24.10.2021 Geschichte, Kochen, Kreative Industrie

Auf polnische Art. Das Bild der polnischen Küche in der deutschen kulinarischen Literatur des 17. Jahrhunderts

Vortrag von Dr. Marta Sikorska, Wissenschaftlerin an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn
Rezepte-1-Polnische-kulinarische-Tradition

Der Multimedia-Vortrag ist eine Fortsetzung der Reihe ALTPOLNISCHE AROMEN AM RHEIN  und Teil eines Kulturprogramms VIER JAHRESZEITEN IN DER POLNISCHEN KULINARISCHEN TRADITION, veranstaltet  von: Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów, Stiftung Schloss und Park Benrath, Polnisches Institut Düsseldorf und Sterne-Restaurant Agata’s

SONNTAG, DEN 24. OKTOBER 2021, UM 15:00 UHR
Schloss Benrath, Ostflügel, Museum für Gartenkunst
Benrather Schloßallee 100-106 / 40597 Düsseldorf / Tel. +49 (0)211-89-97140
Eintritt frei
Wir bitten um Anmeldung unter: besucherservice@schloss-benrath.de
Es gelten die die aktuellen Corona Schutzmaßnahmen in NRW

Multimedia-Vortrag von Dr. Marta Sikorska, Wissenschaftlerin an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn „Auf polnische Art. Das Bild der polnischen Küche in der deutschen kulinarischen Literatur des 17. Jahrhunderts.“ 
 
Im Anschluss des Vortrags Gesprächsrunde über wechselseitige Kultureinflüsse in der deutschen und polnischen Küche mit:  Dr. Marta Sikorska, Prof. Stefan Schweizer, Direktor Stiftung Schloss und Park Benrath und Grzegorz Mazur, Leiter der Abteilung Historische Rekonstruktion im Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów und Mini-Verkostung, zubereitet und serviert von Maciej Nowicki, dem Küchenchef des Schlossmuseums Wilanów.
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Barocke Kochbücher – so schreibt Dr. Marta Sikorska in ihrer Doktorarbeit – regen Phantasie und  Geist heutiger Leser auf viele Arten an. Sie sind voller rätselhafter Gerichte, entzücken durch eine andersartige Ästhetik, sowohl was den Geschmack als auch das Aussehen der Speisen anbelangt. Auf  der Tafel der Oberschicht gab es eine Fülle von Tieren und Pflanzen, die heute teils vergessen sind, oder als „nicht essbar“ gelten.

Historiker für Esskultur betrachteten Kochbücher der Renaissance und des Barocks früher meist als Schatzkammer von Anekdoten, um mit Beispielen aufwendiger Speisen – wie der mit vierzig lebenden Amseln gefüllten Pastete oder des feuerspeienden gebratenen Pfaus – die Erzählungen von Prunkmählern und höfischen Bräuchen zu illustrieren. Doch bereits seit den 1980er Jahren regen sie, zusammen mit Anthropologen, Literaturwissenschaftlern oder Soziologen dazu an, Kochbücher systematisch als kulturelle Textzeugnisse zu untersuchen, die unter verschiedenen Aspekten und multidimensional Bedeutungen enthüllen, die für die Gesellschaft, in der sie entstanden sind, wesentlich waren.

Das Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów, die Stiftung Schloss und Park Benrath, das Polnische Institut Düsseldorf sowie das Restaurant Agata’s laden ein zu einem Kulturprogramm, das einerseits die kulturellen Aspekte der kulinarischen Literatur in polnischen und deutschen Kochbüchern des 17. Jahrhunderts zeigt und zugleich das deutsch-polnische Erbe der Koch- und Tafelkultur dieser Epoche durch kulinarische Rekonstruktion näher bringt.
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Der Vortrag ist Teil des Kulturprogramms: VIER JAHRESZEITEN IN DER POLNISCHEN KULINARISCHEN TRADITION und eine Fortsetzung der Reihe  „ALTPOLNISCHE AROMEN AM RHEIN“, veranstaltet von:  Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów, Stiftung Schloss und Park Benrath, Polnisches Institut Düsseldorf und Sterne-Restaurant Agata’s www.instytutpolski.pl/duesseldorf, www.wilanow-palac.pl, www.schloss-benrath.de, www.agatas.de

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Marta Sikorska ist Historikerin und spezialisiert auf die Kulturgeschichte des Essens und der Küche der Neuzeit (16.–18. Jh.). Ihr Forschungsinteresse gilt vor allem der Geschichte der altpolnischen und deutschsprachigen kulinarischen Literatur, kulinarischen und diätetischen Ideen sowie dem Geschmackssinn. 2018 promovierte sie an der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn mit dem Thema „Geschmack und Identität. Die polnische und deutsche kulinarische Literatur des 17. Jahrhunderts“ bei Prof. Jarosław Dumanowski. Eine gekürzte Fassung der Doktorarbeit wurde 2019 vom Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów herausgegeben. Marta Sikorska ist auch Mitautorin zweier Bände der Reihe Monumenta Poloniae Culinaria. Sie arbeitet an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn, kooperiert mit dem Zentrum für kulinarisches Erbe und ist Sekretärin der polnischen wissenschaftlichen Zeitschrift „Klio. Zeitschrift für die polnische und allgemeine Geschichte“ (“Klio. Czasopismo poświęcone dziejom Polski i powszechnym”).

Marta Sikorska „Smak i tożsamość. Polska i niemiecka literatura kulinarna w XVII wieku“ [Geschmack und Identität. Die polnische und deutsche kulinarische Literatur des 17. Jahrhunderts, Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie [Schlossmuseum Wilanów], Warszawa 2019.

Deutsche Kochbücher können viel über die polnische Küche erzählen. Marta Sikorska, Historikerin an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn, schreibt über die deutsche Mode für Speisen „auf  polnische Art“ und analysiert die Verbindungen zwischen deutschen und polnischen Texten. Die deutschen Köche waren, genau wie ihre polnischen Kollegen, im 17. Jahrhundert mit der Expansion der französischen Küche konfrontiert; sie hatten dieselben Produkte zur Verfügung und interessierten sich für dieselben kulinarischen Fragen. In dieser Abhandlung über die Kulturgeschichte der Kochbücher erfahren wir spannende Details über die Stellung des Kochs und Verfassers von Kochbüchern in der damaligen Gesellschaft und lernen uralte Diskussionen über Küche – weibliche und männliche, weltoffene und provinzielle, einfache und luxuriöse – kennen. Marta Sikorskas Arbeit zeigt uns die altpolnische Küche mit den Augen des deutschen Nachbarn.

Maciej Nowicki ist Küchenchef am Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów, dem ältesten Kunstmuseum Polens. Dort gestaltet er u.a. ein Forschungs- und Bildungsprogramm zur polnischen Küche mit. Berufserfahrung sammelte er in Großbritannien und Frankreich. Schon lange fasziniert von der modernen europäischen Küche, beschloss er, sein Interesse für Geschichte mit der Kochkunst zu verbinden und widmete sich der kulinarischen Rekonstruktion sowie polnischen Rezepten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Maciej Nowicki möchte alte Gemüse- und Obstsorten sowie essbare Wildpflanzen bekannter machen. Neben der Theorie der Rekonstruktion beschäftigt er sich mit den sensorischen Wissenschaften und kulinarischen Traditionen. Der Mitpreisträger des namhaften Preises Europa Nostra 2019 und von Gault&Millau 2018 ausgezeichnete Küchenchef verbreitet das Wissen über traditionelle polnischen Küche nicht nur in Polen, sondern weltweit, u. a. in Frankreich, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan, Korea und China.

Agata Reul, Inhaberin des Sterne-Restaurants Agata´s, ist  Gastgeberin aus Leidenschaft und steht  für kulinarisch hochqualitative Produkte. 2013 kürt der Guide Michelin ihr Restaurant mit einem Michelin Stern. Im Agata’s werden kulinarische Inspirationen raffiniert umgesetzt. Dabei kommen viele Zutaten ihrer Menüs direkt aus Polen, oft aus dem Garten der Großeltern. Auf der Speisekarte verbinden sich Elemente der polnischen Küche mit asiatischen Einflüssen. Mit höchster Qualität und dem Sinn für Details bietet ihr Restaurant ein einzigartig harmonisches, rundum stilvolles Ambiente, inspiriert von verschiedenen Kulturen. Agata Reuls Stärke ist zweifellos ihre Weltoffenheit. Ihrer Auffassung nach, lassen sich in der Küche – wie im wahren Leben – fast alle Richtungen verbinden. Man kann  immer voneinander  lernen, wenn man mit Herz und Offenheit an die Sache herangeht. www.agatas.de

Das Museum des Schlosses König Johanns III. in Wilanów bewahrt die  historischen Zeugnisse des Schlossherrn und unterstützt das seit 1805 bestehende Stanislaus-Kostka-Potocki-Museum. Einer  breiten Öffentlichkeit wird auf moderne Weise Wissen über die Epoche der beiden Namensgeber und Werte der altpolnischen Tradition vermittelt. Das Museum fördert eine staatsbürgerliche Haltung und die Verantwortung für das nationale Kultur- und Naturerbe. Ein besonderes Beispiel der vielfältigen Museumsarbeit ist das Programm historischer kulinarischer Rekonstruktion „Garten–Küche–Tafel“, das 2019 den renommierten Preis Europa Nostra in der Sparte „Bildung, Unterricht und Bewusstseinsbildung“ erhielt. www.wilanow-palac.pl

Stiftung Schloss und Park Benrath pflegt eines der schönsten Gartenschlösser des 18. Jahrhunderts, gelegen im Düsseldorfer Süden. 1756–1773 durch Architekt Nicolas de Pigage geplant und erbaut, diente Schloss Benrath zunächst als Lust- und Jagdschloss für den Kurfürsten Carl Theodor. Das Ensemble gilt heute in seiner künstlerischen Einheit aus Bauwerken, Inneneinrichtungen und den 60 Hektar großen Gärten als eines der in Europa selten gewordenen Gesamtkunstwerke des ausgehenden Rokoko. Die Schlossbauten sind mit dem Hauptgebäude, den östlichen und westlichen Kavaliersflügeln, den beiden Torhäusern und vier Wachhäuschen vollständig erhalten. Das Hauptschloss (Corps de Logis) mit seinen Exponaten (Möbeln, Porzellan, Gemälden etc.) vermittelt einen Eindruck vom höfischen Leben der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Museum für Naturkunde und das Museum für Europäische Gartenkunst im West- bzw. Ostflügel des Schlosses ergänzen das Gebäude-Ensemble. Der barocke, an das Rheinufer grenzende Park wurde ebenfalls von Nicolas de Pigage entworfen. www.schloss-benrath.de

Das Polnische Institut Düsseldorf ist eins von über 25 weltweit verteilten Kulturmittler-Institutionen des Außenministeriums der Republik Polen. Sein Ziel ist die gesellschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen dem jeweiligen Gastland und Polen zu intensivieren. Dies erfolgt durch Veranstaltungen und Informationsvermittlung zu polnischer Kultur, Politik, Geschichte, Gesellschaft und Bildung in all ihren Facetten. Das 1993 in Düsseldorf gegründete Polnische Institut ist zum aktiven Mitgestalter des kulturellen Lebens in NRW und in den benachbarten Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland geworden. Seine Tätigkeit reicht weit über den eigenen, eindrucksvollen Sitz in der Düsseldorfer Carlstadt hinaus. Neben vor Ort organisierten Ausstellungen, Seminaren, Workshops, Vorträgen und Diskussionen nimmt das Institut an zahlreichen Initiativen deutscher Museen und Hochschulen als Partner aktiv teil. Es gestaltet die Programme von Theatern, Kulturfestivals sowie Konzertsälen und Kinos mit und organisiert Studien- und Begegnungsreisen. www.instytutpolski.pl/duesseldorf

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