Filmretrospektive: 100 Jahre Andrzej Wajda. Dialog zwischen Film, Literatur, Geschichte & Malerei
Datum: 09.10.-18.11.2026
Ort: Leokino, Anichstraße 36, 6020 Innsbruck
Info und Karten
Anlässlich des 100. Geburtstags und des zehnten Todestages von Andrzej Wajda widmet sich eine fünfteilige Retrospektive dem Werk eines der bedeutendsten polnischen Regisseure des 20. Jahrhunderts. Die Filmretrospektive, die wir in Kooperation mit dem Adam-Mickiewicz-Institut (AMI) in Warschau organisieren, wird von Bolesław Racięski, Filmwissenschaftler an der Universität Warschau, eröffnet.
Wajda war nicht nur ein international gefeierter Filmemacher, sondern auch eine prägende moralische Stimme Polens. Seine Filme verbinden historische Erfahrungen mit universellen Fragen nach Freiheit, Verantwortung, Erinnerung und menschlicher Würde. Sie erzählen von den Hoffnungen, Traumata und Konflikten eines Jahrhunderts und verbinden dabei politisch präzise Erzählung mit einer poetischen Bildsprache und großer emotionaler Kraft. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnet, 2006 wurde ihm auf der Berlinale der Goldene Ehrenbär für sein Lebenswerk verliehen.
Die Retrospektive lädt dazu ein, Wajdas Kino neu zu entdecken – als kritisches Gedächtnis der polnischen Geschichte, als Dialog mit Literatur und bildender Kunst und als zeitlose Reflexion über den Menschen. Jede Vorführung wird durch eine Einführung begleitet, die den historischen und künstlerischen Kontext des jeweiligen Films erschließt.
Filmprogramm:
Mittwoch I 11.11. I 18:00 Uhr
„Der Mann aus Marmor“ / „Człowiek z marmuru“ (1977, OmdU), Einführung von Eva Binder
(Universität Innsbruck)
Mittwoch I 18.11. I 18:00 Uhr
„Afterimages“ / „Powidoki“ (2016, OmeU), Einführung von Gernot Howanitz (Universität Innsbruck)
Filmprogramm:
Mittwoch I 11.11. I 18:00 Uhr
„Der Mann aus Marmor“ / „Człowiek z marmuru“ (1977, OmdU), Einführung von Eva Binder
(Universität Innsbruck)

Foto: © Wytwórnia Filmów Dokumentalnych i Fabularnych
Polen in den 1970er Jahren: Die junge Filmstudentin Agnieszka recherchiert für ihren Abschlussfilm die Geschichte des einst gefeierten Arbeiters Mateusz Birkut. In den 1950er Jahren war der Maurer als „Held der Arbeit“ zum Vorzeigearbeiter des sozialistischen Systems stilisiert worden. Doch je tiefer Agnieszka in Archive und Erinnerungen eintaucht, desto deutlicher tritt hinter der offiziellen Legende das Schicksal eines Menschen hervor, der an eben jenem System zerbrach.
Mit der Verbindung von Archivmaterial, Interviews und fiktiver Handlung legt Andrzej Wajda die Mechanismen von Propaganda und Geschichtsschreibung offen. Der Mann aus Marmor wird so zur spannenden filmischen Spurensuche – und zu einem eindringlichen Porträt einer Generation, die beginnt, sich ihre verdrängte Vergangenheit zurückzuerobern
Regie: Andrzej Wajda
Buch: Aleksander Ścibor-Rylski
Mit: Krystyna Janda, Jerzy Radziwiłowicz, Tadeusz Łomnicki, Jacek Łomnicki, Michał Tarkowski
Mittwoch I 18.11. I 18:00 Uhr
„Afterimages“ / „Powidoki“ (2016, OmeU), Einführung von Gernot Howanitz (Universität Innsbruck)

Foto: © Akson Studio
Polen, Anfang der 1950er Jahre: Der avantgardistische Maler Władysław Strzemiński weigert sich, seine Kunst der stalinistischen Doktrin unterzuordnen. Was als künstlerische Freiheit beginnt, wird zunehmend zu einem existenziellen Kampf gegen ein System, das keinen Raum für Abweichung lässt.
In seinem letzten Film zeichnet Andrzej Wajda das Porträt eines Künstlers, der seiner Überzeugung bis zum Äußersten treu bleibt. Nachbild ist Hommage und Vermächtnis zugleich – ein eindringliches Plädoyer für die Autonomie der Kunst und eine Erinnerung an ihre Verletzlichkeit unter politischem Druck.
Regie: Andrzej Wajda
Buch: Andrzej Wajda, Andrzej Mularczyk
Mit: Bogusław Linda, Zofia Wichłacz, Bronisława Zamachowska, Andrzej Konopka, Krzysztof Pieczyński
Veranstalter:
Polnisches Institut Wien, Adam-Mickiewicz-Institut in Warschau, Wytwórnia Filmów Dokumentalnych i Fabularnych, Leokino Innsbruck, Universität Innsbruck – NoA (Network of Areas), Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft, Institut für Kunstgeschichte, Institut für Slawistik