Toruń (Thorn) hat seine Anfänge dem Deutschen Ordenzu verdanken, der hier Mitte des 13. Jahrhunderts eine Burg erbaute, die als Basis für die Eroberung und Evangelisierung Preußens dienen sollte. Die zur Hanse gehörende Stadt begann schon bald, eine wichtige Rolle im Handel zu spielen. Davon zeugen zahlreiche prachtvolle öffentliche und private Bauten in der Alt- und Neustadt, die aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen, darunter das Geburtshaus von Nikolaus Kopernikus.

Die in Nordpolen gelegene Stadt Toruń ist ein erstaunlich gut erhaltenes Beispiel eines mittelalterlichen europäischen Handels- und Verwaltungszentrums. Toruń liegt an der Weichsel und wurde zu der Zeit gegründet, als die ritterlichen Mönche des Deutschen Ordens Osteuropa christianisierten sowie der Handel zwischen den Ländern des Baltikums und Osteuropas durch die Hanse angekurbelt wurde und dadurch schnell anwuchs. Die Stadt wurde zu einem führen-den Mitglied der Hanse in den vom Deutschen Orden beherrschten Gebieten.

Die mittelalterliche Stadt Toruń besteht aus drei Elementen: den Ruinen der Burg des Deutschen Ordens, der Altstadt und der Neustadt. Diese Kombination aus einer Burg und zwei Städten, die von Verteidigungsmauern umgeben sind, ist eine seltene Form mittelalterlicher Ballungsräume.

Ein Großteil der Burg – deren Grundriss der Form eines Hufeisens nachempfunden ist und die Mitte des 13. Jahrhunderts als Basis für die Eroberung und Evangelisierung von Preußen erbaut wurde – wurde bei einem Aufstand im Jahr 1454 zerstört, als sich die einheimischen Stadtbewohner gegen den Deutschen Orden auflehnten. Die Ruinen und archäologischen Überreste wurden ausgegraben und gesichert. Die Altstadt erhielt im Jahr 1233 das Stadtrecht, wodurch sie sich rasch zu einem wichtigen Handelszentrum ausweitete. Die angrenzende Neustadt entwickelte sich ab 1264 hauptsächlich zu einem Zentrum von handwerklicher Bedeutung. Die beiden Stadtgebiete zeugen von dem Austausch und der kreativen Adaptiongestalterischer Erfahrungen zwischen den Hansestädten.

Ein außergewöhnlich vollständiges Bild des mittelalterlichen Lebens ist in der originalen Aufteilung der Straßen und frühen Bauten Toruńs zu finden. Sowohl in der Alt- als auch der Neustadt sind gotische Pfarrkirchen und zahlreiche schöne mittelalterliche Backsteinhäuser zu finden, von denen viele ihre originalen gotischen Fassaden, Trennwände, Stuckdecken, Gewölbekeller und gemalten Verzierungen bewahrt haben.

Zahlreiche Stadthäuser in Toruń wurden sowohl zu Wohn- als auch zu Handelszwecken genutzt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Haus, in dem Nikolaus Kopernikus angeblich 1473 geboren wurde. Es dient heute als Museum, das sich dem Leben und den Errungenschaften des berühmten Astronomen widmet.

Die Stadthäuser waren oft mit Lagereinrichtungen und bemerkenswerten Getreidespeichern aus Ziegelstein ausgestattet, von denen manche bis zu fünf Stöcke hoch waren. Da viele Häuser aus dieser Zeit bis zum heutigen Tag überdauerten, sind die mittelalterlichen Grundstücke größtenteils unverändert und von originalen Backsteinmauern begrenzt.

Quelle: UNESCO (offizielle Webseite: whc.unesco.org)
Übersetzung: Agata Biernacka