9.11.2022 Programmarchiv Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

ABGESAGT: Gombrowicz. Norwid. Neu auf Deutsch 🗺

LEIPZIG / Rolf Fieguth liest aus Gombrowiczs „Ferdydurke“ und aus Norwids „Quidam“

Die Veranstaltung muss leider auf einen späteren Termin verschoben werden.

Moderation: Bernd Karwen (Polnisches Institut)

2022 ist in Polen zum „Jahr der Romantik“ erkoren worden. Zur polnischen Literaturgeschichte gehört die tiefe Verehrung dieser literarischen Epoche ebenso wie die kritische Auseinandersetzung mit dieser Tradition, nicht zuletzt durch Witold Gombrowicz.

Cyprian Kamil Norwid gehört neben Adam Mickiewicz, Zygmunt Krasiński und Juliusz Słowacki zu den bedeutendsten Dichtern des polnischen 19. Jahrhunderts. Sein Para-Roman „Quidam“ (1863, lat. „Irgendwer“) ist eine rare Perle polnischer Erzählkunst in Versen, sprachgewitzt und bildkräftig. Ein fremder junger Dichter sucht die Wahrheit im Zentrum der Welt, Hadrians spätantikem Rom. Er erlebt das Scheitern von Freundschaft und Liebe, die Sinnleere griechischer Philosophie und die Brüchigkeit der religionsgefärbten Machtdemonstrationen des Kaisers Hadrian. Angesichts des jüdischen Bar-Kochba-Aufstands (132–135) verfällt Kaiser Hadrian in hysterischen Staatsterror. In dieser Atmosphäre wird der junge Dichter ermordet, bevor er mit dem im Volk bereits verbreiteten frühen Christentum in Kontakt kommt. Reizvoll ist der Kontrast der detailreichen Schilderungen spätantiker Lebenswelt und der subtilen Ausblicke auf die Brüche der Eisenbahn-Moderne des 19. Jahrhunderts und auf die Probleme des seinerzeit von drei Gottesgnaden-Monarchen unterworfenen Polens.

Ergänzt wird der Abend durch Einblicke in die Neuübersetzung von Witold Gombrowiczs Roman „Ferdydurke“,  der auch einen humorvollen und kritischen Blick auf die Romantik-Rezeption enthält – neben einigen Einsichten zur Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft, die bis heute absolut lesenswert sind.

Rolf Fieguth (geb. 1941 in Berlin) studierte Slavistik und Osteuropäische Geschichte in Berlin und München. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Warschau (1969/1970) und Moskau (1975/76). 1967–1979 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz, hier habilitierte er sich 1976. 1980–1983 lehrte er an der Universität Amsterdam und der FU Berlin. 1983–2007 war er ordentlicher Professor an der Universität Freiburg/Schweiz, 1983–1993 zugleich Direktor des Slavischen Seminars Bern. In den letzten Jahren befasst er sich vor allem mit polnischer und europäischer Lyrik des 16. bis 20. Jahrhunderts. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übersetzt Fieguth wissenschaftliche und literarische Texte aus dem Russischen (Formalisten, Gedichte von Iosif Brodskij), Polnischen (vor allem Witold Gombrowicz und Cyprian Norwid, darüber hinaus Roman Ingarden, Strukturalisten, Bolesław Prus, Henryk Sienkiewicz, Aleksander Świętochowski, Wacław Berent und Bolesław Leśmian) sowie neuerdings auch aus dem Französischen (zusammen mit Hilde Fieguth – Corinna Bille und Maurice Chappaz).

Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig

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Info:
rolf.fieguth.ch, www.frank-timme.de/de/programm/produkt/quidam, kampaverlag.ch/witold-gombrowicz-ferdydurke
Eintritt: frei
Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig

 

 


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