Eröffnung der Manifesta 16 Ruhr mit Teilnahme polnischer Künstlerinnen und Künstler















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Die Manifesta ist eine internationale Biennale für zeitgenössische Kunst, die alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Europa stattfindet und jeweils stark auf den lokalen Kontext, seine Geschichte und gesellschaftliche Herausforderungen eingeht
Am 21. Juni eröffnet die 16. Ausgabe der Manifesta ihre Türen für das Publikum. Im Programm einer der wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst in Europa sind gleich neun Künstlerinnen und Künstler aus Polen vertreten – die stärkste polnische Präsenz bei der Manifesta seit Jahren. Eingeladen wurden sie von einem internationalen Kurator*innenteam, dem in diesem Jahr unter anderem Anda Rottenberg und Krzysztof Kościuczuk angehören. Die diesjährige Ausgabe der Biennale dauert bis zum 4. Oktober 2026 und findet in zwölf aufgegebenen Kirchen im Ruhrgebiet statt. Unter dem Motto **„This is not a church“ („Dies ist keine Kirche“) stellen die Veranstalter die Frage, wie ehemalige Sakralräume in einer von Krisen, Desinformation und gesellschaftlichen Spaltungen geprägten Welt wieder zu Orten der Begegnung und des alltäglichen sozialen Lebens werden können.
Ikonen der polnischen Gegenwartskunst und eine neue Generation von Kunstschaffenden
Zu den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern zählen Mirosław Bałka, Zuza Golińska, Nicolas Grospierre, Jarosław Kozłowski, Katarzyna Kozyra, Małgorzata Mirga-Tas, Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal und Mikołaj Sobczak. Sie repräsentieren unterschiedliche Generationen, künstlerische Ausdrucksformen und Perspektiven auf die zeitgenössische Kunst – von international etablierten Positionen bis hin zu Vertreterinnen und Vertretern einer jüngeren Generation. Einige der Teilnehmenden zeigen bereits bestehende Werke, andere präsentieren neue Arbeiten, die eigens für die ausgewählten Kirchenräume entwickelt wurden.
Die Manifesta zählt zu den bedeutendsten internationalen Veranstaltungen für zeitgenössische Kunst und findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Europa statt. Anders als viele vergleichbare Formate beschränkt sie sich nicht auf die Präsentation von Kunstwerken, sondern nimmt jeweils einen konkreten Ort, dessen Geschichte, gesellschaftliche Spannungen und Zukunftsperspektiven zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Ziel ist es nicht nur, Ausstellungen zu realisieren, sondern durch lokal verankerte Projekte und die Zusammenarbeit mit den Bewohner*innen nachhaltige gesellschaftliche Impulse zu setzen.
Für das künstlerische Programm der Manifesta 16 Ruhr zeichnet in diesem Jahr ein internationales und generationenübergreifendes Kurator*innenteam verantwortlich, zu dem unter anderem Anda Rottenberg und Krzysztof Kościuczuk gehören.
– Für mich schließt sich mit dieser Ausgabe der Manifesta in gewisser Weise ein Kreis, der im Mai 1991 mit der Ausstellung „Europa nieznana“ (Das unbekannte Europa) begann, die ich in Krakau kuratiert habe. Sie brachte erstmals in der Nachkriegsgeschichte junge Kunstschaffende aus allen europäischen Ländern auf Augenhöhe zusammen. Nach mehreren Jahren intensiver Diskussionen wurde sie zum Modell für die Manifesta, die zunächst als Stiftung in Amsterdam gegründet und später 1996 als Ausstellung in Rotterdam realisiert wurde. Nun, 30 Jahre später, wurde ich gebeten, gemeinsam mit zwei Kollegen die 16. Ausgabe zu kuratieren – mit René Block und Henry Meyrick Hughes, mit denen ich damals die Stiftung gegründet habe. Es ist ein schönes Wiedersehen, aber auch ein Anlass, auf die vergangenen Jahrzehnte zurückzublicken. Deshalb haben Krzysztof Kościuczuk und ich entschieden, junge Positionen mit heutigen Klassikern zu konfrontieren, die bei den kuratorischen Entscheidungen früherer Manifesta-Ausgaben unberücksichtigt geblieben waren – sagt Anda Rottenberg, Creative Mediator der Manifesta 16 Ruhr.
– Die starke Präsenz polnischer Künstlerinnen, Künstler und Kurator*innen auf der Manifesta zeigt, dass die polnische Kunst heute ein wichtiger Teil der internationalen Debatte über Europas Gegenwart ist – über Erinnerung, Gesellschaft und den öffentlichen Raum. Ich freue mich, dass polnische Stimmen gerade im Rahmen der Manifesta Gehör finden – einer Veranstaltung, die seit Jahren zeigt, dass Kunst ein wirksames Instrument gesellschaftlicher Veränderung sein kann – betont Olga Wysocka, Direktorin des Adam-Mickiewicz-Instituts, das die Beteiligung polnischer Kunstschaffender an der Biennale unterstützt.
Ausstellungen in leerstehenden Kirchen
Die diesjährige Ausgabe der Manifesta findet in Bochum, Essen, Duisburg und Gelsenkirchen statt – vier Städten des Ruhrgebiets. Die Ausstellungen bespielen zwölf ehemalige und heute ungenutzte Kirchengebäude, die zu Orten künstlerischer Interventionen sowie von Projekten mit lokalen Gemeinschaften werden.
Diese Wahl ist kein Zufall. Die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Kirchen waren über Jahrzehnte wichtige Zentren des gesellschaftlichen Lebens und Symbole des Wiederaufbaus von Gemeinschaft. Heute stehen viele von ihnen infolge gesellschaftlicher Veränderungen und der abnehmenden Bedeutung der Kirche im Alltag leer.
Unter dem bewusst provokanten Motto „This is not a church“ („Dies ist keine Kirche“) machen die Organisatorinnen und Künstlerinnen das Potenzial dieser Räume sichtbar und stellen die Frage, was sich aus der Vergangenheit lernen lässt, um eine bessere Zukunft zu entwerfen. Manifesta 16 Ruhr schlägt vor, ehemalige Sakralbauten nicht nur als historisch bedeutende Gebäude zu betrachten, sondern als Orte, denen neue gesellschaftliche Funktionen verliehen werden können. In diesem Sinne fragt die Biennale danach, wie sich in einer Zeit nach Krisen, gesellschaftlichen Spaltungen und dem Verlust sozialer Bindungen neue Formen des Zusammenhalts schaffen und zugängliche Orte der Begegnung gestalten lassen.
Kunst, Migration und Erinnerung
Das Programm der diesjährigen Ausgabe basiert auf Feldforschung, lokalen Konsultationen und der Zusammenarbeit eines interdisziplinären Kurator*innenteams mit sogenannten Creative Mediators – Fachleuten an den Schnittstellen von Kunst, Architektur, Migrationsgeschichte und gesellschaftlichem Engagement.
Im Zentrum der Manifesta 16 Ruhr stehen Themen wie Migration, Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung, kollektive Erinnerung und Lebensqualität in urbanen Räumen. Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei die Geschichte des Ruhrgebiets selbst – einer Region, die nicht nur durch ihre Industrie, sondern auch durch jahrzehntelange Migrationsbewegungen und kulturelle Vielfalt geprägt wurde.
Wie die Organisatorinnen betonen, konzentrierte sich die Erzählung über das Ruhrgebiet lange Zeit vor allem auf Industriegeschichte und Arbeitersolidarität, während Perspektiven von Menschen mit Migrationserfahrung deutlich seltener sichtbar wurden. Die diesjährige Biennale erweitert diesen Blickwinkel bewusst.
Über 100 Teilnehmende aus 33 Ländern
Am Programm der Manifesta 16 Ruhr beteiligen sich mehr als 100 Künstler*innen und Kulturschaffende aus 33 Ländern. Die Biennale präsentiert über 50 neue Arbeiten, die eigens für diese Ausgabe entwickelt wurden. Am stärksten vertreten sind Deutschland (25 Prozent der Teilnehmenden), die Türkei (21 Prozent) und Polen (9 Prozent). Dies spiegelt nach Angaben der Organisator*innen sowohl den europäischen Charakter der Biennale als auch die gesellschaftliche und kulturelle Geschichte der Region wider.
Die vollständige Liste der Künstlerinnen und Künstler ist hier online verfügbar.
Offenes und kostenfreies Veranstaltungsformat
Der Besuch der Manifesta 16 Ruhr ist für alle Besucherinnen kostenlos. Neben dem Ausstellungsprogramm umfasst die Biennale zahlreiche Bildungs-, Vermittlungs- und Beteiligungsprojekte, die gemeinsam mit Anwohnerinnen und lokalen Initiativen entwickelt werden.
Mikołaj Sobczak im Polnischen Institut Düsseldorf
Begleitend zum Hauptprogramm der Manifesta 16 Ruhr präsentiert das Polnische Institut Düsseldorf eine Einzelausstellung von Mikołaj Sobczak. Die von Krzysztof Kościuczuk kuratierte Ausstellung „Teile und herrsche“ (Dziel i rządź) ist die erste institutionelle Präsentation von Sobczaks Werk in Düsseldorf und versammelt zentrale Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers. Mit Malerei, Video, Performance und installativen Arbeiten hinterfragt Sobczak etablierte historische Narrative und entwickelt alternative Erzählungen über die Vergangenheit. Dabei rückt er insbesondere queere Perspektiven sowie die Erfahrungen marginalisierter Gruppen in den Mittelpunkt. Die Ausstellung in Düsseldorf ist vom 12. Juni bis zum 9. Oktober 2026 zu sehen.
Die Veranstaltung wird durch zahlreiche Bildungs- und Vermittlungsprojekte ergänzt, die gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften umgesetzt werden.
Alle Info unter: http://www.manifesta16.org/de
Eintritt frei