Auch dieses Jahr gibt filmPOLSKA in seinem Programm einem polnischen Filmfestival die Gelegenheit, Einblicke in seine Geschichte und Philosophie sowie sein Programm zu geben. Nach HER Docs (2024) und dem Krakow Film Festival (2025) ist mit Millennium Docs Against Gravity (MDAG) ein Festival zu Gast, das in diesem Jahr seine 21. Ausgabe feierte und sich ebenfalls dem Dokumentarfilm widmet. In zwei Jahrzehnten ist das Festival rasant gewachsen und hat sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte für die Dokumentarfilm-Branche in Europa entwickelt. Einmal im Jahr zeigt MDAG die wichtigsten internationalen Dokumentarfilme sowie Weltpremieren polnischer Produktionen. Nach anfänglichen Vorführungen ausschließlich in der Hauptstadt findet das Festival nun gleichzeitig in Warschau, Wrocław, Gdynia, Lublin, Bydgoszcz, Katowice und Poznań statt. Vor fünf Jahren wurde das Festival zudem um ein Branchenprogramm erweitert – MDAG Industry zieht Jahr für Jahr immer mehr Vertreter*innen der Filmbranche an. Ein Beleg für den atemberaubenden Erfolg des Festivals ist die Tatsache, dass die Internationale Vereinigung der Filmkritiker*innen FIPRESCI, in der sich Journalist*innen aus aller Welt zusammengeschlossen haben, die Einrichtung eines Grand Prix für den besten Dokumentarfilm des Jahres angekündigt hat, der bei MDAG verliehen wird.

 

Zaufaj mi / Trust me


PL/D 2024
89 min, OmeU
R/B: Joanna Ratajczak
K: Joanna Piechotta
S: Patrycja Piróg
M: Natalia Mateo

 

Joanna Ratajczak: Zaufaj mi / Trust me

 

Sebastian wuchs in der DDR auf. Er sagt, nach der Wende habe er begriffen, wie essenziell Freiheit für ihn sei. Die zehn Jahre jüngere Alicja kommt aus Polen. Bei einem Tangokurs lernt sie Sebastian kennen und bleibt in Deutschland. Sie heiraten und gründen eine Familie. Mit der Zeit stellt sich der Ehealltag ein und Sebastian beschleicht das Gefühl, dass der ihn auf Dauer nicht glücklich machen wird. Also schlägt er eine offene Beziehung vor – und Alicja willigt zögerlich ein, um ihre Liebe zu retten.

Sechs Jahre lang hat Joanna Ratajczak das Paar dabei begleitet, wie es die Möglichkeiten und Grenzen der Polyamorie auslotet. Sie zeigt, dass diese L(i)ebensweise eine Berg-und-Tal-Fahrt ist, welche die Beteiligten immer wieder vor existenzielle Fragen stellt: Wie viel kann ich geben, ohne mich selbst zu verlieren? Ist Eifersucht nur Angst vor dem Unbekannten? Was bin ich bereit, in eine Beziehung zu investieren? Wie viel Freiheit kann ich mir nehmen, ohne die Freiheit anderer einzuschränken?

In dem sinnlichen, intimen Essay voller Musik, Leitmotiven und Tempowechseln beeindruckt neben der Fülle an Bildmaterial die Bereitschaft der Protagonist*innen, die Kamera schonungslos nah an ihre Körper und Seelen heranzulassen. [Rainer Mende]

 

13.09. / 20:30 / Sputnik / zu Gast: Joanna Ratajczak