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SUMMARY:Mikołaj Sobczak - Teilen und herrschen
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DESCRIPTION:Fotos: Hanne Brandt © Polnisches Institut Düsseldorf
Ausstellung: Mikołaj Sobczak "Teilen und herrschen"
Polnisches Institut Düsseldorf / Galerie
Ausstellungsdauer: 12. Juni - 9. Oktober 2026
 
Die Eröffnung der Ausstellung „Teilen und herrschen“ von Mikołaj
Sobczak im Polnischen Institut Düsseldorf wurde zu einem kulturellen
Ereignis und brachte ein bemerkenswert vielfältiges Publikum zusammen.
Kunstschaffende, Kuratorinnen, Vertreterinnen der Kulturszene, Studierende
sowie zahlreiche Gäste aus Düsseldorf und der Region kamen zusammen, um
die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in Düsseldorf
zu feiern.
 Rafał Sobczak, Gesandter, Direktor des Polnischen Instituts Düsseldorf,
begrüßte die zahlreichen Besucher, darunter auch viele Partner des
Instituts. Er verwies auf den breiteren Rahmen der Ausstellung –
Manifesta 16 Ruhr - und auf die Beteiligung des Polnischen Instituts an
dieser Biennale für zeitgenössische Kunst.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Anwesenheit der renommierten
Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin Anda Rottenberg, einer der
bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen Kunstwelt, Creative
Mediator der Manifesta 16 Ruhr. Mit ihrer langjährigen Arbeit als
Kuratorin, Autorin und Vermittlerin prägt sie seit Jahrzehnten den
internationalen Kunstdiskurs. Gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung,
Krzysztof Kościuczuk, ebenfalls Creative Mediator der Manifesta 16 Ruhr,
führte das Publikum in die vielschichtige künstlerische Praxis von
Mikołaj Sobczak ein.
 Mikołaj Sobczak war ebenfalls anwesend und sprach mit den Gästen über
seine Werke, die sich zwischen Malerei, Video und Performance bewegen und
Geschichte aus neuen, oft überraschenden Perspektiven betrachten. Der
Künstler, Teilnehmender der Manifesta 16 Ruhr, gehört zu den spannendsten
Stimmen der zeitgenössischen Kunst. In seinen vielschichtigen, oft
surrealen Bildwelten begegnen sich historische Figuren über Zeiten und
Grenzen hinweg. Dabei stellt er etablierte Geschichtsschreibungen infrage
und gibt marginalisierten Stimmen Raum. Dabei rückt er insbesondere queere
und trans Perspektiven in den Fokus.
Die große Resonanz und die lebhaften Gespräche während der Vernissage
machten deutlich, wie relevant die Themen der Ausstellung heute sind:
Erinnerung, Identität, Macht, Widerstand und die Frage, wer Geschichte
schreibt – und wer darin sichtbar wird.
Mikołaj Sobczak TEILEN UND HERRSCHEN
Kuratiert von Krzysztof Kościuczuk, Creative Mediator der Manifesta 16
Ruhr
Ausstellungsdauer: 12. Juni – 9. Oktober 2026
Polnisches Institut Düsseldorf / Galerie
Das Polnische Institut Düsseldorf ist Kollaborator der Manifesta 16 Ruhr
 
Aus dem Beitrag des Kurators Krzysztof Kościuczuk: 
Mikołaj Sobczak, Teilnehmer der Manifesta 16 Ruhr, hinterfragt die
Konventionen der Historienmalerei, um alternative Szenarien zu entwerfen.
In vielschichtigen, oft surrealen Tableaus inszeniert er unmögliche
Begegnungen realer Protagonist*innen und verschiebt so etablierte
Narrative. Dabei rückt er insbesondere queere und trans Perspektiven in
den Mittelpunkt.
Das Polnische Institut in Düsseldorf präsentiert die erste
institutionelle Einzelausstellung von Mikołaj Sobczak in Düsseldorf. Die
Ausstellung versammelt zentrale Werke aus unterschiedlichen
Schaffensphasen. Mikołaj Sobczak nutzt verschiedene Medien und
Ausdrucksformen – von Malerei über Video und Objekte bis hin zur
Performance –, doch das Hauptmaterial seiner künstlerischen Praxis ist
die Geschichte. Bei ihm ist es eine widersprüchliche, fragmentarische, oft
fiktionaler Geschichte, vor allem aber eine, in der marginale Ereignisse
und Erzählungen mit großen Narrativen verflochten werden.
Der in der Ausstellung in einem Ausschnitt gezeigte Videomitschnitt seiner
mit Nicholas Grafia erarbeiteten Performance „The Peasants” („Die
Bauer:innen“, 2021/26) beginnt mit der haitianischen Revolution Anfang
des 19. Jahrhunderts und springt vor- und rückwärts durch die
Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart. Musik und Kostüme verweisen auf
unterschiedliche marginalisierte Gruppen. Die titelgebenden
„Bauer:innen“ sind weniger als konkrete Gruppe oder soziale Klasse zu
verstehen, sondern als übergeordnete Kategorie, der vulnerable oder leicht
auszubeutende Personen zugerechnet werden. Gerade sie fungieren zugleich
aber auch als Symbol für das Potenzial des Wandels – sei es durch
revolutionäre Bewegungen, sei es durch das Imaginieren neuer
Gemeinschaften und neuer Formen des Zusammenlebens.
Die Arbeit „Adam Gawron” (2024) ist ein anderes, persönlicheres
Beispiel für Sobczaks Zugang zur Geschichte. Der 1899 in einer Kleinstadt
an der Bahnlinie Radom–Dęblin geborene Gawron kam wegen seiner
Untergrundaktivitäten als politischer Häftling in das KZ Auschwitz. Er
überlebte das Lager und wurde 90 Jahre alt. Er hinterließ eine Sammlung
von Dokumenten und Fotografien. In Zusammenarbeit mit der Historikerin
Joanna Ostrowska präsentiert Sobczak sie als Ansammlung von einzelnen
Elementen: eine Zusammenstellung von in Holz gemeißelten Silhouetten und
eine Collage von Fotografien, die gemeinsam das fragmentarische Porträt
eines außergewöhnlichen Menschen ergeben, der während seines langen
Lebens unter anderem den Traum vom Schneiderberuf hegte und sich mit
Chiromantie, dem Wahrsagen aus der Hand, befasste. Auf der Rückseite der
Arbeit sieht man die Umrisse von Figuren, die auf eine weitere
unkonventionelle Gestalt verweisen: Dirk Willems, einen Märtyrer des 16.
Jahrhunderts, der als Wiedertäufer zum Tode verurteilt und eingekerkert
worden war. Nach geglückter Flucht aus dem Gefängnis wurde er auf einem
zugefrorenen Gewässer von seinen Verfolgern eingeholt. Als er bemerkte,
dass einer von ihnen im Eis eingebrochen war, versuchte er ihm zu helfen.
Dabei wurde er erneut gefasst und später auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Sobczak thematisiert häufig die Verfolgung und den Widerstand queerer
Gemeinschaften sowie die Mechanismen der Exklusion, wozu er sich
alternativer Geschichtsbilder bedient. Die Aktivistin Suzette Robichon
beschreibt im Kontext ihrer Forschungen zu Frauen in Konzentrationslagern
das Schicksal von Eva Kotchever. Die 1891 in einer polnisch-jüdischen
Familie geborene Chawa Złoczower emigrierte in die USA, wo sie sich in der
anarchistischen Bewegung engagierte, die Teestube Eve’s Hangout – einen
beliebten Treffpunkt für Frauen – gründete sowie lesbische Literatur
herausgab, wofür sie nach Europa deportiert wurde. Sie starb im KL
Auschwitz. Ähnlich wie das metaphorische Porträt Adam Gawrons ist die
Arbeit „Eva Kotchever” (2024) eine Konstellation von Bildern, die vom
Leben einer Person erzählen, deren verwickelte Biografie symbolisch für
viele andere steht. Auf der Rückseite befindet sich die Darstellung einer
Radierung von Jan Lucas van der Beek aus dem 16. Jahrhundert mit dem Titel
„Wiedertäufer ziehen nackt über den Dam in Amsterdam und werden
gefasst“.
Dann ist da der deutsche Maler und Tagebuchschreiber Hans Heinrich von
Portatius, dessen Familie aus Schlesien stammte. Als wichtige Inspiration
für Sobczak ist er in dieser Ausstellung mit eigenen Werken vertreten. Der
heute weitgehend vergessene Portatius schrieb 1936 ein Tagebuch, dass er in
einem grauen Umschlag verwahrte, auf dem vermerkt war, dass er erst nach
100 Jahren geöffnet werden solle. Dieses Tagebuch ist ein einzigartiges
Zeugnis queerer Existenz im Schatten des aufkommenden Faschismus und
zugleich ein Dokument der Einsamkeit, der Spiritualität, des Begehrens und
des Bedürfnisses, eine Spur für die Nachgeborenen zu hinterlassen. Nach
dem Krieg war Portatius Mitbegründer des Travestielokals Die Spinne, einem
zentralen Ort für die sich im Nachkriegsdeutschland wieder formierende
queere Gemeinschaft. Der Club schloss zum Beginn der COVID-19-Pandemie.
Sobczak führt nicht nur diverse Medien zusammen, sondern verbindet auch
die unterschiedlichsten Themen miteinander. In seiner Auseinandersetzung
mit Religion und Glauben verknüpft er bekannte mit weniger bekannten
Narrativen. Ein Zyklus von Arbeiten über Rudolf Steiner, den Begründer
der Anthroposophie, reflektiert unter anderem deren Einfluss auf Schulen,
Kliniken, Landwirtschaft und Finanzinstitute in Nordrhein-Westfalen, wo
1912 in Köln die erste Anthroposophische Gesellschaft der Region entstand.
Anhand von protestantischen und anthroposophischen Motiven zeichnet Sobczak
eine lange, wenngleich nicht offensichtliche Kontinuitätslinie des
heterodoxen Christenstums von der Gemeinschaft der Wiedertäufer bis zur
von Steiner inspirierten Esoterik, die er auch im großformatigen Gemälde
„Mysterien“ (2026) visualisiert. Wie auch in anderen Arbeiten
beobachtet Sobczak hier, wie Glaube, Vision und Macht beim Aufbau – oder
bei der Zerstörung –politischer Zukünfte Hand in Hand gehen.
Die aktuelle Ausstellung – Sobczaks erste institutionelle
Einzelausstellung in Düsseldorf, wo der Künstler seit Jahren lebt und
arbeitet – bietet noch vieles mehr. In „Teilen und herrschen“ teilt
Mikołaj Sobczak den Kanon, um neuen Narrativen zur Herrschaft zu
verhelfen.
Krzysztof Kościuczuk, Kurator
Aus dem Polnischen: Bernhard Hartmann
 
Mikołaj Sobczak (geboren 1989 in Poznań, Polen) arbeitet in den Bereichen
Video und Malerei; kollaborative performative Ausdrucksformen sind
ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil seiner künstlerischen Praxis.
Sobczaks Arbeiten zeigen Alltagsszenen als alternative historische Bilder;
in seine collagierten Bildnarrative integriert er Protagonist:innen
politischer Aktivismen und gegenkultureller emanzipatorischer Bewegungen.
Sobczak studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau im
Atelier für räumliche Aktivitäten von Mirosław Bałka, war Stipendiat
an der Universität der Künste Berlin und schloss 2019 sein Studium als
Meisterschüler an der Kunstakademie Münster ab.
2021 wurde Sobczak mit Polens bedeutendstem Kunstpreis, dem Paszport
Polityki, ausgezeichnet.
Er war Artist-in-Residence an der Rijksakademie van beeldende kunsten in
Amsterdam und nahm am Residency-Programm von Art Explora in Paris teil. Als
einer von vier ausgewählten Künstler:innen erhielt er kürzlich den
renommierten Villa-Romana-Preis für das Jahr 2026.
Er lebt und arbeitet in Amsterdam, Niederlande und Düsseldorf.
 
Mikołaj Sobczak. Teilen und herrschen – Vernissage des Manifesta 16 Ruhr
Teilnehmers im Polnischen Institut
Düsseldorf: https://youtu.be/QOWz38SaAWQ?si=an5GV8uTz5bD2Pl6
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