12.10.2021 Bez kategorii

Andrzej Munk – der polnische Citizen Kane

Zum 100. Geburtstag von Andrzej Munk laden das Polnische Institut Düsseldorf und das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf zu einem Filmabend über den polnischen Regisseur.

In der Reihe Stationen der Filmgeschichte

Andrzej Munk – der polnische Citizen Kane
Doppelprogramm zum 100. Geburtstag des Regisseurs

Mann auf den Schienen / Człowiek na torze
Die Passagierin / Pasażerka
Einführung: Daniel Kothenschulte (Filmkritiker, Kurator und Filmwissenschaftler)

Dienstag, 12.10.2021, 20:00 Uhr

Black Box Kino im Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Schulstrasse 4, 40213 Düsseldorf


Der Mann auf den Schienen / Człowiek na torze

Der Film erzählt die Geschichte des erfahrenen Lokführers Władysław Orzechowski, der wegen eines falschen Sabotage-Vorwurfs entlassen wird. Kurz darauf verunglückt er in einem Bahnhofsgebiet tödlich. Eine Kommission wird einberufen, um den Unglückshergang zu ermitteln. Władysławs Arbeitskollegen stellen ihn aus ihrer eigenen subjektiven Perspektive dar. Ihre widersprüchlichen Aussagen erschweren die Ermittlungen. Andrzej Munk erzählt die Geschichte fast ausschließlich in Rückblenden, die an Orson Welles‘ Citizen Kane (1941) oder Akira Kurosawas Rashomon (1950) erinnern. Zusätzlich brachte der Der Mann auf den Schienen einen neuen Blick auf die Realität des von der kommunistischen Propaganda geprägten Polens Mitte der 1950er Jahre ein.
PL 1956, 80 Min., OmU
R: Andrzej Munk, B: Andrzej Munk und Jerzy Stefan Stawiński, K: Romuald Kropot und Jerzy Wójcik, D: Kazimierz Opaliński, Zygmunt Maciejewski, Zygmunt Zintel, Roman Kłosowski u.a.


Die Passagierin / Pasażerka

Walter und Liza befinden sich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Das Ehepaar weißt wenig über ihre eigene Vergangenheit, dennoch führen sie eine harmonische Beziehung. In einem der Häfen, die sie während ihrer Kreuzfahrt anlaufen, geht eine Frau an Bord, die in Liza Erinnerungen wachruft. Erst jetzt offenbart sich, dass Liza teile ihrer Biografie verleugnet hat: Während des Zweiten Weltkrieges gehörte sie einer SS-Einheit an und war Aufseherin im KZ Auschwitz. Lizas Lagervergangenheit kommt ans Licht und konkrete Erinnerungen an die KZ-Gefangene Marta, die ein Opfer von Liza war. Handelt es sich um bei der Passagierin um Marta? Das Drehbuch basiert auf dem Hörspiel Die Passagierin aus der Kabine 45 (1959) der KZ-Auschwitz Überlebende Zofia Posmysz.
PL 1963, 62 Min., OmU
R: Andrzej Munk, Witold Lesiewicz, B: Zofia Posmysz und Andrzej Munk, K: Krzysztof Winiewicz, D: Aleksandra Śląska, Anna Ciepielewska, Jan Kreczmar u.a.

Andrzej Munk (1921-1961) war Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann. Er gilt als einer der wichtigsten Mitbegründer der Polnischen Filmschule. Er wurde am 16. Oktober 1921 in Kraków geboren. 1951 absolvierte er die Filmhochschule in Łódź und debütierte mit Der Mann auf den Schienen / Człowiek na torze, 1956. Der Film war für die damalige Zeit ungewöhnlich, weil er deutlich von der bis dahin üblichen Ästhetik des Sozialistischen Realismus abwich. Er initiierte damit eine lange Reihe von Werken der Polnischen Filmschule, die in den kommenden Jahren folgen würden, darunter befanden sich zwei weitere Filme von Munk: Eroica – Eine Heldensymphonie in zwei Teilen (Eroica – Symfonia bohaterska w dwóch częściach, 1957) und Das schielende Glück (Zezowate szczęście, 1960). Sie waren auch Prosaadaptionen von Jerzy Stefan Stawiński, einem hervorragenden Schriftsteller und führenden Drehbuchautor der Schule. Während der Dreharbeiten zu Die Passagierin (Pasażerka, 1963) am 20. September 1961 starb Andrzej Munk bei einem Autounfall. Der Film wurde schließlich von Witold Lesiewicz zu Ende gedreht.

Die Passagierin wurde am zweiten Jahrestag des tragischen Todes des Regisseurs 1963 in Polen uraufgeführt. In den Jahren 1957-1961 lehrte Munk an der Regieabteilung der Filmhochschule in Łódź. Zu seinen Studenten gehörten u.a. Roman Polański, Jerzy Skolimowski und Krzysztof Zanussi. Für Der Mann auf den Schienen erhielt der Regisseur 1957 den Regiepreis auf dem IFF in Karlovy Vary. Eroica brachte ihm 1959 den FIPRESCI-Jurypreis auf dem IFF in Mar del Plata. Für Das schielende Glück erhielt er 1960 eine besondere Erwähnung beim Edinburgh Filmfestival. Die Passagierin gewann 1964 den FIPRESCI-Preis bei den Filmfestspielen in Cannes und den Preis der italienischen Filmjournalistenvereinigung beim IFF in Venedig.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf.

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