{"id":4546,"date":"2022-10-11T14:24:51","date_gmt":"2022-10-11T12:24:51","guid":{"rendered":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/?p=4546"},"modified":"2023-02-01T12:15:51","modified_gmt":"2023-02-01T11:15:51","slug":"uber-die-polnische-romantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instytutpolski.pl\/berlin\/2022\/10\/11\/uber-die-polnische-romantik\/","title":{"rendered":"\u00dcber die polnische Romantik"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Jahr der Polnischen Romantik wird zum 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der ersten Ausgabe der Balladen und Romanzen von Adam Mickiewicz gefeiert. Aus diesem Anlass f\u00fchrt das Adam-Mickiewicz-Institut Projekte auf der ganzen Welt durch, um zu zeigen, wie die polnische Romantik zu einem Vehikel der Moderne wird.<\/p>\n<p>Als Balladen und Romanzen 1822 ver\u00f6ffentlicht wurden, trat eine als Wert betrachtete und verstandene Lokalit\u00e4t in die polnische Kultur ein. Mit der lokalen, provinziellen Landschaft ist ein Geheimnis verbunden, das als tiefere Wahrheit \u00fcber die Wirklichkeit verstanden wird. Eine Welt, die nur mit unseren Sinnen wahrgenommen werden kann. Die B\u00fchne betreten neue Helden, neue, unbekannte Stimmen, Charaktere mit der F\u00e4higkeit, Dinge zu sehen, die f\u00fcr das Auge unzug\u00e4nglich sind, mit dem \u201einneren Auge\u201c gesp\u00fcrt und wahrgenommen werden, was einen Einblick in eine tiefere Wirklichkeit, in die Spiritualit\u00e4t, erm\u00f6glicht. Diese slawische Spiritualit\u00e4t betritt mit all ihrer Kraft \u2013 vor allem dank Mickiewicz \u2013 auch die Weltb\u00fchne. Die Polemik mit der aufkl\u00e4rerischen rational mit \u201eAuge und Brille\u201c erfassten Welt erfolgt in Form einer kategorischen Ablehnung der Weltanschauung des 18. Jahrhunderts (Metapher der Welt als Uhr) zugunsten der Einsch\u00e4tzung der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Erscheinungen an, die aus der allt\u00e4glichen Routine ausbrechen. Die Romantiker haben einen neuen Weg geebnet, um die verborgene Wahrheit zu enth\u00fcllen, indem sie die Welt sinnlich und emotional erfahren. Die Aufgabe bestand darin, die darin verborgene Bedeutung und Botschaft zu lesen.<br \/><br \/>\u201eWenn das Auge der gegen\u00fcberliegenden Ufer nicht reicht,<br \/>Den Boden von der Spitze nicht unterscheidet:<br \/>Scheinst du mitten im Himmel zu h\u00e4ngen<br \/>In einem blauen Abgrund.&#8221; (Fragm. \u015awite\u017a)<br \/><br \/>Am Ufer des Flusses \u015awite\u017a verliert man die Gewissheit \u00fcber den Status der beobachteten Welt. Das Wesen der Romantik liegt gerade im Glauben, dass die Welt zumindest zweideutig ist. Der Dualismus wird zu einem in Balladen &#8230; ausgelegten Weltprinzip, aber auch suggestiv im Gedicht Stunde des Gedankens von Juliusz S\u0142owacki &#8211; \u201eunter dem Auge der Erinnerung\u201c, in dem das romantische \u201eIch\u201c in zwei Varianten, zwei m\u00f6glichen Schicksalen gezeigt wird. Von nun an werden wir die Welt in Bewegung betrachten. Als Balladen und Romanzen entstanden, las Mickiewicz leidenschaftlich Metamorphosen von Ovid, und so ist es kein Wunder, dass er die Welt in Bewegung, in st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung beschrieb: der Fluss flie\u00dft heute und morgen trocknet er aus, das M\u00e4dchen ist mal so, mal so, das Gespenst tritt auf und verschwindet, die ortodoxe Kirche sinkt tiefer. Das Licht \u00e4ndert sich, der Wind weht, es leuchten zwei Monde. Obwohl sich alles in unmittelbarer N\u00e4he abspielt, kann es auch \u2013 wie Romantiker zum ersten Mal entdecken \u2013 vertraut und fremd zugleich sein. Das werden wir bei Ovid nicht finden. Bei Adam Mickiewicz \u2013 ja.<\/p>\n<p>Die polnische Romantik hat die \u201eHeimat\u201c, die engste Umgebung, eingef\u00fchrt und hervorgehoben, in der wir uns jedoch wiederfinden m\u00fcssen, um in der Andersartigkeit das zu erkennen, was im Neuen zum Ausdruck kommt. Das Ufer von \u015awite\u017a ist ein Ufer der Unendlichkeit. Wohin ein Romantiker auch geht, kehrt er immer wieder in seine Heimat, in die Familienlandschaft zur\u00fcck. Mickiewicz wird sowohl in Tr\u00e4umen in Dresden, von einer Reise auf die Krim als auch in Briefen an Freunde in seine Heimatstadt zur\u00fcckkehren. In den Pariser Vorlesungen erz\u00e4hlt er \u00fcber die Geschichte des Slawentums und den slawischen Geist, indem er den europ\u00e4ischen Eliten mit \u00dcberzeugung beibringt, dass die heilende Mission in Zukunft von den Slawen durchgef\u00fchrt wird. (Diese Auffassung findet man auch beim deutschen Philosophen Herder).<\/p>\n<p>Ja, der Romantiker ist in der Provinz geboren. Doch anders als im 20. Jahrhundert war die Provinzialit\u00e4t der Romantiker gesch\u00e4tzt, sie vermittelte das Gef\u00fchl, \u201evon irgendwoher\u201c zu kommen, aber vor allem versorgte sie die Vorstellungskraft mit Intuition, sie best\u00e4tigte den Glauben, dass die Realit\u00e4t flexibel ist. Aus der romantischen Provinz kommen Ambitionen, Tr\u00e4ume und au\u00dfergew\u00f6hnliche Helden.<\/p>\n<p>\u201eDie Provinz \u2013 schreibt Marta Piwi\u0144ska in Schlechte Erziehung \u2013 war von Anfang an eine Schule des romantischen Unrealit\u00e4t\u201d. Unter Verwendung der Terminologie von Agata Bielik-Robson, die in der romantischen Bewegung eine belebende Kraft des dialogischen Geistes sieht, kann man sagen, dass die Provinz zum Fundament einer neuen Rationalit\u00e4t wurde. Die Romantiker sind die letzte Generation, die die altert\u00fcmlichen Werke liest. Nicht nur liest, sondern auch erforscht. Nach dem Vorbild der klassischen Tradition bauen polnische Romantiker eine neue Antike auf, indem sie nach Volksliedern, alten Liedern und Geschichten greifen. Sie sind die Wurzeln, die die polnische Nation (d.h. Republik Beider Nationen) pr\u00e4gen; sie verleihen einen Sinn der langen Dauer. Die Romantiker empfinden die Welt als ein literarisches Denkmal, und ihr Weltbild ist eine Art Hermeneutik.<\/p>\n<p>Wenn wir heute nach einer Geschichte suchen, die uns erlaubt, uns in der Wirklichkeit wiederzufinden, k\u00f6nnen wir darin auch romantische Ankl\u00e4nge h\u00f6ren. Das Geheimnis der Romantik besteht darin, das, was als \u201eFiktion\u201c gilt, als \u201ezweites Leben\u201c zu behandeln &#8211; sich der Geschichte mit aller Ernsthaftigkeit zu n\u00e4hern. Heutzutage sind wir uns einig, dass das Erz\u00e4hlen zu einer Art der Orientierung in der Welt wird. F\u00fcr Romantiker war es ein richtiges, entdecktes Leben. Ein Gebot. So leben, wie man schreibt. Die Romantiker f\u00fchrten dieses Motto ein und auch zu Ende gebracht. Sie setzen es in die Tat um. Dabei wird kein echter Romantiker sagen, dass es wirklich so und so war, denn er wei\u00df ganz genau, dass \u201ewirklich\u201c ja bedeutet, aber gleichzeitig ganz anders.<\/p>\n<p>Die zeitgen\u00f6ssische Vorstellungskraft, die sich aus dem sinnlichen Ged\u00e4chtnis sch\u00f6pft, versucht auch, diese Dualit\u00e4t der Welt mit romantischem Ursprung zu erfassen, sich im Nicht-Offensichtlichen, Anderssein, in der Fremdheit wiederzufinden und wiederzuerkennen, die zu einer Gelegenheit werden, mehr zu sehen und zu verstehen. Die Frage nach der Aktualit\u00e4t der polnischen Romantik dr\u00fcckt sich am st\u00e4rksten in der Frage aus, was die polnische Kultur der Welt zu bieten hat. Was bietet uns die individuelle Rezeption, die Wahrnehmung von Geschichte, Existenz zwischen Ost und West? Ausgehend von dieser Verschr\u00e4nkung zwischen Ost und West k\u00f6nnte man sagen, dass sie ein Verst\u00e4ndnis von geografischen und historischen Erfahrungen erm\u00f6glicht, alternative Antworten zul\u00e4sst, um Diagnosen zu stellen, die \u00fcber das Verst\u00e4ndnis von Ph\u00e4nomenen hinaus von der Ebene des kulturellen Zentrums aus verf\u00fcgbar sind. In diesem Sinne wurde die polnische Romantik, die zusammen mit Balladen und Romanzen eine provinzielle F\u00e4rbung auf die B\u00fchne brachte, \u2013 in Anlehnung an bell hooks aus dem postkolonialen Diskurs \u2013 zu einem \u201eOrt der radikalen \u00d6ffnung\u201c. Ein Ort, an dem alternatives Denken entsteht. Wo die Weisheit der Grenze geboren wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr der Polnischen Romantik wird zum 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der ersten Ausgabe der Balladen und Romanzen von Adam Mickiewicz gefeiert. 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Aus diesem Anlass f\u00fchrt das Adam-Mickiewicz-Institut Projekte auf der ganzen Welt durch, um zu zeigen, wie die polnische Romantik zu einem Vehikel der Moderne wird.\nAls Balladen und Romanzen 1822 ver\u00f6ffentlicht wurden, trat eine als Wert betrachtete und verstandene Lokalit\u00e4t in die polnische Kultur ein. Mit der lokalen, provinziellen Landschaft ist ein Geheimnis verbunden, das als tiefere Wahrheit \u00fcber die Wirklichkeit verstanden wird. Eine Welt, die nur mit unseren Sinnen wahrgenommen werden kann. Die B\u00fchne betreten neue Helden, neue, unbekannte Stimmen, Charaktere mit der F\u00e4higkeit, Dinge zu sehen, die f\u00fcr das Auge unzug\u00e4nglich sind, mit dem \u201einneren Auge\u201c gesp\u00fcrt und wahrgenommen werden, was einen Einblick in eine tiefere Wirklichkeit, in die Spiritualit\u00e4t, erm\u00f6glicht. Diese slawische Spiritualit\u00e4t betritt mit all ihrer Kraft \u2013 vor allem dank Mickiewicz \u2013 auch die Weltb\u00fchne. Die Polemik mit der aufkl\u00e4rerischen rational mit \u201eAuge und Brille\u201c erfassten Welt erfolgt in Form einer kategorischen Ablehnung der Weltanschauung des 18. Jahrhunderts (Metapher der Welt als Uhr) zugunsten der Einsch\u00e4tzung der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Erscheinungen an, die aus der allt\u00e4glichen Routine ausbrechen. Die Romantiker haben einen neuen Weg geebnet, um die verborgene Wahrheit zu enth\u00fcllen, indem sie die Welt sinnlich und emotional erfahren. Die Aufgabe bestand darin, die darin verborgene Bedeutung und Botschaft zu lesen.\u201eWenn das Auge der gegen\u00fcberliegenden Ufer nicht reicht,Den Boden von der Spitze nicht unterscheidet:Scheinst du mitten im Himmel zu h\u00e4ngenIn einem blauen Abgrund.\" (Fragm. \u015awite\u017a)Am Ufer des Flusses \u015awite\u017a verliert man die Gewissheit \u00fcber den Status der beobachteten Welt. Das Wesen der Romantik liegt gerade im Glauben, dass die Welt zumindest zweideutig ist. Der Dualismus wird zu einem in Balladen ... ausgelegten Weltprinzip, aber auch suggestiv im Gedicht Stunde des Gedankens von Juliusz S\u0142owacki - \u201eunter dem Auge der Erinnerung\u201c, in dem das romantische \u201eIch\u201c in zwei Varianten, zwei m\u00f6glichen Schicksalen gezeigt wird. Von nun an werden wir die Welt in Bewegung betrachten. Als Balladen und Romanzen entstanden, las Mickiewicz leidenschaftlich Metamorphosen von Ovid, und so ist es kein Wunder, dass er die Welt in Bewegung, in st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung beschrieb: der Fluss flie\u00dft heute und morgen trocknet er aus, das M\u00e4dchen ist mal so, mal so, das Gespenst tritt auf und verschwindet, die ortodoxe Kirche sinkt tiefer. Das Licht \u00e4ndert sich, der Wind weht, es leuchten zwei Monde. Obwohl sich alles in unmittelbarer N\u00e4he abspielt, kann es auch \u2013 wie Romantiker zum ersten Mal entdecken \u2013 vertraut und fremd zugleich sein. Das werden wir bei Ovid nicht finden. Bei Adam Mickiewicz \u2013 ja.\nDie polnische Romantik hat die \u201eHeimat\u201c, die engste Umgebung, eingef\u00fchrt und hervorgehoben, in der wir uns jedoch wiederfinden m\u00fcssen, um in der Andersartigkeit das zu erkennen, was im Neuen zum Ausdruck kommt. Das Ufer von \u015awite\u017a ist ein Ufer der Unendlichkeit. Wohin ein Romantiker auch geht, kehrt er immer wieder in seine Heimat, in die Familienlandschaft zur\u00fcck. Mickiewicz wird sowohl in Tr\u00e4umen in Dresden, von einer Reise auf die Krim als auch in Briefen an Freunde in seine Heimatstadt zur\u00fcckkehren. In den Pariser Vorlesungen erz\u00e4hlt er \u00fcber die Geschichte des Slawentums und den slawischen Geist, indem er den europ\u00e4ischen Eliten mit \u00dcberzeugung beibringt, dass die heilende Mission in Zukunft von den Slawen durchgef\u00fchrt wird. (Diese Auffassung findet man auch beim deutschen Philosophen Herder).\nJa, der Romantiker ist in der Provinz geboren. Doch anders als im 20. Jahrhundert war die Provinzialit\u00e4t der Romantiker gesch\u00e4tzt, sie vermittelte das Gef\u00fchl, \u201evon irgendwoher\u201c zu kommen, aber vor allem versorgte sie die Vorstellungskraft mit Intuition, sie best\u00e4tigte den Glauben, dass die Realit\u00e4t flexibel ist. Aus der romantischen Provinz kommen Ambitionen, Tr\u00e4ume und au\u00dfergew\u00f6hnliche Helden.\n\u201eDie Provinz \u2013 schreibt Marta Piwi\u0144ska in Schlechte Erziehung \u2013 war von Anfang an eine Schule des romantischen Unrealit\u00e4t\u201d. Unter Verwendung der Terminologie von Agata Bielik-Robson, die in der romantischen Bewegung eine belebende Kraft des dialogischen Geistes sieht, kann man sagen, dass die Provinz zum Fundament einer neuen Rationalit\u00e4t wurde. Die Romantiker sind die letzte Generation, die die altert\u00fcmlichen Werke liest. Nicht nur liest, sondern auch erforscht. Nach dem Vorbild der klassischen Tradition bauen polnische Romantiker eine neue Antike auf, indem sie nach Volksliedern, alten Liedern und Geschichten greifen. Sie sind die Wurzeln, die die polnische Nation (d.h. Republik Beider Nationen) pr\u00e4gen; sie verleihen einen Sinn der langen Dauer. Die Romantiker empfinden die Welt als ein literarisches Denkmal, und ihr Weltbild ist eine Art Hermeneutik.\nWenn wir heute nach einer Geschichte suchen, die uns erlaubt, uns in der Wirklichkeit wiederzufinden, k\u00f6nnen wir darin auch romantische Ankl\u00e4nge h\u00f6ren. Das Geheimnis der Romantik besteht darin, das, was als \u201eFiktion\u201c gilt, als \u201ezweites Leben\u201c zu behandeln - sich der Geschichte mit aller Ernsthaftigkeit zu n\u00e4hern. Heutzutage sind wir uns einig, dass das Erz\u00e4hlen zu einer Art der Orientierung in der Welt wird. F\u00fcr Romantiker war es ein richtiges, entdecktes Leben. Ein Gebot. So leben, wie man schreibt. Die Romantiker f\u00fchrten dieses Motto ein und auch zu Ende gebracht. Sie setzen es in die Tat um. Dabei wird kein echter Romantiker sagen, dass es wirklich so und so war, denn er wei\u00df ganz genau, dass \u201ewirklich\u201c ja bedeutet, aber gleichzeitig ganz anders.\nDie zeitgen\u00f6ssische Vorstellungskraft, die sich aus dem sinnlichen Ged\u00e4chtnis sch\u00f6pft, versucht auch, diese Dualit\u00e4t der Welt mit romantischem Ursprung zu erfassen, sich im Nicht-Offensichtlichen, Anderssein, in der Fremdheit wiederzufinden und wiederzuerkennen, die zu einer Gelegenheit werden, mehr zu sehen und zu verstehen. Die Frage nach der Aktualit\u00e4t der polnischen Romantik dr\u00fcckt sich am st\u00e4rksten in der Frage aus, was die polnische Kultur der Welt zu bieten hat. Was bietet uns die individuelle Rezeption, die Wahrnehmung von Geschichte, Existenz zwischen Ost und West? Ausgehend von dieser Verschr\u00e4nkung zwischen Ost und West k\u00f6nnte man sagen, dass sie ein Verst\u00e4ndnis von geografischen und historischen Erfahrungen erm\u00f6glicht, alternative Antworten zul\u00e4sst, um Diagnosen zu stellen, die \u00fcber das Verst\u00e4ndnis von Ph\u00e4nomenen hinaus von der Ebene des kulturellen Zentrums aus verf\u00fcgbar sind. In diesem Sinne wurde die polnische Romantik, die zusammen mit Balladen und Romanzen eine provinzielle F\u00e4rbung auf die B\u00fchne brachte, \u2013 in Anlehnung an bell hooks aus dem postkolonialen Diskurs \u2013 zu einem \u201eOrt der radikalen \u00d6ffnung\u201c. Ein Ort, an dem alternatives Denken entsteht. 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