6.05.2020 #RememberGusen, Aktuelles

#RememberGusen

Auszug aus der Vernehmung des ehemaligen deutschen KZ-Häftlings Willi Schlagintweit in einem Nachkriegsprozess gegen den SS-Formationskommandanten im KL Auschwitz Wilhelm Gehring:

„Nach meinem Aufenthalt im KZ Gusen habe ich in drei Monaten 30 Kilo abgenommen, sodass ich ein Skelett war. Die Nahrung für die Häftlinge bestand damals aus gefrorenen Futterrüben und stinkenden Kartoffeln, die fast nicht gewaschen und geschält waren. Nachdem der Kessel mit der Suppe geöffnet wurde, schlug ein schrecklicher Gestank empor. Diese Suppe war nicht essbar. So ernährt, arbeiteten wir oft Tag und Nacht, wie z. B. zu Weihnachten 1942. Zu dieser Zeit arbeitete ich zuerst 12 Stunden im Steinbruch und dann schälte ich Kartoffeln die ganze Nacht lang. So arbeitete ich fünf Tage und Nächte hintereinander, nach denen ich eine freie Nacht hatte. Nach dieser freien Nacht folgten erneut vier Arbeitstage und vier Arbeitsnächte ohne Pause, nach denen die meisten Häftlinge an Hunger und Erschöpfung starben. (…)

Von den 680 Häftlingen in den Baracken starben täglich während meines Aufenthalts im KL Gusen etwa 10-12 Gefangene. An dieser Stelle möchte ich nur einen Fall erwähnen: Ein Mitgefangene hat mir mal erzählt, dass er so tierisch hungrig war, dass er am Abend das Brot seines Freundes stehlen musste, um sich einmal satt essen zu können. Danach würde er sich auf dem Stacheldraht umbringen. Trotz meiner Bitte hat er seinen Plan realisiert. Auf dem Weg zum Stacheldraht wurde er erschossen.

(…) Im Lager gab es ein aktives Krematorium (…) Der ständig ausströmende Gestank der verbrannten Leichen vergiftete die Luft und machte das KL Gusen zu einer Art Hölle. Im Vergleich zum KL Gusen schien das KL Auschwitz ein Paradies zu sein.”


Ausstellung „Lebensschmerz po polsku“ von Martyna Czech,

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