11.11.2026 Andere, Programm, Vortrag Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

14. Jabłonowski-Vorlesung: Zwischen Leipzig und Wien 🗺

LEIPZIG / 17:30 / Die Entstehung des ersten großen Wörterbuchs der polnischen Sprache / Vortrag & Preisverleihung

Zum Nationalfeiertag der Republik Polen und zum 150. Jahrestag der Gründung der Leipziger Slavistik

17:30 Uhr
Begrüßung & Einführung von Bernd Karwen (Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig) und Prof. Dr. Miloš Řezník (Präses der Societas Jablonoviana, Technische Universität Chemnitz)

anschließend
Vortrag von Prof. Dr. Bogusław Dybaś über Samuel Bogumił Lindes (1771–1847) Arbeit an seinem Wörterbuch

19:00 Uhr
Verleihung des Jabłonowski-Preises 2026 an den Historiker und Ausstellungskurator Dr. Andrzej Hoja für innovative Ausstellungsprojekte zur deutsch-polnischen Verflechtungsgeschichte im 20. Jahrhundert
Laudatio: Prof. Dr. Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk (Universität Gdańsk)


Samuel Bogumił Linde

Samuel Bogumił Linde wurde 1771 in Toruń als Sohn schwedischstämmiger Eltern geboren. 1789 ging er zum Studium nach Leipzig, wo er später als Lektor für Polnisch an der Universität unterrichtete. In Leipzig lernte Linde im Herbst 1793 polnische Reformpolitiker kennen, die nach der Niederlage im Krieg gegen Russland 1792 in Sachsen Zuflucht gefunden hatten. Zu ihnen gehörten Hugo Kołłątaj, Ignacy Potocki und Franciszek Ksawery Dmochowski. Linde übersetzte die von diesem Kreis verfasste Schrift „O ustanowieniu i upadku Konstytucji polskiej 3 maja 1791“ unter dem Titel „Vom Entstehen und Untergange der Polnischen Konstitution vom 3ten May 1791“ ins Deutsche. Die deutsche Ausgabe erschien 1793.

Während seiner Leipziger Jahre fasste Linde vermutlich den Entschluss, ein umfassendes Wörterbuch der polnischen Sprache zusammenzustellen. Den größten Teil des Wörterbuchs erarbeitete Linde in Wien, wo er neun Jahre lang die Bibliothek des polnischen Gelehrten und Sammlers Józef Maksymilian Ossoliński betreute. Seine Büchersammlung bildete später den Grundstock des Ossolineums, einer 1817 gegründeten polnischen Bibliotheks- und Wissenschaftseinrichtung, die zunächst in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) ihren Sitz hatte und heute in Wrocław ansässig ist. Für sein Wörterbuch wertete Linde zahlreiche ältere polnische Texte aus und dokumentierte den historischen Wortschatz anhand umfangreicher Belege. Die sechs Bände des „Słownik języka polskiego“ erschienen zwischen 1807 und 1814.

Der Historiker Prof. Dr. Bogusław Dybaś ist Professor an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń und zugleich am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IH PAN).


Der Historiker Andrzej Hoja promovierte 2014 an der Universität Gdańsk und arbeitete unter anderem an Museen in Gdańsk und Greifswald. Den Jabłonowski-Preis erhält er für seine Ausstellungsprojekte zur deutsch-polnischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. An der 2025 in Gdańśk eröffneten Ausstellung „Unsere Jungs. Einwohner Danzig-Westpreußens in der Armee des Dritten Reichs“ war er als Kurator beteiligt.

Die Ausstellung untersucht anhand einzelner Lebensgeschichten, unter welchen Umständen Einwohner Danzig-Westpreußens in die Wehrmacht gelangten, welche Erfahrungen sie während des Krieges machten und wie nach 1945 mit dieser Vergangenheit umgegangen wurde. In Polen löste die Ausstellung eine öffentliche Debatte darüber aus, wie diese Kriegserfahrungen dargestellt werden sollten. Die Laudatio hält Prof. Dr. Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk von der Universität Gdańsk.

Die seit 2013 anlässlich des polnischen Nationalfeiertags veranstaltete Jabłonowski-Vorlesung erinnert an den polnischen Fürsten und Wissenschaftsmäzen Józef Aleksander Jabłonowski (1711–1777), der sich 1768 in Leipzig niederließ. Die von ihm initiierte Societas Jablonoviana nahm 1769 ihre Tätigkeit auf und erhielt 1774 ihre offizielle Bestätigung. Die Gesellschaft schrieb Wettbewerbe für wissenschaftliche Arbeiten zur polnischen und slawischen Geschichte sowie zu Mathematik, Physik und Ökonomie aus. Sie unterstützte zudem die Einrichtung einer Professur für slawische Sprachen an der Universität Leipzig. Diese wurde 1870 mit August Leskien besetzt. Seine Ernennung zum ordentlichen Professor für slawische Philologie im Jahr 1876 bildet den historischen Bezugspunkt des diesjährigen Jubiläums. Polnisch hatte Linde an der Universität bereits Ende des 18. Jahrhunderts unterrichtet.

Der Jabłonowski-Preis, dessen Vergabe 1999 wiederaufgenommen wurde, wird heute alle zwei Jahre verliehen. Seit 2009 stellt die Universität Leipzig das Preisgeld bereit.


Zur Vortragsreihe:

Die Jabłonowski-Vorlesung wurde 2013 auf Initiative des Polnischen Instituts Berlin – Filiale Leipzig in Zusammenarbeit mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Warschau) und der Societas Jablonoviana e.V. ins Leben gerufen. Sie findet jährlich am 11. November statt, dem polnischen Nationalfeiertag anlässlich der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens 1918. Im Rahmen der Jabłonowski-Vorlesung werden die neusten Entwicklungen und Innnovationen in den polnischen Natur- und Geisteswissenschaften vorgestellt. Sie erinnern an den polnischen Fürsten und Wissenschaftsmäzen Józef Aleksander Jabłonowski (1711–1777), der sich 1768 in Leipzig niederließ. Die von ihm initiierte Societas Jablonoviana nahm 1769 ihre Tätigkeit auf und erhielt 1774 ihre offizielle Bestätigung. Die Gesellschaft schrieb Wettbewerbe für wissenschaftliche Arbeiten zur polnischen und slawischen Geschichte sowie zu Mathematik, Physik und Ökonomie aus. Sie unterstützte zudem die Einrichtung einer Professur für slawische Sprachen an der Universität Leipzig. Diese wurde 1870 mit August Leskien besetzt. Seine Ernennung zum ordentlichen Professor für slawische Philologie im Jahr 1876 bildet den historischen Bezugspunkt des diesjährigen Jubiläums. Polnisch hatte Linde an der Universität bereits Ende des 18. Jahrhunderts unterrichtet.


Veranstalter: Societas Jablonoviana e. V. in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig und dem und dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Programmflyer als PDF (600 KB)
Info:
societas-jablonoviana.eu
Eintritt: frei
Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

 

Titelfoto: Prof. Dr. Bogusław Dybaś © Andrzej Romański

 


Programm des Polnischen Instituts:

Światłoczuła / Photosensitive. Das Licht in deinen Augen
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Film Programm
Camillo, Handwerk 13, 02826 Görlitz
Viktor Witkowski: Borderlands
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Ausstellung Programm
Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
PolDok: Moje własne słowa / In My Words
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Diskussion Film Programm
Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
PolDok: Der Rhein fließt ins Mittelmeer
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Diskussion Film Programm
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