20.03.2026 Diskussion, Literatur, Programm Messegelände, Forum offene Gesellschaft, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

Facts & Fiction – literarische Stimmen aus Europa 🗺

LEIPZIG / 10:30 / Gespräch im Weimarer Dreieck mit Dorota Masłowska (Polen), Delphine Minoui (Frankreich) und Dmitrij Kapitelman (Deutschland)

Leipzig liest polnische Literatur zur Leipziger Buchmesse 2026


Moderation: Shila Behjat (Journalistin, arte)

Während Kritiker*innen der zeitgenössischen Literatur eine „Krise der Fiktion“ diagnostizieren – geprägt von Autofiktion und realitätsnahen Erzählungen, die sich auf Kriminalfälle, echte Begebenheiten oder historische Stoffe stützen –, erlebt unsere Gesellschaft gewissermaßen das Gegenteil: eine Krise der Wirklichkeit. Das schwindende Vertrauen in die Medien, Wissenschaft und Institutionen erzeugt den Eindruck, in einer Welt zu leben, in der alternative Realitäten und nebulöse Wahrheiten plötzlich ebenso viel Gewicht haben wie überprüfte Fakten. Drei europäische Autor*innen, die auf eine Laufbahn in der Literatur und/oder im journalistischen Schreiben zurückblicken, gehen gemeinsam der Frage nach, was sich heute im Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Fiktion abspielt.

Dorota Masłowska wurde 1983 im polnischen Wejherowo geboren. Ihr Debütroman „Schneeweiß und Russenrot“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. 2019 erschien ihr Roman „Andere Leute“, 2022 folgte „Bowie in Warschau“ – „ein kurzweiliges, raffiniertes Buch voller Leidenschaft, Humor und Wahrheit über das ewig komplizierte Menschsein“ (WDR). 2020 erhielt Masłowska den Samuel-Bogumił-Linde-Preis. Ihre Bühnenstücke werden auch in Deutschland aufgeführt. Masłowska, die auch als Rapperin und DJ reüssiert, lebt mit ihrer Tochter in Warschau. Im Januar 2026 erschien bei Rowohlt ihr neuer Roman „Im Paradies“.

Delphine Minoui ist Auslandskorrespondentin für Le Figaro, hat lange im Iran gelebt und berichtet seit 25 Jahren über das Geschehen im Nahen und Mittleren Osten. 2006 wurde sie für eine Artikelserie über den Irak und den Iran mit dem Prix Albert-Londres ausgezeichnet. Ihre reportageähnlichen Erzählungen „Je vous écris de Tehéran“ (Ich schreibe Ihnen aus Teheran) und „Die geheime Bibliothek von Daraya. Über die Macht der Bücher in Zeiten des Krieges“ (Grand Prix des Lectrices ELLE 2018) waren in Frankreich große Erfolge und wurden in etwa ein Dutzend Sprachen übersetzt. 2023 erhielt sie für ihren ersten Roman „L’Alphabet du silence“ (Das Alphabet der Stille) den Prix Constantinople. 2026 wurde sie für ihre Arbeit als Journalistin und Autorin vom französischen Präsidenten in den Stand einer Ritterin der Ehrenlegion erhoben. Ihr Roman „Badjens“ (dt. 2025 im Orlanda Verlag) ist für den Prix PREMIERE 2026 nominiert.

Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kyjiw geboren, kam im Alter von acht Jahren als Kontingentflüchtling mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute arbeitet er als freier Journalist. 2016 erschien sein erstes, erfolgreiches Buch „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“, für das er den Klaus-Michael Kühne-Preis gewann. 2021 folgte „Eine Formalie in Kiew“, für das er mit dem Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet wurde. Sein jüngster Roman „Russische Spezialitäten“ war 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig, Institut français Deutschland und arte

Info: institutfrancais.de, rowohlt.de/autor/dorota-maslowska-22274, orlanda.de/product/badjens-roman, hanser-literaturverlage.de/personen/dmitrij-kapitelman-p-1168
Eintritt: www.buchmesse-leipzig.de
Ort: Messegelände, Forum offene Gesellschaft, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

 

Foto: Dorota Masłowska © Paweł Kocan

 


Programm des Polnischen Instituts:

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