14.06.2026 Literatur, Programm

Ich habe die Buchstaben wie Wasser vermehrt: Poesiegespräch mit Stanisław Kalina Jaglarz

14.06.26 / 14:30 / silent green

Stanisław Kalina Jaglarz (1991 in Katowice) ist der Shootingstar der polnischen Dichtung und eine der wichtigsten queeren Stimmen des Landes. Zwei Gedichtbände liegen von ihm vor: gościć sójki (etwa: Eichelhäher beherbergen, 2022) und zajęczy żar (etwa: Hasenglut, 2024).

Mit seinem Debüt war er für den renommierten Silesius-Preis nominiert, gleich zweimal (2023 und 2025) stand er auf der Shortlist des noch renommierteren Wisława-Szymborska-Preises. Sein zweiter Band, der zugleich Liebeslied, Lobgesang und Totenklage ist, erhielt den Orpheus-Preis für den besten Gedichtband.

Jaglarz bezieht nach eigenen Angaben seine Schreibimpulse aus tektonischen Bewegungen und dem Stimmengewirr vieler Identitäten (was maßgeblich auch mit seinen Erfahrungen als Transperson in Polen zu tun hat). Sein Werk ist geprägt von einer Idee der radikalen Gastfreundschaft. Es wird in den ökokritischen Diskursen des Post-Anthropozäns verortet, in denen an die Stelle des vormals als absolut gesetzten menschlichen Subjekts ein relationales Gefüge zwischen Mensch, Tier und Natur tritt. Jaglarz sagt, er schöpfe aus den Quellen der die Wirklichkeit konstituierenden Struktur der Atome, jener Materie, aus der alles aufgebaut sei, was uns umgebe. Insbesondere den Tieren fällt dabei eine entscheidende Rolle zu, etwa einer in den warmen Untiefen weidenden Stellerschen Seekuh oder aus dem Dorf vertriebenen Hunden, die am Straßenrand hecheln. In einem seiner Gedichte heißt es: „[ich] möchte sehen, / was die Bremsen sehen, die wachsam über mir schweben, so nah“. In einem anderen: „Werden uns geschmeidige Tiere zu Hilfe kommen, / die an bessere Götter glauben, ohne Krone und Zepter?“

Jaglarz beschwört die Utopie einer möglichen Begegnung in einer „Stille, die Abenteuer bedeutet oder Liebe / oder noch andere Worte, die die menschliche Sprache nicht kennt“. Bei diesem Poesiegespräch liest Jaglarz auch aus bisher unveröffentlichten Gedichten, es sind Texte über eine zornig gestreichelte Leere, gesprochen aus einer „zugefügten Wunde“ und Texte über die Zeit der Transition: „als ich mir einen namen gab wie ein verzweifelter adam, entdeckte ich die korrelation der wörter und die fähigkeit der buchstaben sich zu korallen zu verbinden.“

Die Gedichte der Veranstaltung wurden eigens für das Poesiefestival Berlin übersetzt.

Stanisław Kalina Jaglarz im Gespräch mit Anna Julian Mendlik

 

Die Veranstaltung wird polnisch-deutsch gedolmetscht.

Gefördert durch: Polnisches Institut Berlin

Ort:
Atelierraum, silent green
Gerichtstraße 35, 13347 Berlin
Google Maps

Eintritt:
9/7 €
→ Tickets buchen

*****
Darüber hinaus wird Stanisław Kalina Jaglarz auch an der Veranstaltung „Weltklang – Nacht der Poesie“ im Rahmen des Poesiefestival Berlin teilnehmen – gemeinsam mit Rudi Burkhardt, Lorna Goodison, Milena Marković, Valzhyna Mort, Laura Vazquez und Mia You.

Die Veranstaltung findet am 13. Juni 2026 um 19:00 Uhr in der Betonhalle des silent green Kulturquartiers im Rahmen des Poesiefestival Berlin statt.

Weitere Informationen:
Haus für Poesie – Weltklang – Nacht der Poesie 2026

Scheduled ical Google outlook Literatur Programm

Polish Art Week / 7th Avant Art

22–28 June 2026 | Various venues across Berlin
22 06.2026 28 06.2026 Andere, Ausstellung, Film, Musik, Programm, Spezial, Theater, Vortrag

„Silver“ bei der 3. Doxumentale 🗓

BERLIN / Dokumentarfilm von Natalia Koniarz im Sputnik und den Kant Kinos
05 06.2026 07 06.2026 Film, Programm

Literatur als Katalysator der Verständigung 🗓

BERLIN / 14:00 / Gespräch im Rahmen des Deutsch-Polnischen Forums 2026
17 06.2026 Literatur, Programm, Vortrag