EUROPA – Wajdi Mouawad, Krzysztof Warlikowski – Ruhrtriennale
Eine griechische Tragödie von heute
Das Polnische Institut Düsseldorf ist Kooperationspartner der Ruhrtriennale bei der Organisation der Vorstellungen von „Europa“.
Gewalt endet selten mit dem Zeitpunkt ihres Ausbruchs. In Europa untersucht Krzysztof Warlikowski, wie sich Traumata über Generationen tradieren – sich in Familien, Erinnerungen und in Schweigen festsetzen und Lebensläufe lange nach der ursprünglichen Katastrophe lenken. Auf der Grundlage von Wajdi Mouawads Stück Europa’s Pledge entwickelt sich aus bruchstückhaftem Gedenken eine Tragödie unserer Zeit. Im Mittelpunkt steht Europa – eine Frau, die von den Erinnerungen an ein Massaker verfolgt wird, das sie als Kind miterlebte – begangen von ihrem eigenen Volk. Sie ruft ihre Töchter zu sich, denen das Sprechen, Erinnern und Zusammenkommen schwerfällt, gefesselt an eine Vergangenheit, die sie nicht erlebt haben, der sie aber nicht entkommen können. Die Geschichte erscheint in Fragmenten: Namen von Gräueltaten, einige wahr, andere erfunden, lassen Fakten und Fiktion verschwimmen und konfrontieren das Publikum mit Verdrängung und der Instabilität der Geschichte. Europa behandelt Gewalt, Schuld und den riskanten Akt des Erzählens selbst. Im Spiel mit Geschlechterrollen und Erwartungen ans Frausein zeigt das Stück, wie Körper und Stimmen zu Gedächtnisspeichern werden. In Zeiten geerbter Ängste und ungelöster Konflikte wird das Persönliche politisch und das Stück zu einer Parabel unserer Zeit.
Eine Produktion von Nowy Teatr, Warsaw in Koproduktion mit Théâtre de Liège.
Besetzung
- Basierend auf ‚Europa’s Pledge (Le Serment d’Europe) von Wajdi Mouawad
- Adaption: Krzysztof Warlikowski, Piotr Gruszczyński
- Übersetzung: Jacek Poniedziałek
- Regie: Krzysztof Warlikowski
- Bühne, Kostüme: Małgorzata Szczęśniak
- Lichtdesign: Felice Ross
- Dramaturgie: Piotr Gruszczyński, Anna Lewandowska, Carolin Losch
- Musik: Paweł Mykietyn
- Choreografie: Claude Bardouil
- Video: Kamil Polak
- Maske: Monika Kaleta
- Mit: Claude Bardouil, Andrzej Chyra, Magdalena Cielecka, Bartosz Gelner, Małgorzata Hajewska-Krzysztofik, Maja Ostaszewska, Magdalena Popławska
- Deutsche Übersetzung: Andreas Volk
- Englische Übersetzung: Artur Zapałowski