Konzept der Sektion „Kunst im Kino“: Anna Baumgart
Kuratorin des Programms 2026: Maj Smoszna

„Breathe in, Berlin“ präsentiert Videoarbeiten zeitgenössischer polnischer Künstler*innen, die in der Performance- und Videokunst verwurzelt sind. Die ausgewählten Video-Performances untersuchen verschiedene Aspekte des Atems: vom Verlust der Stimme, Reflexion über die Stille und Gesang bis hin zum Atem als Ausdruck des Widerstands und der emotionalen Verbindung zwischen Menschen.

Der Atem ist die erste Bewegung des Körpers. Er geht der Choreografie wie auch der körperlichen Anstrengung voraus. In der Performancekunst wird er zu einem Instrument des Aufbaus von Spannung, Rhythmus und Beziehung zwischen der performenden Person und dem Publikum. Er ist eine verkörperte Form der Präsenz – eine lebendige Geste, mit der jeder Akt der Live-Art beginnt.

„Breathe in, Berlin“ bezieht sich genau auf diesen Moment: auf den Atem als Ausgangspunkt von Handlung, Begegnung und Kommunikation. Durch den Titel wird der Atem nicht als Wellnesspraxis, sondern als politische und soziale Geste, als Akt der Resilienz verstanden.

Achille Mbembe schrieb 2020 in seinem pandemischen Essay „The “: „Alle Kriege gegen das Leben beginnen damit, den Atem zu nehmen.“ Diese Formen der Gewalt gegen das Leben wirken bis heute fort und sind weiterhin Teil unserer Gegenwart. In einer postpandemischen Realität – geprägt von Krisen – sollten wir nicht vergessen, tief einzuatmen und Raum einzunehmen. [Maj Smoszna]

Vertretene Künstler*innen: Bogna Burska, Daniel Kotowski, Gosia Lehmann, Filipka Rutkowska, Agata Siniarska & Diego Agulló

Performance: Agata Siniarska, Ilja Subkoff & ratmilk

 


 

Oddychaj / Atme ein
R: Bogna Burska, PL 2025, 6:20 min, oT & eng. UT
In Anlehnung an „Die kleine Meerjungfrau“ führen die Künstler*innen Bogna Burska und Daniel Kotowski einen Dialog unter Wasser. Dabei kehren sie die traditionelle Hierarchie der Kommunikation um und erzählen eine Geschichte über Stimme, Verlust und Selbstbestimmung. [Maj Smoszna]

 

Bogna Burska: Oddychaj / Atme ein

 

licking 4‘33“
R: Daniel Kotowski, PL 2025, 4:33 min, oT & eng. UT
Kotowski bezieht sich auf zwei Ikonen der Kunstgeschichte – „Die große Odaliske“ von Ingres sowie „4‘33““ von John Cage – und überträgt sie in die Erfahrung einer gehörlosen Person. Durch seine Performance untersucht er den Blick, die Macht sowie gesellschaftliche Vorstellungen von Stille, Begehren und Anderssein. [Maj Smoszna]

 

Daniel Kotowski: licking 4‘33“

 

Breathless Choir
R: Gosia Lehmann, D 2023, 9:27 min, engl. OF
Das Video zeigt eine Gruppe von Menschen auf der Suche nach einer gemeinsamen Stimme. Trotz des fehlenden Atems treten sie miteinander in Resonanz. Die Künstlerin bezieht sich auf das Motiv des Bergbau-Kanarienvogels, der einst vor dem Vorhandensein giftiger Gase in Bergwerken warnte. [Maj Smoszna]

 

Gosia Lehmann: Breathless Choir

 

Filipka in conversation with Filipka (by Paweł Althamer)
R: Filipka Rutkowska, PL 2025, 8:10 min, poln. OmeU
Das Video zeigt einen Dialog der Künstlerin mit ihrem skulpturalen Porträt. Dargestellt als mythologische Figur, die dem Meeresschaum entsteigt, führt Filipka ein Gespräch mit sich selbst und verhandelt mit Humor und Reflexion Fragen von Emanzipation, Sichtbarkeit und queerer Geschichte. [Maj Smoszna]

 

Filipka Rutkowska: Filipka in conversation with Filipka (by Paweł Althamer)

 

Breathless
R: Agata Siniarska & Diego Agulló, D 2014, 1:45 min, oT
In der Arbeit nutzen die Künstler*innen die GIF-Animation und die Schleifenbewegung, um die Spannung zwischen Begehren, Nähe und dem Verlust des Atems sichtbar zu machen. Sie bewegen sich dabei zwischen Humor und Absurdität. [Maj Smoszna]

 

Agata Siniarska & Diego Agulló: Breathless

 

Show Me The Body
Performance von Agata Siniarska in Zusammenarbeit mit Ilja Subkoff & ratmilk
In der Performance begreifen die Künstler*innen den Körper als Raum für Bewegung, Stimme und Vibration sowie als dynamische Landschaft wechselnder Intensitäten. Die Arbeit verbindet Choreografie mit Konzert-Performance und untersucht die Grenzen zwischen Körper, Stimme und Klang. [Maj Smoszna]

 

Agata Siniarska, Ilja Subkoff & ratmilk: Show Me The Body © Wataru Murakami

 

15.09. / 19:00 / Hošek Contemporary / zu Gast: Gosia Lehmann & Agata Siniarska