Am 6. März 2026 wäre Andrzej Wajda 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat der Senat der Republik Polen am 14. Mai 2025 das Jahr 2026 offiziell als „Andrzej-Wajda-Jahr“ ausgerufen. Im Programm des Polnischen Instituts sind Wajdas Filme Dauergäste – im Rahmen des Festivals filmPOLSKA ebenso wie in Einzelvorstellungen, in der Retrospektive „Meister der Regie“ in den Technischen Sammlungen Dresden (2017) oder in den Vorträgen „Wajda und die anderen“ (2016 in Słubice) und „Wajda und seine Erben“ (2022 in Halle/Saale).
Über Andrzej Wajda

Andrzej Wajda 2016 in Gdynia, drei Wochen vor seinem Tod
Wajda wurde am 6. März 1926 in Suwałki geboren, wo er auch seine Kindheit und frühe Jugend verlebte. Die Kriegsjahre verbrachte er in Radom, wo sein Vater Jakub Wajda – Berufsoffizier der polnischen Armee – stationiert war. In Radom besuchte er als Teenager geheime Kurse und lernte kurzzeitig an einer privaten Malereischule, während er gleichzeitig als Lagerist, Träger, Küfer, Schlosser und Zeichner im Eisenbahnbüro arbeitete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Wajda 1946–1950 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Kraków und anschließend Regie an der neu gegründeten Filmhochschule in Łódź. 1955 begann er mit seinem Kinodebüt „Pokolenie” (Eine Generation), nach einem Weg zu suchen, um eines seiner wichtigsten künstlerischen und ethischen Ziele zu verwirklichen – für diejenigen zu sprechen, welche den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt hatten. Seine nächsten Filme „Kanał“ (Der Kanal) und „Popiół i diament“ (Asche und Diamant, nach einem Roman von Jerzy Andrzejewski) machten den damals 32-jährigen Künstler zu einem der wichtigsten Regisseure der jungen Generation in Europa und begründeten eine „polnische Filmschule“ genannte Strömung, welche die polnische martyrologische Tradition und und den romantischen Heroismusin Frage stellte.
In über 60 Jahren vielseitiger kreativer Tätigkeit, die auch Dokumentarfilme, Fernsehproduktionen, Theaterstücke, Zeichnungen, Gemälde und Drehbücher hervorbrachte, drehte Wajda über 40 Langspielfilme. Viele davon werden heute zu den Meilensteinen des polnischen und internationalen Kinos gezählt. Von der internationalen Filmwelt geschätzt, wurde Wajda betitelt als „Sänger der schwierigen polnischen Geschichte, der ihr eine universelle Dimension zu verleihen wusste“, als „Filmpoet verlorener Dinge“, als „wichtigster Filmregisseur Polens der Nachkriegszeit“, als „Chronist seines Landes, moralische Instanz, Gesellschaftskritiker mit der Kamera“ oder als „einer der großen Regisseure der Welt, dank denen das 20. Jahrhundert zu einem großen Jahrhundert des Kinos wurde“.
Wajda gilt als Regisseur, der mit seinen Filmen in die polnische Geschichte eingreifen wollte, indem er Asche, Verbitterung und historische Qualen in Filme verwandelte, die wie Diamanten glänzten – und als ein Künstler, der sich bis zum Ende für Freiheit und Demokratie in Polen engagierte.
Inhalt
1 / Filmregisseur
2 / Theaterregisseur
3 / Bürger
4 / Lehrer
5 / Preisträger
6 / Filmografie

Nach dem Abschluss eines Studiums an der Filmhochschule in Łódź arbeitete Andrzej Wajda bei Alexander Ford an dessen Filmen „Chopins Jugend“ (1952) und „Die Fünf aus der Barskastraße“ (1954) mit.
Seine Laufbahn als Regisseur begann er in der Ära des sog. sozialistischen Realismus, widersetzte sich jedoch dessen Leitlinien. Stattdessen verhandelte er in seinen ersten drei Filmen bewegende und ethisch komplexe Themen. Seine Trilogie zeigte das Drama junger Menschen, die vom Krieg gezeichnet und in ein neues System hineingeworfen wurden, welches sie auseinander treibt und vor ungewollte Herausforderungen stellt, die vielleicht noch schwieriger sind als der Überlebenskampf. „Eine Generation“ (1955), „Der Kanal“ (1957) und „Asche und Diamant“ (1958), beschrieben die Qualen und Spaltungen Polens im Zweiten Weltkrieg sowie der Nachkriegszeit und brachten Wajda internationale Anerkennung. Bereits in seinen ersten Filmen erwies sich der Regisseur als Künstler, der die Realität genau beobachtete und die Zeit mit ihren Widersprüchen und Herausforderungen einfing – als ein Schöpfer, der sehr sensibel für Form und Symbolik war und einen originellen Filmstil entwickelte.
Wajda kehrte immer wieder zum Thema „Krieg“ zurück, welches seine Generation tief geprägt hatte – in „Lotna“ (1959), „Samson“ (1961), „Landschaft nach der Schlacht“ (1970), „Liebe zwischen den Fronten“ (1993), „Korczak“ (1990), „Die Karwoche“ (1995) und „Das Masaker von Katyn“ (2007). Der letztgenannte Titel war auch eine Rückkehr zu einem persönlichen Trauma, mit dem Wajda sein ganzes Leben lang gerungen hatte – in Katyn war der Vater des Regisseurs ermordet worden. In seinem Drang, vergangene Ereignisse zu beschreiben, ihre tragische Erinnerung zu bewahren und Figuren dem Vergessen zu entreißen, war Wajda – mit seinem Imperativ, den Verstorbenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – ein Geistesverwandter Maria Janions, der Autorin des Buchs „Do Europy tak, ale z naszymi umarłymi“ (Ja nach Europa, aber mit unseren Toten).
Ein eigenes Kapitel in Andrzej Wajdas Schaffen bilden seine Literaturverfilmungen – visionäre Adaptionen unter anderem von Stefan Żeromskis „Zwischen Feuer und Asche“ (1965), Jarosław Iwaszkiewiczs „Das Birkenwäldchen“ (1970) und „Die Mädchen von Wilko“ (1979), „Die Hochzeit“ (1973) von Stanisław Wyspiański, das als Meisterwerk des Weltkinos gefeierte Epos „Das gelobte Land“ (1975) nach einem Roman von Stanisław Reymont, die Klassiker „Die Rache“ (2002) nach Aleksander Fredro und „Pan Tadeusz“ (1999) nach Adam Mickiewicz, der in Frankreich gedrehte „Danton“ (1983) nach einem Drama von Stanisława Przybyszewska und die Joseph-Conrad-Verfilmung „Die Schattenlinie“ (1976). Durch seine Beschäftigung mit Literaturklassikern prägte Wajda im Laufe seiner gesamten Karriere das Bild Polens in der Vorstellung und kollektiven Identität seiner Landsleute – mit all seinen Klassenunterschieden, seinen Archetypen und Symbolen sowie seiner immer noch präsenten, von nationalen Dämonen geprägte Vergangenheit. In Zeiten verschärfter Zensur wählte Wajda literarische Texte als Vorlagen, um Polen weiterhin auf eindringliche und kritische Weise thematisieren zu können. Mit jeder dieser kritischen Reflexionen der Vergangenheit war für ihn aber auch die Aufforderung verbunden, in die Zukunft zu schauen, nationale Schemata zu durchbrechen und Verantwortung übernehmen.
Andrzej Wajda begleitete mit seinen Filmen ebenso die polnische Zeitgeschichte – mehr noch, die Filme selbst spielten eine wichtige Rolle bei den politischen Umwälzungen der 70er- und 80er-Jahre. Seine Arbeiten „Der Mann aus Marmor“ (1977), „Der Mann aus Eisen“ (1981) und „Wałęsa – Der Mann der Hoffnung“ (2013), die – wie der Regisseur einräumte – teilweise „im Auftrag” der am Solidarność-Aufstand beteiligten Arbeiter gedreht worden waren und von der westlichen Presse als „Citizen Kane des Ostblocks” bezeichnet wurden, porträtierten die Gewerkschaften als eine Bewegung des Widerstands gegen die Regierung und des romantischen Patriotismus. In „Ohne Betäubung“ (1978) – einem der bedeutendsten Werke des sog. „Kinos der moralischen Unruhe“ – machte Wajda auf staatliche Mechanismen zur Zerstörung außergewöhnlicher Individuen aufmerksam. Zu diesem Thema kehrte er in seinem letzten Werk „Afterimages“ (2016) noch einmal zurück, das zu einem von Sorge um die politische Zukunft Polens geprägten Vermächtnis des Regisseurs wurde.
Eine eigene Kategorie in Wajdas Schaffen bilden persönliche, subjektiv geprägte Filme. Sie setzten sich zusammen aus Fragmenten genial beobachteter Realität, Emotionen und dem Versuch, dem Unaussprechlichen Form zu verleihen. Wajda webte seine Sprache und filmische Empfindsamkeit aus Erinnerungen an einst gesehene Bilder, Lichtfragmenten, ungewöhnlichen Landschaften und abgelauschten Dialogen sowie überraschend treffenden Metaphern. Wie kein anderer konnte er vom Prozess des Abschiednehmens erzählen („Der Kalmus“ 2009) oder von den Versuchen, sich mit einer plötzlichen Abwesenheit zu arrangieren und mit einem Leben, das seine Substanz in einen leeren, scheinbar unfüllbaren Raum gießt („Alles zu verkaufen“ 1968). Als Werke, welche vom Geist eines gesellschaftlichen Umbruchs und von einer fieberhaften Suche nach sich selbst in dieser neuen Realität erzählen, sind Filme wie „Die unschuldigen Zauberer“ (1960) oder „Fliegenjagd“ (1969) in Erinnerung geblieben.

Im Theater machte sich Andrzej Wajda als versierter und aufmerksamer Interpret von Dostojewski, Wyspiański und Shakespeare einen Namen. Sein Bühnenwerk mit fast 50 Inszenierungen prägte die Geschichte des polnischen Theaters.
Wajda arbeitete häufig zwischen den Dreharbeiten zu seinen Filmen für das Theater. Seine Begegnungen mit Bühnen-Schauspieler*innen führten gelegentlich zur weiteren Zusammenarbeit – diesmal auf der Leinwand; gelegentlich war es auch umgekehrt. Seine erste Bühnenproduktion, bei der er instinktiv beschloss, das Talent von Zbigniew Cybulski zu nutzen, mit dem er kurz zuvor am Set von „Asche und Diamant“ zusammengearbeitet hatte, war „Kapelusz pełen deszczu“ (Ein Hut voller Regen, 1959) im Teatr Wybrzeże in Gdańsk. Es folgten Inszenierungen von „Hamlet“ (viermal), „Die Hochzeit“, „Die Dämonen“, „Danton“, „Nastasja Filipowna“, „Schuld und Sühne“, „Der Dibbuk“ und „Macbeth“ (zweimal). Die Rückkehr zu bereits inszenierten Werken war für Wajda keine Wiederholung früherer Inszenierungen, sondern eine neue szenische Lesart, abhängig von Personen und Gegebenheiten, neu aufgegriffen aus der Perspektive aktueller Erfahrungen des Regisseurs und des Publikums. Wajda inszenierte auch im Ausland – unter anderem in Stockholm, Weimar, Berlin, Tokio, Moskau, Yale und Budapest.
Dostojewski betrachtete er als seinen größten Lehrer in den Fächern Dramatik und menschliche Natur. Wajda sagte über ihn: „Er war ein Visionär und Prophet der schlechten Nachrichten. Er sah die Anspannung der Sehnen, er sah die dunklen Seiten unserer Persönlichkeit und leider stellte sich heraus, dass er mit seiner Beurteilung anderer Menschen weitgehend Recht hatte. Raskolnikow schreibt, bevor er die Alte mit einer Axt tötet, einen ganzen Artikel, in dem er dieses Verbrechen gewissermaßen erklärt. Viele Jahre später, als die ganze Welt in Blut versank, stellte sich heraus, dass auch diese Verbrechen ideologisch motiviert waren, in Nazi-Deutschland oder in der Sowjetunion. Dostojewski hat auch diese Morde vorhergesehen. Verbrechen, die zuerst gerechtfertigt und dann begangen wurden.“ Andrzej Wajda war vor allem mit Theatern in Gdańsk, Warschau und Kraków verbunden und auch künstlerischer Leiter des Teatr Powszechny in Warschau.
Andrzej Wajda war gesellschaftlich außerordentlich engagiert – nicht nur mit seinen Filmen, sondern auch durch die Initiierung vieler wichtiger Veranstaltungen, Traditionen und Projekte, welche die polnische Kulturlandschaft nachhaltig verändert haben und deren Wirkung oft weit über die Grenzen des Landes hinausreichte.
In der Volksrepublik Polen sammelte die Geheimpolizei über 1.000 Seiten verschiedener Materialien (Denunziationen, Protokolle privater und öffentlicher Treffen, Berichte, Empfehlungen usw.) über den mit der „Solidarność” verbundenen Regisseur. Aus ihrem Register wurde Wajda erst im Juli 1989 gestrichen, als er bereits offiziell Senator der Republik Polen war, gewählt in den ersten freien Wahlen seit Kriegsende. Die Film-Trilogie „Der Mann aus Marmor“, „Der Mann aus Eisen“ und „Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung“ war eine Hommage an das Phänomen Solidarność und ihren Anführer Lech Wałęsa. Sie half der Welt, dieses Phänomen und seine Funktionsweise zu verstehen.
Nachdem Andrzej Wajda 1987 den renommierten Kyoto-Preis – auch als „japanischer Nobelpreis“ bekannt – erhalten hatte, gründete der für seine Liebe zur japanischen Kunst bekannte Künstler in Kraków das Museum für japanische Kunst und Technik Manggha. Es beherbergt die „heimatlose” Sammlung japanischer Kunst von Feliks „Manggha” Jasieński – einem Reisenden und Sammler, der seine Kollektion 1920 der Stadt Kraków schenkte. Diese Sammlung begeisterte Wajda als jungen Studenten der Akademie der Bildenden Künste in Kraków. Es war das erste Museum in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Bau vollständig aus privaten Mitteln finanziert wurde, und ist heute der größte Schatz der japanischen Kultur in Mitteleuropa. Es umfasst über 10.000 Exponate japanischer Kunst und Kunsthandwerks.
Wajda initiierte auch die Errichtung der Stanisław-Wyspiański- und Józef-Czapski-Pavillons in Kraków, in denen mit Hilfe von Krystyna Zachwatowicz-Wajdowa und dem Nationalmuseum Kraków – dem Kuratorium beider Einrichtungen – Werke und Exponate zusammengestellt wurden, die mit dem Leben, Schaffen und Erbe dieser für die polnische Kultur bedeutenden Künstler in Verbindung stehen.
Andrzej Wajda schob zahlreiche weitere kulturelle und museale Initiativen an, darunter das Zentrum für zeitgenössische Kunst „Elektrownia“ in Radom, das der Regisseur gemeinsam mit seiner Frau unterstützte, indem er dem Zentrum viele wertvolle Exponate und Kunstwerke aus seiner eigenen Sammlung schenkte. Darüber hinaus organisierte er in Polen und im Ausland zahlreiche Ausstellungen und Initiativen zur Förderung polnischer Künstler und ihres Œuvres.
Wajda bekleidete viele verantwortungsvolle und prestigeträchtige Ämter und widmete darin seine Zeit dem Wohl der Gesellschaft, mit der er sich ideell verbunden fühlte. Als Vorsitzender des Verbandes Polnischer Filmemacher verhandelte er mit Behörden über neue Regeln für die Kinematografie in Polen – insbesondere über Fragen der Unabhängigkeit der Filmproduktion und der Einschränkung von Zensur. Er war an Lech Wałęsas Vorbereitungen auf die Wahlkampf-Rededuelle beteiligt und unterstützte während des Wahlkampfs vor den ersten freien Wahlen 1989 die Kandidaten der Opposition inhaltlich und bei der Imageberatung. Bei diesen Wahlen wurde Wajda auch selbst zum Senator gewählt. Er setzte sich aktiv für freie Medien ein – in seinem Haus im Warschauer Stadtteil Żoliborz wurde der Vertrag über die Gründung der Firma Agora unterzeichnet, dem Herausgeber der „Gazeta Wyborcza” – der ersten unabhängigen Tageszeitung im freien Polen. Wajda war einer der drei Unterzeichner des Vertrags.

Ein wichtiger Tätigkeitsbereich von Andrzej Wajda war die Pädagogik. In den 1960er-Jahren war er Dozent an der Fakultät für Regie der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Łódź. Er war Initiator und künstlerischer Leiter des von 1972 bis 1983 bestehenden Filmstudios „X”. 2002 gründete er in Warschau die Andrzej-Wajda-Meisterschule für Filmregie, die bis heute erfolgreich tätig ist und zahlreiche für das polnische Kino bedeutende Dokumentar- und Spielfilmregisseur*innen hervorgebracht hat. Die Wajda School hat inzwischen mehrere hundert Kurzfilme produziert, die auf den größten Filmfestivals gezeigt wurden. Mit ihrem offenen, interdisziplinären und kollegialen Ansatz – ähnlich wie einst die Filmstudios vor 1989 – ermöglicht sie es Kandidat*innen mit vielversprechenden Leistungen, die nicht unbedingt aus Filmkreisen stammen müssen, ihre Projekte umzusetzen – unter Aufsicht erfahrener und angesehener Pädagog*innen, die selbst als Filmschaffende tätig sind. In seinem Testament äußerte Andrzej Wajda den Wunsch, dass aus den Tantiemen seiner filmischen Werke Stipendien für begabte junge Menschen finanziert werden sollen.
Andrzej Wajda wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen geehrt und erhielt Orden für sein künstlerisches Schaffen ebenso wie für sein soziales Engagement.
Zu seinen wichtigsten Auszeichnungen im Rahmen mit seiner Teilnahme an renommierten Festivals gehören die Silberne und Goldene Palme in Cannes, FIPRESCI-Preise, Goldene Löwen des Polnischen Spielfilmfestivals in Gdańsk, vier Oscar-Nominierungen und ein Oscar für das Lebenswerk, Césars, der Europäische Filmpreis Felix, der Goldene Löwe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig, die Platinlöwen des Polnischen Spielfilmfestivals von Gdynia für das Lebenswerk, der Goldene Bär der Berlinale, Preise für sein Lebenswerk bei den Internationalen Filmfestspielen von Sevilla und dem Festival Plus Camerimage, der Preis des Polnischen Filmverbandes und die Goldene Ente des Fachmagazins „Film“.
Zu den höchsten staatlichen Auszeichnungen, die Wajda verliehen wurden, gehören unter anderem das Großkreuz des Ordens Polonia Restituta, der japanische Orden der Aufgehenden Sonne, der bulgarische Kyrill-und-Method-Orden, das Komturkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das französische Komturkreuz der Ehrenlegion, das Komturkreuz des Ordens für Kunst und Literatur und Offizierskreuz der Ehrenlegion, das Komturkreuz mit Stern des Verdienstordens der Republik Ungarn, der ukrainische Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen, die Goldmedaille Gloria Artis, der Orden des Weißen Adlers, der Kyoto-Preis der japanischen Inamori-Stiftung für Verdienste um die Entwicklung von Wissenschaft, Technik und menschlichem Denken und der Große Preis der polnischen Kulturstiftung. Der Regisseur erhielt außerdem Ehrendoktorwürden zahlreicher Hochschulen, darunter der Kunstakademie Warschau, der American University in Washington, der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Łódź, der Jagiellonen-Universität in Kraków, der Filmakademie Moskau, der Belarusischen Kunstakademie und der Pädagogischen Universität in Kraków. Außerdem war er Ehrenmitglied der Französischen Akademie der Schönen Künste.
Andrzej Wajda hat fast 60 Filme gedreht – Spielfilme, Dokumentarfilme, Kurzfilme sowie zahlreiche Fernsehproduktionen. Im Vorwort zum Album, das der Gesamtausgabe seiner Werke beiliegt und dem Meister zu seinem 90. Geburtstag feierlich überreicht wurde, schrieb er: „Meine Filme entstanden über mehrere Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Epochen des Kinos. Ich habe versucht, an den politischen Ereignissen nicht nur unseres Landes teilzunehmen – ich war in diesen Jahren auch Teil der gesamteuropäischen Veränderungen in der Filmkunst. In „Asche und Diamant“ habe ich dank Cybulski auf amerikanische Schauspiel-Vorbilder zurückgegriffen. Ich war kein Einzelgänger, deshalb gab es polnische Filme weltweit und sie konnten andere erreichen, unabhängig von Sprache und von unserer Vergangenheit, die auf der Leinwand nicht leicht darzustellen war. […] Ich möchte den Menschen, die solche Bedingungen für das polnische Kino erkämpft haben, meinen Dank aussprechen. Unsere Filmwelt hat seit den ersten Nachkriegsjahren Schritt für Schritt am Prozess der Erlangung politischer und künstlerischer Freiheit teilgenommen. Sie hat diese Freiheiten konsequent erweitert – von Aleksander Ford und Wanda Jakubowska über Jerzy Kawalerowicz und Jerzy Bossak bis hin zum Kampf um das Überleben des Kinos während des Kriegszustands in den 1980er-Jahren. Ich bin glücklich, dass auch ich an diesem Prozess teilnehmen durfte – mit meinen Filmen und meiner künstlerischen Autorität als Regisseur.“
1955 Pokolenie / Eine Generation
1957 Kanał / Der Kanal
1958 Popiół i diament / Asche und Diamant
1959 Lotna
1960 Niewinni czarodzieje / Die unschuldigen Zauberer
1961 Powiatowa Lady Makbet / Blut der Leidenschaft
1961 Samson
1962 Miłość dwudziestolatków / Liebe mit zwanzig / L’Amour à vingt ans
1965 Popioły / Legionäre | Zwischen Feuer und Asche / The Ashes
1968 Bramy raju / Die Pforten des Paradieses
1968 Przekładaniec / Rollkuchen
1968 Wszystko na sprzedaż / Alles zu verkaufen
1969 Polowanie na muchy / Fliegenjagd
1970 Krajobraz po bitwie / Landschaft nach der Schlacht
1970 Brzezina / Das Birkenwäldchen
1972 Piłat i inni / Pilatus und andere – Ein Film für Karfreitag / Pilate and Others
1973 Wesele / Die Hochzeit / The Wedding
1975 Ziemia obiecana / Das gelobte Land
1976 Smuga cienia / Die Schattenlinie
1976 Umarła klasa / Die tote Klasse
1977 Człowiek z marmuru / Der Mann aus Marmor
1978 Bez znieczulenia / Ohne Betäubung
1979 Panny z Wilka / Die Mädchen von Wilko
1980 Dyrygent / Der Dirigent
1981 Człowiek z żelaza / Der Mann aus Eisen
1983 Danton
1983 Miłość w Niemczech / Eine Liebe in Deutschland
1986 Kronika wypadków miłosnych / Chronik von Liebesunfällen / A Chronicle of Amorous Accidents
1988 Biesy / Die Dämonen / Les Possédés / The Posessed
1990 Korczak
1993 Pierścionek z orłem w koronie / Liebe zwischen den Fronten
1994 Nastazja / Nastasja
1995 Wielki tydzień / Die Karwoche
1996 Panna Nikt / Fräulein Niemand / Miss Nobody
1999 Pan Tadeusz / Sir Thaddeus
2000 Wyrok na Franciszka Klosa / Die Verurteilung des Franciszek Kłos
2002 Zemsta / Die Rache
2007 Katyń / Das Massaker von Katyn
2009 Tatarak / Der Kalmus
2013 Wałęsa – Człowiek z nadziei / Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung
2016 Powidoki / Afterimage

Texte: Wajda Film Centre
Übersetzung & Bearbeitung: Rainer Mende (Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig)
Info: wajda.pisf.pl, https://ckf.waw.pl/en/andrzej-wajda-en/bio
Titelbild © Wajda Film Centre