{"id":3576,"date":"2020-12-11T15:03:00","date_gmt":"2020-12-11T14:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/?p=3576"},"modified":"2020-12-21T15:38:01","modified_gmt":"2020-12-21T14:38:01","slug":"50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/","title":{"rendered":"50. Jahrestag des Massakers in Danzig 1970 und 39. Jahrestag des Kriegsrechts in Polen 1981"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Trag\u00f6die in der polnischen K\u00fcstenstadt Danzig von vor 50 Jahren geh\u00f6rt zur Geschichte Mitteleuropas als von den Kommunisten unterdr\u00fcckter Schicksalsgemeinschaft <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eTief empfundene Gemeinsamkeit unserer Schicksale\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Jaros\u0142aw Szarek, Historiker, Leiter des Instituts f\u00fcr Nationales Gedenken<\/p>\n<p>Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Danzig \u2013 wo derselbe Krieg begonnen hatte \u2013 wieder geschossen und wieder gab es Tote. Zu den Waffen griffen diesmal, im Dezember 1970, die kommunistische Armee und die Miliz \u2013 und sie richteten diese auf Arbeiterinnen und Arbeiter, die gegen kurz vor Weihnachten bekanntgegebene Preiserh\u00f6hungen protestierten. Neben Danzig wurde auch in anderen polnischen Hafenst\u00e4dten \u2013 in Stettin, Gdingen und Elbing \u2013 protestiert, es gab einige Duzend Tote und mehr als 1.000 Verletzte. Die Ausma\u00dfe der Proteste zwangen Moskau, die Polen seit 1956 regierenden Machthaber auszutauschen.<\/p>\n<p>Der italienische Schriftsteller, Sozialist und jahrelanger Anh\u00e4nger des Kommunismus Ignazio Silone schrieb: \u201eIhr Kampf wird nicht vergeblich gewesen sein. Vieles deutet darauf hin, dass er selbst in Rostock und K\u00f6nigsberg Spuren hinterlassen hat.\u201c Die Resonanz der Dezember-Proteste in anderen L\u00e4ndern l\u00e4sst sich schlecht in Zahlen ausdr\u00fccken, keine Rebellion geht jedoch spurlos vor\u00fcber \u2013 der anfangs kleine Riss auf der bis dahin makellosen Oberfl\u00e4che des monolithischen sowjetischen Imperiums, zuerst kaum bemerkbar, wurde mit der Zeit immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl der hinter dem Eisernen Vorhang lebenden Nationen, sie seien eine Schicksalsgemeinschaft, ist auf eindringliche Art und Weise belegt. Im Herbst 1956 wurden ungarische Tr\u00e4ume von einer unabh\u00e4ngigen Staatlichkeit durch die Unruhen in Polen geweckt; als sowjetische Panzer sie in Budapest vernichteten, setzte dies an der Weichsel eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang: Geschickt wurden Arzneimittel, Blutspenden, tr\u00f6stende Worte und andere Gesten der Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Bis heute belastet uns die Erinnerung an die Demonstration von acht russischen Dissidenten, die im August 1968 auf dem Moskauer Roten Platz demonstrierten. Sie wurden sofort verhaftet und verurteilt; die darauffolgenden Jahre verbrachten sie hinter Gittern und Stacheldraht in Straflagern. Ihr Protest galt der Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings \u2013 eines tschechisch-slowakischen Freiheitsaufstandes, der von knapp 250.000 sowjetischen Soldaten mit Unterst\u00fctzung weiterer Milit\u00e4reinheiten aus der Volksrepublik Polen, der DDR, Ungarn und Bulgarien unterdr\u00fcckt wurde. Natalja Gorbanewskaja trat damals mit einem Spruchband in die \u00d6ffentlichkeit, auf dem die Worte zu lesen waren: \u201eF\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u201c. Zum ersten Mal machten sie in Polen als Fahnenspruch bereits w\u00e4hrend des Novemberaufstandes von 1830\/1831 die Runde \u2013 auf Polnisch und auf Russisch geschrieben und ausgesprochen. Seitdem begleiteten sie unseren Unabh\u00e4ngigkeitskampf immer wieder, bis sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen neuen Sinn bekamen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Tat jener Handvoll trotziger Russen fiel im Meer von nahezu 250 Mio. gleichg\u00fcltiger und feindseliger sowjetischer Menschen nicht weniger ins Gewicht als der Streik einiger Tausende russischer Arbeiter in Nowotscherkassk im Juni 1962, dem Maschinengewehrsalven ein Ende setzten. Sie bereitete einen Weg vor, den zu betreten nur vereinzelte Trotzk\u00f6pfe aus jeder Nation des sowjetischen Imperiums entschlossen waren, indem sie nach dem schlichtesten, am einfachsten zug\u00e4nglichen Schl\u00fcssel zur Befreiung suchten: an keinen L\u00fcgen teilnehmen! \u201eSelbst wenn die L\u00fcge alles \u00fcberschwemmen, alles beherrschen sollte, beharren wir auf dem Mindesten: Sie darf nicht durch mich herrschen!\u201c, wie Alexander Solchenizyn, Verfasser von <em>Archipel Gulag<\/em> und Nobelpreistr\u00e4ger, appellierte.<\/p>\n<p>Einen \u201ef\u00fcr den K\u00f6rper nicht leichten, f\u00fcr die Seele aber einzig m\u00f6glichen Lebensweg\u201c ging zeitlebens der russische Dissident Wladimir Bukowski, der in Gef\u00e4ngnissen, Straflagern und psychiatrischen Anstalten 12 Jahre verbrachte. Seine Erkl\u00e4rung: \u201eJeder in der Menge fragt sich: ,Warum ich? Allein bewirke ich doch nichts.\u2018 So resignieren alle. ,Wer, wenn nicht ich?\u2018, fragt sich einer, der mit dem R\u00fccken zur Wand steht. Er rettet alle. Und tr\u00e4gt dazu bei, dass ein Reich aufgebaut wird.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Reich wurde von den Begr\u00fcndern der Helsinki-Menschenrechtsgruppen in Russland, der Ukraine und Litauen, auch von den Unterzeichnern der \u201eCharta 77\u201c in der Tschechoslowakei errichtet, die nicht selten in dieselbe Richtung wirkten. Polen beteiligte sich ebenfalls, und zwar dank den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Komitees zum Schutz der Arbeiter KOR, dem Komitee der studentischen \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c, den regionalen Komitees der l\u00e4ndlichen Selbstverteidigung \u201eSamoobrona\u201c, der Vereinigung KPN und zahlreichen Untergrundverlagen (allen voran dem unabh\u00e4ngigen Verlagshaus NOWA), welche die L\u00fcgen mit Mitteln der Meinungsfreiheit bek\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Die Kraft der Wahrheit bekamen Millionen Menschen im Juni 1979 w\u00e4hrend der Pilgerfahrten Johannes Pauls II. in sein Heimatland zu sp\u00fcren, als er an das gemeinsame, fundamentale und jahrhundertealte christliche Erbe der \u201e\u00f6stlichen Lunge Europas\u201c appellierte: Angesprochen f\u00fchlten sich Menschen aus Kroatien, Slowenien, Tschechien, Bulgarien, Russland, Litauen.<\/p>\n<p>Knapp ein Jahr sp\u00e4ter richteten sich alle Augen auf Polen, wo im Sommer 1980 die Herde der Streiks von vor 10 Jahren, d.h. Danzig und Stettin, zu Zentren der entstehenden \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c-Bewegung wurden. Zu ihren allerersten Forderungen geh\u00f6rte die Errichtung von Denkm\u00e4lern zu Ehren der im Dezember 1970 Gefallenen. Drei wuchtige, \u00fcber 40 Meter hohe und mit Ankern versehene Kreuze wurden in Danzig anl\u00e4sslich des 10. Jahrestags aufgestellt und z\u00e4hlen bis heute zu Wahrzeichen dieser Stadt.<\/p>\n<p>Die Worte eines im Dezember 1970 gesungenen Liedes gingen allm\u00e4hlich in Erf\u00fcllung: \u201eWeint nicht, Ihr M\u00fctter, denn nicht umsonst \/ Weht \u00fcber der Werft eine Fahne mit Trauerflor. \/ F\u00fcr Brot und Freiheit und f\u00fcr ein freies Polen \/ ist Janek Wi\u015bniewski gefallen.\u201c Janek Wi\u015bniewski hie\u00df in Wirklichkeit Zbigniew Godlewski und war ein 18-j\u00e4hriger Sch\u00fcler, der in Gdingen erschossen wurde. Das Bild seines mit blutbefleckten rot-wei\u00dfen Flaggen bedeckten und auf einem T\u00fcrfl\u00fcgel getragenen Leichnams wurde zum Symbol des Dezember-Aufstandes von 1970.\u00a0<\/p>\n<p>Das damals auferstehende \u201eneue Polen\u201c bedeutete einen Hoffnungsschimmer f\u00fcr andere von Moskau unterjochte Nationen. W\u00e4hrend der Streiks vom August 1980 gr\u00fc\u00dfte Alexander Solschenizyn die polnischen Arbeiten mit den Worten: \u201eIch bewundere Euren Kampfgeist und Eure W\u00fcrde. Ihr seid ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr alle von den Kommunisten unterdr\u00fcckten Nationen.\u201c<\/p>\n<p>Die \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201d war sich dessen bewusst, dass sie den H\u00f6hepunkt im Widerstand und im Kampf gegen den Kommunismus markierte, der einige Jahrzehnte lang nicht nur in Polen, sondern auch in dem gesamten Ostblock gef\u00fchrt worden war und wurde. Deshalb richtete man bei der Vollversammlung dieser 10 Mio. Mitglieder z\u00e4hlenden Bewegung im Sommer 1981 einen Aufruf an osteurop\u00e4ische Arbeiterinnen und Arbeiter, in dem von einer \u201etief empfundenen Gemeinsamkeit unserer Schicksale\u201c die Rede war. Das Papier f\u00fchrte zu einer hysterischen Reaktion Moskaus, bedeutete aber moralische Unterst\u00fctzung f\u00fcr all jene, die jahrelang einen unerm\u00fcdlichen Kampf um die Freiheit k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Unter diesem Vorzeichen \u2013 dem einer Schicksalsgemeinschaft \u2013 standen auch die so zahlreichen Worte des Trostes und der Aufmunterung, welche Polen nach der Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts im Jahre 1981 erreichten. Russische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, u.a. Wladimir Bukowski, Wladimir Maximow, Wiktor Niekrassow, Natalja Gorbanewskaja, griffen einmal mehr und \u201emit Stolz\u201c nach den im polnischen Novemberaufstand von 1830, also vor 150 Jahren, formulierten Worten: \u201e,F\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u2018 Es lebe das freie, unabh\u00e4ngige Polen! Es lebe die ,Solidarno\u015b\u0107\u2018!\u201c. \u00c4hnlich solidarisch sprachen sich Menschen in anderen Regionen des sowjetischen Imperiums aus: Tschechien und Slowaken, Ungarn, Litauer, Letten, Esten, Ukrainer, Wei\u00dfrussen \u2026<\/p>\n<p>Besonders eindringlich klangen die Worte des damals inhaftierten ukrainischen Dissidenten Wassyl Stus, der 1985 in einem Straflager in Perma zu Tode gequ\u00e4lt wurde: \u201eWie sehr freut mich die fehlende polnische Demut angesichts der sowjetischen Despotie [\u2026]. Polen ist ein Vorbild f\u00fcr die Ukraine [\u2026]. In der Welt des Totalitarismus er\u00f6ffnet Polen eine neue Epoche und bereitet dessen Sturz vor. Allen polnischen K\u00e4mpfern w\u00fcnsche ich viel Erfolg und hoffe, dass das Milizregime des am 13. Dezember verh\u00e4ngten Kriegsrechts die heilige Flamme der Freiheit nicht l\u00f6schen kann\u201c \u2013 eine Flamme, die immer h\u00f6her loderte und Millionen Einwohnern des sowjetischen Imperiums eine baldige Befreiung bringen sollte.<\/p>\n<p>Der Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift <em>Wszystko Co Najwa\u017cniejsze<\/em>\u00a0im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>_______________________________________________<\/p>\n<p><strong>Es lohnt daran zu erinnern, dass der Ostblock dank des Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Imperiale Versuchung f\u00fcr Europa<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Zdzis\u0142aw KRASNOD\u0118BSKI, polnischer Soziologe, Gesellschaftsphilosoph, Professor der Universit\u00e4t Bremen und Abgeordneter im Europ\u00e4ischen Parlament<\/p>\n<p>Die aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>2007, zu Beginn der Finanzkrise, standen die L\u00e4nder S\u00fcdeuropas im Fokus der Kritik. Wiederbelebt wurde damals die \u00dcberzeugung von tiefen, trennenden kulturellen Unterschieden zwischen dem asketischen postprotestantischen Norden Europas und seinem ausschweifenden S\u00fcden, der sich wenig um Finanzen und um das Recht k\u00fcmmere.<\/p>\n<p>Man h\u00fctete sich allerdings, Italien oder Spanien aus der EU auszuschlie\u00dfen, sie \u201eauszuhungern\u201c, zu \u00fcbergehen und den Druck auf diese L\u00e4nder zu erh\u00f6hen (obwohl er im Falle Griechenlands in der Tat erh\u00f6ht wurde). Die EU-Skeptiker sa\u00dfen eher im S\u00fcden und erhoben dort ihre Stimme. Der italienische Philosoph Giorgio Agamben behauptete, dass angesichts derart gewaltiger Unterschiede der Lebensstile und der Wertehierarchien eine Union keinen Sinn habe, und machte den Vorschlag, in Ankn\u00fcpfung an die seinerzeit von Alexandre Koj\u00e8ve propagierte Idee eines lateinischen Imperiums eine gesonderte Union s\u00fcdeurop\u00e4ischer L\u00e4nder aufzubauen. Was w\u00e4re aber eine Union ohne L\u00e4nder wie Italien, Spanien oder Griechenland, in denen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er aus dem Norden so gern Urlaub machen und deren Sehensw\u00fcrdigkeiten und Landschaften wir alle bewundern?<\/p>\n<p>Mittelosteuropa darf nicht mit so viel Empathie und Sympathie rechnen. Seine Eigenart wird gegen\u00fcber dem im Westen entstandenen und heutzutage in Br\u00fcssel dekretierten Muster gew\u00f6hnlich als fehlerhaft und unvollkommen verstanden. Eine solche Denkweise ist tief in den europ\u00e4ischen historischen Narrativen verwurzelt. Der \u201eeurop\u00e4ische\u201c Charakter von L\u00e4ndern, die \u00f6stlich der Elbe lagen, wurde als Ergebnis der \u00dcbertragung eines zivilisatorischen Modells oder gar als Resultat einer Kolonisierung dargestellt. Was Mitteleuropa vorw\u00e4rts brachte, sei angeblich aus dem Westen gekommen \u2013 was es hemmte, lag an heimischen Traditionen. Geistige Gr\u00f6\u00dfen der Aufkl\u00e4rung wie Kant, Voltaire oder Diderot waren \u00fcberzeugt, dass nur aufgekl\u00e4rte Despoten die Nationen auf einen fortschrittlichen Weg zwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieses wenig raffinierte Denken beherrscht die Welt bis heute. Unsere Demokratie und unser erfolgreicher wirtschaftlicher Wandel seien \u2013 vielen Politologen und EU-Kennern zufolge \u2013 nicht unser Verdienst, sondern ein Geschenk der \u201eSozialisierung\u201c durch den Westen sowie der Zusch\u00fcsse aus den EU-Fonds. Wenn mitteleurop\u00e4ische L\u00e4nder auf ihre politische Eigenst\u00e4ndigkeit pochen, ernten sie h\u00e4ufig Emp\u00f6rung, als handle es sich um gegen den Zeitgeist versto\u00dfende Unanst\u00e4ndigkeiten. Zuerst hatte die Vis\u00e8grad-Gruppe den Westen durch ihre ablehnende Haltung in der Migrationsfrage gegen sich aufgebracht, nun tun Polen und Ungarn mit ihrem Veto das gleiche. Selbst die souver\u00e4ne Zusammenarbeit im Rahmen der Drei-Meere-Initiative ruft schlecht versteckte Beunruhigung hervor: Wie konnte ein f\u00fcr Europa so wertvolles Projekt unbeaufsichtigt und eigenst\u00e4ndig entstehen und sich entwickeln?<\/p>\n<p>Die L\u00e4nder Mittelosteuropas entstanden bzw. wurden wiedergeboren aus Ruinen der zusammengebrochenen Reiche \u2013 des osmanischen, habsburgischen, wilhelminischen und russischen. Mittel- und osteurop\u00e4ische \u00c4ngste vor einem repressiven Imperium d\u00fcrfen daher kaum verwundern. Hier lebt nach wie vor das Bewusstsein, dass es kein freies Individuum ohne eine freie Nation geben k\u00f6nne, dass die politische Freiheit eine Bedingung der individuellen sei. Die aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde. Nicht einmal Ungarn stellt sie in Frage, trotz seiner gro\u00dfen territorialen Verluste nach dem Ersten Weltkrieg. Von nun an gab es und gibt es keine Kaiser mehr in Europa. Nach 1945 wurden mittel- und osteurop\u00e4ische L\u00e4nder allerdings dem sowjetischen Imperium einverleibt oder von ihm unterjocht. Als sie nach 1989 wieder zu freien Nationen freier Staaten wurden, schien dies der in Europa geltenden Geschichtslogik zu widersprechen. Eine Antwort darauf sollte in der Idee einer erweiterten Union bestehen \u2013 die auf Kompromisse gegr\u00fcndet ist, die Vielfalt sch\u00e4tzt, den Totalitarismus und gro\u00dfangelegte gesellschaftliche Experimente ablehnt und durch ihre Vertr\u00e4ge den Mitgliedstaaten die Respektierung ihres jeweiligen Willens in strategischen Angelegenheiten zusichert.<\/p>\n<p>Eine solche Perspektive scheint heute in immer weiterer Ferne zu liegen. St\u00e4rker wird dagegen die Tendenz zur Unterwerfung schw\u00e4cherer und \u00e4rmerer europ\u00e4ischer Nationen. Man brauche, wie man uns zu \u00fcberzeugen sucht, ein st\u00e4rker vereintes und konsolidiertes Europa, in dem der Grundsatz der Einstimmigkeit keine G\u00fcltigkeit mehr habe. In dem \u201edie europ\u00e4ischen Werte\u201c nach einer einheitlichen, allgemeing\u00fcltigen Auslegung gelebt werden. Dort werde der Respekt vor der W\u00fcrde eines jeden Menschen weder unbegrenzte Schwangerschaftsabbr\u00fcche noch Euthanasie, weder Bestellung von Kindern durch unterschiedlich zusammengesetzte bed\u00fcrftige Paare noch Geschlechterwechsel auf Wunsch ausschlie\u00dfen. Die Tatsache, dass niemand diskriminiert werden darf, m\u00fcsse die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen und der durch sie gew\u00fcnschten Kinderadoption bedeuten. Menschenrechte w\u00fcrden dort einer wirksamen Einschr\u00e4nkung einer massenhaften Migration im Wege stehen. Und so weiter. Und der Rechtsstaat solle \u00fcber die Wahrung der so verstandenen \u201eGrundrechte\u201c wachen.<\/p>\n<p>Die Union soll also zu einer gro\u00dfen Walze zur Uniformierung der europ\u00e4ischen Nationen gem\u00e4\u00df einem f\u00fcr einzig richtig gehaltenen axiologischen Muster werden. Wir Mitteleurop\u00e4erinnen und Mitteleurop\u00e4er reagieren aber allergisch auf einzig richtige Doktrinen \u2013 ein gro\u00dfes Experiment gesellschaftlicher \u201eSeeleningenieure\u201c, die einen neuen, besseren, emanzipierten Menschen kreieren wollten, haben wir bereits hinter uns. Und wir wissen, was am Ende dabei herauskommt \u2026<\/p>\n<p>Kein Zufall, dass sich einer solchen Unifizierung am heftigsten zwei L\u00e4nder \u2013 Polen und Ungarn \u2013 entgegenstellen. (Genauso wenig ist es ein Zufall, dass das seiner demokratischen Traditionen bewusste Gro\u00dfbritannien als erstes Land die EU verl\u00e4sst.) Es lohnt daran zu erinnern, dass der \u201eOstblock\u201c dank dees Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei. Sollte uns das nicht vielleicht eine Warnung sein?<\/p>\n<p>Der Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift <em>Wszystko Co Najwa\u017cniejsze<\/em> im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Trag\u00f6die in der polnischen K\u00fcstenstadt Danzig von vor 50 Jahren geh\u00f6rt zur Geschichte Mitteleuropas als von den Kommunisten unterdr\u00fcckter Schicksalsgemeinschaft \u201eTief empfundene Gemeinsamkeit unserer Schicksale\u201c Jaros\u0142aw Szarek, Historiker, Leiter des Instituts f\u00fcr Nationales Gedenken Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Danzig \u2013 wo derselbe Krieg begonnen hatte \u2013 wieder geschossen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":103,"featured_media":3579,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[16,114],"tags":[],"class_list":["post-3576","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichteunddiskussionen","category-news"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.6 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>50. Jahrestag des Massakers in Danzig 1970 und 39. Jahrestag des Kriegsrechts in Polen 1981 - Instytut Polski w Dusseldorfie<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"pl_PL\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"50. Jahrestag des Massakers in Danzig 1970 und 39. 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Zu den Waffen griffen diesmal, im Dezember 1970, die kommunistische Armee und die Miliz \u2013 und sie richteten diese auf Arbeiterinnen und Arbeiter, die gegen kurz vor Weihnachten bekanntgegebene Preiserh\u00f6hungen protestierten. Neben Danzig wurde auch in anderen polnischen Hafenst\u00e4dten \u2013 in Stettin, Gdingen und Elbing \u2013 protestiert, es gab einige Duzend Tote und mehr als 1.000 Verletzte. Die Ausma\u00dfe der Proteste zwangen Moskau, die Polen seit 1956 regierenden Machthaber auszutauschen.\\nDer italienische Schriftsteller, Sozialist und jahrelanger Anh\u00e4nger des Kommunismus Ignazio Silone schrieb: \u201eIhr Kampf wird nicht vergeblich gewesen sein. Vieles deutet darauf hin, dass er selbst in Rostock und K\u00f6nigsberg Spuren hinterlassen hat.\u201c Die Resonanz der Dezember-Proteste in anderen L\u00e4ndern l\u00e4sst sich schlecht in Zahlen ausdr\u00fccken, keine Rebellion geht jedoch spurlos vor\u00fcber \u2013 der anfangs kleine Riss auf der bis dahin makellosen Oberfl\u00e4che des monolithischen sowjetischen Imperiums, zuerst kaum bemerkbar, wurde mit der Zeit immer gr\u00f6\u00dfer.\\nDas Gef\u00fchl der hinter dem Eisernen Vorhang lebenden Nationen, sie seien eine Schicksalsgemeinschaft, ist auf eindringliche Art und Weise belegt. Im Herbst 1956 wurden ungarische Tr\u00e4ume von einer unabh\u00e4ngigen Staatlichkeit durch die Unruhen in Polen geweckt; als sowjetische Panzer sie in Budapest vernichteten, setzte dies an der Weichsel eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang: Geschickt wurden Arzneimittel, Blutspenden, tr\u00f6stende Worte und andere Gesten der Unterst\u00fctzung.\\nBis heute belastet uns die Erinnerung an die Demonstration von acht russischen Dissidenten, die im August 1968 auf dem Moskauer Roten Platz demonstrierten. Sie wurden sofort verhaftet und verurteilt; die darauffolgenden Jahre verbrachten sie hinter Gittern und Stacheldraht in Straflagern. Ihr Protest galt der Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings \u2013 eines tschechisch-slowakischen Freiheitsaufstandes, der von knapp 250.000 sowjetischen Soldaten mit Unterst\u00fctzung weiterer Milit\u00e4reinheiten aus der Volksrepublik Polen, der DDR, Ungarn und Bulgarien unterdr\u00fcckt wurde. Natalja Gorbanewskaja trat damals mit einem Spruchband in die \u00d6ffentlichkeit, auf dem die Worte zu lesen waren: \u201eF\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u201c. Zum ersten Mal machten sie in Polen als Fahnenspruch bereits w\u00e4hrend des Novemberaufstandes von 1830\/1831 die Runde \u2013 auf Polnisch und auf Russisch geschrieben und ausgesprochen. Seitdem begleiteten sie unseren Unabh\u00e4ngigkeitskampf immer wieder, bis sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen neuen Sinn bekamen.\u00a0\\nDie Tat jener Handvoll trotziger Russen fiel im Meer von nahezu 250 Mio. gleichg\u00fcltiger und feindseliger sowjetischer Menschen nicht weniger ins Gewicht als der Streik einiger Tausende russischer Arbeiter in Nowotscherkassk im Juni 1962, dem Maschinengewehrsalven ein Ende setzten. Sie bereitete einen Weg vor, den zu betreten nur vereinzelte Trotzk\u00f6pfe aus jeder Nation des sowjetischen Imperiums entschlossen waren, indem sie nach dem schlichtesten, am einfachsten zug\u00e4nglichen Schl\u00fcssel zur Befreiung suchten: an keinen L\u00fcgen teilnehmen! \u201eSelbst wenn die L\u00fcge alles \u00fcberschwemmen, alles beherrschen sollte, beharren wir auf dem Mindesten: Sie darf nicht durch mich herrschen!\u201c, wie Alexander Solchenizyn, Verfasser von Archipel Gulag und Nobelpreistr\u00e4ger, appellierte.\\nEinen \u201ef\u00fcr den K\u00f6rper nicht leichten, f\u00fcr die Seele aber einzig m\u00f6glichen Lebensweg\u201c ging zeitlebens der russische Dissident Wladimir Bukowski, der in Gef\u00e4ngnissen, Straflagern und psychiatrischen Anstalten 12 Jahre verbrachte. Seine Erkl\u00e4rung: \u201eJeder in der Menge fragt sich: ,Warum ich? Allein bewirke ich doch nichts.\u2018 So resignieren alle. ,Wer, wenn nicht ich?\u2018, fragt sich einer, der mit dem R\u00fccken zur Wand steht. Er rettet alle. Und tr\u00e4gt dazu bei, dass ein Reich aufgebaut wird.\u201c\\nDieses Reich wurde von den Begr\u00fcndern der Helsinki-Menschenrechtsgruppen in Russland, der Ukraine und Litauen, auch von den Unterzeichnern der \u201eCharta 77\u201c in der Tschechoslowakei errichtet, die nicht selten in dieselbe Richtung wirkten. Polen beteiligte sich ebenfalls, und zwar dank den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Komitees zum Schutz der Arbeiter KOR, dem Komitee der studentischen \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c, den regionalen Komitees der l\u00e4ndlichen Selbstverteidigung \u201eSamoobrona\u201c, der Vereinigung KPN und zahlreichen Untergrundverlagen (allen voran dem unabh\u00e4ngigen Verlagshaus NOWA), welche die L\u00fcgen mit Mitteln der Meinungsfreiheit bek\u00e4mpften.\\nDie Kraft der Wahrheit bekamen Millionen Menschen im Juni 1979 w\u00e4hrend der Pilgerfahrten Johannes Pauls II. in sein Heimatland zu sp\u00fcren, als er an das gemeinsame, fundamentale und jahrhundertealte christliche Erbe der \u201e\u00f6stlichen Lunge Europas\u201c appellierte: Angesprochen f\u00fchlten sich Menschen aus Kroatien, Slowenien, Tschechien, Bulgarien, Russland, Litauen.\\nKnapp ein Jahr sp\u00e4ter richteten sich alle Augen auf Polen, wo im Sommer 1980 die Herde der Streiks von vor 10 Jahren, d.h. Danzig und Stettin, zu Zentren der entstehenden \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c-Bewegung wurden. Zu ihren allerersten Forderungen geh\u00f6rte die Errichtung von Denkm\u00e4lern zu Ehren der im Dezember 1970 Gefallenen. Drei wuchtige, \u00fcber 40 Meter hohe und mit Ankern versehene Kreuze wurden in Danzig anl\u00e4sslich des 10. Jahrestags aufgestellt und z\u00e4hlen bis heute zu Wahrzeichen dieser Stadt.\\nDie Worte eines im Dezember 1970 gesungenen Liedes gingen allm\u00e4hlich in Erf\u00fcllung: \u201eWeint nicht, Ihr M\u00fctter, denn nicht umsonst \/ Weht \u00fcber der Werft eine Fahne mit Trauerflor. \/ F\u00fcr Brot und Freiheit und f\u00fcr ein freies Polen \/ ist Janek Wi\u015bniewski gefallen.\u201c Janek Wi\u015bniewski hie\u00df in Wirklichkeit Zbigniew Godlewski und war ein 18-j\u00e4hriger Sch\u00fcler, der in Gdingen erschossen wurde. Das Bild seines mit blutbefleckten rot-wei\u00dfen Flaggen bedeckten und auf einem T\u00fcrfl\u00fcgel getragenen Leichnams wurde zum Symbol des Dezember-Aufstandes von 1970.\u00a0\\nDas damals auferstehende \u201eneue Polen\u201c bedeutete einen Hoffnungsschimmer f\u00fcr andere von Moskau unterjochte Nationen. W\u00e4hrend der Streiks vom August 1980 gr\u00fc\u00dfte Alexander Solschenizyn die polnischen Arbeiten mit den Worten: \u201eIch bewundere Euren Kampfgeist und Eure W\u00fcrde. Ihr seid ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr alle von den Kommunisten unterdr\u00fcckten Nationen.\u201c\\nDie \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201d war sich dessen bewusst, dass sie den H\u00f6hepunkt im Widerstand und im Kampf gegen den Kommunismus markierte, der einige Jahrzehnte lang nicht nur in Polen, sondern auch in dem gesamten Ostblock gef\u00fchrt worden war und wurde. Deshalb richtete man bei der Vollversammlung dieser 10 Mio. Mitglieder z\u00e4hlenden Bewegung im Sommer 1981 einen Aufruf an osteurop\u00e4ische Arbeiterinnen und Arbeiter, in dem von einer \u201etief empfundenen Gemeinsamkeit unserer Schicksale\u201c die Rede war. Das Papier f\u00fchrte zu einer hysterischen Reaktion Moskaus, bedeutete aber moralische Unterst\u00fctzung f\u00fcr all jene, die jahrelang einen unerm\u00fcdlichen Kampf um die Freiheit k\u00e4mpften.\\nUnter diesem Vorzeichen \u2013 dem einer Schicksalsgemeinschaft \u2013 standen auch die so zahlreichen Worte des Trostes und der Aufmunterung, welche Polen nach der Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts im Jahre 1981 erreichten. Russische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, u.a. Wladimir Bukowski, Wladimir Maximow, Wiktor Niekrassow, Natalja Gorbanewskaja, griffen einmal mehr und \u201emit Stolz\u201c nach den im polnischen Novemberaufstand von 1830, also vor 150 Jahren, formulierten Worten: \u201e,F\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u2018 Es lebe das freie, unabh\u00e4ngige Polen! Es lebe die ,Solidarno\u015b\u0107\u2018!\u201c. \u00c4hnlich solidarisch sprachen sich Menschen in anderen Regionen des sowjetischen Imperiums aus: Tschechien und Slowaken, Ungarn, Litauer, Letten, Esten, Ukrainer, Wei\u00dfrussen \u2026\\nBesonders eindringlich klangen die Worte des damals inhaftierten ukrainischen Dissidenten Wassyl Stus, der 1985 in einem Straflager in Perma zu Tode gequ\u00e4lt wurde: \u201eWie sehr freut mich die fehlende polnische Demut angesichts der sowjetischen Despotie [\u2026]. Polen ist ein Vorbild f\u00fcr die Ukraine [\u2026]. In der Welt des Totalitarismus er\u00f6ffnet Polen eine neue Epoche und bereitet dessen Sturz vor. Allen polnischen K\u00e4mpfern w\u00fcnsche ich viel Erfolg und hoffe, dass das Milizregime des am 13. Dezember verh\u00e4ngten Kriegsrechts die heilige Flamme der Freiheit nicht l\u00f6schen kann\u201c \u2013 eine Flamme, die immer h\u00f6her loderte und Millionen Einwohnern des sowjetischen Imperiums eine baldige Befreiung bringen sollte.\\nDer Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift Wszystko Co Najwa\u017cniejsze\u00a0im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht.\\n_______________________________________________\\nEs lohnt daran zu erinnern, dass der Ostblock dank des Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei.\\nImperiale Versuchung f\u00fcr Europa\\nProf. Zdzis\u0142aw KRASNOD\u0118BSKI, polnischer Soziologe, Gesellschaftsphilosoph, Professor der Universit\u00e4t Bremen und Abgeordneter im Europ\u00e4ischen Parlament\\nDie aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde.\\n2007, zu Beginn der Finanzkrise, standen die L\u00e4nder S\u00fcdeuropas im Fokus der Kritik. Wiederbelebt wurde damals die \u00dcberzeugung von tiefen, trennenden kulturellen Unterschieden zwischen dem asketischen postprotestantischen Norden Europas und seinem ausschweifenden S\u00fcden, der sich wenig um Finanzen und um das Recht k\u00fcmmere.\\nMan h\u00fctete sich allerdings, Italien oder Spanien aus der EU auszuschlie\u00dfen, sie \u201eauszuhungern\u201c, zu \u00fcbergehen und den Druck auf diese L\u00e4nder zu erh\u00f6hen (obwohl er im Falle Griechenlands in der Tat erh\u00f6ht wurde). Die EU-Skeptiker sa\u00dfen eher im S\u00fcden und erhoben dort ihre Stimme. Der italienische Philosoph Giorgio Agamben behauptete, dass angesichts derart gewaltiger Unterschiede der Lebensstile und der Wertehierarchien eine Union keinen Sinn habe, und machte den Vorschlag, in Ankn\u00fcpfung an die seinerzeit von Alexandre Koj\u00e8ve propagierte Idee eines lateinischen Imperiums eine gesonderte Union s\u00fcdeurop\u00e4ischer L\u00e4nder aufzubauen. Was w\u00e4re aber eine Union ohne L\u00e4nder wie Italien, Spanien oder Griechenland, in denen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er aus dem Norden so gern Urlaub machen und deren Sehensw\u00fcrdigkeiten und Landschaften wir alle bewundern?\\nMittelosteuropa darf nicht mit so viel Empathie und Sympathie rechnen. Seine Eigenart wird gegen\u00fcber dem im Westen entstandenen und heutzutage in Br\u00fcssel dekretierten Muster gew\u00f6hnlich als fehlerhaft und unvollkommen verstanden. Eine solche Denkweise ist tief in den europ\u00e4ischen historischen Narrativen verwurzelt. Der \u201eeurop\u00e4ische\u201c Charakter von L\u00e4ndern, die \u00f6stlich der Elbe lagen, wurde als Ergebnis der \u00dcbertragung eines zivilisatorischen Modells oder gar als Resultat einer Kolonisierung dargestellt. Was Mitteleuropa vorw\u00e4rts brachte, sei angeblich aus dem Westen gekommen \u2013 was es hemmte, lag an heimischen Traditionen. Geistige Gr\u00f6\u00dfen der Aufkl\u00e4rung wie Kant, Voltaire oder Diderot waren \u00fcberzeugt, dass nur aufgekl\u00e4rte Despoten die Nationen auf einen fortschrittlichen Weg zwingen k\u00f6nnen.\\nDieses wenig raffinierte Denken beherrscht die Welt bis heute. Unsere Demokratie und unser erfolgreicher wirtschaftlicher Wandel seien \u2013 vielen Politologen und EU-Kennern zufolge \u2013 nicht unser Verdienst, sondern ein Geschenk der \u201eSozialisierung\u201c durch den Westen sowie der Zusch\u00fcsse aus den EU-Fonds. Wenn mitteleurop\u00e4ische L\u00e4nder auf ihre politische Eigenst\u00e4ndigkeit pochen, ernten sie h\u00e4ufig Emp\u00f6rung, als handle es sich um gegen den Zeitgeist versto\u00dfende Unanst\u00e4ndigkeiten. Zuerst hatte die Vis\u00e8grad-Gruppe den Westen durch ihre ablehnende Haltung in der Migrationsfrage gegen sich aufgebracht, nun tun Polen und Ungarn mit ihrem Veto das gleiche. Selbst die souver\u00e4ne Zusammenarbeit im Rahmen der Drei-Meere-Initiative ruft schlecht versteckte Beunruhigung hervor: Wie konnte ein f\u00fcr Europa so wertvolles Projekt unbeaufsichtigt und eigenst\u00e4ndig entstehen und sich entwickeln?\\nDie L\u00e4nder Mittelosteuropas entstanden bzw. wurden wiedergeboren aus Ruinen der zusammengebrochenen Reiche \u2013 des osmanischen, habsburgischen, wilhelminischen und russischen. Mittel- und osteurop\u00e4ische \u00c4ngste vor einem repressiven Imperium d\u00fcrfen daher kaum verwundern. Hier lebt nach wie vor das Bewusstsein, dass es kein freies Individuum ohne eine freie Nation geben k\u00f6nne, dass die politische Freiheit eine Bedingung der individuellen sei. Die aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde. Nicht einmal Ungarn stellt sie in Frage, trotz seiner gro\u00dfen territorialen Verluste nach dem Ersten Weltkrieg. Von nun an gab es und gibt es keine Kaiser mehr in Europa. Nach 1945 wurden mittel- und osteurop\u00e4ische L\u00e4nder allerdings dem sowjetischen Imperium einverleibt oder von ihm unterjocht. Als sie nach 1989 wieder zu freien Nationen freier Staaten wurden, schien dies der in Europa geltenden Geschichtslogik zu widersprechen. Eine Antwort darauf sollte in der Idee einer erweiterten Union bestehen \u2013 die auf Kompromisse gegr\u00fcndet ist, die Vielfalt sch\u00e4tzt, den Totalitarismus und gro\u00dfangelegte gesellschaftliche Experimente ablehnt und durch ihre Vertr\u00e4ge den Mitgliedstaaten die Respektierung ihres jeweiligen Willens in strategischen Angelegenheiten zusichert.\\nEine solche Perspektive scheint heute in immer weiterer Ferne zu liegen. St\u00e4rker wird dagegen die Tendenz zur Unterwerfung schw\u00e4cherer und \u00e4rmerer europ\u00e4ischer Nationen. Man brauche, wie man uns zu \u00fcberzeugen sucht, ein st\u00e4rker vereintes und konsolidiertes Europa, in dem der Grundsatz der Einstimmigkeit keine G\u00fcltigkeit mehr habe. In dem \u201edie europ\u00e4ischen Werte\u201c nach einer einheitlichen, allgemeing\u00fcltigen Auslegung gelebt werden. Dort werde der Respekt vor der W\u00fcrde eines jeden Menschen weder unbegrenzte Schwangerschaftsabbr\u00fcche noch Euthanasie, weder Bestellung von Kindern durch unterschiedlich zusammengesetzte bed\u00fcrftige Paare noch Geschlechterwechsel auf Wunsch ausschlie\u00dfen. Die Tatsache, dass niemand diskriminiert werden darf, m\u00fcsse die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen und der durch sie gew\u00fcnschten Kinderadoption bedeuten. Menschenrechte w\u00fcrden dort einer wirksamen Einschr\u00e4nkung einer massenhaften Migration im Wege stehen. Und so weiter. Und der Rechtsstaat solle \u00fcber die Wahrung der so verstandenen \u201eGrundrechte\u201c wachen.\\nDie Union soll also zu einer gro\u00dfen Walze zur Uniformierung der europ\u00e4ischen Nationen gem\u00e4\u00df einem f\u00fcr einzig richtig gehaltenen axiologischen Muster werden. Wir Mitteleurop\u00e4erinnen und Mitteleurop\u00e4er reagieren aber allergisch auf einzig richtige Doktrinen \u2013 ein gro\u00dfes Experiment gesellschaftlicher \u201eSeeleningenieure\u201c, die einen neuen, besseren, emanzipierten Menschen kreieren wollten, haben wir bereits hinter uns. Und wir wissen, was am Ende dabei herauskommt \u2026\\nKein Zufall, dass sich einer solchen Unifizierung am heftigsten zwei L\u00e4nder \u2013 Polen und Ungarn \u2013 entgegenstellen. (Genauso wenig ist es ein Zufall, dass das seiner demokratischen Traditionen bewusste Gro\u00dfbritannien als erstes Land die EU verl\u00e4sst.) Es lohnt daran zu erinnern, dass der \u201eOstblock\u201c dank dees Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei. Sollte uns das nicht vielleicht eine Warnung sein?\\nDer Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift Wszystko Co Najwa\u017cniejsze im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht.\"},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"pl-PL\",\"@id\":\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/12\/EpGq3DcXUAAaIaL.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/12\/EpGq3DcXUAAaIaL.jpg\",\"width\":680,\"height\":442},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"50. 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Zu den Waffen griffen diesmal, im Dezember 1970, die kommunistische Armee und die Miliz \u2013 und sie richteten diese auf Arbeiterinnen und Arbeiter, die gegen kurz vor Weihnachten bekanntgegebene Preiserh\u00f6hungen protestierten. Neben Danzig wurde auch in anderen polnischen Hafenst\u00e4dten \u2013 in Stettin, Gdingen und Elbing \u2013 protestiert, es gab einige Duzend Tote und mehr als 1.000 Verletzte. Die Ausma\u00dfe der Proteste zwangen Moskau, die Polen seit 1956 regierenden Machthaber auszutauschen.\nDer italienische Schriftsteller, Sozialist und jahrelanger Anh\u00e4nger des Kommunismus Ignazio Silone schrieb: \u201eIhr Kampf wird nicht vergeblich gewesen sein. Vieles deutet darauf hin, dass er selbst in Rostock und K\u00f6nigsberg Spuren hinterlassen hat.\u201c Die Resonanz der Dezember-Proteste in anderen L\u00e4ndern l\u00e4sst sich schlecht in Zahlen ausdr\u00fccken, keine Rebellion geht jedoch spurlos vor\u00fcber \u2013 der anfangs kleine Riss auf der bis dahin makellosen Oberfl\u00e4che des monolithischen sowjetischen Imperiums, zuerst kaum bemerkbar, wurde mit der Zeit immer gr\u00f6\u00dfer.\nDas Gef\u00fchl der hinter dem Eisernen Vorhang lebenden Nationen, sie seien eine Schicksalsgemeinschaft, ist auf eindringliche Art und Weise belegt. Im Herbst 1956 wurden ungarische Tr\u00e4ume von einer unabh\u00e4ngigen Staatlichkeit durch die Unruhen in Polen geweckt; als sowjetische Panzer sie in Budapest vernichteten, setzte dies an der Weichsel eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang: Geschickt wurden Arzneimittel, Blutspenden, tr\u00f6stende Worte und andere Gesten der Unterst\u00fctzung.\nBis heute belastet uns die Erinnerung an die Demonstration von acht russischen Dissidenten, die im August 1968 auf dem Moskauer Roten Platz demonstrierten. Sie wurden sofort verhaftet und verurteilt; die darauffolgenden Jahre verbrachten sie hinter Gittern und Stacheldraht in Straflagern. Ihr Protest galt der Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings \u2013 eines tschechisch-slowakischen Freiheitsaufstandes, der von knapp 250.000 sowjetischen Soldaten mit Unterst\u00fctzung weiterer Milit\u00e4reinheiten aus der Volksrepublik Polen, der DDR, Ungarn und Bulgarien unterdr\u00fcckt wurde. Natalja Gorbanewskaja trat damals mit einem Spruchband in die \u00d6ffentlichkeit, auf dem die Worte zu lesen waren: \u201eF\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u201c. Zum ersten Mal machten sie in Polen als Fahnenspruch bereits w\u00e4hrend des Novemberaufstandes von 1830\/1831 die Runde \u2013 auf Polnisch und auf Russisch geschrieben und ausgesprochen. Seitdem begleiteten sie unseren Unabh\u00e4ngigkeitskampf immer wieder, bis sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen neuen Sinn bekamen.\u00a0\nDie Tat jener Handvoll trotziger Russen fiel im Meer von nahezu 250 Mio. gleichg\u00fcltiger und feindseliger sowjetischer Menschen nicht weniger ins Gewicht als der Streik einiger Tausende russischer Arbeiter in Nowotscherkassk im Juni 1962, dem Maschinengewehrsalven ein Ende setzten. Sie bereitete einen Weg vor, den zu betreten nur vereinzelte Trotzk\u00f6pfe aus jeder Nation des sowjetischen Imperiums entschlossen waren, indem sie nach dem schlichtesten, am einfachsten zug\u00e4nglichen Schl\u00fcssel zur Befreiung suchten: an keinen L\u00fcgen teilnehmen! \u201eSelbst wenn die L\u00fcge alles \u00fcberschwemmen, alles beherrschen sollte, beharren wir auf dem Mindesten: Sie darf nicht durch mich herrschen!\u201c, wie Alexander Solchenizyn, Verfasser von Archipel Gulag und Nobelpreistr\u00e4ger, appellierte.\nEinen \u201ef\u00fcr den K\u00f6rper nicht leichten, f\u00fcr die Seele aber einzig m\u00f6glichen Lebensweg\u201c ging zeitlebens der russische Dissident Wladimir Bukowski, der in Gef\u00e4ngnissen, Straflagern und psychiatrischen Anstalten 12 Jahre verbrachte. Seine Erkl\u00e4rung: \u201eJeder in der Menge fragt sich: ,Warum ich? Allein bewirke ich doch nichts.\u2018 So resignieren alle. ,Wer, wenn nicht ich?\u2018, fragt sich einer, der mit dem R\u00fccken zur Wand steht. Er rettet alle. Und tr\u00e4gt dazu bei, dass ein Reich aufgebaut wird.\u201c\nDieses Reich wurde von den Begr\u00fcndern der Helsinki-Menschenrechtsgruppen in Russland, der Ukraine und Litauen, auch von den Unterzeichnern der \u201eCharta 77\u201c in der Tschechoslowakei errichtet, die nicht selten in dieselbe Richtung wirkten. Polen beteiligte sich ebenfalls, und zwar dank den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Komitees zum Schutz der Arbeiter KOR, dem Komitee der studentischen \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c, den regionalen Komitees der l\u00e4ndlichen Selbstverteidigung \u201eSamoobrona\u201c, der Vereinigung KPN und zahlreichen Untergrundverlagen (allen voran dem unabh\u00e4ngigen Verlagshaus NOWA), welche die L\u00fcgen mit Mitteln der Meinungsfreiheit bek\u00e4mpften.\nDie Kraft der Wahrheit bekamen Millionen Menschen im Juni 1979 w\u00e4hrend der Pilgerfahrten Johannes Pauls II. in sein Heimatland zu sp\u00fcren, als er an das gemeinsame, fundamentale und jahrhundertealte christliche Erbe der \u201e\u00f6stlichen Lunge Europas\u201c appellierte: Angesprochen f\u00fchlten sich Menschen aus Kroatien, Slowenien, Tschechien, Bulgarien, Russland, Litauen.\nKnapp ein Jahr sp\u00e4ter richteten sich alle Augen auf Polen, wo im Sommer 1980 die Herde der Streiks von vor 10 Jahren, d.h. Danzig und Stettin, zu Zentren der entstehenden \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c-Bewegung wurden. Zu ihren allerersten Forderungen geh\u00f6rte die Errichtung von Denkm\u00e4lern zu Ehren der im Dezember 1970 Gefallenen. Drei wuchtige, \u00fcber 40 Meter hohe und mit Ankern versehene Kreuze wurden in Danzig anl\u00e4sslich des 10. Jahrestags aufgestellt und z\u00e4hlen bis heute zu Wahrzeichen dieser Stadt.\nDie Worte eines im Dezember 1970 gesungenen Liedes gingen allm\u00e4hlich in Erf\u00fcllung: \u201eWeint nicht, Ihr M\u00fctter, denn nicht umsonst \/ Weht \u00fcber der Werft eine Fahne mit Trauerflor. \/ F\u00fcr Brot und Freiheit und f\u00fcr ein freies Polen \/ ist Janek Wi\u015bniewski gefallen.\u201c Janek Wi\u015bniewski hie\u00df in Wirklichkeit Zbigniew Godlewski und war ein 18-j\u00e4hriger Sch\u00fcler, der in Gdingen erschossen wurde. Das Bild seines mit blutbefleckten rot-wei\u00dfen Flaggen bedeckten und auf einem T\u00fcrfl\u00fcgel getragenen Leichnams wurde zum Symbol des Dezember-Aufstandes von 1970.\u00a0\nDas damals auferstehende \u201eneue Polen\u201c bedeutete einen Hoffnungsschimmer f\u00fcr andere von Moskau unterjochte Nationen. W\u00e4hrend der Streiks vom August 1980 gr\u00fc\u00dfte Alexander Solschenizyn die polnischen Arbeiten mit den Worten: \u201eIch bewundere Euren Kampfgeist und Eure W\u00fcrde. Ihr seid ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr alle von den Kommunisten unterdr\u00fcckten Nationen.\u201c\nDie \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201d war sich dessen bewusst, dass sie den H\u00f6hepunkt im Widerstand und im Kampf gegen den Kommunismus markierte, der einige Jahrzehnte lang nicht nur in Polen, sondern auch in dem gesamten Ostblock gef\u00fchrt worden war und wurde. Deshalb richtete man bei der Vollversammlung dieser 10 Mio. Mitglieder z\u00e4hlenden Bewegung im Sommer 1981 einen Aufruf an osteurop\u00e4ische Arbeiterinnen und Arbeiter, in dem von einer \u201etief empfundenen Gemeinsamkeit unserer Schicksale\u201c die Rede war. Das Papier f\u00fchrte zu einer hysterischen Reaktion Moskaus, bedeutete aber moralische Unterst\u00fctzung f\u00fcr all jene, die jahrelang einen unerm\u00fcdlichen Kampf um die Freiheit k\u00e4mpften.\nUnter diesem Vorzeichen \u2013 dem einer Schicksalsgemeinschaft \u2013 standen auch die so zahlreichen Worte des Trostes und der Aufmunterung, welche Polen nach der Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts im Jahre 1981 erreichten. Russische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, u.a. Wladimir Bukowski, Wladimir Maximow, Wiktor Niekrassow, Natalja Gorbanewskaja, griffen einmal mehr und \u201emit Stolz\u201c nach den im polnischen Novemberaufstand von 1830, also vor 150 Jahren, formulierten Worten: \u201e,F\u00fcr unsere und eure Freiheit!\u2018 Es lebe das freie, unabh\u00e4ngige Polen! Es lebe die ,Solidarno\u015b\u0107\u2018!\u201c. \u00c4hnlich solidarisch sprachen sich Menschen in anderen Regionen des sowjetischen Imperiums aus: Tschechien und Slowaken, Ungarn, Litauer, Letten, Esten, Ukrainer, Wei\u00dfrussen \u2026\nBesonders eindringlich klangen die Worte des damals inhaftierten ukrainischen Dissidenten Wassyl Stus, der 1985 in einem Straflager in Perma zu Tode gequ\u00e4lt wurde: \u201eWie sehr freut mich die fehlende polnische Demut angesichts der sowjetischen Despotie [\u2026]. Polen ist ein Vorbild f\u00fcr die Ukraine [\u2026]. In der Welt des Totalitarismus er\u00f6ffnet Polen eine neue Epoche und bereitet dessen Sturz vor. Allen polnischen K\u00e4mpfern w\u00fcnsche ich viel Erfolg und hoffe, dass das Milizregime des am 13. Dezember verh\u00e4ngten Kriegsrechts die heilige Flamme der Freiheit nicht l\u00f6schen kann\u201c \u2013 eine Flamme, die immer h\u00f6her loderte und Millionen Einwohnern des sowjetischen Imperiums eine baldige Befreiung bringen sollte.\nDer Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift Wszystko Co Najwa\u017cniejsze\u00a0im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht.\n_______________________________________________\nEs lohnt daran zu erinnern, dass der Ostblock dank des Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei.\nImperiale Versuchung f\u00fcr Europa\nProf. Zdzis\u0142aw KRASNOD\u0118BSKI, polnischer Soziologe, Gesellschaftsphilosoph, Professor der Universit\u00e4t Bremen und Abgeordneter im Europ\u00e4ischen Parlament\nDie aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde.\n2007, zu Beginn der Finanzkrise, standen die L\u00e4nder S\u00fcdeuropas im Fokus der Kritik. Wiederbelebt wurde damals die \u00dcberzeugung von tiefen, trennenden kulturellen Unterschieden zwischen dem asketischen postprotestantischen Norden Europas und seinem ausschweifenden S\u00fcden, der sich wenig um Finanzen und um das Recht k\u00fcmmere.\nMan h\u00fctete sich allerdings, Italien oder Spanien aus der EU auszuschlie\u00dfen, sie \u201eauszuhungern\u201c, zu \u00fcbergehen und den Druck auf diese L\u00e4nder zu erh\u00f6hen (obwohl er im Falle Griechenlands in der Tat erh\u00f6ht wurde). Die EU-Skeptiker sa\u00dfen eher im S\u00fcden und erhoben dort ihre Stimme. Der italienische Philosoph Giorgio Agamben behauptete, dass angesichts derart gewaltiger Unterschiede der Lebensstile und der Wertehierarchien eine Union keinen Sinn habe, und machte den Vorschlag, in Ankn\u00fcpfung an die seinerzeit von Alexandre Koj\u00e8ve propagierte Idee eines lateinischen Imperiums eine gesonderte Union s\u00fcdeurop\u00e4ischer L\u00e4nder aufzubauen. Was w\u00e4re aber eine Union ohne L\u00e4nder wie Italien, Spanien oder Griechenland, in denen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er aus dem Norden so gern Urlaub machen und deren Sehensw\u00fcrdigkeiten und Landschaften wir alle bewundern?\nMittelosteuropa darf nicht mit so viel Empathie und Sympathie rechnen. Seine Eigenart wird gegen\u00fcber dem im Westen entstandenen und heutzutage in Br\u00fcssel dekretierten Muster gew\u00f6hnlich als fehlerhaft und unvollkommen verstanden. Eine solche Denkweise ist tief in den europ\u00e4ischen historischen Narrativen verwurzelt. Der \u201eeurop\u00e4ische\u201c Charakter von L\u00e4ndern, die \u00f6stlich der Elbe lagen, wurde als Ergebnis der \u00dcbertragung eines zivilisatorischen Modells oder gar als Resultat einer Kolonisierung dargestellt. Was Mitteleuropa vorw\u00e4rts brachte, sei angeblich aus dem Westen gekommen \u2013 was es hemmte, lag an heimischen Traditionen. Geistige Gr\u00f6\u00dfen der Aufkl\u00e4rung wie Kant, Voltaire oder Diderot waren \u00fcberzeugt, dass nur aufgekl\u00e4rte Despoten die Nationen auf einen fortschrittlichen Weg zwingen k\u00f6nnen.\nDieses wenig raffinierte Denken beherrscht die Welt bis heute. Unsere Demokratie und unser erfolgreicher wirtschaftlicher Wandel seien \u2013 vielen Politologen und EU-Kennern zufolge \u2013 nicht unser Verdienst, sondern ein Geschenk der \u201eSozialisierung\u201c durch den Westen sowie der Zusch\u00fcsse aus den EU-Fonds. Wenn mitteleurop\u00e4ische L\u00e4nder auf ihre politische Eigenst\u00e4ndigkeit pochen, ernten sie h\u00e4ufig Emp\u00f6rung, als handle es sich um gegen den Zeitgeist versto\u00dfende Unanst\u00e4ndigkeiten. Zuerst hatte die Vis\u00e8grad-Gruppe den Westen durch ihre ablehnende Haltung in der Migrationsfrage gegen sich aufgebracht, nun tun Polen und Ungarn mit ihrem Veto das gleiche. Selbst die souver\u00e4ne Zusammenarbeit im Rahmen der Drei-Meere-Initiative ruft schlecht versteckte Beunruhigung hervor: Wie konnte ein f\u00fcr Europa so wertvolles Projekt unbeaufsichtigt und eigenst\u00e4ndig entstehen und sich entwickeln?\nDie L\u00e4nder Mittelosteuropas entstanden bzw. wurden wiedergeboren aus Ruinen der zusammengebrochenen Reiche \u2013 des osmanischen, habsburgischen, wilhelminischen und russischen. Mittel- und osteurop\u00e4ische \u00c4ngste vor einem repressiven Imperium d\u00fcrfen daher kaum verwundern. Hier lebt nach wie vor das Bewusstsein, dass es kein freies Individuum ohne eine freie Nation geben k\u00f6nne, dass die politische Freiheit eine Bedingung der individuellen sei. Die aus den USA nach Europa gekommene Idee der Selbstbestimmung legitimierte unsere Freiheit, obwohl sie inkonsequent und fehlerhaft umgesetzt wurde. Nicht einmal Ungarn stellt sie in Frage, trotz seiner gro\u00dfen territorialen Verluste nach dem Ersten Weltkrieg. Von nun an gab es und gibt es keine Kaiser mehr in Europa. Nach 1945 wurden mittel- und osteurop\u00e4ische L\u00e4nder allerdings dem sowjetischen Imperium einverleibt oder von ihm unterjocht. Als sie nach 1989 wieder zu freien Nationen freier Staaten wurden, schien dies der in Europa geltenden Geschichtslogik zu widersprechen. Eine Antwort darauf sollte in der Idee einer erweiterten Union bestehen \u2013 die auf Kompromisse gegr\u00fcndet ist, die Vielfalt sch\u00e4tzt, den Totalitarismus und gro\u00dfangelegte gesellschaftliche Experimente ablehnt und durch ihre Vertr\u00e4ge den Mitgliedstaaten die Respektierung ihres jeweiligen Willens in strategischen Angelegenheiten zusichert.\nEine solche Perspektive scheint heute in immer weiterer Ferne zu liegen. St\u00e4rker wird dagegen die Tendenz zur Unterwerfung schw\u00e4cherer und \u00e4rmerer europ\u00e4ischer Nationen. Man brauche, wie man uns zu \u00fcberzeugen sucht, ein st\u00e4rker vereintes und konsolidiertes Europa, in dem der Grundsatz der Einstimmigkeit keine G\u00fcltigkeit mehr habe. In dem \u201edie europ\u00e4ischen Werte\u201c nach einer einheitlichen, allgemeing\u00fcltigen Auslegung gelebt werden. Dort werde der Respekt vor der W\u00fcrde eines jeden Menschen weder unbegrenzte Schwangerschaftsabbr\u00fcche noch Euthanasie, weder Bestellung von Kindern durch unterschiedlich zusammengesetzte bed\u00fcrftige Paare noch Geschlechterwechsel auf Wunsch ausschlie\u00dfen. Die Tatsache, dass niemand diskriminiert werden darf, m\u00fcsse die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen und der durch sie gew\u00fcnschten Kinderadoption bedeuten. Menschenrechte w\u00fcrden dort einer wirksamen Einschr\u00e4nkung einer massenhaften Migration im Wege stehen. Und so weiter. Und der Rechtsstaat solle \u00fcber die Wahrung der so verstandenen \u201eGrundrechte\u201c wachen.\nDie Union soll also zu einer gro\u00dfen Walze zur Uniformierung der europ\u00e4ischen Nationen gem\u00e4\u00df einem f\u00fcr einzig richtig gehaltenen axiologischen Muster werden. Wir Mitteleurop\u00e4erinnen und Mitteleurop\u00e4er reagieren aber allergisch auf einzig richtige Doktrinen \u2013 ein gro\u00dfes Experiment gesellschaftlicher \u201eSeeleningenieure\u201c, die einen neuen, besseren, emanzipierten Menschen kreieren wollten, haben wir bereits hinter uns. Und wir wissen, was am Ende dabei herauskommt \u2026\nKein Zufall, dass sich einer solchen Unifizierung am heftigsten zwei L\u00e4nder \u2013 Polen und Ungarn \u2013 entgegenstellen. (Genauso wenig ist es ein Zufall, dass das seiner demokratischen Traditionen bewusste Gro\u00dfbritannien als erstes Land die EU verl\u00e4sst.) Es lohnt daran zu erinnern, dass der \u201eOstblock\u201c dank dees Widerstands Polens und Ungarns, dank ihrer stark ausgepr\u00e4gten nationalen Identit\u00e4t und ihrem gewaltigen Freiheitsdrang, ins Wanken geriet. Die Rebellion an diesen in Konfrontation mit dem m\u00e4chtigen Zentrum scheinbar zum Scheitern verurteilten R\u00e4ndern des sowjetischen Imperiums trug ma\u00dfgeblich zu dessen Zusammenbruch bei. Sollte uns das nicht vielleicht eine Warnung sein?\nDer Text wird gleichzeitig in der polnischen meinungsbildenden Monatsschrift Wszystko Co Najwa\u017cniejsze im Rahmen eines gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Nationales Gedenken realisierten Projektes ver\u00f6ffentlicht."},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"pl-PL","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/#primaryimage","url":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/12\/EpGq3DcXUAAaIaL.jpg","contentUrl":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2020\/12\/EpGq3DcXUAAaIaL.jpg","width":680,"height":442},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/2020\/12\/11\/50-jahrestag-des-massakers-in-danzig-1970-und-39-jahrestag-des-kriegsrechts-in-polen-1981\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/instytutpolski.pl\/duesseldorf\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"50. 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