Moderation: Karolina Golimowska
Lesung: Sandra Hetzl & Uljana Wolf
Die Poetry Night bringt vielstimmige Sprachkunst auf die Bühne – mit eindrucksvollen lyrischen Stimmen aus Belarus, Palästina, Grönland und Deutschland. Dichter*innen lesen in ihren Muttersprachen; im Wechsel tragen deutschsprachige Autor*innen ihre – teils eigens für das Festival entstandenen – Übersetzungen vor.
In den Gedichten von Julia Cimafiejeva zeigen sich Spuren ökologischer und politischer Gewalt – in der Natur, im Körper, in der Sprache selbst. Ihre Verse durchqueren Jahrhunderte, wie eine »Straße, die nach innen wächst« und »unter sich Berge wirft«. Auch in der Lyrik von Asmaa Azaizeh ist Gewalt allgegenwärtig. Familienmitglieder treiben wie hilflose Käfer im Wasser, Zähne drohen auszufallen – und im Traum verliert das lyrische Ich sogar seine Träume, die zu Fossilien im Flussbett werden. Jessie Kleemann verwebt in ihren Texten Figuren und Symbole der grönländischen Kultur mit Objekten und Sprachen anderer Länder. Kalaallisut/Grönländisch, Dänisch und Englisch verbinden sich zu neuen Klang- und Bedeutungsräumen, in denen sich Mythen und Gegenwart durchdringen. Ihre Performance wird von Søren Gemmer musikalisch begleitet. Sirka Elspaß blickt in klarer Sprache auf die Bruchstellen des Alltags. Ihre Gedichte kreisen um den eigenen Körper, Erschöpfung, Unsicherheit, Vögel am Himmel und kleine Momente des Trosts: »ich suche / sie immer die engel / den trost per boten«. Verletzlich, genau beobachtet und manchmal mit leiser Wut lotet Elspaß das fragile In-der-Welt-Sein aus. Zudem tritt an diesem Abend Joël Hubaut auf, der den Prix d’Honneur des Prix Littéraire Bernard Heidsieck erhält, der erstmals auf dem ilb verliehen wird. Der französische Künstler und Pionier der Lautpoesie verbindet seit den 1970er Jahren Sprache, Klang, Bild und Performance. Seine Auftritte sind radikale, poetische Interventionen – und ein leidenschaftliches Plädoyer für Literatur jenseits des Buches.
Die Veranstaltung findet auf Englisch mit Lesungen in diversen Sprachen statt.
Info: literaturfestival.com/events/poetry-night
Eintritt: 12/8 EUR
Ort: Haus der Berliner Festspiele, Seitenbühne, Schaperstr. 24, 10719 Berlin