sich bitte an uns.\\nKarolina GolimowskaIch m\u00f6chte noch einmal kurz auf das Thema k\u00fcnstliche Intelligenz in der Literatur\u00fcbersetzung zur\u00fcckkommen und darauf, ob man sich etwas Positives in Bezug auf die Arbeit mit KI vorstellen kann. Ich wende mich an die \u00dcbersetzerinnen: W\u00fcrde es Euch helfen, wenn Ihr Zugang zu einer Datenbank h\u00e4tten, in der Beispiele daf\u00fcr zu finden sind, wie K\u00e4rntnerisch, Steirisch oder jede andere Sprache zuvor \u00fcbersetzt wurde? Oder die Idee, die Lisa hatte, n\u00e4mlich eine Software zu entwickeln, mit der eigene \u00dcbersetzungen zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen. K\u00f6nntet Ihr euch vorstellen, ein solches Glossar zu erstellen? Seht ihr irgendwelche positiven Aspekte in der Arbeit mit k\u00fcnstlicher Intelligenz?\\nZofia SucharskaDas ist eine sehr interessante Frage. Einerseits w\u00e4re es tats\u00e4chlich sehr interessant, etwas \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und Zugang zu einer Datenbank zu haben, in der es viele Inspirationen aus anderen Quellen gibt. Andererseits m\u00f6chte ich noch einmal auf den menschlichen Faktor zur\u00fcckkommen. Da ich gerade das erw\u00e4hnte Buch \u00fcbersetze, m\u00f6chte ich mich an die \u00dcbersetzer:innen ins Niederl\u00e4ndische und Englische wenden und sie einfach fragen, wie sie das gel\u00f6st haben. Zwischenmenschliche Kontakte und der Aufbau von Beziehungen zu Menschen, die das Gleiche tun, beispielsweise in einem anderen Land, scheinen mir von unsch\u00e4tzbarem Wert zu sein.\\nLisa Palmes\\nEine gr\u00f6\u00dfere Datensammlung, an der man sich orientieren kann\u2026 Das ist bestimmt interessant. Um an das anzukn\u00fcpfen, was Katharina eben noch einwandte: Selbst, wenn es gelingen w\u00fcrde, ein personalisiertes KI-\u00dcbersetzungsprogramm so mit eigenen \u00dcbersetzungen zu f\u00fcllen, dass es zuk\u00fcnftige Texte im spezifischen Stil des betreffenden \u00dcbersetzers \u00fcbersetzt, ist es doch so, dass ein \u00dcbersetzer oder eine \u00dcbersetzerin nicht jeden Text nach dem gleichen Muster \u00fcbersetzt. Das hei\u00dft, ein solches Programm n\u00fctzt letzten Endes vielleicht gar nichts. Ich bin also auch eher skeptisch. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte man sich nicht selbst wegrationalisieren, aber ich vermute, dass wir in gewisser Weise in Zukunft mit KI arbeiten werden. Aber ich wei\u00df jetzt auch noch \u00fcberhaupt nicht, wohin das f\u00fchren wird. Ich habe zum Beispiel kein Interesse daran, mir dieses personalisierte Programm zu kaufen, weil ich gerne selbst an meinen Texten arbeite und mir meine eigenen Einf\u00e4lle nicht verderben m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte nicht, dass mir eine Maschine vorschreibt, wie es klingen k\u00f6nnte, denn dann vergesse ich meine eigenen Ideen. Das ist auch eine Sache von Intuition, die m\u00f6chte ich nicht verlieren. Sie ist das Wichtigste beim \u00dcbersetzen. Ich muss aus mir heraus sp\u00fcren, wie eine \u00dcbersetzung klingen soll. 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Es wird von der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit im Auftrag der Au\u00dfenministerien der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland durchgef\u00fchrt. Neben zahlreichen Podiumsdiskussionen zu Themen wie internationale Sicherheit, Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Wirtschaft und Zukunft der Europ\u00e4ischen Union, findet auch diese Veranstaltung zum Thema Kultur statt. Genauer gesagt, geht es dabei um die Rolle literarischer \u00dcbersetzungen f\u00fcr das gegenseitige Verst\u00e4ndnis und die Wahrnehmung von Polen und Deutschen. Ich freue mich sehr, dass wir als Polnisches Institut aktiv an der Durchf\u00fchrung des diesj\u00e4hrigen Forums mitwirken konnten und dabei vom Deutschen \u00dcbersetzerfonds unterst\u00fctzt wurden. Zu der Diskussion haben wir Vertreter:innen von Verlagen, Institutionen, die \u00dcbersetzungen f\u00f6rdern, Literatur\u00fcbersetzer:innen, Literaturf\u00f6rderer:innen und nat\u00fcrlich Leser:innen eingeladen.\nNatalia Pr\u00fcfer\u201eGemeinschaft f\u00fcr schwierige Zeiten\u201c \u2013 so lautet der Titel des diesj\u00e4hrigen Deutsch-Polnischen Forums. Es d\u00fcrfte niemanden \u00fcberraschen, wenn ich sage, dass wir derzeit in wirklich schwierigen und unsicheren Zeiten leben. Parallel zu unserer Podiumsdiskussion finden derzeit Gespr\u00e4che \u00fcber Sicherheit, Politik und Kriege statt. Ich bin froh, dass die Organisator:innen das Thema Kultur und kultureller Austausch nicht aufgegeben haben, auch wenn es heute banal erscheinen mag und kaum jemand es f\u00fcr notwendig h\u00e4lt. Es gibt einige wichtige Themen, die ich in der heutigen Diskussion ansprechen m\u00f6chte. Eines davon ist das Ungleichgewicht bei \u00dcbersetzungen aus verschiedenen Sprachen ins Polnische und ins Deutsche.Die neuesten Daten zu Literatur\u00fcbersetzungen ins Polnische stammen aus dem Jahr 2023 und sind durchaus interessant. So zeigt sich, dass 2.881 B\u00fccher aus dem Englischen \u00fcbersetzt wurden. An zweiter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 590 B\u00fcchern, an dritter Stelle die deutsche Sprache, also deutschsprachige Literatur aus der Schweiz, \u00d6sterreich und Deutschland. Mit nur 149 Titeln erscheinen diese Ungleichgewichte recht gro\u00df. In Deutschland wurden im Jahr 2022 hingegen 5178 B\u00fccher aus dem Englischen ins Deutsche \u00fcbersetzt. An zweiter Stelle steht die japanische Sprache mit 1.120 B\u00fcchern, was ich mit gro\u00dfem Interesse zur Kenntnis genommen habe. An dritter Stelle steht die franz\u00f6sische Sprache mit 94 Titeln. Die polnische Sprache habe ich in dieser Aufz\u00e4hlung gar nicht gefunden. Ich sch\u00e4tze, dass es einige Dutzend Titel pro Jahr sind. Solche Untersuchungen wurden bis zum Jahr 2020 vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt durchgef\u00fchrt. Ich wei\u00df, dass diese Liste bald wieder aufgenommen und aktualisiert wird. Wie interpretieren Sie diese Daten?\nGrzegorz JankowiczIch freue mich, dass wir uns treffen k\u00f6nnen, um \u00fcber Literatur zu sprechen. Sie ist, meiner Meinung nach, ein nicht offensichtliches, aber sehr wirksames Instrument, um die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland zu vertiefen. Derzeit erscheinen in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 40 \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen. Das Buchinstitut aus Krakau unterst\u00fctzt diese Art von Aktivit\u00e4ten. Wie ist diese Situation zu interpretieren? Je mehr verschiedene Instrumente \u2013 sowohl institutioneller als auch finanzieller Art \u2013 zur Verf\u00fcgung stehen, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Austausch zwischen den Literaturkulturen beider L\u00e4nder sein. Es ist auch sehr wichtig, dass Initiativen, die auf Verlagsebene ergriffen werden, auf der Ebene der Werbung ihre Fortsetzung finden. Die Tatsache, dass wir ein Buch unterst\u00fctzen, das in deutscher Sprache erscheint \u2013 meist in sehr ambitionierten, oft experimentierfreudigen Verlagen \u2013, bedeutet nicht, dass dieses Buch einen breiteren Vertrieb findet. Hier in Deutschland braucht es ein zus\u00e4tzliches Sprungbrett.Ich m\u00f6chte hinzuf\u00fcgen, dass die deutsch-polnischen Beziehungen einen wichtigen historischen Kontext f\u00fcr das Buchinstitut darstellen. Die Idee f\u00fcr unsere Kulturinstitution entstand schlie\u00dflich Ende der 1990er Jahre im Zusammenhang mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Teilnahme Polens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2000. Verantwortlich f\u00fcr diese Initiative war Albrecht Lempp, der sp\u00e4ter Leiter der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit wurde. Er sprach nie von \u201edeutscher \u201d oder \u201epolnischer\u201d Literatur, sondern von \u201eunserer polnischen Literatur\u201d und \u201eunserer deutschen Literatur\u201d. Damit beseitigte er vor allem die mentalen Grenzen zwischen den Kulturkreisen. Bis heute vergeben wir das bilaterale Albrecht-Lempp-Stipendium. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung der polnischen Literatur auf Buchmessen in Deutschland. Allerdings kann man nie genug Instrumente zur F\u00f6rderung haben und die Intensit\u00e4t dieser Aktivit\u00e4ten sollte st\u00e4ndig verst\u00e4rkt werden. Ich m\u00f6chte au\u00dferdem betonen, dass es weitere Instrumente gibt, mit denen die polnische Literatur in Deutschland gef\u00f6rdert wird. So gibt es beispielsweise das Josepha Literaturstipendium f\u00fcr polnische Schriftsteller:innen. In der Jury dieses Stipendiums sitzen \u00dcbersetzer:innen, Verleger:innen und F\u00f6rderer aus Polen und Deutschland. Das ist gro\u00dfartig!\nNatalia Pr\u00fcferUm die Interpretation der zu Beginn genannten Zahlen bitte ich Herrn J\u00fcrgen Becker. Wir m\u00f6chten betonen, dass der Deutsche \u00dcbersetzerfonds nicht nach den gleichen Grunds\u00e4tzen wie das Buchinstitut arbeitet und Verlage nicht direkt unterst\u00fctzt. Ich bin mir jedoch sicher, dass Sie auch etwas zur Anzahl der aus dem Deutschen ins Polnische \u00fcbersetzten B\u00fccher sagen k\u00f6nnen.\nJ\u00fcrgen BeckerDie genaue Statistik steht mir nicht zur Verf\u00fcgung. Ich w\u00fcrde es auch gerne wissen, wie viele \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche es aktuell gibt. Es werden aber 40 bis 60 B\u00fccher pro Jahr sein. Im Ranking der L\u00e4nder bzw. der ins Deutsche \u00fcbersetzten fremdsprachigen Werke taucht Polen auf dem Gesamtmarkt, glaube ich, auf Platz zw\u00f6lf auf. Also unter den Top Ten ist es nicht. Wir vergeben Stipendien an Literaturbersetzer:innen. Das hei\u00dft, wir geben das Geld nicht an Verlage, sondern direkt an die \u00dcbersetzer:innen in Form von Stipendien. So k\u00f6nnen sie m\u00f6glichst viel Zeit in ihre Arbeit investieren und qualitativ hochwertige \u00dcbersetzungen erstellen. Wir schaffen sozusagen ein Bew\u00e4sserungssystem f\u00fcr diesen \u00dcbersetzerberuf, damit er auf hohem Niveau funktionieren kann. Fast \u00fcberall auf der Welt wird am meisten aus dem Englischen \u00fcbersetzt. Das ist kein \u00fcberraschender Befund. Ungef\u00e4hr 60 bis 70% entfallen auf das Englische, die anderen 30 bis 40% teilen sich auf alle anderen Fremdsprachen. Das ist seit der Nachkriegszeit so, es hat also keinen Sinn, sich dar\u00fcber zu beklagen. Viele afrikanische, auch asiatische Autor:innen schreiben auf Englisch. Dadurch entsteht gewisserma\u00dfen eine globale Literatur, die nat\u00fcrlich interessant ist und auch bei uns in gro\u00dfer Zahl ankommt. Ich habe den Eindruck, dass \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche auf hohem Niveau stattfinden. Wenn ich mir anschaue, was hier in Deutschland von Joanna Bator, Tomasz R\u00f3\u017cycki, Olga Tokarczuk, Urszula Honek, Ziemowit Szczerek und Tadeusz D\u0105browski erscheint, dann sind das doch eigentlich die wichtigen Stimmen der polnischen Literatur. Das ist doch eigentlich auch normal, wenn nicht jedes Deb\u00fct sofort ins Deutsche \u00fcbersetzt wird. Das Niveau der professionellen Literatur\u00fcbersetzer:innen ist sehr hoch: Olaf K\u00fchl, Renate Schmidgall, Esther Kinsky, Lisa Palmes, Bernhard Hartmann oder Thomas Weiler, um nur ein paar zu nennen, sind exzellente Vertreter:innen ihres Fachs. Das hei\u00dft, die Voraussetzungen f\u00fcr eine gute Vermittlung dieser Literatur sind auf jeden Fall gegeben. Ob es jetzt Platz sechs, sieben oder f\u00fcnf in einem internationalen Ranking ist \u2013 das ist, glaube ich, zweitrangig.\nNatalia Pr\u00fcferMarcin Piekoszewski, der Gr\u00fcnder der Buchhandlung buchbund im Berliner Stadtteil Neuk\u00f6lln, hat hier im Polnischen Institut offen gesagt, dass sich die Deutschen nur dann f\u00fcr polnische Literatur interessieren, wenn sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg oder den wiedergewonnenen Gebieten befasst. Andernfalls sei es ziemlich schwierig, deutsche Verlage davon zu \u00fcberzeugen, etwas aus Polen zu ver\u00f6ffentlichen. Stimmen Sie dieser These zu?\nKatharina RaabeEhrlich gesagt, glaube ich, dass Marcin das im Kontext einer bestimmten Gespr\u00e4chssituation polemisch zugespitzt hat. In den Verlagen suchen wir nicht nach Themen, sondern nach guter Literatur und herausragender Sprache. Ich habe mir die Zahlen angeh\u00f6rt und wieder gedacht, dass durch solche Statistiken ein verzerrtes Bild entsteht. Denn wir m\u00fcssen uns klarmachen: Anders als in vielen anderen Sprachr\u00e4umen, ist die polnische Literatur in all ihrer Vielfalt seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des literarischen Lebens und der Buchkultur in Deutschland. Sie wird klug und engagiert entdeckt und \u00fcbersetzt. J\u00fcrgen Becker hat das eben schon angedeutet. Nat\u00fcrlich haben wir eine bestimmte Idee von der polnischen Gegenwartsliteratur, die sich im Grunde auf bestimmte Elemente bezieht. Das eine ist, dass die ehemals von Deutschen bewohnten Gegenden Polens in jeder polnischen Autorengeneration seit 1989 neu entdeckt werden. Der gr\u00f6\u00dfte Bucherfolg auf dem deutschsprachigen Markt im Jahr 2023 war Karolina Kuszyks Buch \u201eIn den H\u00e4usern der Anderen\u201d \u2013 eine Mischung aus lebendiger Erz\u00e4hlung und Reportage. F\u00fcr die einzigartige Qualit\u00e4t der polnischen Reportage-Schule hat uns unser Freund Martin Pollack seit vielen Jahren sensibilisiert. Das andere ist die Entdeckung des komplexen historischen Raums: die historischen Verwerfungen, die Grenzen: Oberschlesien, Niederschlesien, die Beskiden, der Osten, Ostgalizien \u2013 das sind Gegenden, in denen die Leser dank der polnischen Literatur Geschichtsreisen unternehmen k\u00f6nnen.Ich m\u00f6chte auch daran erinnern, dass es eine neue Bewegung gibt: die sogenannte \u00d6kopoetik. In gewisser Weise ist das eine Fortf\u00fchrung der Geopoetik, die durch Autoren wie Andrzej Stasiuk und seinen ukrainischen Freund Juri Andruchowytsch geschaffen wurde. Wir beobachten das sehr aufmerksam und auch dank der Kompetenz unserer \u00dcbersetzer:innen mit gro\u00dfem Interesse. Ich bin immer heilfroh, wenn B\u00fccher nicht nur deshalb gelesen werden, weil sie aus Polen, Slowenien, der Ukraine oder Vietnam kommen, sondern weil sich die Namen der Autor:innen durchgesetzt haben und man etwas mit ihnen verbindet: \u201eAha, das ist jetzt das n\u00e4chste Buch von Ziemowit Szczerek oder hier kommt eine neue Bator.\u201d Ich kann gar nicht alle aufz\u00e4hlen, die sich in den letzten zwanzig und mehr Jahren bei uns etabliert haben. Und wie bereits gesagt, gibt es in dieser Szene Buchhandlungen, engagierte Verlage und einen sehr engen Austausch zwischen der deutschen und der polnischen Verlagsszene. Wir haben also keinen Grund zu klagen. Ich will noch auf etwas Wichtiges hinweisen: Polnisch ist eine Schl\u00fcsselsprache, um die Literaturen \u201eweiter \u00f6stlich\u201c zu erschlie\u00dfen, etwa die belarussische oder die litauische. Auch die ukrainischen Autor:innen fanden vor \u00fcber 20 Jahren \u00fcber Polen auf unseren Markt: Niemand bei uns las damals kompetent Ukrainisch; Urteile \u00fcber neue Texte erfolgten auf der Grundlage von \u00dcbersetzungen ins Polnische. So beklagenswert war damals die Lage der ukrainischen Literatur in Deutschland. Wir hatten nie genug \u00dcbersetzer:innen und nie einen solchen historischen Tiefenraum, den man erforschen konnte, wie das in Polen der Fall war. Doch das hat sich inzwischen ge\u00e4ndert. Also kein Grund zu klagen - weitermachen!\nJ\u00fcrgen BeckerIch kann das nur best\u00e4tigen. Wie ich vorhin schon sagte, sehe ich das Ganze auf einem ziemlich hohen Niveau. Mit Olga Tokarczuk gibt es eine Nobelpreistr\u00e4gerin, die auch in Deutschland die S\u00e4le f\u00fcllt, wenn sie Lesungen gibt. Vor zwei Wochen hatten wir eine Lesung mit Szczepan Twardoch im Literarischen Colloquium, das Haus war ausverkauft. Ja, es ist wirklich sehr viel los. Es gibt Zugpferde und alle m\u00f6glichen Satellitenaktionen, wie zum Beispiel die Neu\u00fcbersetzung von Klassikern: Werke von Boles\u0142aw Prus, Maria Kuncewiczowa, Andrzej Bobkowski \u2013 sind alle in den letzten Jahren in deutschen Verlagen erschienen, was ich sehr beachtlich finde. Man geht nicht in die Buchhandlung und sagt: \u201eEndlich mal ein Buch \u00fcber den Zweiten Weltkrieg von den Polen.\u201d Das ist ja kein Suchschema, mit dem man in die Buchhandlung geht.\nGrzegorz JankowiczDiese von Marcin Piekoszewski zitierte \u00dcberzeugung ist wahrscheinlich eines der Stereotype, das sich im Laufe der polnisch-deutschen Beziehungen im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft verfestigt hat. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Aktivit\u00e4ten der deutschen Verlage. Diese bitten uns n\u00e4mlich um finanzielle Mittel zur F\u00f6rderung der Prosa von Autor:innen wie Dorota Mas\u0142owska, Grzegorz Kasdepke, Zofia Na\u0142kowska, Magdalena Parys, Maciej Siembieda, Adam Mickiewicz, Sabina Jakubowska, Stefan Grabi\u0144ski, Ishbel Szatrawska und Zyta Rudzka. Was fehlt? Wie ich bereits sagte, es fehlt ein Sprungbrett f\u00fcr die Werbung, also eine M\u00f6glichkeit, neue Geschichten in die deutsche Kultur und gesellschaftliche Diskussionen einzubringen und somit die Grenzen enger intellektueller Kreise und Lesergemeinschaften zu \u00fcberschreiten.\nNatalia Pr\u00fcferDas Thema Werbung ist generell sehr wichtig, insbesondere im Hinblick auf Literatur in Polen und Deutschland. Ich wende mich nun an Frau Monika Sznajderman, die Mitbegr\u00fcnderin des in Polen sehr bedeutenden und bekannten Verlags Czarne. Wie oft erreichen Sie deutschsprachige Texte? Und was entscheidet dar\u00fcber, ob sie ver\u00f6ffentlicht werden oder nicht? F\u00fcr welche deutschsprachigen Autoren entscheidet sich der Verlag Czarne beispielsweise?\nMonika SznajdermanZugegeben, es sind wenige. Ja, manchmal schicken \u00dcbersetzer:innen ihre Vorschl\u00e4ge, aber deutsche Literatur ist nicht die erste Wahl. Vor etwa 20 Jahren haben wir in unserer Reihe \u201eInna Europa, inna literatura\u201d (\u201eAnderes Europa, andere Literatur\u201c) viel deutsche Literatur ver\u00f6ffentlicht. Als ich mir diese Namen noch einmal angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass es von Anfang an vor allem Namen von Autor:innen mit Migrationshintergrund waren, die aus der T\u00fcrkei, aus Ungarn und aus Rum\u00e4nien nach Deutschland gekommen waren. Sie stellten eine interessante Herausforderung f\u00fcr die \u00dcbersetzenden dar, da sie die Sprache von innen heraussprengten und ver\u00e4nderten. Dies erm\u00f6glichte keine einfachen L\u00f6sungen, sondern zwang die \u00dcbersetzer:innen, nach einer neuen Sprache zu suchen. Mich selbst interessiert, warum es in Polen so wenig deutsche Literatur gibt, w\u00e4hrend die \u00f6sterreichische Literatur einen Kultstatus hat. Ich habe mit vielen Menschen dar\u00fcber gesprochen und die meisten von ihnen best\u00e4tigten, dass die \u00f6sterreichische Literatur in Polen einen anderen Bezug zur Vergangenheit hat. Die preu\u00dfische Teilung war nicht so \u201ecool\u201d wie die \u00f6sterreichische, an die viele Menschen aufgrund ihrer Familienerinnerungen noch immer irgendwo in ihrem Herzen gebunden sind. Der Verlag Czarne hat Reportagen von Reportern wie Wolfgang Bauer und Wolfgang B\u00fcscher ver\u00f6ffentlicht und wird in K\u00fcrze Peter Flamm ver\u00f6ffentlichen. Nat\u00fcrlich setzen wir auch die Ver\u00f6ffentlichung von Herta M\u00fcller fort. Wenn wir jedoch nach jungen literarischen Stimmen suchen, suchen wir sie eher nicht unter deutschen Schriftsteller:innen.\nNatalia Pr\u00fcferIch werde den Literatur\u00fcbersetzerinnen also eine \u00e4hnliche Frage stellen. Reicht Ihr Eure \u00dcbersetzungsvorschl\u00e4ge bei Verlagen ein? Wie reagieren diese darauf?\nZofia SucharskaDie Reaktionen waren und sind unterschiedlich. Dem, was bereits \u00fcber die in Polen ver\u00f6ffentlichte deutsche Literatur gesagt wurde, kann ich mich tats\u00e4chlich anschlie\u00dfen \u2013 es ist nicht einfach. Man kann einem Verlag zwar ein Buch vorschlagen, aber es gibt keine Gewissheit, dass daraus etwas wird. Was negative Reaktionen angeht, habe ich sehr oft Folgendes geh\u00f6rt: \u201eDas Thema klingt toll, aber es wird sich einfach nicht verkaufen.\u201c Ein interessantes Thema, ein interessanter Autor oder eine interessante Autorin, in Deutschland ein Bestseller, aber in Polen wird daraus nichts. Ich habe sogar die Aussage geh\u00f6rt: Je weniger deutsch der Name klingt, desto besser. Ich hatte viel Gl\u00fcck und konnte als angehende \u00dcbersetzerin einige B\u00fccher vorschlagen, die auf Polnisch erschienen sind. Erw\u00e4hnenswert ist, dass kleine Verlage gro\u00dfartige Arbeit leisten, auch f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Sie sind mutiger und oft offen f\u00fcr Dinge, die vielleicht keine Verkaufsschlager werden, die aber einfach interessant, wichtig und wertvoll sein k\u00f6nnen.\nNatalia Pr\u00fcferLisa, welche Erfahrungen hast du mit \u00dcbersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche gemacht?\nLisa PalmesIch habe \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Zum Ende meines Studiums 2007 habe ich ein Buch gelesen, das mich begeisterte, eine Reportage von Micha\u0142 Olszewski, und ich dachte, die muss unbedingt auf Deutsch erscheinen. Ich habe sie zwei, drei Jahre lang verschiedenen Verlagen angeboten. Meistens kam \u00fcberhaupt keine Antwort. Lustigerweise kam die letzte Absage \u2013 von welchem Verlag, wei\u00df ich nicht mehr \u2013 erst 2014, ich hatte das Buch seit 2009 angeboten, da h\u00e4tte es ja l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnen. Dank eines Tipps der \u00dcbersetzerin Renate Schmidgall habe ich damals beim Buchinstitut Krakau angefragt, ob eine \u00dcbersetzungsprobe gef\u00f6rdert werden k\u00f6nne. Man sagte mir, dass so etwas eigentlich nur bewilligt werde, wenn man schon etwas ver\u00f6ffentlicht hat. Wenn ich aber einen entflammten Brief schreiben w\u00fcrde, warum gerade dieses Buch auf Deutsch erscheinen muss, w\u00fcrden sie mir die F\u00f6rderung vielleicht auch so geben. Und das habe ich dann getan. Joanna Czudec vom Buchinstitut hat mir freundlicherweise die F\u00f6rderung bewilligt und auch den WAB-Verlag auf mich aufmerksam gemacht, der mich daraufhin gebeten hat, \u00dcbersetzungsproben von vier aktuellen B\u00fcchern anzufertigen. Damit hatte ich dann Gl\u00fcck, zwei davon sind in meiner \u00dcbersetzung erschienen: ein Krimi von Bart\u0142omiej Rychter und die Reportage \u201eWanderer der Nacht\u201d von Wojciech Jagielski. Den herausgebenden Transit Verlag habe ich selbst gefunden, es ist ein kleiner Verlag, in dem jedes Fr\u00fchjahr und jeden Herbst vier thematisch zueinander passende B\u00fccher erscheinen. Jagielskis Buch handelte von den Kindersoldaten in Uganda. Und Transit hatte f\u00fcr das Fr\u00fchjahr das Thema Afrika. Das war also ein ganz besonderer Zufall. Der andere Verlag war dtv. Sie wollten es mit polnischen Krimis versuchen. Dadurch hat sich mir eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet.Gl\u00fccklicherweise kommen heute die Verlage meist auf mich zu. Meine Autorinnen Olga Tokarczuk und vor allem Joanna Bator schreiben beide aktiv und sind im deutschsprachigen Raum bekannt. Das hei\u00dft, wenn neue Werke erscheinen, wenden die Verlage sich an mich bzw. \u2013 bei Tokarczuk \u2013 auch an meinen \u00dcbersetzertandem-Partner Lothar Quinkenstein. Wenn sich die B\u00fccher dann gut verkaufen, kann man davon ausgehen, dass auch weitere B\u00fccher \u00fcbersetzt werden sollen. Ich biete zwar Verlagen noch B\u00fccher an, habe aber gar nicht mehr so viel Zeit daf\u00fcr.\nNatalia Pr\u00fcferKannst du mir verraten, woran du gerade arbeitest?\nLisa PalmesIch fange jetzt mit Barbara Klickas Roman \u201eReneta\u201c an. Der Mauke Verlag ist mit der Anfrage auf mich zugekommen. Zuletzt habe ich Erz\u00e4hlungen von Joanna Bator \u00fcbersetzt. \u201eDie Flucht der B\u00e4rin\u201c hei\u00dft der Arbeitstitel auf Deutsch. Eine Rohfassung der \u00dcbersetzung habe ich Katharina Raabe vor wenigen Tagen geschickt, sp\u00e4ter werde ich den Text noch \u00fcberarbeiten.\nNatalia Pr\u00fcferGro\u00dfartig! Und Zofia, woran arbeitest du gerade?\nZofia SucharskaIch arbeite an einem Buch, das ich auch empfohlen habe \u2013 also doppeltes Gl\u00fcck. Es ist ein \u00f6sterreichisches Buch, das in der bekannten \u00f6sterreichischen Tradition geschrieben ist, aber dennoch anders ist, da es sich um ein queeres Coming-of-Age-Buch handelt, das in einem kleinen Bergdorf in \u00d6sterreich spielt. Die Hauptfigur verliebt sich in ihre Nachbarin und erz\u00e4hlt Geschichten \u00fcber ihre Nachbarn. In dieser kleinen Gemeinde verbergen sich hinter der Fassade einer perfekten Welt die schlimmsten Dinge. All das kennen wir aus der Tradition von Bernhard und Jelinek. Die Figuren sind in den Nationalsozialismus verstrickt und machen daraus auch keinen Hehl.\nNatalia Pr\u00fcferWir haben also Bez\u00fcge zum Nationalsozialismus.\nZofia SucharskaJa, diese Anspielungen sind sehr elegant in die gesamte Geschichte eingewoben. Es gibt zum Beispiel das Thema Kirche und Patriarchat. Die Autorin hei\u00dft Julia Jost und die Figuren sprechen untereinander \u00d6sterreichisch. Im K\u00e4rntner Dialekt, und alles ist phonetisch transkribiert.\nNatalia Pr\u00fcferWie gehst du damit um? Es ist toll, dass du das angesprochen hast, denn es passt perfekt zu einem weiteren Thema, das ich unbedingt mit euch besprechen wollte: K\u00fcnstliche Intelligenz. Habt ihr keine Angst, dass der Beruf des Literatur\u00fcbersetzers bald durch Maschinen und Algorithmen ersetzt wird? Oder hilft euch KI vielleicht sogar bei der Arbeit?\nZofia SucharskaDas ist ein schwieriges Thema, das eine separate Diskussion erfordert und mit gro\u00dfen Emotionen verbunden ist \u2013 insbesondere in unserer \u00dcbersetzungswelt. Ich betrachte dieses Thema mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen und wei\u00df selbst nicht, in welchem Verh\u00e4ltnis diese beiden Gef\u00fchle zueinanderstehen. Wenn ich mir die Meinungen von Experten zu den durch KI verursachten Ver\u00e4nderungen auf dem Arbeitsmarkt anh\u00f6re, wird mir klar, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren alles, was mit Sprachen zu tun hat, in irgendeiner Weise ver\u00e4ndern wird. K\u00fcnstliche Intelligenz wird zweifellos einen sehr gro\u00dfen Einfluss darauf haben. Literarische \u00dcbersetzungen sind jedoch meiner Meinung nach eine Ausnahme. Der menschliche Faktor ist bei literarischen \u00dcbersetzungen so wichtig, dass Maschinen das noch nicht leisten k\u00f6nnen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Hoffen wir, dass sich daran in den n\u00e4chsten Jahren nichts \u00e4ndern wird. Denn klar ist, dass ein Text nicht nur gut gemacht sein muss. Es geht um seinen Charakter, seine emotionale Bedeutung, den kulturellen Kontext und so weiter.\nNatalia Pr\u00fcferSinn f\u00fcr Humor und Ironie \u2026\nZofia SucharskaJa, obwohl k\u00fcnstliche Intelligenz das bereits kann. Wir k\u00f6nnen als \u00dcbersetzer:innen nicht so tun, als g\u00e4be es dieses Thema nicht und als w\u00fcrde es uns nicht betreffen.\nLisa PalmesIch schlie\u00dfe mich an. Manchmal probiere ich KI aus, gebe etwas ein oder frage irgendetwas, und auf den ersten Blick klingt die Antwort ganz plausibel. Auch \u00dcbersetzungen mit Deepl lesen sich erst einmal ganz gut. Aber wenn man dann genau hinschaut, ist es doch nicht treffend, oft sind Verbindungen innerhalb eines Satzes falsch verkn\u00fcpft oder \u00e4hnliches. Was ich schwierig finde, ist, dass es offenbar bei den Verlagen Ans\u00e4tze gibt, Texte ganz von der KI \u00fcbersetzen zu lassen. Die \u00dcbersetzer:innen sollen dann nur noch lektorieren. Das ist extrem schwierig, finde ich, und geht \u00fcbrigens auch kein bisschen schneller. Wenn etwas schon vorformuliert ist von der KI, verliere ich v\u00f6llig meine eigene Vorstellung davon, wie dieser Satz klingen soll.\nKatharina Raabe\nDas ist zutiefst ambivalent. Ein \u00dcbersetzer, der sich sozusagen seinen eigenen KI-Ton schafft, ist immer noch ein \u00dcbersetzer. Es ist ein Albtraum, sich vorzustellen, dass alle B\u00fccher nach diesem KI-\u00dcbersetzer-Ton klingen, egal wie unterschiedlich sie sind. Die Prosa von Julia Jost ist das beste Beispiel daf\u00fcr, wie man die KI austricksen kann. Ich will ein kurzes Beispiel nennen, das die tiefe Ambivalenz verdeutlicht. Wir haben k\u00fcrzlich ein Buch aus dem Slowakischen gepr\u00fcft. Normalerweise reichten fr\u00fcher ein Gutachten und 20 Seiten Probe\u00fcbersetzung, um eine Entscheidung zu f\u00e4llen, ob wir ein Buch in das Osteuropaprogramm aufnehmen wollen oder nicht. Inzwischen sind wir ein generelles internationales Lektorat \u2013 alle wollen mitlesen. Da kam die Idee auf, das ganze Buch von Deepl Pro \u00fcbersetzen zu lassen. Es war hochinteressant zu sehen, dass alles weg war, was diesen Text reizvoll machte. Da der Text jedoch mit einer bestimmten Metapher arbeitet, die um die Farbe Blau kreist, lie\u00dfen sich mit Volltextsuche bestimmte Schl\u00fcsselstellen des Buches leicht finden. Von Aufbau, Plot und Figurenf\u00fchrung konnten wir uns ebenfalls ein Bild machen. Die KI war ein exzellentes Instrument, um Dinge zu rekonstruieren, die wir uns aus den 20 Seiten Probe\u00fcbersetzungen allein nicht erschlie\u00dfen konnten. Zugleich war sonnenklar, dass keine KI dieses Buch je w\u00fcrde \u00fcbersetzen k\u00f6nnen, denn der Witz, der Ton, die Farbnuancen und vor allem die Ironie blieben auf der Strecke. \u00dcbersetzer:innen m\u00fcssen auf die unterschiedlichsten Werke reagieren und an ihnen ihre je eigene Stimme entfalten. Ambivalent ist die Sache schlie\u00dflich auch noch, weil die \u00dcbersetzer:innen aus sogenannten kleinen Sprachen wie dem Slowakischen noch nicht von der KI ersetzt werden k\u00f6nnen. Je mehr die KI mit Experimenten wie dem unseren angef\u00fcttert wird, desto mehr arbeiten wir daran mit, dass sich das \u00e4ndert.\nGrzegorz JankowiczLassen Sie mich kurz auf das von Zofia Sucharska angesprochene Thema zur\u00fcckkommen. Es wurde gesagt, dass kleine Verlage experimentierfreudig sind, Risiken eingehen und Verlagsentscheidungen treffen, f\u00fcr die sie nicht nur wirtschaftliche, sondern auch inhaltliche Gr\u00fcnde finden. Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die aus Leidenschaft handeln, solche Experimente eher wagen. Alle Instrumente, \u00fcber die staatliche Institutionen verf\u00fcgen, sollten zur Unterst\u00fctzung dieser Akteure eingesetzt werden! (Beifall) Wenn wir das Offensichtliche beklatschen, bedeutet das, dass es uns nicht so gut geht. Auch kleine Unternehmen m\u00fcssen Geld verdienen. Die Menschen, die diese Dinge tun, sollten angemessen verdienen und ein gutes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.Was die KI betrifft, so werden sich die Werkzeuge der k\u00fcnstlichen Intelligenz fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch auf literarische \u00dcbersetzungen spezialisieren. Nat\u00fcrlich wird menschliches Eingreifen erforderlich sein, das sich jedoch eher auf die Redaktion oder Korrektur beschr\u00e4nken wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keine \u00dcbersetzer:innen mehr brauchen! Wir brauchen sie dringend! K\u00fcnstliche Intelligenz wird keine bilateralen Beziehungen zwischen Staaten unterhalten und \u00fcber den Umfang unserer gemeinsamen kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Interessen entscheiden.\nNatalia Pr\u00fcferVielen Dank f\u00fcr diesen Beitrag. Monika Sznajderman hat zugegeben, dass sie nur wenige B\u00fccher aus dem Deutschen herausgibt, und m\u00f6chte diesen Gedanken nun fortsetzen.\nMonika Sznajderman\nJa, danke. Es gibt sicherlich viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Ein Beispiel sind die B\u00fccher, die mit dem renommierten Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurden. Sie werden \u00fcbersetzt und in Polen ver\u00f6ffentlicht, aber keines davon hat in der Welt der Leser:innen f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Es geht nicht einmal um gute Verkaufszahlen. Es geht darum, dass die \u00f6sterreichische Literatur eine Geschichte \u00fcber sich selbst zu erz\u00e4hlen hat. Sie greift zwar auf Stereotypen zur\u00fcck, hat aber etwas, das wir kennen und aufnehmen k\u00f6nnen. Meiner Meinung nach hat die deutsche Literatur keine solche Geschichte zu erz\u00e4hlen, weshalb sie die polnischen Leser:innen derzeit nicht reizt. Das gilt \u00fcbrigens nicht nur f\u00fcr die Literatur: Generell interessieren sich die Polen nicht f\u00fcr das heutige Deutschland. Ich m\u00f6chte das nicht auf Ressentiments zur\u00fcckf\u00fchren, denn ich denke, dass inzwischen so viel Zeit vergangen ist, dass dies kaum der Grund f\u00fcr das mangelnde Interesse sein kann. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen unseren L\u00e4ndern, pers\u00f6nliche Empfehlungen und das Engagement einzelner Menschen als Botschafter:innen so wichtig. Ich sch\u00e4tze die Aktivit\u00e4ten von F\u00f6rderern der \u00f6sterreichischen Literatur sehr, zum Beispiel Agnieszka Borkiewicz. Es gelingt ihr immer, Interesse an der Literatur zu wecken. Mundpropaganda und Empfehlungen sind wichtig, und die \u00f6sterreichische Literatur hat das in Polen, die deutsche Literatur hingegen nicht.\nNatalia Pr\u00fcfer\nSie haben ein sehr wichtiges Thema angesprochen: das mangelnde Interesse der Polen an Deutschland und umgekehrt. Unter den Zuh\u00f6rer:innen befindet sich heute Frau Dominika Kasprowicz, Direktorin der Villa Decius in Krakau. In der Villa fand vor einigen Monaten eine Diskussion zu einem \u00e4hnlichen Thema statt. Au\u00dferdem werden dort verschiedene deutsch-polnische Kulturprojekte organisiert. Interessieren sich die heutigen Polen f\u00fcr die heutigen Deutschen?\nDominika Kasprowicz\nIch vertrete einen Ort, der in vielerlei Hinsicht ungew\u00f6hnlich ist. Nach einigen Jahren Pause haben wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt den Karl-Dedecius-Preis f\u00fcr die besten \u00dcbersetzer:innen polnischer Literatur ins Deutsche und deutscher Literatur ins Polnische wieder eingef\u00fchrt. Wir sind \u00fcberzeugt, dass man einen sicheren Raum f\u00fcr Begegnungen, Dialog und Diskussionen schaffen muss, um das Interesse anderer zu wecken. Wir greifen auch auf immer neue, ungew\u00f6hnliche Formate zur\u00fcck. Dazu geh\u00f6ren Stipendienaufenthalte sowie \u00dcbersetzungs-, Schreib- und Poesie-Stipendien, aber auch Stipendien f\u00fcr Theaterleute und Dramatiker:innen. Letztere schreiben St\u00fccke \u00fcber die deutsch-polnischen Beziehungen, die im S\u0142owacki-Theater in Krakau aufgef\u00fchrt werden. Es sind bereits acht Theaterst\u00fccke zu diesem Thema entstanden. Ein weiteres, \u00e4u\u00dferst interessantes, Format sind Drehb\u00fccher f\u00fcr narrative Spiele. Sie w\u00e4ren \u00fcberrascht, zu erfahren, welches Bild von den Nachbarn in Bezug auf die Geschichte und Gegenwart jemand hat, der die Welt durch die Brille von Spielen kennenlernt. Immer mehr Institutionen aus Deutschland stellen die Frage nach der M\u00f6glichkeit, zu uns zu kommen und mit uns zusammenzuarbeiten. Wir engagieren uns f\u00fcr die F\u00f6rderung des gegenseitigen Interesses zwischen Polen und Deutschen.\nNatalia Pr\u00fcferEs gibt viele Formate, die den kulturellen Austausch f\u00f6rdern sollen. Heute kommen wir zur\u00fcck zur Literatur und zu \u00dcbersetzungen. Mit uns ist Anne-Bitt Gerecke vom Goethe-Institut, die uns \u00fcber das Programm Litrix berichten wird. Was ist das?\nAnne-Bitt GereckeIch arbeite im Bereich Literatur- und \u00dcbersetzungsf\u00f6rderung des Goethe-Instituts. Wir f\u00f6rdern \u00dcbersetzungen weltweit und reagieren auf Antr\u00e4ge von Verlegern aus aller Welt, die deutschsprachige Literatur \u2013 aktuelle Titel ebenso wie Klassiker \u2013 in ihren Landessprachen herausbringen wollen. Ich bin schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr das Litrix-Programm zust\u00e4ndig. Das ist ein angebotsorientiertes Programm. Das hei\u00dft, wir bem\u00fchen uns aktiv darum, sowohl etablierte als auch junge Stimmen der deutschsprachigen Literatur international bekannt zu machen. Zu diesem Zweck setzen wir jeweils f\u00fcr drei Jahre bestimmte Sprachschwerpunkte. Zun\u00e4chst waren es die gro\u00dfen Sprachr\u00e4ume wie z.B. Arabisch, Spanisch oder Chinesisch, seit 2019 liegt unser Fokus auf Europa. Mit unseren europ\u00e4ischen Nachbarn st\u00e4rker in den Austausch zu kommen, ist gerade in schwierigen Zeiten von besonderer Bedeutung. Ich freue mich daher sehr, dass wir seit Anfang des Jahres Polen als Schwerpunkt haben. Unser Programm sieht vor, dass wir auf unserer Website litrix.de auf Deutsch, Englisch und in den n\u00e4chsten drei Jahren auch auf Polnisch interessante Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorstellen.Wir pr\u00e4sentieren die von unserer polnisch-deutschen Jury ausgew\u00e4hlten B\u00fccher mit Besprechungen, kurzen Infos zu den Autor:innen und zum Verlag sowie, was ganz wichtig ist, mit Leseproben. Unser Programm bezieht sich auf das gesamte Spektrum der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, also Kinder- und Jugendliteratur, Sachb\u00fccher, Belletristik und Graphic Novels, und soll als Schaufenster und als Angebot fungieren, \u00fcber die B\u00fccher miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen. F\u00fcr alle auf Litrix.de vorgestellten B\u00fccher garantieren wir die Erstattung der gesamten \u00dcbersetzungskosten. Au\u00dferdem gew\u00e4hren wir einen Zuschuss zu den Lizenzkosten. So halten wir die heute schon wiederholt angesprochenen verlegerischen Risiken m\u00f6glichst gering und erm\u00f6glichen es auch kleineren Verlagen, \u00dcbersetzungsprojekte zu realisieren, indem sie nur noch die Bereiche Herstellung, Werbung und Vertrieb selbst abdecken m\u00fcssen. Damit der deutsch-polnische Literaturaustausch nachhaltig wirken kann, bem\u00fchen wir uns auch, das Netzwerk zu st\u00e4rken, Begegnungen zwischen Autor:innen zu erm\u00f6glichen und Workshops f\u00fcr \u00dcbersetzer:innen anzubieten. So werden wir z.B. im August gemeinsam mit der Villa Decius in Krakau eine einw\u00f6chige Akademie f\u00fcr junge \u00dcbersetzer:innen durchf\u00fchren, die kurz vor dem Einstieg in den Beruf stehen. Unser Polen-Schwerpunkt hat ja gerade erst begonnen, daher freue ich mich sehr, heute die Gelegenheit zu haben, viele der polnischen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen!\nNatalia Pr\u00fcferIn dieser Runde haben wir sicherlich viele interessante Dinge zum Thema Literatur zu sagen. Es ist kein Zufall, dass wir uns heute alle hier im Polnischen Institut getroffen haben. Ich er\u00f6ffne nun offiziell unsere Diskussion und lade das Publikum dazu ein, sich zu \u00e4u\u00dfern. Haben Sie Fragen an unsere G\u00e4ste? M\u00f6chten Sie \u00fcber Ihre Initiativen, Ideen oder Probleme im Zusammenhang mit dem Transfer von Literatur und Wissen berichten?\nJ\u00fcrgen BeckerZur Frage, wie die deutsche Literatur derzeit wahrgenommen wird: Ich glaube, dass sich die deutsche Literatur in den letzten Jahren sehr stark gewandelt hat. Sie ist sehr vielf\u00e4ltig. Wir leben in einer Migrationsgesellschaft und es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass sich der literarische Diskurs oder auch die Vergabe gro\u00dfer Buchpreise an Leute wie Ter\u00e9zia Mora, die aus Ungarn kommt oder Feridun Zaimoglu, der t\u00fcrkische Wurzeln hat, dem stellen. Das ist heutzutage in der deutschen Literatur eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Einerseits k\u00f6nnte man denken, dadurch ist die deutsche Literatur international noch anschlussf\u00e4higer geworden. Andererseits h\u00f6re ich immer wieder, dass im englischsprachigen Raum gesagt wird: \u201eDas Thema Migration haben wir in unserer Literatur selber, da m\u00fcssen wir jetzt nicht auch noch die Migrationsgeschichten aus Deutschland h\u00f6ren.\u201d Aber letztlich kommt es immer auf die literarische Qualit\u00e4t an. Es fehlt vielleicht in der deutschen Literatur an Autor:innen, auf die international wirklich Bezug genommen wird.Was ich noch loswerden wollte, ist eigentlich eine Frage an Grzegorz Jankowicz: W\u00e4re es nach 25 Jahren nicht an der Zeit f\u00fcr einen neuen Ehrengast-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse? Es hat damals so viel bewegt. Es hat auch Ihr Institut sozusagen aus der Taufe gehoben. Es w\u00e4re, glaube ich, ein gro\u00dfer Energieschub, der sehr viel bewirken k\u00f6nnte, wenn wir auf eine neue Stufe k\u00e4men, obwohl wir heute wirklich ziemlich weit gekommen sind.\nGrzegorz JankowiczVielen Dank. Polen als Ehrengast in Frankfurt? Diese Frage h\u00f6re ich in letzter Zeit immer wieder. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung, der wir uns auf jeden Fall sehr ernsthaft annehmen werden.\nMonika Sznajderman\nIch m\u00f6chte nur noch hinzuf\u00fcgen, dass wir der Literaturkritik heute nur wenig Raum gewidmet haben. In Polen hat sie einen v\u00f6lligen Niedergang erlebt, was sich stark auf die F\u00f6rderung ausl\u00e4ndischer Literatur auswirkt. Es gibt keine Orte, an denen Kritik ver\u00f6ffentlicht werden kann, und es gibt auch keine Kritiker:innen, sondern eher Journalist:innen, die den einfachen Weg gehen, keine neuen Schriftsteller:innen entdecken und lediglich irgendwelche Notizen machen, aber keine Kritiken schreiben.\nGrzegorz JankowiczWir versuchen, in Polen etwas dagegen zu unternehmen. So hat das Buchinstitut k\u00fcrzlich das Internetportal \u201eDzienniki Literacki\u201d er\u00f6ffnet. Dort ver\u00f6ffentlichen wir kritische Besprechungen von Publikationen und literarischen Veranstaltungen, zu denen die breite \u00d6ffentlichkeit keinen Zugang hat, weil sie beispielsweise in kleineren Orten organisiert werden.\nBeata Zuzanna BorawskaIch vertrete den Literaturclub \u201eCudowne Kobiety\u201d (Wunderbare Frauen) in Berlin. Den Club leiten sieben Frauen, sechs Emigrantinnen aus Polen, die in Berlin leben, und ich aus der Grenzregion, genauer gesagt aus Stettin. Wir trafen uns zu Hause und schrieben. Das Ergebnis unserer Arbeit ist eine Sammlung von Erz\u00e4hlungen, die am 17. Mai dieses Jahres im KLAK Verlag erschienen ist. Es grenzt an ein Wunder, einen polnischen Verlag f\u00fcr so etwas zu begeistern, aber wir werden von unserer Leidenschaft und Liebe zur Literatur angetrieben und wollen uns weiterentwickeln. Wir f\u00fchlen uns jedoch absolut unsichtbar. Es ist eine Arbeit im Bereich der Mikronarrative, die von au\u00dferordentlicher Bedeutung ist und auf dem Markt fehlt. Denn die emigrierten Schriftstellerinnen in unserem Club sind Frauen im Alter von 30 bis 50 Jahren und ihre Stimme sollte sichtbar sein. Verschiedene Motive haben sie nach Berlin gef\u00fchrt, was sich in ihren Texten widerspiegelt. Haben Sie eine Idee, ob es \u00fcberhaupt Raum gibt, solche Initiativen zu unterst\u00fctzen?\nGrzegorz JankowiczDas ist eine gro\u00dfartige Geschichte. Das Buchinstitut verf\u00fcgt \u00fcber zahlreiche Instrumente, mit denen es auch kleinere Initiativen wie Buchclubs unterst\u00fctzen kann. In Polen gibt es etwa 2.000 davon. Vielleicht k\u00f6nnten sie Ihnen helfen? Ich habe im Moment keine einfache Antwort f\u00fcr Sie, aber solche Treffen, solche Gruppen, solche Gemeinschaften sind f\u00fcr das Buchinstitut sehr wichtig. Ich empfehle Ihnen au\u00dferdem, sich mit dem Programm \u201eInne Tradycje\u201d (Andere Traditionen) vertraut zu machen.\nAgata Koch\nIch vertrete das Sprachcaf\u00e9 Polnisch in Berlin und bin au\u00dferdem Autorin. Seit 13 Jahren sind wir ein offener Treffpunkt f\u00fcr die polnische Sprache und Kultur in Berlin-Pankow. Seit zwei Jahren gibt es einen zweiten Standort im S\u00fcden der Stadt, in der N\u00e4he des Bahnhofs S\u00fcdkreuz. Es ist ein Treffpunkt f\u00fcr kreative Menschen, die Kunst leben und ihre Leidenschaft teilen m\u00f6chten. Die polnische Sprache steht hier eindeutig im Mittelpunkt, aber wir haben auch viele Anfragen von K\u00fcnstler:innen, die mit anderen Sprachen arbeiten, vor allem mit Deutsch. Wir organisieren Treffen f\u00fcr Autor:innen und \u00dcbersetzer:innen, Workshops und betreiben eine Bibliothek. All das geschieht von unten. Dieser Raum, den wir auch f\u00fcr andere Disziplinen wie Ausstellungen, Musik oder Sprachprogramme f\u00fcr Kinder nutzen, ist sehr wichtig. Ich wei\u00df nicht, inwieweit Sie dar\u00fcber informiert sind, aber solche Vereine haben es in Berlin immer schwerer, F\u00f6rdermittel zu bekommen. Wenn Sie also Ideen zur F\u00f6rderung der polnischen Kultur in Deutschland haben, wenden Sie sich bitte an uns.\nKarolina GolimowskaIch m\u00f6chte noch einmal kurz auf das Thema k\u00fcnstliche Intelligenz in der Literatur\u00fcbersetzung zur\u00fcckkommen und darauf, ob man sich etwas Positives in Bezug auf die Arbeit mit KI vorstellen kann. Ich wende mich an die \u00dcbersetzerinnen: W\u00fcrde es Euch helfen, wenn Ihr Zugang zu einer Datenbank h\u00e4tten, in der Beispiele daf\u00fcr zu finden sind, wie K\u00e4rntnerisch, Steirisch oder jede andere Sprache zuvor \u00fcbersetzt wurde? Oder die Idee, die Lisa hatte, n\u00e4mlich eine Software zu entwickeln, mit der eigene \u00dcbersetzungen zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen. K\u00f6nntet Ihr euch vorstellen, ein solches Glossar zu erstellen? Seht ihr irgendwelche positiven Aspekte in der Arbeit mit k\u00fcnstlicher Intelligenz?\nZofia SucharskaDas ist eine sehr interessante Frage. Einerseits w\u00e4re es tats\u00e4chlich sehr interessant, etwas \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und Zugang zu einer Datenbank zu haben, in der es viele Inspirationen aus anderen Quellen gibt. Andererseits m\u00f6chte ich noch einmal auf den menschlichen Faktor zur\u00fcckkommen. Da ich gerade das erw\u00e4hnte Buch \u00fcbersetze, m\u00f6chte ich mich an die \u00dcbersetzer:innen ins Niederl\u00e4ndische und Englische wenden und sie einfach fragen, wie sie das gel\u00f6st haben. Zwischenmenschliche Kontakte und der Aufbau von Beziehungen zu Menschen, die das Gleiche tun, beispielsweise in einem anderen Land, scheinen mir von unsch\u00e4tzbarem Wert zu sein.\nLisa Palmes\nEine gr\u00f6\u00dfere Datensammlung, an der man sich orientieren kann\u2026 Das ist bestimmt interessant. Um an das anzukn\u00fcpfen, was Katharina eben noch einwandte: Selbst, wenn es gelingen w\u00fcrde, ein personalisiertes KI-\u00dcbersetzungsprogramm so mit eigenen \u00dcbersetzungen zu f\u00fcllen, dass es zuk\u00fcnftige Texte im spezifischen Stil des betreffenden \u00dcbersetzers \u00fcbersetzt, ist es doch so, dass ein \u00dcbersetzer oder eine \u00dcbersetzerin nicht jeden Text nach dem gleichen Muster \u00fcbersetzt. Das hei\u00dft, ein solches Programm n\u00fctzt letzten Endes vielleicht gar nichts. Ich bin also auch eher skeptisch. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte man sich nicht selbst wegrationalisieren, aber ich vermute, dass wir in gewisser Weise in Zukunft mit KI arbeiten werden. Aber ich wei\u00df jetzt auch noch \u00fcberhaupt nicht, wohin das f\u00fchren wird. Ich habe zum Beispiel kein Interesse daran, mir dieses personalisierte Programm zu kaufen, weil ich gerne selbst an meinen Texten arbeite und mir meine eigenen Einf\u00e4lle nicht verderben m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte nicht, dass mir eine Maschine vorschreibt, wie es klingen k\u00f6nnte, denn dann vergesse ich meine eigenen Ideen. Das ist auch eine Sache von Intuition, die m\u00f6chte ich nicht verlieren. Sie ist das Wichtigste beim \u00dcbersetzen. Ich muss aus mir heraus sp\u00fcren, wie eine \u00dcbersetzung klingen soll. Wenn man dieses Gesp\u00fcr nicht hat oder verliert, klingen die \u00dcbersetzungen h\u00f6lzern und alle wie aus einem Guss."},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"pl-PL","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2025\/10\/09\/wissens-und-kulturtransfer-durch-literatur-diskussion-im-rahmen-des-deutsch-polnisches-forums\/#primaryimage","url":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/04\/Wissens-und-Kulturtransfer-durch-Literatur.-Gespra\u0308che-mit-Literaturu\u0308bersetzern-Verlegern-Literaturvermittlern-Kritikern-und-Vertretern-von-U\u0308bersetzungsfo\u0308rderungseinrichtungen.png","contentUrl":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/04\/Wissens-und-Kulturtransfer-durch-Literatur.-Gespra\u0308che-mit-Literaturu\u0308bersetzern-Verlegern-Literaturvermittlern-Kritikern-und-Vertretern-von-U\u0308bersetzungsfo\u0308rderungseinrichtungen.png","width":1200,"height":628},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2025\/10\/09\/wissens-und-kulturtransfer-durch-literatur-diskussion-im-rahmen-des-deutsch-polnisches-forums\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Wissens- und Kulturtransfer durch Literatur | Diskussion im Rahmen des Deutsch-Polnisches Forums"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/#website","url":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/","name":"Instytut Polski w Berlinie","description":"Instytuty Polskie","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"pl-PL"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/#\/schema\/person\/3343fb63f02034c515fcf9c00d8ad9e4","name":"mw","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"pl-PL","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5a4eeb726e07f96e3a3a64f932124c40?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/5a4eeb726e07f96e3a3a64f932124c40?s=96&d=mm&r=g","caption":"mw"},"url":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/author\/witkowskam\/"}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/78"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11024"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11024\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11027,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11024\/revisions\/11027"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}