Zum Abschluss der Jubiläums-Ausgabe von filmPOLSKA wird es noch einmal feierlich. Traditionell wird vor der letzten Vorführung der Siegerfilm des filmPOLSKA-Wettbewerbs bekanntgegeben und erklärt, womit er die Fachjury überzeugen konnte.

Am 6. März 2026 wäre Andrzej Wajda 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat der Senat der Republik Polen am 14. Mai 2025 das Jahr 2026 offiziell als „Andrzej-Wajda-Jahr“ ausgerufen. Im Programm des Polnischen Instituts sind Wajdas Filme Dauergäste – in diesem Jahr wurden bereits „Der Kanal“ (1957), „Das gelobte Land“ (1975), „Korczak“ (1990) und „Das Massaker von Katyn“ (2007) gezeigt. Als Höhe- und Schlusspunkt von filmPOLSKA folgt ein weiterer, in Deutschland weniger bekannter Klassiker des Meisterregisseurs, der die Ästhetik und das Lebensgefühl der späten Sechzigerjahre einfängt.

 

Polowanie na muchy / Hunting Flies


PL 1969
104 min, OmeU
R: Andrzej Wajda
B: Janusz Głowacki
K: Zygmunt Samosiuk
S: Halina Prugar
M: Andrzej Korzyński
D: Zygmunt Malanowicz, Małgorzata Braunek, Ewa Skarżanka, Hanna Skarżanka, Józef Pieracki, Daniel Olbrychski, Jacek Fedorowicz, Marek Grechuta u. a.

 

Andrzej Wajda: Polowanie na muchy / Hunting Flies

 

Włodek hatte eigentlich Russistik studiert, ist aber von der Uni geflogen und schlägt sich nun als Bibliotheksmitarbeiter durch. In seiner engen Wohnung hält er es nicht lange aus – neben Frau und Kind wohnen auch die Schwiegereltern in der Zwei-Zimmer-Wohnung und sorgen verlässlich dafür, dass er keine Ruhe findet.

Deshalb flüchtet er allabendlich aus dem Haus und lernt bei einer seiner kleinen Eskapaden die Polonistik-Studentin Irena kennen. Hals über Kopf verliebt sich der Familienvater in die junge blonde Frau, die ihn als Übersetzer groß rausbringen will. Immer mehr verrennt sich Włodek in ein Geflecht aus überhöhten Erwartungen, unerfüllten Ambitionen und zwei konkurrierenden Lebenswelten.

In seiner überzeichneten Satire zeigt sich Wajda von seiner experimentellen Seite. Nach Literaturverfilmungen, basierend auf Texten von Żeromski, Andrzejewski und Lem, präsentierte er sich Ende der Sechzigerjahre mit „Alles zu verkaufen“ und „Fliegenjagd“ als kreativer Künstler, der aktuelle gesellschaftliche und persönliche Ereignisse spontan aufgreift und für die Leinwand aufbereitet. Unverkennbar atmen diese Produktionen den Geist ihrer Epoche – in „Fliegenjagd“ finden psychedelische Elemente in die Bild- und Tonsprache Eingang, wenn Wajda überspitzt sich wandelnde Geschlechterrollen seziert. Die fantastische Schlusssequenz ist bis heute eine ikonische Szene der polnischen Kinogeschichte. [Rainer Mende]

 

16.09. / 18:30 / Klick Kino / anschl. Get Together mit dem filmPOLSKA-Team