{"id":3496,"date":"2022-05-09T14:58:49","date_gmt":"2022-05-09T12:58:49","guid":{"rendered":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/?p=3496"},"modified":"2022-06-08T08:00:51","modified_gmt":"2022-06-08T06:00:51","slug":"die-sonne-in-der-kuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2022\/05\/09\/die-sonne-in-der-kuche\/","title":{"rendered":"Die Sonne in der K\u00fcche"},"content":{"rendered":"\n<div>\n<p>Kuratorin: <strong>Dr. Marika Ku\u017amicz<\/strong><\/p>\n<p>Vernissage: <strong>26.05.2022 \/ 17:00<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1964 lebte und arbeitete <a href=\"https:\/\/pl.wikipedia.org\/wiki\/Zdzis%C5%82aw_Jurkiewicz\">Zdzis\u0142aw Jurkiewicz<\/a> in einer kleinen Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe in Wroc\u0142aw. Diese Wohnung war eine Figur, die verschiedene Aspekte des Werkes des K\u00fcnstlers miteinander verband, und noch etwas mehr: Sie war ein Zentralpunkt, an dem sich alle f\u00fcr ihn interessanten, so zahlreichen Themen und Motive, kreuzten. In dieser Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe entstanden alle Kunstwerke, die man in der Ausstellung sehen konnte: Objekte, Gem\u00e4lde und Fotografien.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht diese Wohnung weit \u00fcber die traditionell verstandene Rolle und Funktion eines Kunstateliers hinaus. Dabei geht es auch nicht nur um den <em>genius loci<\/em>. So wurde die Wohnung von Jurkiewicz in den 70er-Jahren auch zu einer Art Beobachtungskapsel, einem Labor und einem botanischen Garten zugleich. Jurkiewicz f\u00fchrte von seinem Zimmerfenster aus astronomische Beobachtungen durch. Gleichzeitig stellte er in seiner K\u00fcche eine Art Sonnenfalle auf und hielt sie fotografisch fest. So ist das Kunstwerk &#8222;S\u0142o\u0144ce 1.VII.1972&#8221; (1972) entstanden \u2013 in einer Folge von Schwarz-Wei\u00df-Fotografien sehen wir eine Sonnenscheibe an einer K\u00fcchenwand, umgeben von gew\u00f6hnlichen Gegenst\u00e4nden, Geschirr, Schnittlauch in einem Glas. Es ist sowohl eines der wichtigsten Werke des K\u00fcnstlers als auch das Schl\u00fcsselwerk der Ausstellung, weil es perfekt zeigt, wie in Jurkiewiczs Werken das Ferne, das Unerreichbare mit dem Nahen, dem Allt\u00e4glichen, dem Gew\u00f6hnlichen zusammenkam.<\/p>\n<div id=\"attachment_3502\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3502\" class=\"wp-image-3502\" src=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-1960er-242x300.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"621\" srcset=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-1960er-242x300.jpg 242w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-1960er-824x1024.jpg 824w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-1960er-768x954.jpg 768w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-1960er.jpg 1235w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-3502\" class=\"wp-caption-text\">Zdzis\u0142aw Jurkiewicz (1960er)<\/p><\/div>\n<p>Jurkiewiczs Strategie, die er vor mehr als 50 Jahren entwickelt hatte \u2013 indem er sein Werk auf Mikro- und Makrobeobachtungen des allt\u00e4glichen Lebens in all seinen Erscheinungsformen ansiedelte, die er in seiner Wohnung durchgef\u00fchrt hatte \u2013 schwingt in besonderer Weise in der globalen Situation mit, in der wir uns alle aufgrund der Pandemie befinden, die Anfang 2020 begann und immer noch andauert. Seit mehreren Monaten \u201ebleiben wir zu Hause\u201d, wie ein zu Beginn der Pandemie beliebter Slogan in den sozialen Medien lautete. Vorbei sind unsere noch gar nicht so lange zur\u00fcckliegenden Reisen zu einem anderen Kontinent, an ein anderes Ende der Welt, die leicht in einem halben Tag zu bew\u00e4ltigen waren. Gerade deshalb sind Jurkiewiczs Haltung und sein Wirken heute so aktuell, die das Private und das Sch\u00f6pferische verbinden und auf der Offenheit gegen\u00fcber der Realit\u00e4t und ihrer aufmerksamen, kontemplativen Beobachtung, auf Neugier und dem Verlangen nach Wissen basieren, das hier und jetzt erf\u00fcllt werden kann, egal wo wir uns gerade befinden, ohne auf einen anderen Kontinent oder einen anderen Planeten reisen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3500\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3500\" class=\"wp-image-3500\" src=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Pleiades-1975_medium-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Pleiades-1975_medium-300x199.jpg 300w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Pleiades-1975_medium-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Pleiades-1975_medium-768x509.jpg 768w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Pleiades-1975_medium.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-3500\" class=\"wp-caption-text\">Pleiades (1975)<\/p><\/div>\n<p>Der Maler, Fotograf, Architekt, Dichter und Theoretiker <a href=\"https:\/\/culture.pl\/pl\/tworca\/zdzislaw-jurkiewicz\"><strong>Zdzis\u0142aw Jurkiewicz<\/strong><\/a>\u00a0 (geb. in Wolsztyn) war eine der Schl\u00fcsselfiguren der polnischen Avantgarde-Kunstszene der 1960er- und 1970er-Jahre. Eine seiner Leidenschaften war die Astronomie. Im Alter von dreizehn Jahren baute er sein erstes Teleskop und im Rahmen seiner Diplomarbeit legte er ein Projekt f\u00fcr ein astronomisches Observatorium vor. Er untersuchte auch Ph\u00e4nomene im Zusammenhang mit der Farbwahrnehmung. Er blieb dem Lehrstuhl f\u00fcr Zeichnung und Malerei an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur der Technischen Universit\u00e4t Wroc\u0142aw verbunden, wo er zun\u00e4chst als Assistenzprofessor t\u00e4tig war und ihn sp\u00e4ter als Professor leitete.<\/p>\n<p>Seine Gem\u00e4lde, die formal der Malerei der Materie nahestehen, entwickeln sich zun\u00e4chst zur Gestenmalerei und erforschen sp\u00e4ter den Begriff der \u201eForm der Kontinuit\u00e4t\u201c \u2013 ein Schl\u00fcsselthema im Werk des K\u00fcnstlers zu dieser Zeit. In der zweiten H\u00e4lfte der 1960er-Jahre begann Jurkiewicz sich wieder f\u00fcr die Astronomie zu interessieren \u2013 er baute Teleskope, um Sterne zu beobachten und zu fotografieren. Seine Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe 59 verwandelte er in ein ungew\u00f6hnliches Kuriosit\u00e4tenkabinett, ein Atelier und Observatorium in einem. Das kleine Atelier war Schauplatz k\u00fcnstlerischer Aktivit\u00e4ten, von denen nur eine fotografische Dokumentation zeugt (u.a. \u201eZeichnen mit Licht&#8221; 1978 und \u201eSonne 1.VII.1972&#8243; 1972). Ende der 70er-Jahre begannen in Jurkiewiczs wissenschaftlich-k\u00fcnstlerischer Arbeit Tiere (M\u00e4use und Hamster) und etwas sp\u00e4ter auch Pflanzen eine wichtige Rolle zu spielen, die er in seiner Wohnung kultivierte und beobachtete.<\/p>\n<div id=\"attachment_3501\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3501\" class=\"wp-image-3501\" src=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-The-Falling-Light-1970_medium-279x300.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-The-Falling-Light-1970_medium-279x300.jpg 279w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-The-Falling-Light-1970_medium-953x1024.jpg 953w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-The-Falling-Light-1970_medium-768x826.jpg 768w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-The-Falling-Light-1970_medium.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-3501\" class=\"wp-caption-text\">The Falling Light (1970)<\/p><\/div>\n<p>Folgende Museen und Institutionen beherbergen seine Werke in seinen Sammlungen: die Nationalmuseen in Pozna\u0144, Szczecin, Warschau und Wroc\u0142aw; Zentrum f\u00fcr polnische Bildhauerei in Oro\u0144sko, Kunstmuseum in \u0141\u00f3d\u017a, Schlesisches Museum in Katowice, Zeitgen\u00f6ssisches Museum Wroc\u0142aw, Niederschlesische Gesellschaft zur F\u00f6rderung der sch\u00f6nen K\u00fcnste, Leon-Wycz\u00f3\u0142kowski-Bezirksmuseum in Bydgoszcz, Museum in Koszalin, Jacek-Malczewski-Museum in Radom, Architekturmuseumsin Wroc\u0142aw, W. Ambroziewicz-Museums der Region Che\u0142m in Che\u0142m, Galerie Lambert (Paris), Ystad Art Museum (Ystad), Schwarz Galeria del Arte (Mailand), des Instituts f\u00fcr moderne Kunst (N\u00fcrnberg), Power Gallery of Contemporary Art (Sydney), Ko\u015bciuszko Foundation Collection (New York), The Aldrich Museum of Contemporary Art (Ridgefield), Galerie Mart (M\u00fcnchen), Joslyn Art Museum (Omaha), Museo de Arte Contempor\u00e1nea (S\u00e3o Paulo), Centro de Arte y Communication (Buenos Aires), Art Information Centre (Amsterdam), Museo Internacional de la Resistencia Salva-dor Allende (Havanna), Museum of Modern Art (H\u00fcnfeld), The Musuem of Contemporary Art (Los Angeles), Comisi\u00f3n de Cultura de AEBU (Montevideo).<\/p>\n<div id=\"attachment_3499\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3499\" class=\"wp-image-3499\" src=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Drawing-With-Light-1978_medium-300x218.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Drawing-With-Light-1978_medium-300x218.jpg 300w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Drawing-With-Light-1978_medium-1024x743.jpg 1024w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Drawing-With-Light-1978_medium-768x558.jpg 768w, https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2022\/05\/2022-05-26-KUNST-Zdzislaw-Jurkiewicz-Drawing-With-Light-1978_medium.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><p id=\"caption-attachment-3499\" class=\"wp-caption-text\">Drawing With Light (1978)<\/p><\/div>\n<p>Veranstalter: Zentrum f\u00fcr Kultur und K\u00fcnst in Breslau \u2013 Kultureinrichtung der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Niederschlesien und TOP e. V. Association for the Promotion of Cultural Practice in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin, unterst\u00fctzt aus dem Haushalt der lokalen Regierung der Woiwodschaft Niederschlesien und der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit<\/p>\n<p>Schirmherr: Cezary Przybylski (Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien)<\/p>\n<p>Kooperation: Agnieszka Chodysz-Fory\u015b<\/p>\n<p>Veranstaltung auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/events\/1314539085702165\">Facebook<\/a><\/p>\n<strong>Info:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.top-ev.de\">www.top-ev.de<\/a>, <a href=\"https:\/\/okis.pl\/zdzislaw-jurkiewicz-sonne-in-der-kuche\/\">okis.pl\/zdzislaw-jurkiewicz-sonne-in-der-kuche<\/a> <br \/><strong>Eintritt:<\/strong> frei<br \/><strong>\u00d6ffnungszeiten: <\/strong>17:00\u201320:00 Uhr<br \/><strong>Ort: <\/strong>TOP. Transdisciplinary Project Space, Schillerpromenade 4, 12049 Berlin <br \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<pre>Fotos \u00a9 Privatarchiv<\/pre>\n<div>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuratorin: Dr. Marika Ku\u017amicz Vernissage: 26.05.2022 \/ 17:00 Seit 1964 lebte und arbeitete Zdzis\u0142aw Jurkiewicz in einer kleinen Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe in Wroc\u0142aw. 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Vorbei sind unsere noch gar nicht so lange zur\u00fcckliegenden Reisen zu einem anderen Kontinent, an ein anderes Ende der Welt, die leicht in einem halben Tag zu bew\u00e4ltigen waren. Gerade deshalb sind Jurkiewiczs Haltung und sein Wirken heute so aktuell, die das Private und das Sch\u00f6pferische verbinden und auf der Offenheit gegen\u00fcber der Realit\u00e4t und ihrer aufmerksamen, kontemplativen Beobachtung, auf Neugier und dem Verlangen nach Wissen basieren, das hier und jetzt erf\u00fcllt werden kann, egal wo wir uns gerade befinden, ohne auf einen anderen Kontinent oder einen anderen Planeten reisen zu m\u00fcssen.\\n[caption id=\\\"attachment_3500\\\" align=\\\"aligncenter\\\" width=\\\"500\\\"] Pleiades (1975)[\/caption]\\nDer Maler, Fotograf, Architekt, Dichter und Theoretiker Zdzis\u0142aw Jurkiewicz\u00a0 (geb. in Wolsztyn) war eine der Schl\u00fcsselfiguren der polnischen Avantgarde-Kunstszene der 1960er- und 1970er-Jahre. Eine seiner Leidenschaften war die Astronomie. Im Alter von dreizehn Jahren baute er sein erstes Teleskop und im Rahmen seiner Diplomarbeit legte er ein Projekt f\u00fcr ein astronomisches Observatorium vor. Er untersuchte auch Ph\u00e4nomene im Zusammenhang mit der Farbwahrnehmung. Er blieb dem Lehrstuhl f\u00fcr Zeichnung und Malerei an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur der Technischen Universit\u00e4t Wroc\u0142aw verbunden, wo er zun\u00e4chst als Assistenzprofessor t\u00e4tig war und ihn sp\u00e4ter als Professor leitete.\\nSeine Gem\u00e4lde, die formal der Malerei der Materie nahestehen, entwickeln sich zun\u00e4chst zur Gestenmalerei und erforschen sp\u00e4ter den Begriff der \u201eForm der Kontinuit\u00e4t\u201c \u2013 ein Schl\u00fcsselthema im Werk des K\u00fcnstlers zu dieser Zeit. In der zweiten H\u00e4lfte der 1960er-Jahre begann Jurkiewicz sich wieder f\u00fcr die Astronomie zu interessieren \u2013 er baute Teleskope, um Sterne zu beobachten und zu fotografieren. Seine Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe 59 verwandelte er in ein ungew\u00f6hnliches Kuriosit\u00e4tenkabinett, ein Atelier und Observatorium in einem. Das kleine Atelier war Schauplatz k\u00fcnstlerischer Aktivit\u00e4ten, von denen nur eine fotografische Dokumentation zeugt (u.a. \u201eZeichnen mit Licht\\\" 1978 und \u201eSonne 1.VII.1972\\\" 1972). 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V. Association for the Promotion of Cultural Practice in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin, unterst\u00fctzt aus dem Haushalt der lokalen Regierung der Woiwodschaft Niederschlesien und der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit\\nSchirmherr: Cezary Przybylski (Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien)\\nKooperation: Agnieszka Chodysz-Fory\u015b\\nVeranstaltung auf Facebook\\nInfo: www.top-ev.de, okis.pl\/zdzislaw-jurkiewicz-sonne-in-der-kuche Eintritt: frei\u00d6ffnungszeiten: 17:00\u201320:00 UhrOrt: TOP. 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Diese Wohnung war eine Figur, die verschiedene Aspekte des Werkes des K\u00fcnstlers miteinander verband, und noch etwas mehr: Sie war ein Zentralpunkt, an dem sich alle f\u00fcr ihn interessanten, so zahlreichen Themen und Motive, kreuzten. In dieser Wohnung in der \u0141aciarska-Stra\u00dfe entstanden alle Kunstwerke, die man in der Ausstellung sehen konnte: Objekte, Gem\u00e4lde und Fotografien.\nNat\u00fcrlich geht diese Wohnung weit \u00fcber die traditionell verstandene Rolle und Funktion eines Kunstateliers hinaus. Dabei geht es auch nicht nur um den genius loci. So wurde die Wohnung von Jurkiewicz in den 70er-Jahren auch zu einer Art Beobachtungskapsel, einem Labor und einem botanischen Garten zugleich. Jurkiewicz f\u00fchrte von seinem Zimmerfenster aus astronomische Beobachtungen durch. Gleichzeitig stellte er in seiner K\u00fcche eine Art Sonnenfalle auf und hielt sie fotografisch fest. So ist das Kunstwerk \"S\u0142o\u0144ce 1.VII.1972\" (1972) entstanden \u2013 in einer Folge von Schwarz-Wei\u00df-Fotografien sehen wir eine Sonnenscheibe an einer K\u00fcchenwand, umgeben von gew\u00f6hnlichen Gegenst\u00e4nden, Geschirr, Schnittlauch in einem Glas. Es ist sowohl eines der wichtigsten Werke des K\u00fcnstlers als auch das Schl\u00fcsselwerk der Ausstellung, weil es perfekt zeigt, wie in Jurkiewiczs Werken das Ferne, das Unerreichbare mit dem Nahen, dem Allt\u00e4glichen, dem Gew\u00f6hnlichen zusammenkam.\n[caption id=\"attachment_3502\" align=\"aligncenter\" width=\"500\"] Zdzis\u0142aw Jurkiewicz (1960er)[\/caption]\nJurkiewiczs Strategie, die er vor mehr als 50 Jahren entwickelt hatte \u2013 indem er sein Werk auf Mikro- und Makrobeobachtungen des allt\u00e4glichen Lebens in all seinen Erscheinungsformen ansiedelte, die er in seiner Wohnung durchgef\u00fchrt hatte \u2013 schwingt in besonderer Weise in der globalen Situation mit, in der wir uns alle aufgrund der Pandemie befinden, die Anfang 2020 begann und immer noch andauert. Seit mehreren Monaten \u201ebleiben wir zu Hause\u201d, wie ein zu Beginn der Pandemie beliebter Slogan in den sozialen Medien lautete. Vorbei sind unsere noch gar nicht so lange zur\u00fcckliegenden Reisen zu einem anderen Kontinent, an ein anderes Ende der Welt, die leicht in einem halben Tag zu bew\u00e4ltigen waren. Gerade deshalb sind Jurkiewiczs Haltung und sein Wirken heute so aktuell, die das Private und das Sch\u00f6pferische verbinden und auf der Offenheit gegen\u00fcber der Realit\u00e4t und ihrer aufmerksamen, kontemplativen Beobachtung, auf Neugier und dem Verlangen nach Wissen basieren, das hier und jetzt erf\u00fcllt werden kann, egal wo wir uns gerade befinden, ohne auf einen anderen Kontinent oder einen anderen Planeten reisen zu m\u00fcssen.\n[caption id=\"attachment_3500\" align=\"aligncenter\" width=\"500\"] Pleiades (1975)[\/caption]\nDer Maler, Fotograf, Architekt, Dichter und Theoretiker Zdzis\u0142aw Jurkiewicz\u00a0 (geb. in Wolsztyn) war eine der Schl\u00fcsselfiguren der polnischen Avantgarde-Kunstszene der 1960er- und 1970er-Jahre. Eine seiner Leidenschaften war die Astronomie. Im Alter von dreizehn Jahren baute er sein erstes Teleskop und im Rahmen seiner Diplomarbeit legte er ein Projekt f\u00fcr ein astronomisches Observatorium vor. Er untersuchte auch Ph\u00e4nomene im Zusammenhang mit der Farbwahrnehmung. Er blieb dem Lehrstuhl f\u00fcr Zeichnung und Malerei an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur der Technischen Universit\u00e4t Wroc\u0142aw verbunden, wo er zun\u00e4chst als Assistenzprofessor t\u00e4tig war und ihn sp\u00e4ter als Professor leitete.\nSeine Gem\u00e4lde, die formal der Malerei der Materie nahestehen, entwickeln sich zun\u00e4chst zur Gestenmalerei und erforschen sp\u00e4ter den Begriff der \u201eForm der Kontinuit\u00e4t\u201c \u2013 ein Schl\u00fcsselthema im Werk des K\u00fcnstlers zu dieser Zeit. In der zweiten H\u00e4lfte der 1960er-Jahre begann Jurkiewicz sich wieder f\u00fcr die Astronomie zu interessieren \u2013 er baute Teleskope, um Sterne zu beobachten und zu fotografieren. 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