Das Polnische Institut Berlinals Transsanatorium
Gruppenausstellung und Aktivitätenprogramm in der Galerie des Polnischen Instituts Berlin
So wie die Tuberkulose die moderne Architektur verändert hat, so verändern auch heutige Krisen – eine Pandemie, Migrationswellen und Erschöpfung – die Städte im Hinblick auf eine regenerative Zukunft – so Macherinnen der Ausstellung „Ein kurzer Urlaub“. Die für sie ausgewählten künstlerischen Positionen verhandeln die Frage: wie kann die soziale Infrastruktur unsere Gesundheit fördern, die Anpassung an den Klimawandel unterstützen und Körper in lokale Ökosysteme einbinden?
Die Ausstellung definiert den Begriff „Komfort“ neu – als Fürsorge und Umverteilung. Die Besucher*innen ruhen sich aus, erleben Klänge, Gerüche sowie Bilder und reflektieren darüber, was Hygiene heute für sie bedeutet. In Anlehnung an den gleichnamigen Film von Vittorio De Sica aus dem Jahr 1973 verbindet ein von der Architektin Aleksandra Wasilkowska entworfenes „Transsanatorium“ Funktionalismus mit Spiritualität und verwandelt städtische Abfallprodukte – Wärme, Boden, Grauwasser – in Ressourcen für Erneuerung, Genuss und Gesundheit. Damit wurde der Prototyp einer urbanen Dienstleistung entworfen, eines kulturen- und gattungsübergreifenden Raums, den die Künstlerinnen wie folgt beschreiben: „Wir stellen uns kleine Gebäude mit autonomer Lüftungs- und Sanitärinfrastruktur vor, die in die Landschaft eingebettet sind und Regeneration sowie Inklusivität fördern.“
Die Ausstellung ist die Adaption eines Projekts, das 2025 im Polnischen Pavillon auf der Triennale di Milano präsentiert wurde. Als Antwort auf eine der größten Herausforderungen der Gegenwart – die Ungleichheit – entwerfen die Künstler*innen eine faszinierende, inklusive Vision urbaner Sanitärinfrastruktur. Der Entwurf greift dabei auf zahlreiche, in der Geschichte von Städtebau und Hygiene verwurzelte Sanatoriums-Konzepte zurück, die Zugang zu Erholung und Komfort ermöglichen, welche von den „Erschöpfungsgesellschaften“ so dringend gebraucht werden.
Die zusammen mit der Ausstellungskuratorin Katarzyna Roj entwickelte Idee des Transsanatoriums trägt zugleich eine Reflexion in sich, welche die Grenze zwischen der Welt des Menschen und der Welt der Natur überschreitet. In Anlehnung an das Konzept der lebendigen Infrastruktur entwirft sie einen Raum, in dem menschliche Körper nicht antagonistisch, sondern harmonisch von einem tieferen Verständnis natürlicher Prozesse von Zerfall und Transformation profitieren.
In der Galerie des Polnischen Instituts in Berlin wird dem Projekt neues Leben eingehaucht, angereichert mit einen lokalen künstlerischen und urbanen Kontext. Gemeinsam mit der Kuratorin und der Architektin des Transsanatoriums wird für das Konzept aus Milano ein neues performatives Szenario entwickelt.
Kreativteam: Katarzyna Roj (Kuratorin und Erzählerin), Aleksandra Wasilkowska (multikulturelles Transsanatorium), Olaf Brzeski (Skulptur), Berit Fischer (Radical Empathy Lab), Antonina Nowacka (Musik), Łukasz Rusznica (Fotografie), Alicja Wysocka (Besucherprotokoll), Oskar Oksana Pawełko (Performance), Julia Maria Plawgo (Performance), Agata Bartkowiak (visuelle Kommunikation) und Monika Opieka (Duft)
Die Ausstellung „A Brief Vacation“ wurde erstmals vom Adam-Mickiewicz-Institut und BWA Wroclaw im polnischen Pavillon während der 24. Internationalen Ausstellung Triennale Milano 2025 präsentiert.
Begleitprogramm:
12. März 2026, 19 Uhr
“Ein kurzer Urlaub” Retreat-Eröffnung unter Beteiligung der Künstler*innen und der Performerin Julia Maria Plawgo
11. April 2026, 14 Uhr
Berit Fischer leitet für uns das Radical Empathy Lab [Labor für Radikale Empathie] an: Restoring What Sustains Us (nur mit Anmeldung*)
29. April 2026, 19 Uhr
Alicja Wysocka und Oksana Pawełko führen durch eine somatische Erfahrung in einer partizipativen Performance
* Anmeldung bis zum 3. April unter anmeldung@instytutpolski.pl. Bitte teile uns in 1–2 Sätzen mit, wer du bist und was dich zu dieser Teilnahme bewegt.
Veranstalter: Polnisches Institut Berlin, Adam-Mickiewicz-Institut, BWA Wrocław
Ausstellungsort: Galerie des Polnischen Instituts, Burgstraße 27, 10178 Berlin
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: 13–18 Uhr
Freitag: 13–17 Uhr