12.12.2020 Film

Aggiornamento – Polnische Motive im Werk von Bert Gerresheim

Zum Jahrestag der Verhängung des Kriegsrechts in Polen / Rocznica stanu wojennego w Polsce - 13.12.1981

„Aggiornamento – Polnische Motive im Werk von Bert Gerresheim“

13.12.2020, 11.00 Uhr: Premiere des Online-Kunstfilms von Filip Jacobson. Produktion Polnisches Institut Düsseldorf. Dauer: 7 Minuten

Zum Jahrestag der Verhängung des Kriegsrechts durch die kommunistische Regierung in Polen am 13. Dezember 1981.

Link zum Film: https://youtu.be/B48KXTJRizk

Nachrichten über Streiks, Demonstrationen, die Verhängung des Kriegsrechts in Polen dominieren die Titelseiten der deutschen und internationalen Presse. Die Medien berichten über die freie Gewerkschaft Solidarność (Solidarität) und die Unterdrückung der Opposition. „Es war mir wichtig, zu erfahren, was damals in Polen geschah. Mich hat besonders Jerzy Popiełuszko fasziniert. Ich habe mir auch seine Predigte besorgt“, erinnert sich Bert Gerresheim, der Düsseldorfer Künstler, Bildhauer und Grafiker.

Bert Gerresheim widmete eines seiner wichtigsten Werke Jerzy Popiełuszko (1947–1984), dem legendären Priester der Gewerkschaft „Solidarność“, der aufgrund seiner Unterstützung der Opposition vom polnischen kommunistischen Staatssicherheitsdienst ermordet wurde. Ein Jahr nach seinem Tod 1985 wurde die Statue des Brückenheiligen Nepomuk an der Oberkasseler Brücke in Düsseldorf, unweit der Kunstakademie (im Bild) enthüllt. Die Skulptur des Heiligen trägt die Gesichtszüge des getöteten polnischen Priesters.

In seinem Schaffen bezieht sich Bert Gerresheim, der selbst Mitglied des weltlichen Franziskanerordens ist, oft auf das von Papst Johannes Paul II geforderte „Aggiornamento“, was mit “der Übersetzung und Vergegenwärtigung der kirchlichen Botschaft in die heutige Zeit” zutreffend beschrieben werden kann.

Dieser Gegenwartsbezug in der Kunst, über den Papst Johannes Paul II. in seiner berühmten Ansprache an die Künstler und Publizisten im Münchner Herkulessaal während seiner ersten Pilgerreise nach Deutschland 1980 gesprochen hat, ist auch Gerresheims Leitmotiv geworden.

„Aggiornamento“ ist auch Thema eines früheren Werkes, des monumentalen Kolbe-Kreuzes, das er für den Katholikentag 1982 in Düsseldorf schuf. Die Skulptur, die später an der Düsseldorfer Kirche Sankt Rochus ihren endgültigen Ort fand, ehrt den polnischen Franziskaner Maksymilan Kolbe, der 1941 in Auschwitz ermordet wurde. Die Figur des gekreuzigten Jesus trägt Kolbes KZ-Nummer auf dem Arm.

Auch Papst Johannes Paul II. ist selbst ein immer wieder kehrendes Motiv in seinen Werken. Beispiele sind die Wallfahrtskapelle in Kevelaer, das von Gerresheim gestaltete Kölner Dom-Relief, die Kreuzwegstationen des Krakauer „Sanktuariums der Barmherzigkeit Gottes“ (Łagiewniki) sowie die Townhouse-Kapelle im Düsseldorfer Stadtteil Carlstadt.

Bert Gerresheim (Jhg. 1935), Bildhauer-Ikone der Gegenwart, ist dem Rheinland und Düsseldorf stets verbunden und dort mit seiner Kunst sehr präsent. Seine künstlerische Arbeit zeigt aber auch viele Verbindungen zum Ausland, mit besonderem Schwerpunkt auf Polen. Er blickt zurück auf zahlreiche Ausstellungen in Warschau, Kattowitz, Breslau und Danzig.

Als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen nennt er Veit Stoß/ Wit Stwosz und den von ihm im spätgotischen Stil gemeißelten Altar in der Krakauer Marienkirche. Künstlerisch identifizierte er sich auch mit Albrecht Dürer, einem anderen aus Nürnberg stammenden Bildhauer.

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