Ausstellung: „Jenseits der Stille“ von Erna Rosenstein im Belvedere Wien
Dauer der Ausstellung: Do., 3.07.2026- 10.01.2027
Ort: Unteres Belvedere, Rennweg 6, 1030 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10:00 – 18:00
Info und Karten
Mit „Jenseits der Stille“ wird Erna Rosenstein erstmals in Österreich in einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Rund 80 Gemälde, Assemblagen und Zeichnungen sowie ausgewählte Gedichte geben Einblick in das außergewöhnliche Schaffen der Künstlerin. Die Ausstellung erzählt von Flucht und Verfolgung, Trauer und Verlust, zugleich aber auch von Resilienz, künstlerischer Unabhängigkeit und dem beharrlichen Willen zur kontinuierlichen Erneuerung.
Erna Rosenstein (1913–2004) gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der polnischen Nachkriegsavantgarde. Vor dem Hintergrund der Shoah und der politischen Umbrüche in Polen entwickelte die Künstlerin und Dichterin einen vielschichtigen Werkkosmos, in dem sich Gegenwart und Erinnerung, kollektive Geschichte und persönliche Erfahrungen auf eindrucksvolle Weise miteinander verbinden.

Erna Rosenstein, Denkmäler, 1955
© National Museum in Warsaw
Das mehr als sechs Jahrzehnte umfassende Œuvre zeugt von der Konsequenz einer Künstlerin, die ihren politischen Idealen und ihrer künstlerischen
Haltung stets treu blieb. Der gewaltsame Tod ihrer Eltern während des Zweiten Weltkriegs prägte ihr Werk nachhaltig und wurde zu einem zentralen Thema ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Auch als ihre Bildsprache ab den späten 1950er-Jahren zunehmend von biomorphen und abstrakten Formen geprägt wurde, hielt Rosenstein am figürlichen Ausdruck fest. In ihren Assemblagen entwickelte sie zudem eine besondere Poesie des Alltäglichen, indem sie gefundene und gebrauchte Objekte zu überraschenden, oft auch ironischen Kompositionen zusammenfügte.
Kuratatorin: Stephanie Auer
Begleitprogramm des Polnischen Instituts Wien zur Ausstellung:
Das Polnische Institut Wien begleitet die Ausstellung im November 2026 mit einem Veranstaltungsprogramm. Im Mittelpunkt steht Erna Rosensteins poetisches und märchenliterarisches Schaffen, das im Vergleich zu ihrem bildkünstlerischen Werk bislang weniger bekannt ist. Ergänzt wird das Programm durch Veranstaltungen, die neue Perspektiven auf ihr Leben und Werk eröffnen und zum vertieften Austausch über eine der bedeutendsten polnischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts einladen.
Das detaillierte Programm wird rechtzeitig auf unserer Website sowie auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Bleiben Sie gespannt!

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Zachęta – National Gallery of Art, Warsaw


Biografie Erna Rosenstein (1913 –2004)

Erna Rosenstein, Foto: Tadeusz Rolke, Agencja Gazeta
Erna Rosenstein wurde 1913 in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) geboren.
Bereits während ihrer Schulzeit in Krakau engagierte sie sich in einer illegalen kommunistischen Jugendorganisation. Von 1932 bis 1934 studierte sie an der Wiener Frauenakademie, anschließend an der Akademie der bildenden Künste
in Krakau. 1938 besuchte sie die Exposition internationale du surréalisme in Paris – ein prägendes Ereignis für ihre spätere künstlerische Entwicklung.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde ihre Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. 1942 wurden ihre Eltern, Anna und Maksymilian Rosenstein, auf der Flucht ermordet. Erna Rosenstein selbst überlebte verletzt und lebte bis Kriegsende unter wechselnden Identitäten im Untergrund. Diese traumatischen Erfahrungen prägten ihr gesamtes späteres künstlerisches und literarisches Schaffen.
Nach dem Krieg ließ sich Rosenstein in Warschau nieder. Sie lehnte den staatlich verordneten sozialistischen Realismus ab und arbeitete während der stalinistischen Jahre bewusst unabhängig vom offiziellen Kunstbetrieb. Als Gründungsmitglied der Zweiten Krakauer Gruppe gehörte sie zu den wichtigsten Persönlichkeiten der polnischen Nachkriegsavantgarde. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern wie Tadeusz Kantor, Maria Jarema und Tadeusz Brzozowski prägte sie die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in Polen.
Erna Rosenstein schuf ein außergewöhnliches Werk, das Malerei, Zeichnung, Assemblage und Poesie miteinander verbindet. Ihre Arbeiten setzen sich mit Erinnerung, Verlust, Traum und Wirklichkeit auseinander und zeichnen sich durch eine poetische, oft surrealistische Bildsprache aus. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts.
Veranstalter: Belvedere Wien
Partner: Polnisches Institut Wien