Regisseur, Kurator und Film-Experte Kornel Miglus im Gespräch mit Rainer Mende (Polnisches Institut, Filmreferent und Ko-Kurator von filmPOLSKA)
Wer sich mit dem polnischen Kino beschäftigt, hat auch eine Meinung zu Andrzej Wajda. Der Regisseur und sein Werk sind so omnipräsent, dass man kaum an ihm vorbeikommt. Ob es um die Verarbeitung des Zweiten Weltkriegs geht, ästhetische Experimente, die Verfilmung von Literaturklassikern, das Aufbegehren gegen die kommunistischen Machthaber oder opulente Historienfilme – Wajda schuf Referenzwerke.
Doch nicht jeder von Wajdas Filmen ist ein Klassiker und durch ihre enorme stilistische und inhaltliche Bandbreite wird sich kaum jemand finden, der/die sein gesamtes Œuvre ausnahmslos als Meisterwerk einstuft. Mehr noch: Fast jede*r Filmkenner*in scheint einen anderen Lieblingsfilm zu haben.
Zwei Cineasten verschiedener Generationen aus Polen und Deutschland arbeiten sich gemeinsam in Wort und Bild durch Wajdas Gesamtwerk und nähern sich in Anekdoten, fachlichen Einschätzungen und emotionalen Plädoyers dem Meister der Bilder. Das Publikum ist herzlich eingeladen, sich zu beteiligen und über „seinen Wajda“ zu sprechen.
Andrzej Wajda wurde am 6. März 1926 in Suwałki geboren, wo er auch seine Kindheit und frühe Jugend verlebte. Die Kriegsjahre verbrachte er in Radom. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Wajda Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Kraków und anschließend Regie an der neu gegründeten Filmhochschule in Łódź. In über 60 Jahren vielseitiger kreativer Tätigkeit, die auch Dokumentarfilme, Fernsehproduktionen, Theaterstücke, Zeichnungen, Gemälde und Drehbücher hervorbrachte, drehte Wajda über 40 Langspielfilme. Viele davon werden heute zu den Meilensteinen des polnischen und internationalen Kinos gezählt.

Kornel Miglus
Der Regisseur und Kulturmanager Kornel Miglus (geb. 1957) studierte Philosophie, Linguistik und Psychologie in Polen, den USA und in Deutschland. Er erstellte Filmprogramme für Radio Multikulti, hielt Vorlesungen an der Humboldt-Universität und arbeitet seit vielen Jahren als Referent für Film im Polnischen Institut Berlin. Dort rief er das größte polnische Festival im Ausland filmPOLSKA ins Leben, das er bis 2023 leitete. Darüber hinaus gründete er die Produktionsfirma Vacant Filmpool und drehte diverse Dokumentar- und Experimentalfilme.
Vorher findet um 18:30 Uhr der Multimedia-Vortrag „Wajda und andere. Geschichte im polnischen Film“ statt.
TV-Tipp: Ab 1. März ist in der arte-Mediathek „Asche und Diamant“ zu sehen, am 4. März um 20:15 Uhr zeigt der Sender „Das Massaker von Katyn“.
Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig
Info: https://instytutpolski.pl/leipzig/2025/12/31/andrzej-wajda-jahr-2026
Eintritt: frei
Ort: Polnisches Institut, Markt 10. 04109 Leipzig
Foto © Kamil Krajewski