27.08.2026 Film, Programm

Cisza nocna / Night Silence

FRANKFURT (ODER) / 20:00 / Horrrorfilm von Bartosz M. Kowalski zum Viadrinicum 2026

Spielfilm, R: Bartosz M. Kowalski, PL 2024, 87 min, OmeU

Ein junges Paar hat mit der anstehenden Geburt und einer Renovierung alle Hände voll zu tun. Deshalb muss Opa Lucjan (ein pensionierter Schauspieler) ins Seniorenheim. Das ist ein eigentlich recht idyllischer Altbau in ruhiger Lage mit netten Mitbewohner*innen und fürsorglichem Personal. Lucjan bemüht sich sehr, in seiner neuen Umgebung Fuß zu fassen. Doch hat er hier immer wieder Albträume, oder sind es Visionen? 

Die zahlreichen Spuren, denen er daraufhin folgt, führen in den Keller des Hauses. Dort scheint eine dunkle Macht zu hausen. Und auch das Wasserbecken vor dem Gebäude birgt vielleicht ein dunkles Geheimnis. Als immer mehr Mitbewohner*innen, die Lucjan in seinen Träumen gesehen hat, auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, beschließt er, sich dem finsteren Unwesen zu stellen. 

Der beliebte Film-, Theater- und TV-Schauspieler Maciej Damięcki bekommt in diesem Genrefilm noch einmal die große Bühne – tragischerweise zum letzten Mal, denn kurz nach den Dreharbeiten verstarb er. Damit erhält der Gruselthriller über die Angst vor dem Tod und die Macht der Liebe noch einen zusätzlichen morbiden Twist. [Rainer Mende]

B: Bartosz M. Kowalski, Mirella Zaradkiewicz & Paweł Maślona
K: Cezary Stolecki
S: Magdalena Chowańska
M: Jimek (Radzimir Dębski)
D: Maciej Damięcki, Zdzisław Wardejn, Włodzimierz Press, Anna Nehrebecka u. a.


Über das Viadrinicum:

Das Viadrinicum ist eine jährliche, zweiwöchige Sommerschule der Europa-Universität Viadrina zu Mittel- und Osteuropa. 2026 widmet sie sich unter dem Titel „Practicing Urban Junctures“ der Stadt als umkämpftem Gemeingut – mit Workshops (Doc.Lab, Makers.Lab, Planners.Lab), in denen Studierende, Forschende, Aktivist*innen und Kulturschaffende gemeinsam mit der Doppelstadt Frankfurt (Oder)-Słubice arbeiten.

Der Film im Kontext:

Auf den ersten Blick scheint ein polnischer Horrorfilm wenig mit der Stadtforschungs-Ausrichtung des Viadrinicums zu tun zu haben. Bei genauerem Hinsehen erzählt der Film jedoch von den Fragen einer gerechten, inklusiven und solidarischen Stadt – nur eben im Register des Horrors.

Sein Schauplatz ist ein scheinbar idyllisches Seniorenheim: ein Ort institutionalisierten Wohnens, an dem individuelle Lebensgeschichten, Fürsorgeverhältnisse und die bauliche Substanz der Isolation im Alter aufeinandertreffen. Die Verlagerung des Großvaters Lucjan aus der eigenen Wohnung in eine kollektive Wohnform wirft Fragen nach Zugehörigkeit, Autonomie und den unsichtbaren Regeln auf, die bestimmen, wer in der Stadt wo leben darf – und wer nicht mehr gebraucht wird.

Der Keller des Hauses, in dem eine dunkle Macht haust, lässt sich dabei durchaus als Bild für die verdrängten, unter der Oberfläche liegenden Schichten urbaner Geschichte lesen: für das, was in Gebäuden, Grundstücken und Institutionen an ungeklärten Vergangenheiten fortwirkt, auch wenn die Fassade Ruhe und Fürsorge verspricht.

So bietet der Film, bei aller Genre-Lust, eine unerwartete, aber passende thematische Ergänzung zu den theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen, mit denen die Teilnehmenden des Viadrinicums sich während zwei Wochen beschäftigen. 


Veranstalter: Sommerschule Viadrinicum an der Europa-Universität Viadrina in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin

Info: viadrinicum.blog, instytutpolski.pl/berlin/filme/film/cisza-nocna
Eintritt: frei
Ort: Campus of the European University Viadrina, Logenstraße 4, 15230 Frankfurt (Oder)

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