10.09.2026 Musik, Programm Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

Lipiński Quartet & Monika Kruk: Mendelssohn Kontexte 🗺

LEIPZIG / 18:00 / Werke von Mendelssohn Bartholdy, Weinberg und Laks

Monika Kruk (Klavier)

Lipiński Quartet:
Karolina Podorska (1. Geige)
Magdalena Ziarkowska-Kołacka (2. Geige)
Agnieszka Żyniewicz (Bratsche)
Marcin Misiak (Violoncello)

Das Programm des Konzerts zeigt drei äußerst persönliche Facetten der Kammermusik des 19. und 20. Jahrhunderts. Obwohl die Werke in unterschiedlichen Epochen und unter verschiedenen Umständen entstanden sind, verbindet sie die Intensität der Emotionen sowie die außergewöhnliche Fähigkeit, individuelle Erfahrungen in die universelle Sprache der Musik zu übersetzen.

Die Kombination dieser drei Kompositionen erzählt eine Geschichte von Erinnerung, Verlust und der Kraft des menschlichen Geistes. Von Mendelssohn Bartholdys romantischer Elegie über Weinbergs spannungsreiche und nachdenkliche Musik bis hin zu Laks‘ subtiler, von innerer Ausgeglichenheit geprägter Sprache zeigt das Programm, wie persönliche Erfahrungen der Komponisten zur Quelle von Werken mit zeitloser Wirkungskraft werden können. Die kammermusikalische Besetzung schränkt den Ausdruck hier nicht ein – im Gegenteil, sie ermöglicht eine außergewöhnliche Aufrichtigkeit.

Programm:

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Streichquartett Nr. 6 f-moll op. 80 

Szymon Laks (1901–1983)
Klavierquintett

Mieczysław Weinberg (1919–1996)
Streichtrio

Den Auftakt des Abends bildet das 6. Streichquartett in f-Moll op. 80 von Felix Mendelssohn Bartholdy – das letzte vollendete Kammermusikwerk des Komponisten. Es entstand 1847, kurz nach dem plötzlichen Tod seiner geliebten Schwester Fanny, die für Mendelssohn Bartholdy nicht nur seine engste Vertraute, sondern auch eine herausragende Pianistin und Komponistin war. Im Gegensatz zu den früheren Quartetten des Komponisten strahlt das Quartett op. 80 Dramatik, Unruhe und heftige Kontraste aus. Es ist eine musikalische Aufzeichnung von Trauer, Schmerz und innerer Zerrissenheit, die als eines der ergreifendsten Werke im Schaffen des Komponisten gilt.

Das Schaffen von Mieczysław Wejnberg, einem der herausragendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, nimmt  erst in den letzten Jahrzehnten den ihm gebührenden Platz im weltweiten Repertoire ein. In Weinbergs Musik verflechten sich Einflüsse der jüdischen, russischen und mitteleuropäischen Tradition, und seine persönlichen Erfahrungen mit Krieg, Emigration und dem Verlust seiner Liebsten spiegeln sich in der tiefen Ausdruckskraft seiner Werke wider. Sein Streichtrio besticht durch seine meisterhafte Komposition, seinen reichhaltigen Klang sowie seine außergewöhnliche Ausdruckskraft und führt die Zuhörer*innen von Momenten intimer Besinnung hin zu dramatisch spannungsgeladenen Höhepunkten.

Den Abschluss des Konzerts bildet das Klavierquintett von Szymon Laks – einem Komponisten, Dirigenten und Schriftsteller, dessen Leben von den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und seiner Zeit im Konzentrationslager Auschwitz geprägt wurde. Obwohl sich sein Schaffen nicht direkt auf seine Kriegserlebnisse bezieht, zeichnet es sich durch eine außergewöhnliche Klarheit der Form sowie eine subtile Verbindung der französischen Tradition mit polnischer melodischer Sensibilität aus. Sein Klavierquintett ist ein Beispiel für Laks‘ reifen Stil – voller Lyrik, rhythmischer Energie und raffinierter kammermusikalischer Erzählkunst, in der jedes Instrument seine eigene, individuelle Stimme behält.


Das Lipiński Quartet ist ein Streichquartett, das der Musikakademie in Wrocław verbunden ist, deren Namenspatron Karol Lipiński ist – ein herausragender polnischer Geiger, Komponist und Kammermusiker des 19. Jahrhunderts, der lange Zeit in Dresden wirkte. Robert Schumann widmete ihm das Werk „Carneval“, Niccolo Paganni würdigte Lipiński als „zweitbesten Geiger der Welt“.

Die Musiker*innen des Lipiński Quartet verbindet die Leidenschaft für die Aufführung von Kammermusik, aber auch eine rege Solist*innen- und Lehrtätigkeit. Sie sind Preisträger*innen renommierter Wettbewerbe und nehmen aktiv an zahlreichen internationalen Festivals teil, darunter das Edinburgh International Festival, der Warschauer Herbst, die „Verrückten Tage der Musik“, das Vevey Spring Classic, das Felix-Mendelssohn-Kammermusikfestival in Duszniki sowie Wratislavia Cantans. Die Musiker*innen sind zudem im renommierten Ensemble NFM Orkiestra Leopoldinum vereint, das in einer der bedeutendsten Musikstätten Europas – dem Nationalen Musikforum in Wrocław (Narodowe Forum Muzyczne Wrocław) – tätig ist.

Monika Kruk

Die Pianistin Monika Kruk absolvierte die Karol-Lipiński-Musikhochschule in Wrocław und vertiefte ihre Ausbildung durch das Vokalcoachingprofil. Sie studierte in der Klavierklasse von Michał Szczepański und Kammermusik bei Magdalena Blum. Weiterhin absolvierte sie ein Aufbaustudium in Liedgestaltung in Warschau. Sie erspielte sich zahlreiche Stipendien und Preise bei Wettbewerben und traf auf Musikerinnen wie Jerzy Marchwiński, Olga Pasiecznik, Jadwiga Rappé, Stephen Drury, Esther de Bros, Ubaldo Fabbri und Ronan O’Hora. Mit Aleksandra Kubas-Kruk (Sopran) und Anna Bernacka (Mezzosopran) wirkte sie an der Ersteinspielung der Lieder von Mieczysław Weinberg zu Texten von Julian Tuwim und Adam Mickiewicz mit: „Weinberg (un)discovered“ (DUX, 2023). Diese Aufnahme brachte ihr die Nominierung für den renommierten polnischen Musikpreis „Fryderyk“ ein. Mit Michał Marcol (Violine) und Krzysztof Karpeta (Violoncello) spielte sie als Weltpremiere Kammermusik von Paul Caro ein (SPMK Records, 2023). Sie konzertiert als Kammermusikerin in Polen wie im Ausland und initiiert Aufnahmen von Musik zu Texten polnischer Lyriker*innen. Für ihre jüngste Aufnahme mit Werken polnischer Komponisten für Oboe und Klavier erhielt sie große Anerkennung in Polen und im Ausland. 2019 erhielt sie ihren künstlerischen Doktortitel. Sie arbeitet an der Karol-Lipiński-Musikhochschule in Wrocław in den Bereichen Kammermusik und Korrepetition.

Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig

Info: amuz.wroc.pl/en/academy/ensembles/lipinski-quartet
Eintritt: frei
Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

 

 

Foto Lipiński Quartet © Łukasz Rajchert

 


Programm des Polnischen Instituts:

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