Die polnische Kulturhauptstadt ist eine Initiative des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe, die ins Leben gerufen wurde, um das kulturelle Leben in polnischen Städten zu unterstützen und zu fördern. Die Idee entstand während des Wettbewerbs um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2029”. Dank ihr können die Finalisten des Wettbewerbs ihr künstlerisches und kulturelles Potenzial präsentieren:
Bielsko-Biała im Jahr 2026, Katowice im Jahr 2027 und Kołobrzeg im Jahr 2028.
Bielsko-Biała wird manchmal als „Klein-Wien” bezeichnet, da seine historische Entwicklung, Architektur und Lebensweise der Einwohner lange Zeit stark an Wiener Vorbilder angelehnt waren. Die Stadt lag innerhalb der Grenzen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und fungierte als wichtiges Verwaltungs- und Industriezentrum, das kulturell und wirtschaftlich eng mit der Hauptstadt des Reiches verbunden war. In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Bielsko-Biała einen dynamischen Aufschwung, und die wohlhabende Bürgerschaft gestaltete den städtischen Raum bewusst nach dem Vorbild Wiens, indem sie repräsentative Mietshäuser, öffentliche Gebäude, Theater und Kulturinstitutionen im Jugendstil und im historistischen Stil errichtete.
Ähnlich wie Wien war die Stadt multikulturell und mehrsprachig – hier lebten Polen, Deutsche und Juden Seite an Seite, und das intensive gesellschaftliche, Kaffeehaus- und Kunstleben schuf die Atmosphäre einer kleinen Metropole. Der Begriff „Klein-Wien” betont also nicht nur die architektonischen Ähnlichkeiten, sondern auch die Ambitionen der Stadt, ihre bürgerliche Eleganz und das Gefühl der Zugehörigkeit zum gemeinsamen Kulturraum der Habsburgermonarchie.
Das Hauptziel des Projekts „Polnische Kulturhauptstädte 2026–2028” ist, die Bedeutung der Kultur für die Entwicklung von Städten aufzuzeigen. Es soll dazu beitragen, die Marke der Städte durch die Umsetzung von Kunstprogrammen zu stärken, die auf dem lokalen kreativen Potenzial basieren und die Einwohner integrieren. Diese Maßnahmen werden sich auf die einzigartigen Merkmale der Städte und Regionen sowie auf aktuelle Herausforderungen wie den Klimawandel beziehen. Das Projekt wird auch zeigen, wie die Idee der nachhaltigen Entwicklung Teil des künstlerischen Lebens einer Stadt sein kann.
Die verschiedenen Gesichter der polnischen Kulturhauptstädte
Die polnische Kulturhauptstadt soll zu einem Symbol für Qualität und Authentizität in der Kultur und zu einer Inspiration für andere Städte werden. Am 17. Januar 2026 wird Bielsko-Biała als erste Stadt diesen Titel tragen. Im Jahr 2027 wird sie ihn an Katowice weitergeben, die ihn 2028 an Kołobrzeg weiterreichen wird. Jede der drei Städte wird die Möglichkeit haben, ihre Identität, ihr kreatives Potenzial und ihren kulturellen Reichtum zu präsentieren, die in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt sind:
- Bielsko-Biała (Wir weben Wohlstand) – die Vision einer Stadt als Webstuhl, auf dem der Wohlstand der Einwohner auf der Grundlage des Dialogs zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Bereichen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens gewebt wird.
- Katowice (Play!) – Einladung zur Einbindung aller Einwohner in das kulturelle Leben, deren künstlerische Vision und Strategie darin besteht, aus der abgeschotteten Welt der Hochkultur herauszutreten und eine möglichst breite Beteiligung an Kultur und Kunst anzustreben.
- Kołobrzeg (I Sea You) – eine Hinwendung zur Natur und die Notwendigkeit, kleinen lokalen Gemeinschaften eine Stimme zu geben, um die größten globalen Herausforderungen aus ihrer Perspektive zu betrachten.