15. Deutscher Slavistiktag: Herausforderung Zukunft 🗺
Mit einer Auftaktveranstaltung am 30. September 2026 beginnt in Jena der 15. Deutsche Slavistiktag, der größte Kongress der deutschsprachigen Slavistik, der seit 1964 an wechselnden Orten ausgerichtet wird. Die zentrale Fachtagung der deutschsprachigen Slavistik bringt Forschende aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern zusammen. Vertreten sind Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft, Linguistik sowie Fachdidaktik. Der Kongress zählt zu den wichtigsten regelmäßigen wissenschaftlichen Treffen des Fachs im deutschsprachigen Raum.
Das Programm widmet sich aktuellen Entwicklungen in den slawischen Sprachen und Kulturen sowie Fragen von Erinnerung, Krieg, gesellschaftlichem Wandel, Mehrsprachigkeit, Literatur, Film und digitalen Medien. Polnische Themen bilden einen sichtbaren Teil des Programms: Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit polnischer Gegenwartsliteratur und Literaturgeschichtsschreibung, Maria Janion und Joanna Tokarska-Bakir, dem Kino der moralischen Unruhe, Erinnerungskultur und zeitgenössischem Film. Weitere Vorträge behandeln die polnische Sprache, Mehrsprachigkeit, Übersetzung und die Didaktik des Polnischen. Ergänzt wird das wissenschaftliche Programm durch Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, eine Lesung und weitere Kulturveranstaltungen.
Programm (Auswahl):
Donnerstag, 1. Oktober 2026
Anna Artwinska: Politische Verantwortung, Gender und intellektuelle Öffentlichkeit. Maria Janion und Joanna Tokarska-Bakir als kritische Stimmen im Polen des 20. und 21. Jahrhunderts
Bernard Brehmer / Ramona Teresa Plitt: Polnisch als Herkunftssprache in Deutschland – Einblicke aus einer soziolinguistischen Survey-Studie (Polski.Kompass)
Stefan Heck / Tanja Anstatt: Herkunftssprachlicher Unterricht Polnisch in Nordrhein-Westfalen: Motivationen, Erfahrungen und Wünsche von Jugendlichen und Eltern. Eine qualitative Interview Studie
Ewa Krauss Translationsorientierter Polnischunterricht an der Hochschule
Ewelina Woźniak-Wrzesińska: Vom Karton zum Hashtag: Lexikalisierung und Rekontextualisierung von Slogans des Gesamtpolnischen Frauenstreiks 2020/21 im digitalen Protestdiskurs
Lydia Mattick / Lenka Scholze: Virilität in der obersorbischen Umgangssprache und im Polnischen in Deutschland – Ergebnisse eines Reformulierungsexperiments
Karolina Zuchewicz: Die typisch untypischen Einbettungsmuster im Polnischen
Julia Golbek: Leżać na wątrobie und serdce ne ležit. Zur Analyse von konzeptuellen Metaphern in Somatismen
Karoline Thaidigsmann: Wie schreibt man im 21. Jahrhundert eine Literaturgeschichte? Das Beispiel polnische Gegenwartsliteratur
Wiktoria Janecko: In der Suche nach einem ›positiven Mythos‹: Anna Walentynowicz als ambivalente Ikone der »Solidarność«-Bewegung
Christian Zehnder: Von der Arbeit zum Charisma. Kijowski, Wajda und die Allegorie des Dirigenten
Jens Herlth: »Erstes, zweites Programm … alles werde ich schauen!« Fernsehen im Kino der moralischen Unruhe
Michał Mrugalski: Traum und Enttäuschung in Agnieszka Hollands Gorączka und im Kino der moralischen Unruhe
Mateusz Kurkowski: The contemporary image of the Polish-Lithuanian Commonwealth in computer games based on selected cases
Monika Bednarczuk: Polnische Autor*innen und das Paranormale in Zeiten des Kommunismus: Personen, Themen und Strategien
Freitag, 2. Oktober 2026
Edyta Jurkiewicz-Rohrbacher / Jerzy Gaszewski: Wie viele Fazilitive hat das Polnische?
Imke Mendoza: Standardisierungsprozesse im Polnischen während der Zeit der Teilungen
Victoria Steinfeld-Lidzbarski: Zwischen Input und Output – ist Adaptation alles? Dialektale Variation im deutsch-polnischen Lehnkontakt
Małgorzata Szajbel-Keck: Normierte Neutralität? Sprachpolitik und Diskursdynamiken nach der Novellierung des polnischen Arbeitsrechts
Simeon Dekker: Die Rezeption einer polnischen polemischen Schrift im Moskau der 1640er-Jahre: Der Fall des Kasjan Sakowicz
Fabian Trau: Das Drama des Fragens. Mäeutik und Formkrise im polnischen Drama um 1900
Marianna Leonova: Eingefangene Zeit. Raum-Zeit Struktur in Stanisław Lems Roman Solaris und Andrej Tarkovskijs gleichnamigem Film
Gudrun Heidemann: Shoah. Erinnern mit Zukunftswissen in polnischen Geschichtscomics
Konstanty Kuzma: Von Eisenstein zum zeitgenössischen polnischen Film: Ästhetik politischer Legitimation im revolutionären Kino
Krystyna Wierzbicka-Trwoga: Die Identifizierung der Vorlage der polnischen Übersetzung von Kaiser Octavianus
Agata Czaja: Methodologische Aspekte der postkolonialen Analyse der Pariser Vorlesungen von Adam Mickiewicz
Katarzyna Grzywka-Kolago: Immer in die Zukunft schauen … Zu Oskar Kolbergs Konzeption der Auseinandersetzung mit der polnischen Volkskultur
Oleksandr Chertenko: Colonizing by Traveling: Polish Literature on the War in Ukraine Since 2014 / Kolonisierung durch Reisen: Polnische Literatur zum Krieg in der Ukraine seit 2014
Samstag, 3. Oktober 2026
Tim-Robin Rösler-Bartsch: Mehr als Kleinigkeiten? Diminution im Polnischen und Niederländischen vor dem Hintergrund des Deutschen
Eva Hückmann: Aus dem Exil, zurück zu Ruinen. Jiddische Kriegs- und Nachkriegsgedichte polnischer Juden
Jakub M. Zygalski: Feuilletonistisches Schreiben über Polen 1933 bis 1939 in der konservativen Schlesischen Zeitung aus Breslau
Schamma Schahadat: Czesław Miłosz – Räume übersetzen
Veranstalter: Verband der deutschen Slavistik
Lokale Organisation: Institut für Slawistik und Kaukasusstudien der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tagungsprogramm als PDF
Info: https://www.gw.uni-jena.de/52778/programm-und-termine, https://slavistik.org/slavistiktag/
Ort: Friedrich-Schiller-Universität, Carl-Zeiss-Str. 3, 07743 Jena