Am 6. März 2026 wäre Andrzej Wajda 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat der Senat der Republik Polen am 14. Mai 2025 das Jahr 2026 offiziell als „Andrzej-Wajda-Jahr“ ausgerufen.
Wajda wurde am 6. März 1926 in Suwałki geboren, wo er auch seine Kindheit und frühe Jugend verlebte. Die Kriegsjahre verbrachte er in Radom, wo sein Vater Jakub Wajda – Berufsoffizier der polnischen Armee – stationiert war. In Radom besuchte er als Teenager geheime Kurse und lernte kurzzeitig an einer privaten Malereischule, während er gleichzeitig als Lagerist, Träger, Küfer, Schlosser und Zeichner im Eisenbahnbüro arbeitete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Wajda 1946–1950 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Kraków und anschließend Regie an der neu gegründeten Filmhochschule in Łódź. 1955 begann er mit seinem Kinodebüt „Pokolenie” (Eine Generation), nach einem Weg zu suchen, um eines seiner wichtigsten künstlerischen und ethischen Ziele zu verwirklichen – für diejenigen zu sprechen, welche den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt hatten. Seine nächsten Filme „Kanał“ (Der Kanal) und „Popiół i diament“ (Asche und Diamant, nach einem Roman von Jerzy Andrzejewski) machten den damals 32-jährigen Künstler zu einem der wichtigsten Regisseure der jungen Generation in Europa und begründeten eine „polnische Filmschule“ genannte Strömung, welche die polnische martyrologische Tradition und und den romantischen Heroismusin Frage stellte.
In über 60 Jahren vielseitiger kreativer Tätigkeit, die auch Dokumentarfilme, Fernsehproduktionen, Theaterstücke, Zeichnungen, Gemälde und Drehbücher hervorbrachte, drehte Wajda über 40 Langspielfilme. Viele davon werden heute zu den Meilensteinen des polnischen und internationalen Kinos gezählt. Von der internationalen Filmwelt geschätzt, wurde Wajda betitelt als „Sänger der schwierigen polnischen Geschichte, der ihr eine universelle Dimension zu verleihen wusste“, als „Filmpoet verlorener Dinge“, als „wichtigster Filmregisseur Polens der Nachkriegszeit“, als „Chronist seines Landes, moralische Instanz, Gesellschaftskritiker mit der Kamera“ oder als „einer der großen Regisseure der Welt, dank denen das 20. Jahrhundert zu einem großen Jahrhundert des Kinos wurde“.
Wajda gilt als Regisseur, der mit seinen Filmen in die polnische Geschichte eingreifen wollte, indem er Asche, Verbitterung und historische Qualen in Filme verwandelte, die wie Diamanten glänzten – und als ein Künstler, der sich bis zum Ende für Freiheit und Demokratie in Polen engagierte.
Im Programm des Polnischen Instituts sind Wajdas Filme Dauergäste – in diesem Jahr wurden bereits „Der Kanal“ (1957), „Das gelobte Land“ (1975) und „Korczak“ (1990) gezeigt. Zum Festival-Abschluss von filmPOLSKA folgt mit „Polowanie na muchy / Hunting Flies“ (1969) ein weiterer Klassiker des Meisterregisseurs.

Andrzej Wajda bei den Dreharbeiten zu „Das Massaker von Katyn“ © Pandastorm Pictures
Katyń / Das Massaker von Katyn
PL 2007
117 min, OmdU
R: Andrzej Wajda
B: Andrzej Wajda, Władysław Pasikowski, Przemysław Nowakowski
K: Paweł Edelman, Marek Rajca
S: Milenia Fiedler, Rafał Listopad
M: Krzysztof Penderecki
D: Andrzej Chyra, Maja Ostaszewska, Artur Żmijewski, Danuta Stenka, Jan Englert, Magdalena Cielecka, Agnieszka Glińska, Paweł Małaszyński, Maja Komorowska u. a.
Jahrzehntelang war das Massaker des NKWD an polnischen Offizieren im Jahr 1940 ein Tabu. Die kommunistische Propaganda bemühte sich, die Gewalttat zu verschweigen oder die Legende aufrechtzuerhalten, dass der Massenmord von den Nationalsozialisten verübt worden sei. Erst nach 1989 konnte eine historische Aufarbeitung beginnen. Während zunächst in Artikeln, Büchern und Ausstellungen die tatsächlichen Ereignisse vermittelt wurden, dauerte es fast 20 Jahre, bis der Stoff Gegenstand eines Spielfilms wurde.
Niemand anderes als der Altmeister Andrzej Wajda (geb. 1926) war es, der sich des Themas annahm. Dies hatte auch persönliche Gründe – Wajdas Vater war diesem Kriegsverbrechen zum Opfer gefallen. Folglich verwundert es nicht, dass er auf der Berlinale 2008 mit einem Film Aufsehen erregte, der nicht nur die Ereignisse des Frühjahrs 1940 rekapituliert, sondern die Geschichte weitererzählt – als eine Geschichte von Vertuschung, Intrigen, Stolz und Widerstand. Sein Film-Epos ist bis heute das Referenzwerk zu diesem Thema. [Rainer Mende]
„Die letzten zwanzig Minuten von Wajdas ‚Katyń‘ gehören zu dem Eindrucksvollsten,
das je im Kino vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gezeigt wurde.“
(Olaf Sundermeyer, Der Spiegel)
10.09. / 19:00 / Topographie des Terrors / zu Gast: Prof. Dr. Claudia Weber (Europa-Universität Viadrina) & Andreas Mix (Stiftung Topographie des Terrors)

Andrzej Wajda: Katyń / Das Massaker von Katyn © Monika Skrzypczak / FabrykaObrazu.com
